Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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73. Jahrgang. Nr. 9. Ber,ta’ 26-Februar ,9#9- Vetlase zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums" Lorrehmndmrm und Mschrichten. Deutschland. 8. Berlin, 21. Februar. In unserem vorigen Repräsentantenbericht hatten wir auf Grund des von Herrn Geheimrat Geiger erstatteten Referates den erfreulichen Aufschwung der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde konstatieren können. Nachstehend geben wir die uns gütigst zur Verfügung gestellten interessanten Daten dieser Entwicklung. In der Zeit vom 1. April 1907 bis 31. März 1908 wurden Lesesaal und Bibliothek von 775 Personen 6745 mal benutzt. Da im. Vorjahre 720 Benutzer die Bibliothek 6264 mal in Anspruch nahmen, ist ein Plus von je 7^ Prozent. an Benutzern und Besuchen zu verzeichnen. Die schwächste Frequenzziffer wies der Monat September mit 356, die stärkste der Monat Februar mit 727 Besuchen auf. Im Vorjahre war die höchste Zahl der monatlichen Besuche: 722.. Nach ihrem Berufe setzten sich die Benutzer der Bibliothek zusammen aus: 1. Aerzten 18, 2. Bureaubeamten 19, 3. Damen lohne Berufsangabe) 44, 4. Dozenten und Univerfltätsprofessoren 24, 5. Handwerkern und Arbeitern 19, 6. Ingenieuren, Technikern 6, 7. Kantoren 15, 8. Kunstmalern, Musikern. Sängern und Schauspielern 12, 9. Kaufleuten 105, 10. Lehrern und Lehrerinnen 48, 11. Rabbinern 37, 12. Rechtsanwälten und Richtern 9, 13. Rentiers 20, 14. Schriftstellern 41, 15. Schülern und Schülerinnen 183, 16. .Studenten und Kandidaten 175. Zusammen 775 Personen. Nach Hause verliehen wurden 7225 Werke in 8036 Bänden, während im Jahre 1906/7 nur 5767 Werke in 6383 Bänden verliehen wurden, so daß hier ein Wachstum von 25 Prozent an Werken und fast 26 Prozent an Bänden zu konstatieren ist. Aus dem Magazin nach dem Lesesaal wurden 1150 Werke in 1438 Bänden gegeben, gegen 1063 Werke in 1178 Bänden des Vorjahres. Der Gesamtbestand der Bibliothek stieg von 15 800 Bänden auf 16 851 Bände. Herr Iustizrat Dr. Heinrich Meher-Cohn hat der Gemeinde ein Legat von 20 000 Mark für Bibliotheks-Zwecke hinterlassen. Mit Hilfe dieses Fonds wurde die Complutensische Bibelpolhglotte Alcala 1514—1517 (sechs Bände) und das große Quellenwerk der Nonumenta Oermaniae distoriea (36 Bände) erworben. Von Ankäufen aus den Etatsmitteln verdient eine Sammlung von 15 Dissertationen zur rechtlichen Stellung der deutschen Juden im 18. Jahrhundert, eine Ausgabe der späteren Propheten mit Kommentar von David Kimchi: Loneino 1484 unb Pesaro 1515, sowie zwei handschriftliche Gutachtensammlungen italienischer Rabbiner aus dem 16. beziehungsweise 18. Jahrhundert, ein halachisches handschriftliches Werk des Josua Boas ibn Baruch (16. Jahrhundert), und ein handschriftlicher Brief Gabriel Rießers an M. Jßler besondere Beachtung. Von Bücherspenden ist die aus dem Nachlaß des Herrn Professors Dr. A. Zabludowski (124 Bände) hervorzuheben. Herr Buchhändler Hugo Jacobsohn-Breslau stiftete ... durch Vermittlung des Geheimrats Professor Geiger 14 handschriftliche Briefe Abraham Geigers an M. A. Levy. Herr Moritz Manheimer schenkte eine handschriftliche Heiratserlaubnis von 1739, Blatt III. Herr Geheimrat Geiger ein Aktenstück zur Geschichte der Juden in Bonn vom Jahre 1806. Auch in diesem Jahre wurde die Bibliothek von auswärts in Anspruch genommen. Bücher wurden verliehen an Private nach Essen. Insterburg, Kassel, Landsberg a. W., Marburg, Neustettin, Köln, .Rummelsburg i. P., ferner an die Universitätsbibliothek in Prag und die Landesbibliothek in Kassel. S£5> Berlin, 18. Februar. Am 16. dieses Monats hatte die aus den deutschen Mitgliedern des Zentralkomitees der Alliance Israelite Universelle bestehende Deutsche Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Israölite Universelle ihre sechste Jahrestagung im großen Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes der Jüdischen Gemeinde gehalten. Die zur Teilnahme Berechtigten aus allen Teilen Deutschlands und die Mitglieder des Lokalkomitees waren fast vollzählig erschienen oder hatten legitimierte Vertreter entsandt. Vom Zentralkomitee in Paris war dessen Geschäftsführer delegiert. Den