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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-03-19 · Heft 12 (19.3.1909) · p. Seite 144

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
Seite 144 (sequence 12)
Language
German
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Literarische Mittriluntzm. - — Ewige Weisheit. Spruchpoesie des Talmud und der rabbinischen. Literatur nebst Fabeln, Parabeln und Sagen derselben, übersetzt.von Max Weinberg, Halle a. S., Verlag von Otto Hendel. Wir haben in dem vorliegenden Buche eine reichhaltige Sammlung talmudischer Spruchweisheit nebst Fabeln, Parabeln und Sagen desselben, eine wirkliche Bereicherung unserer talmudischen Uebersetzungsliteratur, ein Buch, das unseren jüdischen Literatur- und Geschichtsvereinen, sowie für Schule- Gemeinde- und Hausbibliotheken, nicht minder auch für Schulprämien und Geschenkzwecke auf das Wärmste empfohlen werden kann. Für den Wert des Buches sprechen wohl am beredtesten die nachstehenden beiden Briefe des Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher-Berlin, sowie des Herrn Professor Dr. August Wünsche-Dresden, zweier Männer, die wohl wie wenige berufen sind, ein Büch wie das vorliegende zu beurteilen. Herr Dr. Eschelbacher schreibt: „Sehr geehrter Herr Weinberg! , Bereits vor einiger Ztzit hörte ich, daß Ihre poetische Bearbeitung talmudischer Sprüche erschienen sei, und ich fand, als ich sie in die Hand bekam, den Eindruck bestätigt, den ich sogleich bei Ihren ersten mündlichen Mitteilungen hatte, daß hier eine vorzügliche Leistung und ein Meisterwerk der Uebersetzungskunst vorliege. Derjenige, der die Sprüche im Original kennt, wird mit Freude finden, wie gut der Gedanke im einzelnen erfaßt ist, und derjenige, der die Uebersetzung liest, wird mit dem Spruche selbst die schöne, scharsgeschliffene und kräftig sich einprägende Fassung bewundern, die Sie für ihm gefunden haben. Ich habe schon mehrfach auf dieses Schatzkästlein kerniger Gedanken und Erfahrungen aufmerksam gemacht und zu Geschenkzwecken empfohlen, und denke, daß es auch zu Schulprämien für reifere Schüler zahlreiches Verwendung finden wird. Mit Vergnügen habe ich nun auch das schöne Gewand be- ' wundert, in das es gekleidet ist usw." Das Schreiben des bekannten Midrafchforschers und Uebersetzers , Professor Dr August Wünsche lautet: Sehr geehrter Herr! 3hre Spruchpoesie des Talmud Hatteich mir schon angeschafft, bevor noch dieselbe als liebenswürdige Geschenkgabe bei mir einging. Ich habe das Büchlein ganz durchgelesen und kann Ihnen nun von Herzen gratulieren. Was Ihre Sammlung vor allen anderen auszeichnet, besteht darin, daß Sie es verstanden haben, die alten Gedanken ins Moderne zu rücken, ohne ihnen das ihnen charakteristische Kolorit abzustreifen. So haben wir alte Volksweisheit in modernem, anziehendem Gewände. Ist Ihnen die Umformung schon bei den Sprüchen und Sentenzen im höchsten Maße gelungen, so trifft das noch mehr zu bei den Fabeln, Parabeln und Erzählungen. Sie haben diesen ein Gewand angezogen, das sie geeignet erscheinen läßt, in volkstümliche Lehrbücher überzugehen. Ich wünsche, daß Ihr Buch in recht viele Hände kommt, damit die Welt, besonders die christliche, erkennt, welche literarische Schätze der in den letzten Jahrzehnten so viel umstrittene und verlästerte Talmud auch nach der rein poetischen Seite enthält. Ein Buch, das so viel Schönes der Dichtkunst nach der einen Seite darbietet, ein Buch, das die Sünde als Ungehorsam gegen den Schöpfer fast auf jedem Blatte straft, sollte auf der änderen Seite dem Volke, das es geschaffen, gebietenzu lügen, zu betrügen, falsch zu schwören und wohl gar zu morden? Welcher Widersinn! welche Absurdität! Sehr schön wäre es, wenn Sie daran gehen möchten, einmal die rein religiösen und ethischen Gedanken des Talmud zu bearbeiten und sie in ein ähnliches Gewand zu kleiden usw. Hochachtungsvoll mit bestem Dank Ihr ergebenster; Prof. D. Dr. Aug. Wünsche. Wir können uns diesen Urteilen-kompetenter