Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-03-26 · Heft 13 (26.3.1909) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228852-3228866--65434-3277558
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

7Z. Jahrgang. Nr. 13. > , Berlin, 26. März 1909. Veilsse zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums". lkorrelpondm?en und Machrichten. Deutschland. s. Berlin, 21. März. Ein nachahmenswertes Beispiel hat der Israelitische Frau en-Unterstützun gsverein gegeben. Nachdem derselbe in mehr als 25 jähriger ernster Arbeit nicht nur seine Existenzberechtigung, sondern auch seine Lebensfähigkeit bewiesen, will er. stets mit der Zeit fortschreitend, um aus ihrer Höhe zu stehenseinen Mitgliedern und. Freunden, die sich der allgemeinen Bewegung gegen die Wohltätigkeitsfeste zuwenden, Gelegenheit geben, den neuen Forderungen nachzuleben. Der Vorstand hat deshalb in diesem Jahre von einem Wohltätigkeitsfeste Abstand genommen und sendet seinen Mitgliedern diesmal keine Billets sondern nur die herzliche Bitte: „Wenden Sie uns freundlichst einen Teil dessen zu, was Sie uns für das Wohltätigkeitsfest spenden würden!" Die Mitglieder werden um eine Spende in beliebiger Höhe von einer Mark aufwärts gebeten. Es würde dann möglich sein, auch ohne den Zwang eines groben Festes, das Zeit, Kräfte und Mittel verschlingt, den Armen unvermindert die Wohltat rechtzeitiger ergiebiger Hilfe gewähren zu können. Zuwendungen sind zu richten au die Vorstandsdamen Frau Fanny Arndt, stellvertretende Vorsitzende, Calvinstraße 2; Frau Sophie Grätz, stellvertretende Schriftführerin, Pestalozzistraße 4; Frau Clara Jordan, stellvertretende Rendantin, Neue Winterfeldstraße 9. Gleichzeitig möchten wir darauf aufmerksam machen, daß der „Israelitische Frauenverein" die einzige jüdische Stelle ist, die nach Art der evangelischen Diakonissen eine Krankenschwester besoldet, die zur vorübergehenden Hilfe in die Häuser gesandt wird. Ihre Tätigkeit besteht darin, dauernd Kranke umzubetten, Packungen, Massage, Einspritzungen, Verbünde zu machen usw., Ueberführungen in Heilanstalten zu veranlassen und zu überwachen. Meldungen sind zu richten an Frau Henriette May, Königgrätzer Straße 97/98. 8. Berlin, 22.März. Das Komitee für Chanukahbescherung sagt in üblicher Weise den gütigen Spendern, welche ihm die Mittel gewährten, zu Chanukah armen Kommunalfchülern die notwendigsten Kleidungsstücke und Lehrmittel zu bescheren, innigsten Dank für das ihm wiederum bewiesene Vertrauen und legt zugleich Bericht über seine Tätigkeit ab. Es gingen ein 18700.10 Mark und viele wertvolle Textilstoffe, Kleidungsstücke, Spielzeug und andere Gegenstände.. Es wurden verausgabt 21076.28 Mark. 698 Familien mit 1383 Kindern wurden berücksichtigt, 21 Kinder mußten abgewiesen werden. Für die übrigen 1383 Kinder wurden durchschnittlich je 15.24 Mark der wendet. Für diesen Betrag erhielt fast jedes Kind Kleidung, Stiesel und Wäsche nach Maß gefertigt. 3. Berlin, 23. März. Seines Amtes als Fortbildungsschullehrer vorläufig enthoben ist der Lehrer Holz, über dessen parteiisches Auftreten im Unterricht in der Bürgerkunde der sozialdemokratische Stadtverordnete Adolf Hoffmann in der letzten Sitzung der Stadtverordneten Mitteilung machte. Gegen Holz ist wegen des angeführten Vorkommnisses und wegen des von ihm gebilligten, die städtischen Behörden beleidigenden Schüleraufsatzes eine Untersuchung eingeleitet. Lehrer Holz war bei der letzten Reichslagswahl antisemitischer Kandidat, blieb aber in der Minderheit. ----Kolberg, 21. März. .Das jü dische Kur Hospital veröffentlicht, den 34. Jahresbericht. Der Niedergang des wirtschaftlichen Erwerbslebens und die fortdauernde allgemeine Teuerung sämtlicher Bedürfnisse haben die Einnahmen während der Badezeit und die einmaligen Zuwendungen nicht unerheblich beeinflußt, während die lausenden Jahresbeiträge gestiegen sind. Einschließlich des Kaffenbestandes von 2840 Mark, betrugen die .Gesamteinnahmen 43 029 Mark, davon Mitgliederbeiträge 33 295, Spenden 2434, Kapitalzuwendungen 7300 Mark Die Ausgaben beliefen sich auf 28163 Mark; das Kapitalvermögen hat die Höhe von 173100 Mark, erreicht. Das Grundstück der Anstalt steht mit 232 258, das Inventar mit 38 290 zu Buch, so daß / das Gesamtvermögen sich auf 443 648 Mark beziffert. Das vom 24. Mai bis 80. September geöffnete Kurhospital hat während dieser Zeit 454 Pfleglinge beherbergt, 195 männliche, 259 weibliche, 214 Erwachsene. 