Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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eine Petition an die Königin von Rumänien im Aufträge.des Vorstandes ausgearbeittzt, dahinlautend, daß die Dichterin auf dem Thron, sich der jüdischen-Mädchen und Frauen in ihrem Lande ännehmen wolle, die zu dem schändlichen Gewerbe der Prostitution getriebenwerden, ein Federstrich von ihr könne Gesetze dagegen schäffen. Frau-, lein Pappenheim soll, nachdem sämtliche angeschlossene Vereine ihre Unterschrift gegeben haben, versuchen, die Petition selbst zu überreichen. — Von der Herausgabe eines Almanachs wird nach Vorstandsbeschluß noch Abstand genommen, da dringendere Arbeiten vorliegen. — Fräulein Pappenheim wurde nach Toronto zum Internationalen Frauenkongreß von Seiten des Bundes delegiert. Nach dem Beispiel des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins sollen die dem Jüdischen Frauenbünde angeschlossene Vereine aufgefordert werden, 5 Mark zu den für Fräulein Pappenheim so großen Kosten , beizutragen, um der Reise von Fräulein Pappenheim einen offiziellen Charakter zu geben. — Beschlossen wurde ferner, um eine einheitliche Arbeit des Bundes zu erzielen: die Vorstandsmitglieder, die dreimal hintereinander zu Vorstandssitzungen nicht erschienen sind, als aus dem Vorstande ausgeschieden zu betrachten. — In Aussicht genommen ist eine Anstalt zu errichten, in der jüdische Haushaltungslehrerinnen, Stützen, geschultes Hauspersonal herangebildet werden sollen, da sich besonders der Mangel an gut vorgebildeten Lehrerinnen für jüdische Anstalten herausgebildet hat. Ferner wird beschlossen, den Versuch zu machen, die jüdischen Lehrerinnen zu organisieren, um mit ihnen dann gemeinschaftlich für ihre, mit andere Konfessionen gleichberechtigte Anstellung an öffentlichen Schulen zu petitionieren. Fräulein Werner-Hamburg wird diese Arbeit übertragen. Frau Guttmann-Mannheim stellt den Antrag, bei dem Hilfsverein, bei der Großloge anzufragen, wie sie sich zu der Konferenz der Großmächte geäußert haben. — Da die »Alliauee Israälits" Frauen in ihren Vorstand aufnimmt, soll dahin gestrebt werden, recht viele Frauen zu. veranlassen, einzutreten. Ebenso soll wieder versucht werden mit dem Hilfsverein in Fühlung zu kommen und ebenso mit dem Verband der Deutschen Juden. So konnte man auch in dieser Sitzung Regsamkeit und- Interesse auf allen Gebieten der jüdisch-sozialen Fragen seststellen. . * s. Berlin, 22. Februar. Die Einweihung des neuen i sraelitischen Krankenheims in der Elsasserstraße 85 fand gestern mittag statt. Es hatten sich dazu etwa 300 Gäste eingefunden, nnter denen sich der greise Dr. Langerhans, Geheimer Rat Martin, Professor Lazarus, Geheimer Rat Blumenthal sowie Vertreter von mehreren Körperschaften befanden. Eingeleitet wurde der Festakt durch den Vorsitzenden des Kuratoriums Herrn Knoller mit einer Begrüßungsansprache, worauf Prediger Dr. M. Hildesheimer eine kurze Geschichte der Ent. Wicklung des Krankenheims gab. Dr. Adler, der älteste der dirigierenden Aerzte, verbreitete sich hieraus über die Aufgaben und Ziele des Krankenheims und schilderte dessen Ausbau in medizinischer und hygienischer Hinsicht; zum Schluß sprach Herr Rosenblüth den Dank der Gemeinde Adath Jisroel, die das Institut aus eigener Initiative geschaffen, aus. An diesen Festakt schloß sich ein Rundgang durch die neue Anstalt. o. Magdeburg, 23. Februar. Hier wurde vor einigen Tagen in einer von Herrn Rabbiner Dr. Wilde geleiteten Versammlung ein - jüdischer Jugendverein gegründet, der den Namen: „Jüdischer Jugendverein Ludwig Philippson Magdeburg" angenommen hat. Der Verein will die jüdische Jugend in Magdeburg züsammenschließen zur Hebung ihres jüdischen Selbstbewußtseins und Förderung ihrer idealen Interessen. Dem Verein gehören bereits mehr als hundert Mitglieder an. Dieses schöne Beispiel verdient eifrige Nachahmung. X. Wreschen, 16. Februar. Am 15. Februar verstarb Hierselbst der Kaufmann Herr Louis Türk im Alter von 75 Jahren. Ein durch Arbeit reich gesegnetes Leben hat hier seinen Abschluß gefunden. Wohl über 40 Jahre hat der Verstorbene in Stadt und Gemeinde in den verschiedensten Ehrenämtern Ersprießliches geleistete Jahrzehnte war er Stadtverordneter, Waisen- und Armenrat der Kommune und hatte besonders für die Armen ein wärmes Interesse. Der Gemeindevertretung gehörte er als Repräsentantenvorsteher und zuletzt als Vorstandsmitglied an. Ueberall wurde sein wohlmeinender Rat gehört. überall arbeitete man-mit ihm