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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-02-26 · Heft 9 (26.2.1909) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 9 (26.2.1909)
Date
1909-02-26
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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einen Lorbeerkranz am Grabe nieder; namens des Shnagogenrats sprach Herr Ernst Carlebach, für die Friedrichsloge Herr Hauptlehrer Müller. > Gefterrei ch-Aii y srn. lU Wien, 22. Februar. Die Politik des Hinhaltens und „Fortwurstelns", die hier traditionell ist und die den Juden Oesterreichs gegenüber seit Jahrzehnten angewendet wird, hat man nun auch auf 'bte Juden der neuännektierten Provinzen Bosnien und der Herzegowina ausgedehnt. Im Jubelrausch hat man ihnen alles Mögliche und in jedem Falle volle Gleichstellung mit den übrigen Religionsbekenntnissen des Landes und eine besondere Wahlkurie versprochen. Und jetzt sickert es schon offiziös durch, daß man gar nicht daran denke, diese Versprechungen zu erfüllen. Die Regierung entfremdet sich dadurch den patriotischsten Teil der Bevölkerung — aber sie gehorcht dem christlich-sozialen Gebot. Und das ist für sie die Hauptsache! — Der ungarische Reichstagsabgeordnete Karl Eötvös, der bekannte Verteidiger in dem Tisza-Eszlarer Prozeß, hat einen Teil des Ertragnisses seiner gesammelten Werke für Stipendien an israelitische Studenten gewidmet. Eötvös, der ans diesem Anlasse verschiedenen Angriffen ausgesetzt war,- gibt hierzu folgende Erklärung unterm 26. v. M.: Meine Verleger, die meine Werke seit Jahren mit vollem Eifer publizieren und verbreiten, erstatten mir von Zeit zu Zeit Meldung darüber, welcher Empfang meinen Werken seitens meiner Leser zuteil wird und in welchem Maße und in welchen Kreisen dieselben Verbreitung finden.. Aus diesen Meldungen habe ich mit Freuden vernommen, daß meine literarische Tätigkeit be-' sonders von der patriotischen Intelligenz israelitischen Glaubens gewürdigt wird, und ich glaube nicht fehlzugehen, wenn ich in diesem Umstande nicht nur die Kundgebung der Anhänglichkeit zur nationalen Literatur, sondern auch der Sympathie für meine Person erblicke, weil ich in kritischen Zeiten, vor einem Vierteljahrhundert, meine Pflicht als Mensch und Patriot mit Herz und Seele erfüllt habe. Um die auch solcherart zutage tretende Sympathie meiner Mitbürger israelitischer Tätigkeit meinerseit zu erwidern, habe ich beschlossen, einen Teil des Erträgnisses meiner Werke solchen Stipendien zu widmen, welche studierenden Jünglingen israelitischen Glaubens, die sich auf dem Gebiete der ungarischen Sprache, der ungarischen Denkungsart und des ungarischen Stils besonders hervortun, zugewendet werden sollen. Zur Verwaltung dieser Stipendiumsstistung habe ich die „Israelitisch-ungarische literarische Gesellschaft" ersucht, in welcher Institution ich volle Garantie dafür erblicke, daß die zu errichtende Stifung meinen Intentionen entsprechend zur Hebung der nationalen Kultur frukrifiziert werden wird." — In Brünn ist das Mitglied des Herrenhauses und Präsident der Handels- und Gewerbekammer von Brünn, Julius v. Gomperz, gestorben. Er gehörte der berühmten Familie an, deren Geschichte David Kaufmann ausführlich geschrieben hat. Julius Ritter v. Gomperz wurde 1824 in Brünn geboren. Er war jahrelang Vorsteher der jüdischen Gemeinde daselbst. Mit ihm ist der angesehenste mährische Jude dahingegangen, dessen Andenken noch lange fortleben wird. Von Nah und ssern. — Während des Jahres 1908 sind 1690 Ehejubiläumsmedaillen verliehen worden; davon entfallen auf die Juden in Preußen 31. — Professor Dr. Edmund Meyer hat den Roten Adlerorden IV. Klaffe erhalten. — Der Bankier Hermann Meyer hier und der Fabrikbesitzer Sally Heymann in Görlitz haben den Titel eines Kommerzienrats erhalten. — Es dürste allgemein interessieren, daß. der Generalmusikdirektor Dr. Richard Strauß seine Oper „Elektra" Herrn Kommerzienrat Willy Lev in und dessen Gattin, als „seinen lieben - Freunden" gewidmet hat. — Professor Dr. Edmund Landau, Privatdozent der Mathematik an der Berliner Universität, hat einen Ruf nach Göttingen als Nachfolger des vor einigen Wochen verstorbenen Professors Hermann Minkowski erhalten. Dr. Edmund Landau, ein Sohn des bekannten Gynäkologen Geheimen Medizinalrat Professor Dr. Leopold Landau, ist 1877 hier geboren — Am 17. d. M. ist in Elbing der Rentier Jacob Grünbäum, der 40 Jahre lang