Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1909)
- Date
- 1909-02-19
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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~ — Bernburg, -10. Februar. Am 26. v. M. starb hier, wie chereits gemeldet, der Lehrer und Kantor unserer Gemeinde, Samuel ' B öhm, im Alter von 63 Jahren.. Der Verstorbene war ein Schüler des Breslauer Lehrerseminars und kam im Jahre 1864, 19 Jahre alt, .nac^ hier, wo er fast '45 Jahre lang seines Amtes treu waltete. Als Lehrer wurde er von seinen Schülern und Schülerinnen sehr verehrt, und da fast die ganze Gemeinde seine Schüler gewesen waren, genoß er eine ungeteilte Hochachtung. Nebenamtlich betätigte er sich auch als Lehrer der Handel.swissenschaften, und -als solcher war er eine gesuchte Kraft. Auch die städtischen Behörden beschäftigten ihn gern./ In anerkennenswerter Würdigung seiner Verdienste ordnete der Vorstand die Aufbahrung der Leiche in der Synagoge an, wo. eine ergreifende Trauerfeier stattfand.' Ehre seinem Andenken! h. Kassel, 14. Februar. Am Freitag wurde hier Herr Kantor a.D. Kam in skh zu Grabe geleitet. Mehr als 30 Jahre füngierte der Verstorbene in hiesiger Gemeinde, bis ihn ein Herzleiden zwang, unl seine Pensionierung nachzusuchen. Mit dem Entschlafenen ist einer der. tüchtigsten praktischen Vorbeter dahingegangendessen Gesänge noch lange bleibendes Eigentum seiner Gemeinde sein werden. Möge ihm die Erde leicht sein! — Seit längerer. Zeit ist hier von Herrn Landrabbiner Dr. Doktor ein Jugendgottesdienst eingerichtet, der sehr besucht wird. Auch ein „Jugendverein" dürfte hier in diesen Tagen gegründet werden. — Sowohl das Vorsteheramt der Israeliten als auch die Verwaltung der Gemeinde haben , sämtlichen Beamten aus eigener Initiative angemessene Teu erung s zulag en bewilligt. — Der hiesige „Schwefternbund", dem das „Mädchenheim" untersteht, will demnächst ein eigenes Gebäude beziehen, wozu ihm bereits namhafte Summen zur Verfügung gestellt sind. i. Nürnberg, 12. Februar. Am 2. d. M. wurde hier der Rabbiner Dr. Jsaac Heilbronn beerdigt, der im : Alter von 81 Jahren hier gestorben ist. Er war 42 Jahre lang Bezirksrabbiner von Meikersheim (Württemberg) und lebte die letzten sechs Jahre mit seiner Gattin im Ruhestande in Nürnberg, von der Tochter und dem Schwiegersöhne, dem hiesigen Kantor H. Manes, aufs liebevollste gepflegt. Herr Rabbiner Dr. Freudenthal würdigte in seiner Rede die Herzenseigenschaften unddie Wirksamkeit des Entschlafenes und. Herr Bezirksräbbiner Dr. Schweitzer aus Weikersheim widmete seinem Amtsvorgänger, auch im Namen der Gemeinden des Bezirks- Worte der Liebe. Der Zufall wollte es, daß bei dem Leichenbegängnis sowohl d er Mann zugegen sein konnte, der vor 48 Jahren von dem Verstorbenen in dem neuen Wirkungskreise zuerst getraut wurde, als auch dasjenige Ehepaar, dessen Trauung die letzte war, die der Heimgegangene vorgenommen hat. ' Das Andenken des Frommen bleibe zum Segen! Gesterreich-Nnssrn. , l □ Wien, 15. Februar. Wieder haben, wir ein neues Ministerium. Es sitzen darin zwei Christlich-Soziale, der Handelsminister Dr. Weiskirchner und der Arbeitsminister Dr. Ritt, ein Deutsch-Nationaler usw. Ob das ein „Ministerium der Beruhigung" sein wird, wie offiziös versichert,, darf man wohl bezweifeln. Und auch die Beschwichtigungsnote, die dem neuen Ministerium mit auf den Weg gegeben wird: „Die. Regierung steht allen'Volksstämmen, Gesellschaftsklassen und religiösen Bekenntnissen mit gleichen: Wohlwollen gegenüber und wird keinerlei einseitige parteigemäße oder nationale Tendenz haben", wird wenig Gläubige in unserem Vaterlande finden. Wir Juden sehen mit Gleichmut dem Verlauf der Politik entgegen; schlimmer als es jetzt ist, kann es doch für uns kaum werden, solange die Verfassung doch nur auf dem Papier steht. — In Ungarn besteht seit Jahren eine- „Israelitische Literaturgesellschaft", deren gedeihliches Wirken in Deutschland noch nicht gebührend gewürdigt wurde. Jüngst hat sie in Budapest ihre Generalversammlung abgehalten. Den Vorsitz führte Josef v. Hatvany-Deutsch, der in seiner Eröffnungssprache zunächst auf die vorjährigen Erfolge der Vereinigung hinwies und dann Dr. Stefan Freund dankte, der 20 000 Kronen, und Berthold Herzmann, der 10 000 Kronen der Gesellschaft gespendet hatte. Aus dem vom Sekretär Dr. Josef Bänoczi unterbreiteten Bericht , gehen die ersprießliche Tätigkeit und die Entwicklung der Gesellschaft hervor. Dieselbe zählt gegenwärtig 2549 Mitglieder gegen 1141 im Jahre 1906 — ein Verdienst des Propagandakomitees —- und hat während der fünfzehn Jahre ihres Bestehens 29 Bände herausgegeben. Die letzte Edition ist eine ungarische Geschichte der jüdischen Literatur von Dr. Armin Kecskemöti. Nach Annahme des Berichtes erfolgte die Wahl der Funktionäre. Von neuem wurde Josef v. Hatvany-Deutsch. * zum Präsidenten gewählt; Vizepräsident ist Professor Dr. Wilhelm Bacher. — In Ei senst a d t ist am 7. d. M. der .Oberrabbiner :■■>•/ Salomon Kutna im 86. Lebensjahre gestorben. Der Dahingeschiedene hatte die jetzige Stelle fast 40 Jahre inne, wo er als Nachfolger des seligen Dr. I, Hildesheimer berufen wurde. Seine ■; Frömmigkeit und Intelligenz, seine Gelehrsamkeit und auch sein rednerisches Talent verschafften ihm in allen Kreisen Freunde und Verehrer. — In einer großen und feierlichen Generalversammlung der Israelitischen Gemeinde zu Serajewo wurde der gelehrte und verdienstvolle Rabbiner Dr. Wessel zum Oberrabbiner ernannt, Daran schloß sich ein großes Festbankett zu Ehren des allgemein beliebten Seelsorgers^ ' . , Von Mh und ftra. — Professor Dr. Felix Liebermann, der Historiker, dessen Ernennung, zum Mitglieds der Münchener und der Göttinger / Akademie der Wissenschaften .wir jüngst meldeten, ist soeben auch znyr Ehren-Doktor der Universität Oxford ernannt worden, nachdem ihm auch die Universität Cambridge diese Würde bereits übertragen hat. — Zum Empfang der Königs von England im Rathause war Rabbiner Dr. Rosenzweig als Vertreter des Berliner Rabbinats und als Mitglied des Schuldeputation erschienen.— Der Verein süjrArbeitsnachweis, begründet von den Berliner LogenU.O.B.B., hat durch seine Vermittlung, die für Arbeitgeber und Arbeitnehmer vollständig kostenlos erfolgt, 207 Personen in Stellung gebracht und außerdem noch. 89 Personen vorübergehende Beschäftigung nachgewiesen. —. Dem .Rentier Oscar Heymann ist der Titel Kommerzienrat verliehen worden. — Ueber die Konfession der Berliner Gemeindeschüler teilt die „Pädagogische Zeitung folgende Zahlen mit. Es waren evangelisch 198 835, katholisch 12735, jüdisch 4108. — Der Freisinnige Volks verein zu Kattowitz hat an den Landgerichtspräsidenten in Beuchen eine Eingabe gerichtet, welche, feststellt, daß unter den zu dem Amte eines Schöffen oder Geschworenen berufenen Personen Juden auffallend schwach vertreten sind oder häufig grundlos ausgelassen werden. — Der Rentier Simon Steinweg, Magistratsmitglied und Gemeindevorsteher in Unna- Hat den Kronenorden 4. Klasse erhalten. — Zum Vorsitzenden des Vorstandes des Israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. wurde Sanitätsrat Dr. Th. Jaffö, zum Vorsitzenden des Ausschusses Isidor: Drehfuß gewählt und als Stellvertreter S. Epstein beziehungsweise: Hugo Fränkel. — In Frankfurt a. M. ist Frau Sidonie Dann, eine wegen ihrer Geistesbildung und wegen ihres wohltätigen Wirkens allgemein beliebte und geachtete Dame, gestorben. — Sein 40 jähriges Dienstjubiläum beging dieser Tage der Seminar- und Religionslehrer an der Oberrealschule in Würzbnrg, Dr. Moses Braunschweiger. Aus diesem Anlaß gingen dem Jubilar viele Sympathie-/ beweise und Vlumenspenden zu. — Der hervorragende französische Physiker Maurice Lövy. Professor am College de France in Paris, ist in den Ruhestand getreten. Der Gelehrte steht im 71. Lebens- . jahre.Die Pariser medizinische Fakultät hat den Lacaze-Preis von 10 000 Franken dem Pariser Arzt Dr. Leon Bernard für-, dessen Arbeiten über Tuberlose und ihre Verbreitung verliehen. — Der der deutschen Botschaft in London beigegebene Botschaftssekretär ' Baron v.,Rothschild ist der einzige Jude im deutschen diplomatischen Korps. — Der österreichisch-ungarische Minister des Aeußern B aro n / Lexa v. Aehrenthal entstammt einer jüdischenBankierfamilie.— Zum erstenmal wurde ein Jude, M. Goldston, zum Direktor einer nichtjüdischen Hauptschule,in London ernannt. — Die Nachricht des „American Kebre^v", daß in Messina ungefähr 300/jüdische Familien gelebt/ hätten, ist, wie uns aus authentischer Quelle mitgeteilt wird// absolut fälsch. — Cesare Colombo, bisher Präsident, des Appell-/ gerichts in Modena, ist zun: Generalstaatsanwalt in Bologna ernannt worden. -- Die „G esellschaft zur Verbreitüng. der -