Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1909)
- Date
- 1909-03-05
- Page
- Seite 112 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228852-3228863--65372-3277493- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
4000 Mark zur Erhöhung der Keiner Armenkommission bestehenden Alwine Lachmann-Stiftüng. Von denselben Erben ist ferner Herrn Direktor Holzman ein Betrag von 1000. Mark für die Albert Gütmann-Stiftung übergeben worden; diese Stiftung verfolgt den Zweck, hilfsbedürftige Zöglinge der Lehrerbildungsanstalt durch laufende Stipendien oder zeitweilige Beihilfen mit Geldmitteln zu unterstützen Das'Ehepaar Simon und Dorothea Blumenreich hat zum Andenken an den im Jahre 1902 verstorbenen Sohn Dr. Robert Blumenreich eine Zimmerstiftung (12000 Mark) in der Alterversorgungsanstalt Schönhauser Allee errichtet. In der gleichen Anstalt ist von den Erben des Herrn Caspar Levy ebenfalls eine Zimmerstiftung errichtet worden .und schließlich von Herrn H ermann Nathansohn eine Zimmerstiftung für die Anstalt in der Großen Hamburger Straße. — Die Angelegenheit betreffend den Bau der Synagoge ' Fasanenstraße scheint nunmehr endlich etwas vorwärts zu kommen. Wir bringen hierzu in Erinnerung, daß von dem Preisgericht den Herren Ehrenfried Hessel zu Berlin, C. E. W. Leon Hardt und C. W. Schmidt zu Frankfurt a. M. und Jäger & Franke zu Breslau je ein Drittel der ausgesetzten Preissumme zuerkannt worden ist, und daß ferner gemäß den Vorschlägen des Preisgerichtes die Entwürfe der Herren Cremer & Wolsfenstein, Prof. Otto Kuhlmann zu Charlottenburg und Willy Graf zu Stuttgart zum Preise von je 750 Mark angekanft worden sind. Einer der Preisträger hat sich auf. Anfrage bereit erklärt, seinen Entwurf gemäß den geänderten örtlichen Verhältnissen umzuarbeiten. Als Entschädigung hierfür wird der Betrag bis zur Höhe von 2500 Mark bewilligt. Die Anfrage des Herrn Justizrots Dr. Veit Simon, ob eine Sicherheit dafür besteht, daß „durch die Anlage der. neuen Gleise nicht der Gottesdienst erheblich gestört wird", wird auf Antrag in die geheime Sitzung verlegt. Mit großem Nachdruck tritt Herr Weinberg dafür ein. daß einige nähere Mitteilungen in der Oeffentlichkeit dringend vonnöten sind. Syndikus Justizrat Lilienthal gibt noch einmal den bekannten Entwicklungsgang dieser Angelegenheit, diedurch gewisse widrige Umstände mannigfache Verzögerungen erfahren hat. Die bisherigen Schwierigkeiten sind nun glücklicherweise behoben, und der Gemeinde- Vorstand kann nunmehr mit aller Energie und größter Beschleunigung den Bau in die Wege leiten. Die Repräsentantenversammluug wird zunächst noch über den abgeänderten Entwurf, den der Architekt in kürzester Frist fertigstellen wird, zu entscheiden haben, und es besteht begründete Hoffnung, daß im kommenden Frühjahr mit dem Bau begonnen werden kann. — Eine ausgedehnte Debatte veranlaßte die Vorlage zur Kenntnisnahme betreffend Umwandlung der freien Kommission in eine ständige gemischte Deputation zur Auswahl von Ehrenbeamten. Direktor Dr. Minden begründete als Antragsteller diese Vorlage. Er brachte in Erinnerung, daß die bisherige freie Kommission vor sechs Jahren begründet wurde und sich insofern gut bewährt hat. als sie die Diskussion über Personalien in der Hauptversammlung verminderte. Die Verhältnisse sind jetzt aber nicht mehr so gespannt wie früher, und diese Kommission erfüllt nicht mehr ganz ihren Zweck. Nach Analogie in der Stadtverordnetenversammlung soll sie deshalb in eine ständige Deputation umgewandelt werden, der auch eine Anzahl Gemeindemitglieder beigeordnet werden soll, die in ihren Stadtkreisen über Personenkenntnisse verfügen. Der Gemeindevorstand hatte diesen Antrag bereits abgelehnt; neuerdings scheint aber die Stimmung im Gemeindevorstand diesem Anträge günstiger zu sein, und deshalb soll der Vorstand ersucht werden, in eine nochmalige Beratung dieses Antrages einzutreten und der Repräsentantenversammlung das Ergebnis seiner Entscheidung mitzuteilen. Rechtsanwalt Dr. Ignatz Cohn bittet, den Ausschußantrag einstimmig anzunehmen, um hierdurch den Gemeindevorstand zu veranlassen, sich erneut mit dieser Vorlage zu befassen. Die bisherige freie Kommission ist nach seiner Ansicht in ihrer Tätigkeit dadurch beengt, daß sie nicht berechtigt war, ihrerseits Vorschläge zu machen, sondern nur über die vom Gemeinde- Vorstand vorgeschlagenen Kandidaten zu befinden hatte. Der Gemeindevorstand hat sich dagegen gesträubt, daß der Kommission allein das Recht der Auswahl von Ehrenbeamten gegeben werden soll. Mit Recht bezeichnete der Redner als sehr