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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-03-19 · Heft 12 (19.3.1909) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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eingehenden Referat der letztgenannten Herren und nach einem mit einem zündenden Weckruf an die jüdische Jugend schließenden Vortrage des Herrn Rabbiners traten sofort etwa 100 Mitglieder dein Verein bei; eine angeregte Debatte gab schon an diesem ersten Abend, der die Jugend aller Kreise Danzigs vereint sah. davon Zeugnis, daß der jüdische Jugendverein eine Pflegestätte jüdischer und allgemeiner Bildung und ein Sammelpunkt aller derjenigen sein wird, denen eine bewußte Betätigung ihres Judentums am Herzen liegt. . Thor«,. 15. März. Wie alljährlich wurde auch in diesem Jahr am 7. Adar das Stiftungsfest des Israelitischen Krankenvereins gefeiert. Vorher fand der Gottesdienst in der Synagoge statt, bei welchem unser Rabbiner Dr. Rosenberg über unseren Gesetzgeber Moses sprach, und es wurden auch bei dieser Gelegenheit der im vergangenen Jahre verstorbenen bedeutenden Männer gedacht und ihr Andenken geehrt. Abends fand ein Festessen statt, zu welchem die tätigen Mitglieder des Vereins sowohl Männer wie Frauen, die das Beerdigungswesen im Ehrenamte ausführen, als Gäste eingeladen, waren. Der Vorsitzende, Herr Dr. Wolff begrüßte die Gäste sowie die zahlreich erschienenen Mitglieder des Vereins, gab einen Rechenschaftsbericht über das abgelausene Jahr und dankte am Schlüsse den tätigen Mitgliedern für ihre opferwillige Dienste, die sie dem Verein leisten. Es sprachen ferner die Herren Rabbiner Dr. Rosenberg, Professor Dr. HorowiA S. Wiener und M. Kaliski und brachten dabei Toaste auf den Verein, auf die Gemeinde und auf die tätigen Mitglieder aus. Das Fest nahm einen sehr anregenden und würdigen Verlauf. x. Lissa, 14. März. In bewundernswerter körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische beging gestern Hauptlehrer a. D. Herbst in hiesiger Stadt die Feier seines 70. Geburtstages. Diese jugendliche Rüstigkeit und Frische hob auch Rabbiner Dr. Bäck in seiner Gratulationsansprache hervor, der er die Worte: „Nahar hojissi gam sokanti“ zugrunde legte. Sie läßt hoffen und erwarten, daß die Arbeit des Hauptlehrers Herbst für Gemeinde, Schule, Lehrerschaft und — the last not least — für die jüdische Wissenschaft noch reiche Früchte tragen wird. Sein Geist ist zu rege, sein Interesse zu vielseitig, als daß er schon die Hände in den Schoß legen und feiern könnte. Für ihn gilt auch im 70. Lebensjahre noch mit ungeminderter Kraft das Wort des Terenz: „Homo sum, humani nihil a me alienum puto“. Dementsprechend kam denn auch die Wertschätzung, deren fick Hauptlehrer Herbst erfreut, in zahlreichen Gratulationen und sinnigen Widmungen aus Stadt und Gemeinde, seitens des Gemeinde- und Schulvorstandes, des Literaturvereins, der Raphael-Kosch-Loge usw. zum Ausdruck. Hauptlehrer Herbst ist Vorsitzender des Vereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen und Vorstandsmitglied des Lehrerverbandes. Auch in diesen Eigenschaften war er Gegenstand herzlicher Beglückwünschung und innigen Dankes für seine jahrelange unermüdliche Tätigkeit zum Wohle der Schule und der Lehrerschaft. Sein Schwiegersohn, Rabbiner Dr. Golinski aus Pilsen, war herbeigeeilt, um an der schönen Feier mit teilzunehmen. Möge es dem allverehrten Hauptlehrer Herbst vergönnt sein, noch viele Jahre im Kreise seiner Familie zum Besten der Allgemeinheit und insbesondere aller jüdischen Interessen zu wirken. >. Glatz, 10. März. Unsere Gemeinde hat durch den plötzlichen. Tod des früheren Brauereibesitzers Nathan Airnmermann einen schweren Verlust erlitten. Ueber 30 Jahre zum Teil dem Vorstande und der Repräsentantenversammlung angehöread, hat er mit wahrhafter Frömmigkeit und in versöhnlichem Geiste zum Wohle der Gemeinde gewirkt. 