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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-03-05 · Heft 10 (5.3.1909) · p. Seite 113

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 10 (5.3.1909)
Date
1909-03-05
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
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zurücksteht hinter derjenigen der Uebersetzer.. Der Ausschuß III bittet um die Annahme des Antrages des Gemeindevorstandes, nur sind in' seinen Verhandlungen Zweifel geäußert worden, ob die. ausgeworfene Sunu-re von 20 000Mark ausreichen wird. Wie Justizrat Dr. Lachmann in der Diskussion.auf Anfrage erwidert, ist von der bisherigen Kommission die Meinung ausgesprochen worden, daß die beantragten 20 000 Mark für die gesamte Arbeit ausreichen werden. Er selbst ist nicht dieser Ansicht, zweifelt aber gar nicht, daß, wenn eine Erhöhung der Summe erforderlich wird, diese auch unbedenklich bewilligt werden wird. Herr Louis Sachs hat Bedenken-gegen die Form der heutigen Vorlage, weil damit bereits in die Rechte der einzusetzenden Deputation eingegriffen, wird. : Geheimrat Geiger hält die Vorfrage noch gar nicht für gelöst, ob eine neue Bibelübersetzung überhaupt erforderlich ist. Justizrat Dr. Lachmann erklärt darauf, daß der Gemeindevorstand diese Vorfrage für erledigt hält, und zwar in so positivem Sinne, um den Repräsentanten bereits eine definitive Vorlage zu machend Wenn die Versammlung den Bedenken Geigers folgen wolle, könnte nur über Punkt 3 beschlossen werden. Professor B l a sch ke bittet nochmals um Annahme aller drei Punkte. Er weist daraufhin, daß die bisher hebräisch verlesenen Thora-Abschnitte in Zukunft deutsch vorgetragen werden sollen, und daß auch hierfür die nötigen Vorarbeiten fehlen. Für die Bibelübersetzung ist ein Zeitmaß von fünf Jahren in Aussicht genommen. Professor Kalischer tritt für Punkt 1 und 3 ein, bittet aber in Punkt 2 die Summe nicht zu fixieren. Syndikus Justizrat Lilienthal bittet um unveränderte Annahme der Vorlage. Punkt 1 ist genügend oft klargestellt worden, und der Gemeindevorstand glaubt, mit der Bibelübersetzung etwas Großes für die ganze deutsche Judenheit zu leisten. Der Gemeindevorstand und die gemischte Deputation verdienen das Vertrauen, daß sie die richtigen Männer für die Arbeit auswählen werden. Inzwischen ist ein Antrag Geiger-Cohn eingegangen, den Gemeindevorstand zu ersuchen, in einer gemischten Deputation mit den Repräsentanten über die Herausgabe einer deutschen Bibelübersetzung inBeratung zu treten. Professor K a lisch er vermutet in diesem Antrag den Ausdruck der Befürchtung, daß die Nebersetzung etwa tendenziös sein könnte, doch hält er es für absolut ausgeschlossen, daß jüdische Gelehrte anders als nach bestem Wissen und Gewissen die Nebersetzung vornehmen könnten. Geheimrat Geiger weist diese Vermutung Kalischers zurück; ihm ist es nur sympathischer, daß der Plan nicht einseitig vom Gemeindevorstande ausgeht. Rechtsanwalt Dr. Cohn hält die Vorfrage betreffs der Notwendigkeit einer neuen Bibelübersetzung noch nicht für klipp und klar beantwortet. Geheimrat Blumenthal tritt mit großer Wärme für die Vorlage ein. Das Werk wird nicht nur den deutschen Juden, sondern der Judenheit der ganzen Welt zugute kommen. Die Herausgabe der Uebersehung ist ein ehrenvolles Zeichen für die Gemeinde Berlin, womit sie sich an die Spitze der Kultur stellt. In der Abstimmung fällt der Antrag Geiger-Cohn mit acht gegen neun Stimmen, die Vorlage des Gemeindevorstandes wird alsdann in allen drei Punkten angenommen. — In die Deputation zur Vorbereitung von R a b b i n e r w a h l e n werden die Herren Professor B l a s ch ke, W e i n b e r g, Geheimrat Geiger und Rechtsanwalt Dr. Cohn abgeordnet. Als Vertreter des Gemeindevörstandes werden dieser Kommission die Herren Kommerzienrat Eisner und Justizrat Timendorfer angehören.— An Stelle des Herrn Julius Bodenstein, dessen Ausscheiden aus der Versammlung nunmehr als definitiv gelten muß, werden in den Ausschuß I die Herren Lewinski und Benas Levy, in den Ausschuß II HerrBenas Levy entsandt. . In den Vorstand der Synagoge Lindenstraße werden Kommerzienrat Gerson Simon, in die -Waisenkommission Emil Cohn, in die Subventionskommission Professor Kalischer abgeordnet. — Es folgt alsdann eine große Reihe von Wiederwahlen für die verschiedenen Verwaltungskvmmissionen. In den Vorstand der Synagoge Kaiserstraße wird an Stelle von Kommerzienrat Simon Herr Weinberg als Repräsentant entsandt. In die Armenkommission wird an Stelle von Justizrat Kronfeld Herr Gustav Michalski gewählt, in die Fürsorgekommission Herr