Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1909)
- Date
- 1909-03-19
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Vsn Msh und jfrrn. — Der Privatdozent an der Freien Universität Brüssel, Ingenieur Dr. Robert Goldschmidt, ein Schwiegersohn des Herrn General--, konsuls Franz Philippson, wurde zum wissenschaftlichen Assistenten an dem neuerrichteten, unter Professor Nernsts Leitung stehenden thermodynamischen Laboratorium an der Berliner Universität ernannt. — Der Rechtsanwalt und Notar, Justizrat Jakob Pincus hat den Roten Adlerorden 4. Klasse erhalten. — Dem früheren beigeordneten Bürgermeister der Stadt Köln, Dr. Josef Rosenthal, Hierselbst, ist der Charakter als Geheimer Regierungsrat verliehen worden. — Generalkonsul Martin Burchardt ist am 14. d. M. im 62. Lebensjahre gestorben. — In Posen wurde an Stelle des verstorbenen Juftizrat Salz Justizrat Placzek mit 40 von 43 abgegebenen Stimmen zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt. — Zum Leiter des neuen israelitischen Erziehungsheims in Breslau ist dex Lehrer Raphael Plaut in Sohrau, Oberschlesien, gewählt worden. — In Dresden ist am 14. d. M. Herr Adolf Salzburg, eines der angesehensten Mitglieder der dortigen Gemeinde, seit vielen Jahren im Vorstand derselben, nach langen Leiden gestorben, -r Eine Anzahl in Minden i. W. beschäftigter jüdischer Zigarettenarbeiter, die niemandem lästig fielen und in ehrlicher Arbeit ihr karges Brot verdienten, sind wieder mit dreiwöchiger Frist ausgewiesen worden. Gesuche um Fristverlängerung wurden abschlägig beschieden.. fg^pipgippil ' " * - > > '"vmP: sicher zu erwartendaß der Gemeindebünd mit Zustimmung desL j überwiegenden Teiles der jüdischen Gemeinden Galiziens zustande.! '.kommen wird. — Der Präsident der Wiener israelitischen'Kultus- I gemeinde und des ^Allgemeinen. Oesterreichischen Israelitischen^^ Bundes" Dr. Alfred Stern hat im Einvernehmen mit den jüdischen j Abgeordneten des österreichischen Reichsrates und den Vorständen der [ Kultusgemeindtzn der, eiuzclnen Landeshauptstädte Oesterreichs eine, Aktion eingeleitet, um die drohende Außerachtlassung der Gleichberechtigung der Juden in Bosnien abwehren zu können. In einer Konferenz wurde bei der Bildung der Wahlkurien die Idee angeregt-, daß man eine gleiche Aktion auch in Ungarn anrege. Dr. Alfred Stern wendete sich im Sinne dieses Beschlusses an den Präsidenten der israelitischen Landeskanzlei Dr. Moriz Mezei und den Präsidenten der Budapester israelitischen Kultusgemeinde Hofrat Dr. Philipp' Weinmann, mit der Bitte, dieselben motzen sich sowohl bei .den jüdischen Abgeordneten des ungarischen Reichstages., als bei. anderen maßgebenden Persönlichkeiten der ungarischen Gesellschaft für die einzuleitende Bewegung einsetzen. Die genannten Herren setzten sich sofort mit dem Referenten des ungarischen Ännexionsausschusses Hosrat Dr. Samuel Visontai, ebenfalls Jude, ins Einvernehmen. Von einer vom Präsidenten des österreichischen Gemeindebundes vorgeschlagenen gemeinsamen Konferenz in Budapest wurde aus politischen Gründen Abstand genommen, gleichzeitig erklärten die Budapester jüdischen Kreise, daß man dort nichts versäumen werdet um die Gleichberechtigung der Juden in Bosnien und der Herzegowina durchzusetzen. In diesem Sinne hatte der genannte .Abgeordnete "eine einstündige Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Dr. ' Alexander Wekerle, der über die Sache beruhigende Versicherungen gab. Der Intervention des Präsidenten des Gemeindebundes Dr. Alfred Stern istes auch zu danken, daß die Sephardim und Aschkenasim in Bosnien sich bei Aufrechterhaltung ihrer Sonderheiten im Ritus jetzt zu gemeinsamem Schutze der Rechte der JudeA vereinigt haben, und daß demzufolge außer dem Spaniolen Jesua Sitalom auch der Präsident der aschkenasischen Kultusgemeinde in Serajewo, Dr. Rothkopf, zu der von der Regierung einberufenen «Enquete heran gezogen wurde. lVergleiche die Woche fc) In Frankfurt a. M. ist Hern Jacob Pos en. der Chef der bekannten Silberwarenfabrik LazarusPosen- Wien im 57. Lebensjahre gestorben.. Derselbe war allgemein geachtet und beliebt. Er hat. es verstanden, das Geschäft und die Fabrik aus kleinen Anfängen heraus zu einer Firma ersten Ranges zu erheben, aus deren Atelier Kunstwerke von hohem Wert hervorgegangen sind. — Die Gemeinde Z weibrücken kommt nicht zur Ruhe. Jetzt haben die Mitglieder des Gemeindeausschusses, auf Grund eines Buches gegen den Rabbiner Dr. Meyer wegen Beleidigung geklagt. Die Klage ist aus formalen Gründen zurückgewiesen worden, da sie als verjährt angesehen wurde. — Seit der Emanzipation 1806 ist jetzt der erste Jude im Kanton Aargau als Generalsrat gewählt worden, nämlich der Rechtsanwalt Dr. Arnold Bollag in Baden. — Dr. L. 