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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-04-02 · Heft 14 (2.4.1909) · p. Seite 158

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 14 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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nächsten Jahr") eröffnet uns zum Schlüsse der Feier, die glorreiche Aussicht aus den unbegrenzten Fortschritt des Menschengeschlechts, die in der Erlösung Israels aus Aegypten einen so erinnerungs- und hoffnungsvollen Mittelpunkt feiert. . Das ist unser Passahsest, und so soll es bleiben, bis einst das große Passah der ganzen Menschheit anbricht! Die Woche. ' Berlin, 30. März, ie Reden anläßlich der Debatte über die jüdischen Soldaten im Reichstag haben natürlich in den Blättern, je nach der Parteiftellung, verschiedenartige Beurteilung erfahren. Selbst die „Germania" sagt: „Es wird darauf ankommen, welche praktischen Wirkungen _bie Erklärungen des Ministers haben werden. In seinem Ausspruche: ,Jch halte es einfach für einen Akt der Gerechtigkeit, daß man einen jungen Mann, auch wenn er Jude ist, wenn er sonst tüchtig ist und im übrigen geeignet, auch zum Reserveoffizier machen soll/ legen die Vorkämpfer für die Gleichberechtigung der Juden den Ton auf die Worte »auch wenn er Jude ist". Wenn nun aber die Offizierkorps bei der Wahl von Reserveoffizieren den Ton auf die Worte ,wenn er sonst tüchtig ist und im übrigen geeignet", legen, so find wir genau so weit wie vorher. Denn man kann jeden Juden ausschließen mit der Begründung, daß er zum Offizier nicht geeignet sei. Wir sind gegen die Ausnahmebehandlung der Juden, aber wir fürchten, daß es in der Armee einstweilen noch dabei bleiben wird, .ebenso wie es trotz aller schönen Worte des Ministers bei der ganz handgreiflichen Bevorzugung des Adels bleibt." Nur der „Deutschen Tageszeitung" allein war es Vorbehalten, einen Artikel zu bringen, der an die schlimmsten Zeiten des Radau-Antisemitismus von Ahlwardt und Pückler erinnert, und der sich sogar bis Zn dem Satze versteigt: „Die ganze Frage würde übrigens gegenstandslos sein, wenn man sich entschließen wollte, dem Gedanken näherzutreten, ob es nicht zweckmäßig sei, die israelitischen Mitbürger überhaupt vom Heeresdienste zu befreien." Was soll man dazil sagen? Und lohnt es sich, auf Herausforderungen zu anworten, wie etwa die, daß die Namen Drehfus und Ulmo „untrennbar seien von der Frage nach der jüdischen Qualifikation zum Osfiziersrange?" Derartiges - muß nur niedriger gehängt werden. Wir haben von dem Zugeständnis des Kriegsministers, das diese antisemitische Emeute verursachte, nicht viel Aufhebens gemacht, weil es einfach selbstverständlich sein sollte. Zum andern aber, weil wir leider mit gutem Grunde bezweifeln, daß es entsprechende Früchte tragen wird. Solange im Offizierkorps kein anderer Geist herrscht, als jener, der einem gewissen Antisemitismus huldigt, wird die Praxis in dieser Frage Nicht anders ausfallen. Und dieser gesellschaftliche Antisemitismus ist ein Stück jener, den Anschauungen des liberalen Bürgertums entgegengesetzten Weltanschauung, zu deren Beseitigung man eben nicht die Macht hat. Dafür leistet uns einen Beweis jener Artikel. der „Deutschen Tageszeitung", der kurz und bündig die Forderung ausstellt, ein Jude dürfe nicht Vorgesetzter der christlich-deutschen Soldaten fein. Ist es auch Wahnsinn und konservative Unverfrorenheit, diese die Verfassung verhöhnende Forderung aufzustellen, so weiß das genannte Blatt doch auch gleich die Methode anzugeben, wie dieser Forderung Erfüllung gegeben werden könne. Das Blatt, schreibt nämlich: ' ~ „Jedenfalls werden die in Betracht kommenden Offiziere und Osfizierkorps auch in Zukunft sehr sorgsam zu Prüfen haben, ob ein. israelitischer Mitbürger, der den Wunsch hegt, Offizier