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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-03-05 · Heft 10 (5.3.1909) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 10 (5.3.1909)
Date
1909-03-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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strafe verurteilten ru ärmlichen - Persönen weichen /den' betreffendenMb - teiluttgen der Strafanstalt Kaiser slcrutern Angewiesen. Die»tveib- - lichen; Zuchthaussträflinge jüdischer.Konfession kow men in -die S^rafanstatt Sulz b ach. Diein den Landesteileu rechts des Rheins zu Gefängnisstrafen: verurteilten Israeliten - werden in Zukunft der»Gesangenenanstalt St. Georgen-Bayreuth überwiesen, während sämtliche än der Pfalz zu Gefängnisstrafen verurteilten Personen in die Gefangenenanstalt Zwe ibrücken eingewiesen werden. Die jüdischen Personen rechts des Rheins, die eine Gefängnisstrafe in einer Gefangenenanstalt für Jugendliche zu erstehen haben, werden in die Strafanstalt Salzbach. eingeliefert. Militärische Sträflinge jüdischer Konfession, die von einem rechtsrheinischen - Militärstrafgericht eine Zuchthausstrafe zudiktiert erhalten, werden in das Zuchthaus Ebrach gebracht. Solche, die eine Gefängnisstrafe erhalten, kommen nach St. Georgen-Bayreuth. — Kempten, 2. März. Am 20. Juli 1908, als der Direktor der Filiale der Bayerischen Handelsbank, Ignaz Wolfsheimer, mit seiner Frau spazieren ging, trat plötzlich in der Kotternerstraße der Sägwerksbesitzerssohn -Josef Wiest auf ihn zu, lüftete den Hut und fragte, wie er (Wolfsheimer) dazu komme, so gegen'die Firma Ignaz Wiest vorzugehen. Als Wolfsheimer erwiderte, daß nicht er, sondern die Münchener Zentrale gegen die ■ Firma vorgehe, erhob Joseph Wiest die Hand und führte nach Wolfsheimer einen Schlag mit der Bemerkung:' „Hier haben' Sie die Quittung für Ihre Gemeinheit, Sie Saujude!" Der Direktor konnte den Schlag noch mit dem Arme abfcingen. (Das Geschäft des Vaters des Angeklagten, in Firma Ignaz Wiest, stand in einem Kontokorrentverhältnis mit der Handels bank-Filiale. Als die Firma im Jahre 1907 ihren Verpflichtungen trotz wiederholter Mahnungen/nicht nachkam, sah sich die Bank zum 'gerichtlichen Einschreiten veranlaßt.) Wegen des Vorganges am 20. Juli stellte Direktor Wolfsheimer Klage gegen Wiest wegen Beleidigung und leichter Körperverletzung, worauf die Staatsanwalt-' schaft von Ämtswegen die Verfolgung aufnahm. Das Schöffengericht am königlichen Amtsgericht Kempten verurteilte daraufhin den Wiest am 17. November 1908 zu zwei Wochen Gefängnis. Auf die von Amtsanwalt und Angeklagten eingelegten Berufungen hob die Strafkammer das erstrichterliche Urteil auf und erkannte auf eine ^Gefängnisstrafe von drei Monaten. In der Urteilsbegründung wurde das Vorgehen des Angeklagten gegenüber 'dem in jeder Beziehung tadellosen Verhalten des Direktors Wolfsheimer als roh Änd brutal bezeichnet. — Metz, 28. Februar. Einen höchst interessanten Abend verbrachte hie Gemeinde Wetz am vergangenen Montag. Herr Siegln u n d B e r g el aus Berlin hatte einen Vortrag angemeldet übeh die Juden des Westens und des Ostens. Der Ruf, der diesem bedeutenden Manne als einem treubewährten Sendboten 'des HilfsvereinsDer; deutschen Juden vorausgeht, hatte den größtenTeil der Metzer Gemeinde herbeigelockt, so daß in dem großen Saaledes Hotel^du Nord kaum ein Platz mehr zu finden war. Oberrabbiner DrMpttör begrüßte den geschätzten Redner im Namen der-Gemeinde ünd. gab den Gefühlen des Dankes einen Ausdruck, den die ganze- Judettheit diesem edlen Menschenfreunde schuldet für seine geradezu bewunderungswürdigen Leistungen im Dienste unserer unglücklichen Glaubensbrüder in den Ländern des Ostens. Mit größter Spannung lauschte alsdann die Versammlung den fesselnden Ausführungen des geschätzten Gastes, folgte ihm, hingerissen von seiner packenden Beredsamkeit, im Geiste auf seinem Pilgerzuge zu jenen Stätten des Elends^ wo Millionen unserer Glaubensbrüder in mittelalterlicher Finsternis schmachten, ohne Recht, und: Freiheit, ohne Brot und Obdach. Und gar manches Auge erglänzte, voll Rührung bei der Schilderung jeper Greueltaten von Kischinew und Homel, von denen Redner an Ort und Stelle sich ein Urteil gebildet. Kein Wunder, daß sein Appell an das jüdische Herz, das nicht versagen darf, wenn es gilt, den unglücklichen Opfern der Verfolgung zu Hilfe zu kommen, einen ganz begeisterten Widerhall gesundem derin der sofortigen Beitrittserklärung zum Hilfsverein zum Ausdruck gelangte. Der besondere Erfolg des Abends gipfelte