26 Jahre war er Leiter unserer Obewra Kadischali und seit dem Jahre 1876 Stadtverordneter. Bei dem Begräbnis beteiligten sich alle Schichten der Bevölkerung, so daß der Friedhof die Zahl der'Trauernden nicht fassen konnte. Am Grabe sprach der treue Freund des Verstorbenen, Prediger Löwenstein, tiefempfundene Worte des Abschiedes und des Trostes. --- Hannover, 14. März. Die A. und F. Simonsche Stiftung zu Hannover (Hansahaus) vermittelt seit einiger Zeit jungen Israeliten, die sich der Landwirtschaft zuwenden wollen, Lehrstellen. Die Nachfrage nach solchen Stellen wird allmählich erfreulich rege. Auch befinden sich unter den stellesuchenden jungen Leuten solche aus begüterten Familien. Die Simonsche Stiftung prüft jeden einzelnen ihr vorgelegten Fall genau, sowohl mit Rücksicht auf die Verhältnisse des Gutes, auf dem der junge Mann beschäftigt werden soll, als auch in Bezug auf die persönlichen Verhältnisse des Stellesuchenden, erteilt im einzelnen Falle Ratschläge' über die Form der Ausbildung und unterstützt Mittellose unter Umständen durch Beihilfen.. Erfreulicherweise finden sich neuerdings auch mehr jüdische Gutsbesitzer bereit, junge Glaubensgenossen zur Ausbildung auf ihren Betrieben aufzunehmen. Eine Rundfrage von Dr. Katz, des Syndikus der Stiftung, bei etwa 100 größeren jüdischen Grundbesitzern der Ostprovinzen hat ergeben, daß hier noch manche Stellen für landwirtschaftliche Ausbildung vergeben werden können. Daneben sind besonders in mustergültigen kleineren Betrieben im Großherzogtum Baden junge Leute untergebracht worden. Hierbei hat sich die hochherzige und uneigennützige Förderung dieser ' Bestrebungen seitens eines hohen badischen Regierungsbeamten als ganz besonders nutzbringend erwiesen. In Steinhorst (Kreis Isenhagen, Provinz Hannover) wo die mit Hilfe der Simonschen Stiftung errichtete Land- und Lehrguts-Gesellschaft ein eigenes Lehrgut für jüdische junge Leute angekauft hat, kann vom Herbst 1909 ab mit der Einstellung von Zöglingen begonnen werden. Es ist ratsam, daß jüdische Eltern, die Söhne nach Steinhorst schicken wollen, sich möglichst frühzeitig melden, da der Andrang sehr stark sein wird, und es für die Stiftung von Wert ist, die Qualität des sich aubietenden Zöglingsmaterials möglichst bald überschauen zu können. Für alle Stellenvermittlungsbestrebungen der Simonschen Stiftung auf dem Gebiet der Landwirtschaft gilt der Grundsatz, daß nur körperlich, intellektuell und moralisch ein wan dsfreie junge Leute berücksichtigt werden können. Gesterretch-Ltnssm. □ Wien, 15. März. Der Organisationsausschuß des Allgemeinen österreichischen israelitischen Gemeindebundes hat wieder etwas von sich hören lassen. Der Entwurf eines Verbandsstatuts wurde von den Herren Dr. Sonnenschein (Troppau) und Dr. Fiala (Brünn) ausgearbeitet. Der einleitende Bericht führt aus, es müsse dem Zustand ein Ende gemacht werden, daß staatliche und autonome Behörden über die Köpfe der Kultusvorstände hinweg, ohne ihr Vorgehen mit jüdischer Sitte oder jüdischen Gesetzesvorschriften in Einklang zu bringen, in allen jüdischen Angelegenheiten nach Gutdünken entscheiden. Die Neutralität des Gemeindebundes in allen Fragen der innern Gemeindeverwaltung, insbesondere in rituellen Fragen, sowie die Unverletzlichkeit und Unantastbarkeit der Autonomie der Einzelgemeinden werden mit großem Nachdruck hervorgehoben. Der Statutenentwurf bringt die Schaffung von acht Landesverbänden in Vorschlag (von je einem für Niederösterreich, Mähren, Schlesien,Böhmen, die Bukowina und die Alpenländer mit Triest und von zwei Landesverbänden für Galizien). Die höchste Institution des Gemeindebundes ist der Gemeindelag oder die Bundesversammlung. Jede Gemeinde mit wenigstens zehn Kultuswählern entsendet einen Delegierten zum Bundestag. Größere Gemeinden können durch mehrere Delegierte vertreten sein, wobei ein Vertreter auf 300 Wühler entfällt. Eine Wahlbestimmung verrät das deutliche Bestreben, „Ueberraschungen" von der Art, wie sie sich beim letzten Gemeindetag ereignet hatten, vorzubeugen. Der Entwurf enthält nämlich die Bestimmung, daß nur Mitglieder der Kultusvorstände als Delegierte zu den Bundestagen entsendet werden können. Dieser Beschluß gilt schon für den nächsten Bundestag, der für den 27. April nach Wien einberusen wurde. Die Delegierten werden von den Kultusvorständen für drei Jahre gewählt. Ter Bundestag wählt eine Bundesleitung und einen Oberrat sowie Sonderausschüsse, die die dem Oberrat mit Rat zur Seite stehen. Jeder Landesverband entsendet je fünf Vertreter in die Bundesleitung für sechs Jahre. Dies sind die Grundznge des Statutenentwurfs, der dem bevorstehenden Gemeindetag zur endgültigen Beschlußfassung unterbreitet werden soll. Die Mitglieder der Kultusvorstände Lemberg und Krakau sind leider der Sitzung des Organisationsausschusses serngeblieben und erhoben Einspruch gegen die Bildung des Bundes. Es ist aber trotzdem

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