erster Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Deutsch-Eylau war, im 76. Lebensjahre gestorben. — In Posen ist am 19. d. M. der Justizrat B. Salz im 57. Lebensjahre gestorben. Derselbe war Stadtverordnetenvorsteher und Vorsteher der jüdischen Gemeinde. — In Mülheim a. d. R. ist der Arzt Dr. I. Cahn im 41. Lebensjahre gestorben. Er war der Vorsitzende des dortigen „Vereins für jüdische Geschichte und Literatur." Ehre seinem Andenken! — In Essen fand eine Delegierten-Versammlung des Laubheim-Vereins Bochum, des Vereins der jüdischen Jugend Duisburg und des Jüdischen Jugend-Vereins Essen-Ruhr zwecks Gründung eines Bezirks-Verbandes statt. Nach eingehenden Beratungen, in denen die Zweckmäßigkeit des Zusammengehens erörtert wurde, kam der Verband der genannten drei Vereine unter der Bezeichnung: „Bezirks-Verband der jüdischen Jugend-Vereine des Rheinisch-Westfälischen Industrie-Bezirks" zustande.. Die Leitung hat der Jüdische Jugend-Verein Essen-Ruhr übernommen. — Der in Nummer 4 als Eroberer der ersten französischen Fahne erwähnte, schon vor mehreren Jahren verstorbene Herr G e o r g H i r sch in Fr a n k f u r t a.M, war nicht Jude. — Am 19. 'd. M. starb in Frankfurt a. M, im Alter von 80 Jahren der bekannte Philantrop Henry Seligman, der Seniorchef des ehemaligen Bankhauses Seligman & Stettheimer, einer der angesehensten und wohltätigsten Männer der dortigen jüdischen Gemeinde. Ehre seinem Andenken! — In der letzten Sitzung der „Akademie der Inschriften zu Paris," wurde Theodor Rein ach mit 23 Stimmen gegen Fournier, aus den nur 21 fielen, zum Mitglied gewählt. — Der Senior der Familie Rothschild, Baron Gustav v. Rothschild feierte am 21. d. M. in Paris seine goldene Hochzeit und seinen 80. Geburtstag. Seit 23 Jahren steht er an der Spitze des israelitischen Konsistoriums und hat es verstanden, im Laufe dieser langen Periode jeden Konflikt und jede Differenz zwischen den Behörden und der jüdischen Gemeinde zu verhüten. — Nach einer Mitteilung des deutschen Bureaus bet Alliance Israölite Universelle hat am Sonntag abend in Galata ein schweres Schadenfeuer zahlreiche Menschenleben vernichtet. Die Opfer sind russische Juden, auch Frauen und Kinder. Ein Teil kam in den Flammen um, andere zogen sich tötliche Verletzungen zu, indem sie aus den Fenstern sprangen. Die Zahl der Verunglückten wird auf 20 angegeben. — In New York ist der Reverend Dr. Adolph M. Radin im 6U Lebensjahre gestorben. Er war in Neustadt-Schirwindt geboren, studierte in Berlin und Königsberg, wo er auch den „Jüdischen Grenzboten" herausgab, amtierte in Mewe, Kempen, Kalisch und Lodz, und seit mehreren Jahren in New Jork, wo er als Volksredner bei der polnischen Bevölkerung sehr beliebt war. An dem Begräbnis haben 25000 Menschen teilgenommen. — Der Bildhauer Moses Ezekiel hat das Offizierkreuz des Ordens der italienischen Krone erhalten.— Wie die „New Yorker Times" melden, haben Agenten des Baron Hirschschen Fonds neben Millville im Staate New Aork mehrere Hundert Acker ausgezeichneten Farmlandes angekauft, um daselbst eine jüdische Kolonie zu gründen. Die Siedlung soll nach dem Muster von Woodbine und Carmel aufgebaut werden. Mit dem Baue der Wohnhäuser ist bereits begonnen worden und 40 jüdische Familien, die sich für die Farm eignen, sind gleichfalls bereit, die Wohnhäuser zu beziehen. Jede Familie erhält 25 Acker Land zur Bearbeitung zugewiesen. — Die jüngst von einigen Seiten gebrachte Nachricht von angeblich ausgebrochenen Unruhen gegen Juden in Safed (Palästina) stellt sich als unzutreffend heraus. Das Gerücht entstand dadurch, daß der Kaimakam von Liberias einige Juden in Safed wegen Steuerrückstandesj. pfänden ließ. — In Kingston (Jamaica) ist Charles E. de Mercado im 46. Lebensjahre gestorben. Er war mehrere Jahre hindurch Mitglied der gesetzgebenden Körperschaft des Landes und Vorsteher der jüdischen Gemeinde daselbst. — In Montreal ist der Schächter S. Lombon zu 15 Tagen Arrest, wegen angeblicher Tierquälerei, verurteilt worden, weil er nach dem Brauch Geflügel schlachtete. Im Gefängnis verweigerte er andere als koschere Kost anzunehmen, was aber der antisemitische Gouverneur trotz der Bitten des Rev. Glaser ablehnte. Solche Dinge passieren, in einem sich frei nennenden Lande. — In Brisbane (Australien) ist Rev. Jonas M. Meyers im 81. Lebensjahre gestorben. Er war daselbst seit 1865 als Rabbiner tätig.

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