gern, da sein gutes Herz, die Lauterkeit seines Charakters, sein versöhnender Sinn jede Disharmonie zu beseitigen wußten; , vor allem bewahrte er sich bei allen Ehrenstellungen eine geradezu rührende Bescheidenheit und eine echt religiöse Gesinnung. In , allen Konfessionen, vor allem in unserer Gemeinde wird seiner stets in Ehren gedacht werden. F. M. Frankfurt a. M., 20. Februar. .Vor wenigen Tagen wurde hier eine Frau zu Grabe geleitet, deren Name in der hiesigen israelitischen Gemeinde unvergänglich fortleben wird als der einer vorbildlichen Helferin in der Not. Frau Sidönie Dann, einer der ältesten Frankfurter Familie entsprossen und in langjähriger glücklicher Ehe. mit einem etwa zehn Jahre älteren Bruder ihres Vaters verbunden, hat all die mütterliche Liebe, die eigenen Kindern zu spenden ihr versagt war, den vielen Hilfs- und Liebebedürftigen zugewendet, die in ihren Gesichtskreis kamen. Von echter, innerlicher Frömmigkeit getragen, hat sie den Begriff der so spezifisch jüdischen Zedokoh in unübertrefflicher Weise in die Tat übertragen, hat sie, obwohl überzeugungstreue Jüdin von Herzen, in tolerantester Weise weitgehende Wohltätigkeit geübt und weiteste Kreise zur tatkräftigen Mitarbeit herangezogen. Naturgemäß wandte sich ihre Tätigkeit in erster- Linie jüdischen Hilfsbestrebungen zu. und es war selbstverständlich, daß sie an der Leitung des größeren Teils -der hiesigen gemeinnützigen Anstalten mitbeteiligt war, von denen einige ihrer rastlosen Initiative ihre Entstehung verdankten. So ist vor allem die segensreich wirkende Institution des Mädchenstifts ihr Werk, wo junge israelitische Mädchen, die fern vom Elternhause auf Erwerb in der Großstadt angewiesen sind, völlige und gesicherte Unterkunft finden; im Anschlüsse daran begründete sie den Mädchenklub, der in den Räumen des ehemals v. Rothschildschen Bankhauses allabendlich eine Anzahl Damen der ersten jüdischen Gesellschaft mit jungen Arbeiterinnen zusammenführt, um diesen nach des Tages Last und Mühe geistige Anregung zu bieten. Außerordentlich groß ist die Zahl der sonstigen gemeinnützigen Einrichtungen innerhalb der Frankfurter jüdischen Gemeinde, denen sie ihre' reiche Kraft, ihr warmes Herz widmete. Aber auch jeder einzelne, der mit irgendeinem Anliegen zu ihr kam, fand allzeit williges Gehör, und gar mancher, der heute in behaglichen Verhältnissen lebt, verdankt dies der tatkräftigen Fürsorge dieser edlen Frau. Sie verstand die große Kunst, nicht nur mit der Hand, sondern mit dem Herzen zu geben, und so hob sie die, welchen sie materiell geholfen hatte, auch geistig auf ein höheres Niveau, indem sie viele junge Leute in ihr gastliches Haus zog, ihnen dort zeitweise den Segen des ihnen sonst fehlenden Familienlebens bietend. So hat diese hochgesinnte Frau mit ihrem Weggange eine Lücke hinterlassen, die nicht so leicht, selbst innerhalb der in wohlgesinnten Spendern reichen Frankfurter jüdischen Gemeinde, ausgefüllt werden wird. Noch lange wird man hier bei dem Wunsche, irgendeinem Hilfsbedürftigen zu nützen, an Frau Sidonie Dann denken und ihren Verlust immer aufs neue empfinden. r. Heidelberg, 18. Februar. Eine dichtgescharte Menge Leidtragender geleitete am vergangenen Sonntag einen der besten Bürger hiesiger Stadt, Herrn Eduard Reis, zu Grabe. Aus bescheidenen Anfängen brachte er die mit seinen Brüdern begründete Kunstwollfabrik Gebrüder Reis zu hoher Blüte. Seit langen Jahren gehörte er dem Synagogenrat an und wurde wiederholt von dem Vertrauen seiner jüdischen Mitbürger zum stellvertretenden Synodalen berufen. Das Amt des Obmanns der jüdischen Gemeindevertretung und des Schatzungsrates, zu dem ihn sein ruhiges, klares und versöhnliches Urteil besonders befähigte, verwaltete er lange Zeit. Ebenso war er Vorstand vieler Wohltätigkeitsvereine und nahm an der Entwicklung der von ihm mitbegründeten Friedrichloge mit regstem Interesse Anteil. — Schon früh betätigte er sich auch im öffentlichen Leben, wo man seine hervorragenden Geistes- und Charaktereigenschaften bald zu schätzen wußte. Dreißig Jahre lang war er als Stadtverordneter tätig und seit drei Jahren als Mitglied des Stadtrats. Ferner war er Vizepräsident der Handelskammer und Mitglied des badischen Eisenbahnrats und des Bezirkseisenbahnrats zu Frankfurt a. M. — Herr Bezirksrabbiner Dr. Pinkuß entrollte ein herzbewegendes, lebenswahres Bild des Entschlafenen; Herr Oberbürgermeister Dr. Wilckens widmete ihm warme Worte der Anerkennung für seine Tätigkeit in den Gemeindekollegien und legte