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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-02-26 · Heft 9 (26.2.1909) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 9 (26.2.1909)
Date
1909-02-26
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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müssen mir den Ruhm. gönnen. Sie - in die erste Gesellschaft lancieren zu dürfen." Da sie bemerkte, daß seine Stirn sich. umwölkte, rief sie eifrig: „Sie muffen. Sie müssen. Sie müssen!" und-bei jedem müssen klatschte sie in ihre Hände, Er zögerte immer noch, ihr eine Antwort zu geben. „Sehen Sie," fuhr sie bescheiden fort, „Sie haben ja natürlich nie etwas vom mir gehört, aber es ist Tatsache, daß jeder bedeutendere. Künstler, der sich durchsetzen wollte, zuerst in meinem Hause in Chikago gespielt hat." „Ach so," murmelte er. Waltete vielleicht dennoch ein unglückliches Mißverhältnis vor? War es möglich, daß Frau Wildhammer wirklich zu krank gewesen, um ihn empfangen zu können? Trotz ihrer bestechenden Schönheit sah sie zart und hektisch aus, eine fieberhafte Röte färbte ihre Wangen. Hatte sie vielleicht seinen Brief überhaupt nicht erhalten?' Hatte ihr Sekretär es für richtig gefunden, sie vor semitischen Eindringlingen zu schützen? Oder hatte sie, nachdem sie ihn spielen gehört, den Entschluß gefaßt, ihm sein Judentum zu vergeben und es zu vergessen? Auf jeden Fall war es das gescheidteste, die Sache ruhen zu lassen. Jetzt suchte sie mit ihm anzuknüpfen und würde es jedenfalls ein gesellschaftlicher Mißgriff sein, sie daran zu erinnern, daß sie ihn schon einmal verworfen habe. „Es ist schön Jahre her, daß in Chikago keine musikalische Kraft allerersten Ranges aufgetreten ist," drängte sie ihn. „Ich fürchte, meine Engagements werden es mir kaum gestatten, noch in diesem Herbste nach Amerika zurückzukehren," antwortete er taktvoll. „Nehmen Sie Zucker?" war ihre unerwartete Antwort; dann, als sie ihm die Tasse reichte, sagte sie mit listigem Lächeln, und ihn freundlich mit ihren schönen Augen anschauend: „Sie können mich nicht mehr abschütteln! Wissen Sie, ich werde Ihnen durch ganz Europa folgen — in alle Ihre Konzerte." Als er sie endlich verließ, schien sein ganzes Mesen verändert zu sein, und er hob stolz das Haupt. Er hatte ihr sein Autograph und seine permanente Adresse in München hinterlassen, hatte mit ihr den möglichst frühesten Termin für sein Konzert in Chikago festgesetzt und in ihr zierliches Notizbuch geschrieben, das das rothaarige Mädchen ihr brachte. Er hatte die Schlingen niedriger Stammesangehörigkeit, die ihn Plötzlich wieder zu umgarnen gesucht, endgültig von sich abgeschüttelt, nie wieder würde er in die dumpfen Betsäle, in das düstere, freudlose Ghetto zurückkehren — er gehörte in die glänzenden Säle der Reichen und Vornehmen, wo die schönen Frauen ihnr freundlich zulächelten, und wo seine Kunst sich frei entwickeln konnte. In langen Zügen trank er die köstlich reine Seeluft, als er auf dem zu so früher Zeit noch von seinen Mitreisenden erfülltem Verdecke auf und nieder ging — er sah sie alle plötzlich mit ganz anderen Augen an, er fühlte sich ihrer ebenbürtig und warf die trüben Gedanken weit hinter sich „Rischus! wahrhaftig!" — - - ' ' Litersrikchr Mitteilungen. — Im Interesse der Wissenschaft , des Judentums und zur Freude aller Förderer derselben hat ein Kreis von Gelehrten den alten Verein „Mekize Nirdamim" zu neuem Leben erweckt. Wir erhalten dazu den folgenden Aufruf: „Allen denjenigen, die vom Judentum und vom jüdischen Leben Kenntnis haben, ist es nicht unbekannt, welche außerordentliche Bedeutung die hebräische Literatur für.die' Judenheit gehabt hat. Die Forscher wissen aber auch, daß viele literarische Schätze, besonders in den Jahrhunderten vor Erfindung der Buchdruckerkunst verloren gegangen sind, und daß viele wertvolle Schriften aus , allen Gebieten der jüdischen Literatur — religiöse, poetische, historische und so, fort — nur in einer einzigen oder in ganz wenigen Handschriften erhalten sind, welche es voll verdienen, ans Licht gezogen und zeitgemäß herausgegeben zu werden, bevor sie, in Bibliotheken verschlossen, vermodern. Es