erfreulich, daß namentlich in den letzten Jahren eine große Zahl von Herren es sich zur Ehre anrechnete, irr den Berwaltungskommissionen-der jüdischen Gemeinde tätig sein zu können. Diese Freudigkeit zur Mitarbeit sollte dadurch unterstützt werden, daß wir diesen Herren Gelegenheit gehen, Ehrenbeamte zu werden. Vom Vorstandstisch spricht sich Dr. Feilchenfeld gegen die Umwandlung aus, die keine wesentliche Aenderung des bisherigen Modus zu bringen vermag. Von den Repräsentanten bekämpfen die Herren Manheimer und Weinberg die Vorlage. Herr Manheim er befürwortet aus langjähriger Erfahrung das bisherige System, während Herr Weinberg eine empfindliche Störung des bisherigen freundschaftlichen Verhältnisses in den Verwaltüngskommissionen befürchtet, falls der neue Vorschlag zu Annahme gelangt. Direktor Minden und Dr. Cohn betonen noch, daß die Gefahr der „Inzucht", das heißt, daß die verschiedenen Kommissionen aus sich heraus sich ergänzen, nicht unterschätzt werden darf, und daß es für eine Selbstverwaltung nur van größtem Nutzen sein kann, wenn au<L einmal ein „Hecht in den Karpfenteich" kommt. Auch die Herren Professor Blaschke und Emil Cohn sprechen sich lebhaft für den Antrag des Ausschusses aus, der auch gegen die Stimmen der Herren Manheimer und Weinberg zum Beschluß erhoben wird. —- In langer Debatte beschäftigte sich alsdann das Plenum mit dem bemerkenswerten Anträge betreffs Bewilligung eines Betrages zur Herausgabe einer deutschen Bibelübersetzung.- Bei den Beratungen über die Ausgestaltung der 6armi2^ab-Feier ist unter anderem beschlossen worden, den Larmirwab-Knaben eine deutsche Bibel als Geschenk zu überreichen. Hierbei habe sich herausgestellt, daß eine für diesen Zweck geeignete, von einem jüdischen Autor herrührende Uebersetzung nicht vorhanden sei. (!) Dieser Mangel hat im Schoße des Gemeindevorstandes zu der Anregung geführt, die Herausgabe einer deutschen Bibelübersetzung durch die hiesige Gemeinde ins Werk zu setzen. Zur Beratung dieser Frage ist eine Kommission, bestehend aus den Herren Justizrat Timendorfer, Dr. Feilchenfeld und Syndikus Lilienthal, eingesetzt, und als Sachverständige sind die Herren Rabbiner Professor Dr. Maybau m, Direktor Dr. Holzman und Dozent Dr. Elbogen zugezogen worden. Die Kommission hat sich in 'mehrfachen Sitzungen grundsätzlich für den Plan ausgesprochen. Was die Ausführung aubelangt, so hält sie den Weg eines öffentlichen Preisausschreibens, der ursprünglich in Aussicht genommen war, für nicht empfehlenswert. Sie schlägt vielmehr vor, eine Reihe von Gelehrten zur Mitarbeit heranzuziehen in der Weise, daß - eine Redaktionskommission' eingesetzt wird, welche die Grundsätze für die Ausführung der Uebersetzung aufstellt, die Arbeit unter die Mitarbeiter verteilt und für die Einheitlichkeit des Ganzen die Gewähr. übernimmt. Die Kommission soll des weiteren bestimmte Vorschläge für die Zusammensetzung der Redaktionskommission und die Auswahl der Mitarbeiter machen und endlich die Festsetzung eines Honorars für die Mitglieder der Redaktionskommission beantragen. Der Gemeindevorstand hält die einzelnen Vorschläge der Kommission noch nicht für spruchreif, ist vielmehr der Ansicht, daß dieselben noch einer eingehenden Nachprüfung bedürfen, und hält es für wünschenswert, mit der Repräsentanz in gemischter Deputation hierüber zu beraten. In der Sache selbst ist sich der Gemeindevorstand aber darüber schlüssig, daß es sich um ein Werk handeltdas, unverzüglich in Angriff zu nehmen, eine Ehrenpflicht unserer Gemeinde ist. Er richtet, deshalb an die Repräsentantenversammlung das Ersuchen: 1. Zur Herausgabe einer deutschen Bibelübersetzung die Genehmigung zu erteilen, 2. für diesen Zweck einen Betrag von 20 000 Mark zur Verfügung zu stellen, und 3. in gemischter Deputation, bestehend aus zwei Gemeindeältesten und vier Repräsentanten, über die weitere Behandlung der Angelegenheit zu beraten. Der Referent Professor Blaschke bezeichnet den Plan als eine Aufgabe, die der größten Gemeinde Deutschlands würdig ist und kaum von einer zweiten Gemeinde Deutschlands so in die Hand genommen werden kann wie von der Berliner Gemeinde. Die Bibelübersetzung soll nicht nur die alten Mißstände ausschalten, sondern dazu -noch die Vorzüge bringen, die einer mustergültigen Uebersetzung zukommen müssen. Von den Sachverständigen sind nicht weniger als 36 Herren namhaft gemacht worden, die sich für die schwere und zeitraubende Arbeit . der Uebersetzung eignen. Zur Prüfung dieser Arbeiten soll alsdann eine Redaktionskommission eingesetzt -werden, deren Arbeit picht weit