Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1909)
- Date
- 1909-02-19
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Rezitationsabend. In Kulm sprach Referendar Dr. B enj am in über „Zionismus", und Regisseur' Fritz Richard-Berlin. hielt eineni Rezitationsabend, in Schlawe sprach Kantor Meise!-Danzig über „Unsere shnagogalen Melodien", in Lissa die Schulvorsteherin Frl. Rackwitz 'über „Karl Emil Franzos", imNakel Rabbiner Nobel-Filehne über den „Geist des Judentums" und Dr. Weyl- Konitz über „Das Büch Hiob", in Schönlanke Dr. Bamberger über „Die Geschichte der Juden in.Schönlanke", in Lage, Hameln und Marsberg Lehrer Alexander-Warburg über „Ein christlicher Rechtsgelehrter als Verteidiger des jüdischen Schrifttums", in Düsseldorf Dr. Bäck über „Ibsens Weltanschauung", in Köln Dr.'Rosenthal über Michael ^achs", in Rees Dr. Neuwirth- Bingen über „Die Ethik des Judentums", in Hamburg Dr. A. Nobel: „Aus der jüdischen Religionsphilosophie und das System des Philo", in Würzburg Architekt Lehmann-Mannheim über »Alte und neue Synagogenbauten", in Mainz Herr D. Triesch über „Land und Leute in Palästina". — In Bonn ist ein akademischer Verein zur Pflege der Wissenschaft des Judentums kürzlich von israelitischen Studierenden an der Universität gegründet worden. s. Berlin, 15. Februar. Den folgenden ' Bescheid hat der Kultusminister auf den Antrag des Vorstandes der jüdischen Gemeinde Berlin, bei den Lehrerinn enprüfungen an den Seminarien eine Prüfung der jüdischen Examinandinnen auch in den jüdischen Religionsfachern stattfinden zu lassen und zur Vornahme dieser Prüfung einen jüdischen Fachmann hinzuzuziehen/ Unter dem 4. Februar d. I. erteilt: „Die Unterrichtsverwaltung kann nach Lage der Verhältnisse nicht dazu Stellung nehmen, welcher Art der zu erteilende jüdische Religionsunterricht sein muß. Dieser Grund ist auch bei den Beratungen des Entwurfs zum Volksschulunterhaltungsgesetze im Hause der Abgeordneten geltend gemacht (vergleiche Drucksachen des Hauses der Abgeordneten von 1905/06 Band 7 Nummer 288 Seite 569, stenographischer Bericht' 1905/06 Seite 5196 ff.) und anerkannt; worden. Ich bin daher auch jetzt nicht in der Lage, dem Anträge des Vorstandes zu entsprechen, daß den staatlichen Lehrerinnenprüfungen an den Seminarien bezüglich der jüdischen Kandidatinnen die jüdische Religioü als Prüfungsgegenstand hinzugefügt und zu diesem Zwecke eimjüdischer Fachmann zugezogen werde.!Um jedoch den Synagögengemeinden die Gewinnung 'beziehungsweise Heranbildung geeigneter Lehrkräfte für den jüdischen, Religionsunterricht tunlichst zu erleichtern, hübe ich das Königliche Provinzial- Schulkollegium Hierselbst angewiesen, dafür Sorge zu tragen, daß jüdische Kandidatinnen zur Lehrerinnenprüfung für die Volksschule nur zugelassen werden, wenn sie sich einer Prüfung, in der, jüdischen. Religion vor einer jüdischen Kommission mit Erfolg unterzogen haben, wie dies bei jüdischen Lehramtskandidaten bereits jetzt beobachtet wird. ' - In Vertretung ’* gez. Weber. An den Vorstand der jüdischen Gemeinde hier." ' ‘ ' s. Berlin, 14. Februar. Am 21. und 22/Februar dieses Jahres hält der Zentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischem Glaubens in Berlin seinen Delegiertentag und seine Generalversammlung ab. . Zahlreiche ' auswärtige Vertreter des Vereins haben ihre Teilnahme an den Veranstaltungen, auf welchen im wesentlichen Fragen der Organisation zur Erörterung gelangen, zugesagt. . ' s. Berlin, l 5. Februar/ In wenigen Tagen wird das „Israelitische Krankenheim" seine neu erbauten Räume in der Elsässer Straße 85 wieder eröffnen. , Dieses vor neun Jahren .gegründete Institut hat eine von Jahr zu Jahr sichsteigernde segensreiche Tätigkeit entfaltet. Ursprünglich in Mietsräumen mit 20 Krankenbetten eröffnet, wird es im neuen Heim 60 Krankenbetten neben 18 Personalbetten enthalten. Der'Neubau ist mit dem Komfort eines modernen Krankenhauses ausgestattet; es sind drei Operationssäle -'mit Ober-' und Seitenlicht vorhanden, außerdem Liegeräume,/ elektrische Licht- und sonstige medizinische Bäder; alle Zimmer sind mit Zentralheizung/ und - Warmwasserversorgung , versehen. Ein' elektrischer Fahrstuhl-verbindet die einzelnen Etagen. , Das' Krankenheim enthält eine innere Abteilung unter der Leitung des Herrn Professor F. Blumenthal', eine chirurgische Station unter der . des Herrn Dr. S-. Adler und eine gynäkologische sowie geburtshilfliche