Fachmänner aus voller Ueberzeugung anschließen und den Vereinen für jüdische Geschichte und Literatur das treffliche und gut ausgestattete Merkchen angelegentlichst empfehlen. K. ■ * — S..Bachenhtei'mer: Sederabend inu Pensionat,-ein-Vörsspiel mit Gesang in zwei Aufzügen.Geestemünde 1909. Auf jüdischen .Lehrerversammlungen ist der geringe Erfolg des Religionsunterrichts in den letzten Jahren oft Gegenstand der Besprechung gewesen. Mam sucht nach Gründen dafür, sie sind nicht fern. . Der Rückgang religiösen. Lebens und Webens in unseren Familien trägt ganz gewiß eine Hauptschuld. Jugendgottesdienste und mancherlei religiöse Feiern, die man früher nicht kannte und brauchte, sollen nachhelfen. Ohne Zweifel ist durch sie hierund da schon etwas gebessert und bei manchem Kinde das dem Verlöschen nahe Fünkchen zur Flamme der Liebe fürs Judentum angeblasen worden. Für diesen Zweck ist auch das im Selbstverläge des Verfassers S. Bachenheimer-Geestemünde soeben erschienene Festspiel „Sederabend im Pensionat" freudig zu begrüßen. Es stellt inbezug auf Szenerie und Darstellung keine. allzugroßen Anforderungen; die Darstellung der zwei Aufzüge dürfte 20 bis 30 Minuten in Anspruch nehmen. Der Zuschauer wird in eine glückliche Familie geführt, über welcher ein warmer wohltuender Hauch religiösen Lebens äusgebreitet liegt; er hört die anheimelnden ergreifenden Melodien des Roäu und Li bnä am Sedertische singen, sieht wichtige Sederhandlungen vornehmen, .und bei wem noch nicht alles Gefühl für solche religiöse Handlungen erstorben ist, auf den muß die schlichte Darstellung erbauend wirken. Der Reim ist manchmal etwas gewaltsam heibeigezogen, doch kommt es nicht so sehr auf. den Kunstwert des Stückes als auf den erbauenden Inhalt an. Dieses halbstündige Spiel dürfte eindrucksvoller zu manchem unserer Kinder sprechen, das vielleicht alljährlich unter dem Weihnachtsbaume sitzt, aber niemals den warmen Hauch, eines Sederabends empfunden hat, als viele Stunden Religionsunterricht, in denen sich der Lehrer vergebens müht, die Bedeutung des Seder-, abends klar zu machen, von dem vielen Schülern leider jede Anschauung fehlt. 6. Sprrchlssl. Geehrter Herr Redakteur! 3n dem Leitartikel vom 26. Februar d. I. „Die Apologie des Judentums" heißt es am Schlüsse: „Unsere apologetische Tätigkeit hat sich somit in erster Reihe nach innen zu richten. Am wirksamsten kann sie nur werden durch Verbreitung gediegener Kenntnis des Judentums in allen Volksschichten." Nach dieser Richtung hin muß aber nach meiner Ansicht mit der Jugend, welche die oberen Klassen der höheren Lehranstalten besucht, der Anfang gemacht werden. Die Apologetik muß ein Lehrgegenstand sein, und die Schüler müssen befähigt werden, kurze Vorträge apologetischer Natur zu halten, wie dies mit gutem Erfolge am hiesigen Gymnasium bereits geschehen ist. Daß die Apologetik als Gegenstand des Religionsunterrichts gelten müsse, hat schon Dr. Eckstein-Bamberg in einem Artikel (Nummer 17 des Jahrganges 1907 dieser Zeitung) hervorgehoben. Er sagt dort: „Ein Jahrzehnt ist es jetzt gerade her, seitdem eine Kommission der Konferenz der bayerischen Rabbiner einen Lehrplan für den Religionsunterricht an Mittelschulen ausgearbeitet, in welchem auch der Apologetik eine besondere Stelle angewiesen ist im Religionsunterricht der Oberklasse des Gymnasiums. Meines Wissens ist dieser bei anderen Konfessionen längst eingeführte Gegenstand ein Novum im jüdischen Religionsunterricht." Diese Behauptung ist jedoch nicht richtig. Denn, wie deutlich aus dem Jahresberichte des Gymnasiums in Marienburg zu Ostern 1886 hervorgeht, habe ich in Prima und Sekunda bereits im Jahre 1885 Apologetik gelehrt. Wenn also nicht nachgewiesen wird, daß vor 1885 jemand die Apologetik als Lehrgegenstand eingeführt hat, darf ich wohl die Priorität für mich in Anspruch nehmen. Schwetz, den 3. März 1909. Ergebenst Dr. Viktor Nordheimer Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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