Gustav Tietz, in die Veranlagungskommission Herr Max Liebes neugewählt. > , In die Kommission zur Beschaffung des Koschersleisch es tritt Herr Felix Goldschmidt als Gemeindemitglied ein. In die Kommission zur Subventionierung von Religionsvereinen wird Professor Kalischer an Stelle des Herrn Julius Bodenstein entsandt. — Die Abrechnung des Bureaus.für Vermietung von Synagogenplätzen pro 1908 wird zur Kenntnis genommen und Entlastung erteilt. Recht interessant find die vom Referenten Herrn Lewinski gegebenen statistischen Daten. In allen Synagogen waren 10 677 Plätze vorhanden. Darunter befinden sich 761 Eigentumsplätze; 9353 wurden vermietet, welche eine Einnahme von 161 709 Mark brachten; 487 waren Freiplätze, 74 Plätze wurden der Armenkommission zur Verfügung gestellt. In den Betfälen betrug die Zahl der Plätze 16 760; davon wurden vermietet 14 510, die 75 238 Mark an Einnahme brachten; 1886 waren Freiplätze, 178 wurden durch die Armenkommission verteilte In den Synagogen und Betsälen blieben somit unbesetzt 188 Plätze, die sich fast alle im Westen befanden. Der höchste Platz, preis belief fick in den Synagogen auf 60 Mark, der niedrigste Preis 3 Mark. Der höchste Durchschnittspreis für Synagogenplätze wurde erzielt in der Synagoge Lützowstraße mit 27,40 Mark, der niedrigste in der Synagoge Rykestraße mit 9 Mark, für Plätze in den Betsälen, der höchste im Mozartsaal mit 8,50 Mark, der niedrigste in den Borussiasälen mit 3,25 Mark. Durch die Statistik ist erwiesen, daßim Norden und Nordosten ein Mangel an Plätzen vorhanden ist, während im Süden und Südwesten ein Ueberfluß an Plätzen herrscht. Genehmigt und entlastet wurden die Rechnungsabschlüsse pro 1907/08 für die alte und neue Synagoge, Kaiserstraße, Lindenstraße und Rykestraße und für die Kommission zur Beschaffung des Koscherfleifches. Betreffs der letztgenannten Abrechnung ist bemerkenswert, daß nach den Angaben des Referenten Herrn Willibald Loewenthal, die Teuerung des Koscherfleisches durch die Auflage, die den Koscherfleischhändlern von Gemeinde wegen gemacht wird, sich allerh stchstens auf einen Pfennig pro Pfund beläuft. Der Konsum an Koscherfleisch unter Aufsicht des Rabbinats hat sich gegenüber dem Vorjahre. nur unerheblich verändert. Es wurden durch die Gemeindeschlächter geschlachtet 4438 Rinder gegen 4260 im Vorjahre, 4190 Kälber (4411) und 2752 Hammel (2547). Herr Weinberg tritt, wie bereits früher, dafür ein, den Schlächtern die Abgaben und die Kautionsstellung zu erlassen und jedem Schlächter die Aufsicht zu geben, der sie haben will und der Aufsicht würdig ist. Den kleinen Schlächtern ist es nicht möglich Koscherfleisch, geschäfte zu errichten und dadurch ist die Konkurrenz ungemein gehemmt. — Der Armen komm-issi on wird mit Rücksicht auf die allgemein herrschende Notlage für das laufende Verwaltungsjahr ein außerordentlicher Zuschuß von 12000 Mark bewilligt. Die Zahl der vom 1. April bis 23. Dezember vorigen Jahres eingegangenen Unterstützungsgesuche ist dem gleichen Zeiträume im Jahre 1907 gegenüber um 1000 gestiegen. — Für eine Festschrift anläßlich des 50jährigen Jubiläums der Lehrerbildungsanstalt im Umfang von höchstens zehn Druckbogen wird zu den Druckkosten ein Betrag bis 800 Mark gewährt. — Bewilligt wurden ferner die Ausgaben zur Einrichtung der VI. M.- Klasse in der Mädchenschule, zur Vermehrung der Unterrichtszeit in der Kolonie Grunewald und die Subvention an den Verband für Statistik der Juden (1000 Mark) für die Zeit vom 1. April 1908 bis 31. März 1909. — Auf Grund erneuter Beratungen ist' nunmehr auch der Gemeindevorstand zu dem Beschluß gekommen, den an den Religionsschulen tätigen Lehrern das Militärdienstjahr bei der Berechnung des Dienstalters in Anrechnung zu bringen. Mit einer Abänderung des in Sachen Gehaltsverhältnisse der Lehrkräfte an den Gemeindeschulen gefaßten Gemeindebeschlufses erklärt sich die Versammlung einverstanden. Für die Gehaltsberechnung der Lehrer wird es .nunmehr in Zukunft gleichgültig sein, ob die Dienstzeit an den hiesigen jüdischen Gemeindeschulen oder an anderen Schulen zurückgelegt worden ist. Auch die Schaffung zweier Religionslehrerstellen und zwar bei fester Anstellung der Lehrer wird genehmigt, ebenso die Abänderung des Normalbesoldungsetats für die Religionslehrkräfte. Auf diese Vorlage werden wir noch in der nächsten Nummer zurückkommen. Mit der Annahme einiger dringlichen Vorlagen, die hauptsächlich Mietung von Festsälen für Festgottesdienste betreffen, schloß die öffentliche Sitzung, der eine halbstündige geheime Sitzung folgte.

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