unter, der Leitung des Herrn Dr. Joseph Hirsch. Jeder Station ist eine; .Etage reserviert. " Das Grundstück ist 52 Quadratruten groß und bisher nur bis zu Dreiviertel der -Fläche bebaut. Sowie genügende Mittel vorhanden sind, soll auch der übrige Teil aus? gebaut werden, wodurch sich die Bettenzahl um'20 bis'25 erhöhen durfte. . Niederschönhausen, 15. Februar. Der Fürsor ge-Verein für hilflose jüdische Kinder beging gestern die Eröffnungsfeier seines. in Niederschönhausen, Kronprinzenstraße 1—2^ neu errichteten Kinderheims. Dasselbe liegt zwischen Landhäusern, welche von weiten Gärten umgeben sind; es grenzt an die Anlagen des Schlosses Schönhausen und verfügt über einen eigenen Park mit hohen alten Bäumen, mit weiten Rasenflächen und schattigen Spielplätzen. Nichts erinnert hier an eine Stätte für Hilfsbedürftige. Nur das am Eingang angebrachte kleine Schild mit dem schlichten Wort „Kinderheim" verrät, uns, daß diese stattliche Villa eine Wohltätigkeitsanstalt ift.: Wir betreten den geräumigen Wirtschaftshof und beginnen unseren. Rundgang. Zur Rechten liegt das Kinderheim mit seinen hohen breiten Fenstern und seinen freundlichen blumengeschmückten Balkons,' zur Linken das Wirtschaftsgebäude mit-der Desinfektionsanstalt, der Waschküche, dem Laboratorium, des Arztes und der Pförtnerwohnung.- Die innere. Einrichtung ist eine einheitliche wie in einem wohleingerichteten modernen Spital. Die Wände sind mit Heller Oelfarbe gestrichen, die Bettchen, die Tische aus weißlackiertem Eisen. Alle Räume hgben reichlich Badewannen mit kaltem und warmem Wasser und elektrische Beleuchtung. In den oberen Räumen sind - viele kleinere Zimmer, in welchen ältere Knaben und Mädchen eine Unterkunft finden, und wo auch einmal für eine hilflose arme Mutter eine Stätte der ersten Zuflucht bereitet werden kann. Im Kellergeschoßist die große Anstaltsküche, daneben befinden sich die Zimmer für die Zubereitung der Säuglingsnahrung. Ein Raum dient für die Reinigung der Saugeflaschen, ein zweiter für die Sterilisierung der Nahrung, für die Füllung der Flaschen und für ihre zweckmäßige Aufbewahrung. Ein erfahrener Kinderarzt sorgt für die Gesundheit und eine Hausmutter mit einem Stabe von Pflegerinnen für die; Wartung der Kleinen, für deren Pflege und Erziehung alles in Liebe und Sorgfalt vorbereitet ist. Ein erhebender Chorgesang leitete die Eröffnungsfeier ein, an der eine große Anzahl von Männern und- Frauen Unserer Gemeinde sowie Ehrengäste, Christen und Juden,- aus Pankow und Niederschönhausen teilnahmen. Die Weiherede hielt unter Zugrundelegung des Psalmwortes: „Oeffnet mir die Pforten des Heils, ich will durch sie eintreten und den Ewigen preisen", Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher, worauf nach abermaligem Gesang eine Ansprache des Vorsitzenden Sanitätsrat Dr. W. Levy folgte. Möge der so oft bewährte Wohltätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen, der diese der Nächstenliebe geweihte Stätte geschaffen, auch in Zukunft helfen, das Kinderheim dauernd zu erhalten und weiter äuszubauen. i. Dresden, 12. Februar. Am 4. dieses Monats ist hier kurz nach dem plötzlichen Hinscheiden seines zu den schönsten Hoffnungen berechtigenden Sohnes, des Rabbinatskandidaten Dr. Julius Wolf-. ,sohn, auch der Kantor und Lehrer Adolf Wolfsohn im 63. Lebensjahre durch den Tod seinem segensreichen Wirkungskreise entrückt worden. Diesen hat er nach zehnjähriger Tätigkeit in Görlitz 28 Jahre in unserer Gemeinde zur Zufriedenheit aller ausgefüllt. Mehr noch als sein belehrendes Wort wirkten sein lebendiges Beispiel, fein Tun und Lassen, das sich vor den Augen unserer ganzen Gemeinde rein Und lauter entfaltete. Durch sein bescheidenes Auftreten erwarb er sich hier große Sympathien. An der Seite einer Frau, die, der Sproß einer alten Rabbiner-Familie, umgeben von Kindern,. die in den Fußtapfen ihrer. Eltern wandelten, so lebte der Entschlafene, geschätzt und geachtet, seinem Berufe. Die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung legte beredtes" Zeugnis von der großen Beliebtheit ab, deren sich der. Verblichene erfreute. Rabbiner Dr. Winter schilderte das vorbildliche Leben und sprach der Gattin und den Kindern ergreifende Trostworte zu. Namens der Verwandten riefen dann der Schwiegersohn, Direktor F. Israel-Pankow, und der Schwager, Herr S. Michalski-Berlin,. sowie Rechtsanwalt Dr. Schleich dem Verblichenen rührende Abschiedsworte nach.