241 Kinder. 316 wurden in Freistellen ausgenommen, 138 zahlten einen größeren oder geringeren Teil der Selbstkosten (30 bis 60 Mark). Die Zahl der Verpflegungstage betrug 15 481, von denen 1634 auf das angestellte Hauptpersonal entfielen. Die erzielten Erfolge waren recht befriedigend; wie der Anstaltsarzt, Herr Dr. Heinrichsdorff, mitteilt, sind 213 Pfleglinge als geheilt, 238 als gebessert und nur 13 ohne Erfolg entlassen worden. Kp. Aus der Provinz Posen, im März. Der kürzlich in Schönlanke verstorbene Kaufmann Selig Rosenstrauch hat der dortigen Synagogengemeinde 800 Mark vermacht. — Kantor Mischkowski in Schönlanke ist nach Thorn und Kantor Lepidas in Znin nach Schönlanke berufen worden. — In den Dörfern und den Städten des Kreises Witkowo geht die Zahl der Juden auffallend zurück. In Schwarzenau waren vor zehn Jahren noch 15 jüdische Familien vorhanden, die aber jetzt bis auf 7 zurückgegangen sind. In Powidz ist die jüdische Gemeinde vor einem halben Jahre aufgelöst worden, weil nur noch eine jüdische Familie dort wohnt. Schon vor drei Jahren wurde die israelitische Gemeinde in Mieltschin aufgelöst. Dort lebt nur noch eine jüdische Person, eine Ortsarme. Beide Gemeinden sind der Gemeinde Witkowo zugeteilt worden, die durch die Ueberweisungen keine Vorteile, sondern durch Uebernahme neuer Lasten nur Nachteile hat. Aus Zydowo, das früher Stadt war, ist kürzlich der letzte jüdische Bewohner weggezogen. — In Posen wurde zum unbesoldeten Stadtrat an Stelle des Stadtrats Nazary Kantorowicz, der sein Amt vor kurzem niedergelegt hat, der Stadtverordnete Dr. Orgler mit 32 Stimmen gewählt. — Oberbürgermeister Dr. Wilms hat dem in Berlin verstorbenen Rentier Gustav Kronthal folgenden Nachruf gewidmet: „Am 1. d. M. ist in Berlin ein Mann gestorben, der sich um die Stadt Posen große Verdienste erworben hat. Er hat seinerzeit, als er noch in Posen wohnte,, sein lebhaftes Interesse für soziale und Kunstfragen bekundet. Nachdem er Posen verlassen hatte, hat er die Liebe für seine Vaterstadt weiter bewahrt. Ich erinnere Sie nur an seine Zuwendungen zur Beschaffung von Bildwerken und für den Brunnen, oer vor dem Provinzialständehause errichtet wird. Leider ist es ihm nicht mehr vergönnt, der Enthüllung des Brunnens beizuwohnen. Wir dürfen dem Verstorbenen den Dank für seine hochherzigen Spenden aussprechen und die Versicherung hinzufügen, daß wir des Mannes gern und immer gedenken werden." Breslau, 21. März. Der Stadtrat Hugo Milch ist im Alter von 73 Jahren hier gestorben. Er war Direktor der Schlesischen Bodenkreditbank seit Begründung der Bank, Aufsichtsratsmitglied mehrerer erster Aktiengesellschaften. Mitglied des Provinziallandtages, Ehrenmitglied der Gesellschaft für vaterländische Kultur und Inhaber vieler Ehrenämter. Seit 1865 war er auch Kurator der Fränkelschen Stiftungen und hat dem hiesigen jüdisch-theologischen Seminarseine besondere Teilnahme zugewendet. Ehre seinem Andenken! 8. Chemnitz, 17. März. Das. zehnte Stiftungsfest des hiesigen Synagogen-Cho rvereins fand am 7. d. M. statt. Es wurde, von einer ernsten Feier eingeleitet. Ein von Herrn Lehrer Nathaw : verfaßter und von Fräulein Abrahamsohn gesprochener Prolog . wies auf Entstehung und Zweck des Vereins hin und leitete zu einem lebenden Bilde über, das die Kunst und die Gottesweisheit dar-'.' stellend von einem ernsten Sologesang des Herrn Kantor Goldberg begleitet würde. Darauf wandte sich der erste Vorsitzende des Vorstandskollegiums Herr L. Ladewig mit Worten herzlichen Dankes' an den Chorverein und seine Begründer und Leiter Herrn Kantor Goldberg und Herrn M. Grünberg, indem er die zehnjährige Tätigkeit des Synagogenchor-Vereins zur Hebung der gottesdienstlichen Weihe lobend anerkannte und besonders darauf hinwies, daß der Synagogenchor-Verein als neutraler Boden religiös-künstlerischer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.