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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-02-12 · Heft 7 (12.2.1909) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 7 (12.2.1909)
Date
1909-02-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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73. Jahrgang. Nr. 7. Berlin, 12. Februar 1909. Beilage zur „Allgemeinen Leitung de^ Judentums". SorrrlyonLrn?en und Machrichtrn. Deutschland. S. Berlin, 8. Februar. Der Gesamtausschuß des Verbandes d e r Deutschen Inden war am 7. d. M. in Berlin versammelt. Es wurde beschlossen, die Hauptversammlung im Herbst d. I. in Breslau abzuhalten. — Ueber die wünschenswerte Ordnung des jüdischen Religionsunterrichts an höheren Lehranstalten in Preußen und die Vorbildung der hierfür anzüstellenden Religionslehrer wurde ein einstimmiger Beschluß erzielt. Schließlich wurde die Herausgabe der von Dr. Hirsch Hildesheimer gesammelten, von über 450 hervor- ’ rügenden Gelehrten und Praktikern abgegebenen Gutachten über die Vorzüge der jüdisch rituellen vor anderen Schlachtmethoden vom Verbünde übernommen. Im Anschluß an die Sitzung tagte die literarisch-apologetische Kommission, welche über wissenschaftliche Vorbereituntzen zur späterem Herausgabe jüdisch-apologetischer Schriften Beschlüsse'faßte. ‘ - ' Berlin, 7. Februar. Der Rechnungsabschluß des Jüdischen Krankenhauses pro 1907/08, dessen Dechargierung in der letzten Sitzung der Repräsentantenversammlung beschlossen wurde, hat eine Mehrausgabe von 6721.69 Mark ergeben. Die Einnahmen beliefen sich einschließlich des Gemeindezuschusses (88670 Mark) auf 271434.73 Mark, die Ausgaben auf 278156.42 Mark. Die Mehrausgaben sind meist durch die höheren Preise für alle Bedarfsgegenstände hervorgerufenl : ferner durch unvorhergesehene Ausgaben und durch die Errichtung der au gen ärztlichen Poliklinik. Im Beri chtsjahre wurden 1753 Kranke ausgenommen, von denen 893 geheilt, 461 gebessert und 91 ungeheilt - entlassen wurden und 171 — .9% Prozent verstorben sind; als Bestand blieben am 1. Januar 1908 noch 137 Kranke Von der Gesamtzahl | der Kranken wurden 534 — 43,42 Prozent mit 19 442 Verpflegüngstagen unentgeltlich behandelt und verpflegt, was einem Betrage von; 48 605 Mark entspricht. Die Zahl der Verpflegungstage stellte sich fürdie 1753 Kranken auf 52 637, die Dauer der Anwesenheit eines Krankenauf 30 Tage. Die Zahl der Verpflegüngstage der Kranken istvon 84 832 (im Januar 1906) auf 52 637 zurückgegangen, dagegen diejenige für Angestellte von 28 531 auf 29 711 gestiegen.- Die Verpflegungskosten betragen pro Kopf und'Tag für sämtliche Verpflegte 1.22 Mark. Den Medizinalpraktikanten und Volontärärzten, - die früher unentgeltlich tätig waren, muß jetzt neben einer Bar- I vergütigung kostenfreie Verpflegung gewährt werden, da anderenfalls j genügendes ärztliches Personal fehlt. Für Stadtkranke' wurden 20107 Mark aufgewendet.; Das Vermögen des Krankenhauses beträgt 2 2.68 783.75 Mark; 'es hat im Berichtsjahre durch -größere Legate und Kapitalzinsen um die stattliche Summe von 126 596 Mark zugenommen. - - - 8. Berlin, 7. Februar. Unter reger Beteiligung der Vereinsmitglieder fand am 28. vorigen Monats die 15. Generalversammlung der „Jüdischen Lesehalle und Bibliothek", E. V., in dem neuen, geräumigen Vereinslokal, Oranienburgerstraße 58, statt. Der Vorsitzende, Dr. Max-Ginsberg, schilderte die innere und äußere Entfaltung,'/sowie die stetig fortschreitende Wirksamkeit des-Instituts, das,'sich diü Pflege jüdischen Wissens und Verbreitung der Kenntnis jüdischer Geschichte und Literatur innerhalb der weitesten Kreise unserer Gemeinde zur Aufgabe gestellt hat. Besonders auf unsere Jugend - erstreckt sich die Einwirkung der Vereins; in dieser liegt unsere", Zukunft und nur die Kenntnis unserer glorreichen Vorgeschichte, und Literatur, die Fühlung mit dem gegenwärtigen Schicksal der Judenheit kann den Rückhalt bieten, um treu auszuharren und Angriffe abzuwehren, die unter dem Mäntelchen der Wissenschaft mehr denn je das Judentum bedrohen. Wie bisher hat der Verein seine."strenge Neutralität innerhalb der mannigfachen Parteiströmungen im Judentum bewahrt. 