zu werden, auch sonst .tüchtig und im übrigen geeignet" ist. Diese Prüfung darf sich nicht nur auf die militärischen Fähigkeiten und Eigenschaften beziehen, sondern ganz besonders darauf, ob der Anwärter das Zeug und den Takt hat, Vorgesetzter christlich-deutscher Soldaten zu sein." Im Zusammenhang mit dem früheren Satz, ein Jude dürfe nicht Vorgesetzter „christlich-deutscher Soldaten" sein, — heißt das nichts anderes, als daß die „Deutsche Tageszeitung" die in Betracht kommenden Offiziere anreizt, einfach gegen den vom Kriegsminister ausgestellten und geforderten Grundsatz zu handeln. fr „ Aus Rußland erhalten wir von unserem ^.^ ^.-Korrespondenten folgende interessante Mitteilungen: In einer der letzten Sitzungen der Reichsduma hielt der bekannte liberale Deputierte R.oditschew, bei der Behandlung der Azewschen Affäre, folgende Rede über die Entstehung der Pogrome: „Es gibt ein Aktenstück, das der zukünftige Geschichtsschreiber unserer Zeit gewiß benutzen wird. Der Regierung ist es bekannt, wie es auch jenen Deputierten bekannt ist, die so leicht Mitteilungen von der Schutzabteilung erhalten. Ich würde derselben raten, vorsichtiger in der Frage des Transports von Gewehren zu sein und die Frage zu beantworten, woher dies stammt. Es. ist für niemanden ein Geheimnis, daß nach dem Manifeste des 17. Oktober (1905) vor einem Jahre, oder wenigstens vor einem halben Jahre/eine provisorische Organisation, eine sogenannte Konterdemonstration ins Leben gerufen wurde. Sie wurde von der Behörde organisiert, und fing nach dem 17. Oktober an. (Ein Ruf von der Rechten: „Es ist eine Lüge beweisen Sie dies!") Ich kann es beweisen. Der Präsident: Bitte nicht zu stören. Roditschew fährt fort: „Ich glaube nicht, daß der gegenwärtige Ministerpräsident ausschließlich die Verantwortung auf sich nehmen könnte für die Pogrome, die unter seiner Verwaltung stattfanden; ich bin überzeugt, daß er dieselben nicht wünschte, aber er. war entschieden nicht imstande» dieselben zu verhindern: er war machtlos, mit jener Organisation zu ringen, welche Wurzel faßte, sowohl im Ministerium des Innern, als in den Schutzabteilungen der Städte des westlichen und südwestlichen Gouvernements. Ich erinnere Sie daran, daß noch im Monat Dezember das Petersburger Bezirksgericht festsetzte, daß ein Gendarmerieoffizier vor dem Rabbiner sich rühmte: „Wenn Sie dies und jenes nicht tun werden, so werde ich Ihnen hier ein Sedlec veranstalten!" Ich erinnere Sie daran, daß zu der Zeit, als der Minister des Innern, sein Angesicht zu Europa wendend, sagte, daß er über dieses Ereignis — den Pogrom in Sedlec — habe geweint, das Ministeriurn des Innern Rapporteempfing über die Urheber des Sedlecer Pogroms: in derselben Zeit wurde der Befehl vorbereitet, denjenigen zu danken, unter deren Schutz der Pogrom stattfand." (Beifallklatschen von der linken Seite.) Eine Stimme rechts: „Der Pogrom war eine Antwort auf die jüdische Revolution!" Von nicht geringerem Interesse ist eine Rede, die der DePutierteNisselowitsch bald daraufin derDmna gehattenhat. Derselbe sagte: Mir liegt die Pflicht ob, zwei Rednern zu anworten. Ich dachte nicht daran, daß ich gezwungen sein würde, dem Vertreter des konstitutionellen Zentrums zu anworten, aber daß was geschehen ist, öffnet die Augen für jene Beschränkungen, die wir namentlich von dem sogenannten konstitutionellen Zentrum zu erwarten haben. Man erhebt gegen uns die Beschuldigung, daß es keine russische Revolution war, sondern, daß es bloß eine jüdische Revolution gab; ich hörte dies vom Deputierten Schuljin und gestehe, daß ich in meinen Augen gewachsen bin; ich dachte: Ist wirklich die große Freiheitsbewegung, die ganz Rußland umfaßte, bloß die Tat meiner Glaubensgenossen? Aber ich glaube, zur Ehre des russischen Volkes

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