wohl darin, daß ein nichtjüdischer Oberlehrer des Metzer Lyzeums^ einer Stimme-edler und reiner Menschlichkeit gehorchend, sich als Mitglied des Hilfsvereins der deutschen Juden anmeldete. - ^;:-T; * 'J-‘ Westerrttch-MiGsrn. < v' -• III Wien, 1. März. ' Das von t>em Verein zur -Abwehr 'des Antisemitismus, an den Kaiser gerichtete Gnadengesuch! für Leopold Hilsner ist von. dem. Amtsgericht in Pisek rnit derBegründung zurückgewiesen worden, daß. der Verein.zur Einreichung des Gnadengesuches nicht legitimiert sei. Wie zurzeit berichtet wurde, hat Advokat Dr. F. Elbogen im Namen der Mutter Hilsners ebenfalls ein Gnadengesuch eingereicht, dessen Erledigung noch nicht erfolgt ist. Es' ist sehr schade, daß nicht wenigstens in dieser Sache ein einmütiges Vorgehen beliebt würde, das doch sicher mehr Eindruck gemacht hätte als diese vereinzelten Gnadengesuche, noch dazu von' nicht zuständiger Seite. — Im Jahre 1908 sind hier 608 Personen aus dem Judentums aus getreten. Di'eseZiffer sollte den maßgebenden Kreisen zu denken geben. — Dem Präsidenten der Budapest er Börse und Mitglied des Äagnatenhauses, Sigmund Kornfeld, wurde in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste auf dem Gebiete der Volkswirtschaft der erbliche Baronstitel verliehen. Sigmund Kornfeld ist der Sohn des berühmten Talmudgelehrten R. Aron Kornfeld sel. Andenkens in Goltsch-Jenikaü (Böhmen). Er ist ein'begeisterter Jude, der an allen Angelegenheiten der Glaubensgemeinschaft ckebhästen Anteil nimmt. Kornfeld ist auch Kurator der ungarisch-israelitischen Landesrabbinerschule. — Am 19. d. M. wurden im Tempel dieser Näbbinerschule die Kandidaten Dr. Max- Drechsler, Dr. Andor Goldberger, Dr. Moses Junger und Dr. Benjamin Schwarz als Rabbiner promoviert. Ten feierlichen Akt der Einweihung vollzogen der Pros. Dr. Wilhelm Bacher und der Nagyvarader Oberrabbiner Dr. Leopold Kecskemöti. —' Der Oberst Simon Vogel ist in den Ruhestand mit dem Titel als Generalmajor getreten. Er ist ein glaubenstreuer Jude. — In Kutten-, plan (Böhmen) ist Dr. S. Ochser von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums einstimmig zum Rabbiner gewählt worden. Es ist interessant, daß das Nabbinat und der Tempel in dieser Gemeinde eine Stiftung des Grafen.von Berchem-Häinhausen ist, die von dem jeweiligen Majoratserben erhalten werden muß. Mn Wh und Fern. — Der verdienstvolle Pathologe, Privatdozent Dr, Ludwig Pick, gegenwärtig Prosektor am Friedrichshain-Krankenhaus, ist zum Professor ernannt worden. — Dem Fabrikbesitzer und Handelsrichter Georg Baschwitz, der sich durch seine humanitären-Bestrebungen viele Verdienste erworben hat, wurde der Kronenorden IV. Klasse verliehen. — Professor Dr. L. Saatschütz in Königsberg/i. Pr. hat den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Das langjährige Vorstandsmitglied per Synagogengemeinde Crone a. Br., Rentier Isidor Philipp, beging mit seiner'Gattin das Fest der goldenen Hochzeit. Bürgermeister Haacke überreichte die goldene Ehejubiläumsmedäille und die Gemeindevertretung eine geschmackvoll ausgestattete Adresse.' Auch sonst erhielt das allgemein geschätzte Jubelpaar eine große? Menge Gratulationen. — Am 21; Februar wurde in Kat'to witz in mehreren Räumen, die die Concordialoge freundlichst zur Verfügung gestellt hat, eine jüdische Lesehalle eröffnet, die von dem Verein für jüdische Geschichte und-Literatur, dem Verein der Jugendfreunde,, .der. Concordialoge. und der Zionistischen Ortsgruppe ins Leben gerufen wurde. — In Bielefel d wurde.anstelle .des .verstorbenen, hochverdienten , langjährigen, ersten. Vorsitzenden Herrn Moritz Katzenstein, Jüstizrat Dr. Franken stein zum Vorsitzenden . des. .Vorstandes der,, Shnagogengemeinde. gewählt. Zun: Vorsitzenden" her .Repräsentantenversammlung wurde. Herr- Paul Herzberg gewählt: — Der jüdische Friedhöfen Worms, her älteste in-Deutschland, soll geschlossenwerden, nachdem die israelitische Gemeinde auf der Höhe von Jochheim einen neuen Friedhof erworben hat. — In Saaz üB.-ist der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, StadtrathDr. Adolf Anspach, ein allgernein beliebter und angesehener Mann, im 55. Lebensjahre gestorben. —.Das Deutsche Bureau der „Alliance Israelite Universelle“ teilt mit, daß das Zentral- Komitee de.r Alliance in P ari.s. in' einer Sitzung: von Ende Februar Herrn Rabbiner Professor Israel Levi und ' Herrn Bildhauer EmManuel. Hannaux , —' diesen anstelle .des. ausgetretenen Herrn Felix Alcah .— kooptiert: habe. — Im 48. LöhtzWahr

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