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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-03-05 · Heft 10 (5.3.1909) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 10 (5.3.1909)
Date
1909-03-05
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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verband ihn eine innige Freundschaft. Mit ihm ist tatsächlich ein Stück Alt-Breslau geschieden, eine Persönlichkeit, die unseren älteren Mitbürgern eine bekannte und vertraute Erscheinung war. Auch für jüdische Angelegenheiten hatte er ein warmes Herz. Er war Mitglied des Vorstandes im Verein zur Förderung der Interessen der Synagogen-Gemeinde Breslau und im Verein zur Speisung armer Israeliten. Ehre seinem Andenken! g. Rybnik, 28. Februar. Die hiesige Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum Veranstalteteam 7. d. M. ihren zweiten Vortrag, zu dem der größte Teil der Gemeinde sich eingefunden hatte. Herr Dr. Dienemann-Ratibor behandelte in einstündiger Rede das Thema „Die religiösen Bewegungen des 19. Jahrhunderts und Parteienbildungen -im Judentum". Die fesselnden Schilderungen fanden lebhaftes Interesse und verschafften den Zuhörern einen seltenen Genuß. Leider fehlt uns der Raum, uni den bedeutsamen Vortrag,-ber es wahrlich verdiente, in weitesten Kreisen Beachtung zu finden, auch Nur in kurzen Zügen skizzieren zu können. Wir können deshalb nur den Schluß zitieren: „Es kommt für uns wesentlich darauf an, unter der ungeheuren Summe von Werten, d ie z u unterstreichen und über die Schwelle des Bewußtseins zu heben, die in dem jeweilig lebenden Volksgefühl am meisten Widerhall finden. In diesem Prinzip scheinen auch die Richtlinien zu liegen, die de?; Arbeit der neugeschaffenen liberalen Vereinigung vorgezeichnet find; es heißt zunächst, alle Liberalen zu sammeln und aus Jndifferentismus zum Interesse am Religiösen zu bringen, es heißt, gesühlswarme Werte zu schaffen, denn nur solche erwecken religiöse Begeisterung." M. Hamburg, 2. März. Auf Veranlassung der Henry Jones- Loge fand hier eine Trauerfeier für Gustav Tuch statt. Außer den Familienangehörigen, Vertretern des Gemeindevorstandes, wohnten auch Deputationen der verschiedenen Institutionen der Feier bei. Ferner waren erschienen, der zu einem Besuche der deutschen Logen aus Chicago eingetroffene Präsident des Ordens U. O. B. B. Herr Adolf Kraus, die Vertreter der Großloge für Deutschland, die Herren Geh. Sanitätsrat Dr. Maretzki und Siegmund Bergel-Berlin, Delegierte der Logen aus allen Teilen des Reiches. In geordnetem Zuge begaben sich die-Brüder der Henry Jones-Loge in den Saal. Eingeleitet wurde die Feier durch den Vortrag der Mendelssohnschen Arie aus „Elias", „Siehe der Hüter Israels schläft und schlummert nicht." Hierauf nahm der Präsident der Henry Jones-Loge, Herr Alfred Lisser, das Wort zu einer kurzen Ansprache. Namens der Großloge für Deutschland hob Herr GeheimratDr. Maretzki die großen Verdienste hervor, die sich der verblichene Bruder um den gesamten Orden erworben habe. Er sei es gewesen, der immer und immer wieder zu sozialer Arbeit aufrief, und ihm sei es zu verdanken, daß die Großloge ein Komitee niedersetzte zur Bekämpfung des Mädchenhandels usw. In der Großloge werde-das Andenken an den Verstorbenen unvergänglich sein. Herr Siegmund Bergel richtete herzliche Worte des Trostes an die Angehörigen. Rabbiner Dr. Löwenthal entwarf dann nochmals ein getreues Bild des Ver"' blichenen im Verhältnis zu seinen Logenbrüdern und seiner Familie. Frl. Sidonie Werner betonte als Vertreterin des humanitären Frauenvereins, daß die Schilderung des Lebensbildes des Verstorbenen nicht vollkommen sei, wenn man nicht seiner Verdienste um die Entwicklung der jüdischen Frauenbewegung in Hamburg gedenken wollte. Seiner Initiative sei vor 15Jahren die Gründung des Israelitischen humanitären Frauenvereins, der die jüdischen Frauen in die Werke der Ethik und Barmherzigkeit einführen sollte, zu danken, und in jüngster Zeit war die Gründung des Heims für jüdische Mädchen sein eigenstes Werk. Als letzter Redner gedachte Herr Hermann Eumpertz der Wirksamkeit Gustav Tuchs im Vorstande des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur und wies auf die bedeutsamen Vorträge hin, die er noch vor wenigen Wochen gehalten hatte. Mit dem Vortrage des Geibelschen „Gebets" komponiert von Henle, „Herr, den ich tief im Herzen trage," fand die erhebende Feier ihren Abschluß.; . — Frankfurt a. M., 25. Februar. Der 15. Jahresbericht deS Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen für 1908 ist ausgegeben worden. Im Beginn des neuen