Vorsitz führten die Präsidenten , der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft, Geheimrat Goldberger-Berlin und Philipp Schiff-Frankfurt a. M., die den ausführlichen und mit allseitiger Zustimmung aufgenommenen Rechenschafts- und Arbeitsbericht für das Jahr 1908 erstatteten und den Arbeitsplan für 1909 entwickelten. Mit Befriedigung wurde festgestellt, daß die Zahl der Mitglieder im vergangenen Jahre wieder erheblich gewachsen ist, dank der früher beschlossenen und inzwischen fast vollständig durchgeführten strafferen Zentralisierung, einer eifrigen Propagandatätigkeit durch Vorträge und der Verbreitung des Organs der. Konferenz-Gemeinschaft, , der illustrierten Monatsschrift „Ost und West". Im Laufe des Jahres 1908 sind 28 neue Lokalkomitees der Alliance geschaffen. 30 bestehende erweitert worden. Die Entwicklung der Mitgliedschaft in Deutschland zeigt in einem Zeiträume von drei Jahren eine Vermehrung um 40,5 Prozent, die der Beiträge und Spenden in derselben Frist eine Zunahme um .64 Prozent. Die helfende, aufrichtende und unterrichtliche Tätigkeit der Alliance Israelite Universelle blieb auch im vergangenen Jahre über drei Erdteile verbreitet; es wurden 45 000 Zöglinge unterrichtet, vielfach auch gekleidet und gespeist. Für dieses Hilfswerk hat die Alliance im ordentlichen Etat 1,5 Millionen Franken, im außerordentlichen Etat 500 000 Franken, zusammen zwei Millionen Franken aufgewendet. Die Tätigkeit der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft war vornehmlich auch den räumlich näherliegenden Arbeitsfeldern zugewendet: den durchwandernden russischen Glaubensgenossen, und namentlich, den Ausgewiesenen widmete sie ihre unterstützende und fördernde Fürsorge. An allen Hilfsorganisationen in den Einzelstaaten und in den Provinzen hat die Deutsche Konferenz- Gemeinschaft im vergangenen Jahr in führender. Weise Anteil! genommen. — Die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft erörterte, wie in früheren Jahren, eingehend und in bejahendem Sinne die Frage der Ausdehnung beziehentlich Einführung deutschen Sprachunterrichts in einzelnen Alliance-Schulen, unter anderem in Marokko, und der erweiterten Entsendung von Zöglingen des Pariser Lehrerseminars der Alliance nach Deutschland zum Zweck der Erlernung der deutschen Sprache. Dem allgemeinen Bericht schlossen sich die Sonderberichte .der einzelnen Bezirks-, Provinzial- und Landeskomitees an. Ueberall konnten große Regsamkeit und erneuter Aufschwung konstatiert werden. Herr Rabbiner Dr. Porges-Leipzig, der in den Monaten November, Dezember, Januar mit Herrn Professor Levi-Paris die Orientschulen der Alliance inspiziert hatte, erstattete vorläufigen persönlichen Bericht. Der Bericht wurde mit lebhaftestem Interesse entgegengenommen. Mit großer Befriedigung und Genugtuung vernahm man. daß die Alliance-Schulen im Orient jede unbefangene Prüfung vertragen können hinsichtlich des Unterrichtsplans, der Unterrichtsmethode, der Unterrichts- und Erziehungsergebnisse und nicht zuletzt hinsichtlich des in ihnen waltenden, vom traditionellen Geist getragenen religiösen Sinnes. 8. Berlin, 19. Februar. Am 7. d. M. hat eine Vorstandssitzung des Jüdischen Frauenbundes im Gemeindehaus der jüdischen Gemeinde hier stattgefunden. Anwesend waren die Damen: Pappen- Heim-Franksurt a. M., Werner-Hamburg, May-Berlin, Dr. Frankl- Berlin, Jusiizrat Meher-Stargard, Guttmann-Mannheim, Dr. Vogelstein-Stettin. — Es wurde beschlossen, Ortsgruppen nur an den Orten zu gründen, wo sie eine Notwendigkeit für jüdisch-soziale Arbeit sind. Die Ortsgruppen können ohne Anfrage beim Bundesvorstand über ihr Ortsgebiet hinaus selbständige Arbeit nicht vornehmen, da dieses zu Komplikationen, führen könnte, deren Verantwortung der Vorstand nicht übernehmen könne. Erfreulich ist die Tätigkeit des Heims in Neu-Isenburg. In kurzer Zeit erscheint ein gesonderter Bericht, darum erübrigt es sich, hier näher auf die Arbeit einzngehen. — Es wurde abgelehnt, in eine .starke Propaganda für das Heim einzutreten, das augenblicklich neun Zöglinge beherbergt, die Schöpfung des Bundes soll langsam wachsen, von innen heraus reifen, um sich zu einer Musteranstalt zu entwickeln. — Fräulein Pappenheim hat