ist deshalb eine heilige PflichtAller, welche ein Herz für die jüdische Literatur haben, dazu beitragen, daß diese wertvollen Schriften ans Tageslicht gefördert werden können. Kritische Ausgaben, nach den modernen Editionsprinzipen veranstaltet, sind nötig, damit sowohl die Männer der Wissenschaft — Juden und Nicht-Juden —als auch das jüdische Publikum, das'noch die hebräische Literatur mit berechtigter Liebe umfaßt, unsere Geiftesschätze kennen lernen. Da nun bekanntlich auf jüdischem Gebiet sich keine Akademien finden, die, mit reichen Geldmitteln ausgestattet, solche Editionen veranstalten könnten, und die jüdischen Institutionen, die etwa in Frage kämen, der Aufgabe sich nicht speziell widmen können, ist es nötig, daß ein besonderer Verein die Aufgabe zu lösen sucht. Schon im Jahre 1864 stiftete deshalb Dr. E. L. Silbermann seligen Andenkens den Verein „Nskize Nirdamim", und es gelang ihm in den zehn Jahren, in welchen er ihn leitete, eine Reihe wertvoller Werke zu veröffentlichen. Der aus verschiedenen Gründen aufgelöste Verein wurde von Professor Dr. A. Berliner im Jahre 1885 neugegründet, und in zwanzig Jahren ist dann unter seiner Leitung eine sehr große Zahl von bedeutenden Werken aus den verschiedensten Gebieten der jüdischen Literatur erschienen, bis er vor drei Jahren seines vorgerückten Alters wegen es wünschte, daß jüngere Hände die Leitung übernehmen sollten. In den verflossenen drei Jahren ist der Verein schmerzlich vermißt worden, und wir sind deshalb zusammengetreten, um zu versuchen, denselben wieder ins Leben zu rufen. Herr Prof. Berliner hat uns seinen wertvollen Beistand zugesagt und hat uns die Güte erzeigt, das Ehrenpräsidium übernehmen zu wollen. Eine Anzahl kundiger Forscher hat schätzbare handschriftliche Werke teilweise oder ganz bearbeitet und sind gewillt, ihre Arbeiten unter der Aegide des Vereins erscheinen zu lassen. Es hängt jetzt von-dem materiellen . Beistand ab, den wir bei denjenigen finden, welche die hebräische Literatur schätzen, ob es uns gelingen wird, unser Vorhaben glücklich durchzuführen. Als die Werke, die wir schon für das Jahr 1909 herauszugeben denken, nennen wir: 1. Die Kommentare des Eliezer von Beaugency, Schüler des R. S. B. M., zu Ezekiel und den zwölf kleinen Propheten. 2. Erklärung des Talmudtraktates Äo'eä Katon von Salomo ben Hajathom, einem der wenigen Vertreter der süd- . italischen Schule. Nach einer einzigen jüngst bekanntgewordenen Handschrift'. 3. Ala'aseb Hageonim, inhaltlich mit 8. Hapardes verwandt. 4. Fortsetzung der Ausgabe vom Diwan des Jehuda Halevi. Wir fordern deshalb alle früheren Mitglieder des Vereins Mekize Nirdamim und auch alle, die für unseren Plan Interesse hegen, dringlichst auf. in den Verein einzutreten. Jedes Mitglied, das den Jahresbeitrag von 10 Mark zahlt, erhält die Jahresschriften des Vereins zugestellt. Wir bitten aber zugleich um größere Beiträge sowohl von Einzelpersonen — zum Beispiel durch Erhöhung der Jahresbeiträge — als von Vereinen und Gemeinden. Es ist selbstverständlich, daß wir um so besser unsere Bestrebungen erfüllen können, je größere Geldmittel uns zur Verfügung gestellt werden. Von dem engeren Kreis der Männer der Wissenschaft ist unser Plan mit ungeteilter'Sympathie ausgenommen wyrden. Wir hoffen, daß auch ein weiterer Kreis uns seinen unentbehrlichen Beistand nicht versagen wird. Jeder der Unterzeichneten nimmt mit Dank Meldungen entgegen." DaS Komitee fetzt sich zusammen aus den Herren: D. Simonsen-Kopenhagen, Vorsitzender; A. Freimann-Frankfurt a. M., stellvertretender Vorsitzender; S. P oznanski-Warschau, Sekretär; W. Bacher-Budapest, A. Büchler-London, M. Brann- Breslau, H. Brody-Prag, A. Epstein-Wien, D. Günzburg- S. Petersburg, A. Harkavy-St. Petersburg, D. Jellin-Jerusalem, Jsr. Levi-Paris, . S. H. Margulies-Florenz und S. Schechter» New Aork. Herr Leo Mainz in F., L. Mainz sen.-Frankfurt a.M., hat die Kassengeschäfte des Vereins übernommen, ist bereit, Meldungen und Einzahlungen in Empfang zu nehmen. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. BeranUvoriüch für die RedaNion: Max Bauchwitz iu Berlin.

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