'S. Ornstein würde zum außerordentlichen Professor für theoretische Physik an der Reichsuniversität Groningen ernannt. — Bei den letzten französischen Wahlen hatte der Radikalsozialist Professor Levy- U l l m a n n die besten Aussichten, unterlag, jedoch im zweiten Wahlgänge, . weil einige Hundert Radikale lieber für den Klerikalen, als für den Juden stimmten. (Genau wie bei uns!) — Der französischen Gesamtakademie (Institut äs Kranes) gehören jetzt zehn Juden an: vier, Michael Breal, Salomon Reinach, Theodor Reinach uyd Henry Weil, der Akademie der Inschriften usw., drei, Michel Levy, Maurice Levy und Gabriel Lippmann, der Akademie der Wissenschaften, zwei, Lyon-Caen und H. Bergson, der Akademie der moralischen und politischen Wissenschaften, einer, Baron Edmund v. Rothschild, der Akademie der schönen Künste. — Die Leichenfeier für Baron Horace Günzburg hat am 10. März in Paris unter großer Beteiligung der 'angesehensten Kreise stattgefünden. Rabbiner Israel Lävi und der Großrabbiner von Frankreich sprachen am Sarge. Eine der ersten Beileidskundgebungen war ein Telegramm des Größherzogs von Hessen an die Familie des Verstorbenen. — In Petersburg wird jetzt eine neue judenfeindliche Organisation gebildet. Ihre Gründer sind: Purischkewitsch,.Markow, Dr. Dubrowin, der Herausgeber der „NowojaWremja". Suworin und Menschikow — alles bewährte Helden des „echten Russentums". Der neue Verband soll das russische Volk vor der „jüdischen Exploitation" schützen, gegen die jüdische Presse kämpfen und Mittel zur Beförderung der Juden nach Palästina suchen. — Die Haupt» Verwaltung des Russischen Volksvereins hat an den heiligen Synod eine Eingabe gerichtet mit dem Ersuchen, den Zaren um Abschaffung de8 Manifestes wegen Religionsfreiheit zu bitten. — Oskar S. Straus, der bisherige Staatssekretär im Ministerium Roosevelt, ist zum Gesandten der Vereinigten Staaten in Japan ernannt worden. — Nach langen Verhandlungen ist die jüdische Gemeinde von New Aork am 6. d. M. konstituiert worden. Dieselbe umfaßt eine Million jüdische Einwohner von New Hork. — Bei der nächsten Wahl eines Bürgermeisters von Groß-NewYork werden sich zwei jüdischeKandidaten gegenüberstehen: Nathan Strauß, den die demokratische, und Adolf Lewisohn. den die republikanische Partei vorschlägt. — Der bekannte Richter Mayer Sulzberger in Philadelphia hat die Berufung an den obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten abgelehnt. — Dr.' S. Le v i n, rüher Prediger in Wilna und Duma-Abgeordneter, hat in den letzten Wochen Amerika bereist, um dort einflußreiche Kreise für bäs Projekt eines jüdischen Technikums in Haifa zu interessieren. Dies ist ihm auch in erfreulicher Weise gelungen. Der Ertrag seiner Sammlungen beträgt 600000 Franken. Dadurch ist auch die Errichtung der Anstalt gesichert. — Eine Gruppe amerikanischer Juden, unter anderem auch der bekannte Philantrop Josef Feltz aus Philadelphia, haben umfangreiche Ländereien im nördlichen Cicuagna, Mexiko, zur Ansiedlung der in anderen Staaten verfolgten Juden, angekauft. Man -beabsichtigt, aus Rußland allein über 25000 Juden dorthin überzuführen. Die nächsten Abfahrten von Post-, und Passagierdampfern der Hamburg - Amerika - Linie finden statt: Nach New York: 20/3. Postdampfer „Amerika", 27/3. „Cleveland", 4/4. „President Grant", 8/4. „Kaiserin Auguste Victoria", 11/4. „Pennsylvania", 15/4. Schnellpostdampfer ,> Deutschland", 18/4. Postdampfer „President Lincoln". Nach Boston: 31/3. Postdampfer -.Artemisia". Nach Baltimore: 31/3. Postdampfer „Artemisia". Nach Philadelphiar 23/3. -Postdampfer „Albano". Nach Westindien: 22/3. Postdarnpser „Mecklenburg", 22/3. „Caledonia", 1 /4. „Patagoni a".- Nach Mexiko : 28/3. Postdampser „Allemannia". Nach Ostafienr 30,3, Postdampfer „Silvia", 6/4. „Sithonia". Nach Wladiwostok: 30/3. Postdampfer „Strathord", 5/4. „Harlech". Arabifch-Perfischer Dienst: 27/3. Postdampser „Lydia". ■■ - -