Geschäftsjahres waren bereits 5 Schülerinnen in der Ausbildung begriffen, im Laufe des Jahres wurden noch 9 Schülerinnen aufgenommen, so daß im ganzen 14 Schülerinnen — eine bisher noch nicht erreichte Zahl — waren, von denen 13 im Israelitischen Gemeindehospital hier und eine im. Krankenhaus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg ausgebildet werden. Während im Berichtsjahre nur eine Schwester neu gewonnen wurde, schieden 4 Schwestern aus. Demgemäß ist die Zahl der Schwestern am Schluß des Berichtsjahres 28, also drei weniger als im Vorjahr. In Folge der auf l1/* Jahre festgesetzten Lehrzeit voll zieht sich die Zunahme der Schwestern nur langsam. Von diesen 26 Schwestern sind vorerst 16 für die Privatpflege bestimmt. Das Arbeitsfeld der Schwestern hat im Berichtsjahre keine Aenderung erfahren. Von 18 Schwestern, die jedoch wegen Vertretungen und Ferien usw. nicht sämtlich das ganze Jahr hindurch in der Privat? pflege tätig sein konnten, wurden im ganzen 181 (im Vorjahr 162) Pflegen geleistet und zwar ohne Unterschied der Konfession. Die Pflegen wurden geleistet unter der Aufsicht von 80 (im Vorjahr 75) verschiedenen Aerzten und erforderten im ganzen 3800 (im Vorjahr 3268) Pflegetage und 4J2 (im Vorjahr 336) völlige Nachtwachen. Die Tätigkeit der Armenschwester bewegte sich in denselben Bahnen wie in den vergangenen Jahren; ihre Hilfe wurde von 230 (im Vorjahr 232) Kranken in Anspruch genommen. Kranken gehörten 171' der israelitischen und 59 der christlichen Religion an. Ter Israelitische Wohltätigkeits-Verein in Heilbronn hatte ständig eine der Schwestern für seine Aufgaben zur Verfügung. Zu manchen Zeiten wurde die Arbeit für eine Schwester zu umfassend, und dann wurde noch eine zweite Schwester zur Unterstützung dem Verein überlassen. - Die Einnahmen des Vereins betrugen 35762.88 Mark, die Ausgaben 29085.98 Mark. Der- Vorstand besteht aus den Herren: Dr. med. S. Kirchheim, Vorsitzender; Stadtrat Emil Stiebel, stellvertr. Vors.; Philipp Schiff, Schriftführer; Eduard Cohen, Kassierer; Justizrat Dr. jur. Julius Blau; Dr. med. Adolf Deutsch; Julius Goldschmidt; Dr. med. Alfred Günzburg; Sally Löwenick. J. Frankfurt a. M., 2. März. Das Deutsch-Israelitische Kinderheim in Diez ist unstreitig eine der hervorragendsten Stätten, wo jüdische Mildtätigkeit und Wohltätigkeit fürsorgend waltet. In den lichtdurchfluteten Räumen des schönen und zweckmäßig eingerichteten Hauses, das, hoch am Waldrande gelegen, weit hinausfchaut in das gesegnete Tal des nassauischen Geländes, wird eine große Anzahl von Knaben unter sorgfältigster Aufsicht erzogen und zu einem menschenwürdigen, gottgefälligen Dasein herangebildet, die, ihren Kreisen überlassen, zum größten Teile sicherlich einem traurigen Schicksal verfallen wären. Waisen und Halbwaisen sind es nicht allein, die hier Aufnahme finden, auch solche, denen durch zerrüttete häusliche Verhältnisse die Erziehung fehlen würde, wie auch solche bedauernswerten Kinder, denen eine grausame Welt sehr oft wegen des Fehltritts der Mutter einen Makel anhaftet: hier finden sie alle eine Stätte der Liebe, unter der sie sich entfalten und zu einem heiteren Leben erblühen. Man sehe nur in ihre froh blickenden Augen, ihre von Gesundheit zeugenden rotwangigen Gesichter, und man wird seine Freude an ihnen haben, und man wird sich freuen, daß jüdische Wohltätigkeit hier eine ihrer schönsten Blüten entfaltet. Es ist ein glückliches Bewußtsein, an diesem Wohltätigkeitswerk sein Teil mitgearbeitet zu haben; sich aber dieses Glückes teilhaftig zu machen, dazu bedarf es für den einzelnen keiner großen Opfer. Mit dem wiederkehrenden Purimseste, das jüdischer Gedanke ja mit Wohltun am schönsten zu weihen glaubt, werden Kindermund und Kinderspruch bei ihren kleinen und großen Freunden um eine kleine Spende für das Kinderheim bitten, und die Kleinen werden gewiß nicht abgewiesen werden und mit leeren Händen abziehen müssen. Das Kinderheim erweist seine Wohltaten jüdischen verlassenen Kindern ganz Deutschlands, und so darf es auch wohl an die jüdischen Herzen ganz Deutschlands seine Bitte um Mithilfe an dem guten Werke richten. e. München, 1. März. In Bayern sind jetzt neue Bestimmungen über die Einweisung der Sträflinge in die Gesangenenanstalten in Kraft getreten, die auf eine Scheidung der Sträflinge nach Konfessionen abzielen. Das entspricht ja dem jetzt geltenden System. Die männlichen jüdischen Zuchthaussträflinge, sofern sie von rechtsrheinischen Gerichten abgeurteilt werden, kommen in das Zuchthaus Ebrach. Die in der Pfalz zu einer Zuchthaus-

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