79 jüdische Zeitschriften aller Richtungen, eine Bibliothek, von 6400 Büchern stehen den Besuchern kostenlos zur Benutzung^und Entleihung zur Verfügung; 50 Prozent der Bücherbestände waren im Berichtsjahre verliehen; die Lesehalls selbst wurde von 22639 Personen besucht, alle Schichten der Bevölkerung, die verschiedenen Berufsklassen und Altersstufen waren vertreten. Diese Erfolge konnten aber nur dadurch erreicht werden, daß neben dem Interesse unserer Gemeindemitglieder sich aucheine Reihe größerer Organisationen bereit fand, das Institut durch einen jährlichen Beitrag zu fördern. Neben dem Vorstand der jüdischen Gemeinde sind hier der Gemeindebund, die Logen, der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und der Verein für jüdische Geschichte und Literatur besonders hervorzuheben. Als ein erfreuliches Zeichen für die wachsende . Anerkennung der Vereinsbestrebungen bezeichnete der Vorsitzende den Umstand, daß stch als neuer Freund der Anstalt die Alliance leraelite den bisherigen angeschlossen hat; er gab der Hvffnung.Ausdruck, daß auch diese Vereinigung fernerhin der jüdischen Lesehalle und Bibliothek ein treuer Bundesgenossebleiben möge. — Den Kassenbericht erstattete der langjährige? verdienstvolle Schatzmeister des Vereins, Herr Benas Levy. Er betonte, daß dieMitgliederbeiträge und Spenden erfreulicherweise zwar reichlicher eingegangen waren, daß aber anderseits die neuen Lese- und Bibliotheksräume eine dauernde Mehrbelastung des. Etats von jährlich 1500 Mark verursachen. Die Einnahmen und Ausgaben balancierten mit 6700 Markvon denen leider nur ein Betrag von 518 Mark zur Anschaffung von Büchern verausgabt werden konnte. -..Herr Levy teilte ferner unter lebhaftem Beifall der Versammlung mit,, daß Frau Franzis5a Gi n sberg, die unermüdliche Förderin des Vereins, anläßlich ihres sechzigsten Geburtstages am 19. November 1908,. ebenso wie ihr seliger Gatte, Herr Adolf Ginsberg, der sich um die Begründung und den Ausbau des Instituts. überaus verdient gemacht hatte, zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt worden sind. Nachdem namens der Versammlung Herr Dr. Stier dem engeren Arbeitsausschuß herzlichsten Dank für seine im Dienste dieser idealen-Bestrebungen aufgewendete Mühewaltung ausgesprochen hatte, wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt. Diesem gehören an: die Herren Dr. Max'Ginsberg, Benas Levy, Dr. Th. Zlocisti, Professor Schäfer, Dr- Alexander, Heinrich. Fraenkel, D'r. H. Hildesheimer, Carl Schwarz, Tr. Karpeles Professor Philippson. Professor Rosenberg, Rabbiner Dr. Stier- Karl Schiff, Gustav - Spiewkowski. Auf Antrag des Vorstandes erwählten die Anwesenden den früheren langjährigen Vorsitzenden und eifrigen Freund des Vereins, Herrn Kommerzienrat Julius Jsaac seligen Angedenkens zum Ehrenmitglied der „Jüdischen Lesehalle und Bibliothek". Herr Dr. Ginsberg dankte der Versammlung für dieses Zeichen pietätvoller Anerkennung des Entschlafenen und wies—als erwünscht und erforderlich — darauf hin, daß die Lesezeit erweitert und. auf den ganzen Tag, von 9 Uhr. früh bis 9 Uhr abends, ausgedehnt werden müßte; das könne aber nur durch eine Vermehrung der. laufenden Einnahmen erreicht werden. Der Vorsitzende richtete an 'die Anwesenden die dringende Bitte, für den Verein durch Werbung neuer Mitglieder tatkräftig zu wirken und schloß die Mitgliederversammlung mit einem warmen und herzlichen Appell zugunsten des Instituts, das, wie. wohl am Schluffe .bemerkt werden darf, ihm selbst das Meiste und Beste, zu danken hat. LQ Berlin, .9. Februar, Die Deutsch e Konferenz -Gern ei ns ch a f t d e r A ll i an c e I s r,a 61 i t e\ Uni ve r seile hält am 16, d. M, im großen Saal des Verwaltungsgebäudes der Jüdischen'Gemeinde Berlin ihre sechste regelmäßige Jahressitzung ab. Auf der Tagesordnung steht in der Hauptsache der Rechenschafts- und^Arbeitsbericht des Präsidiums für das Jahr 1908. der Bericht der Mitglieder über ihre Bezirke, der vorläufige Bericht des Herrn Rabbiner Dr. Porges in Leipzig über die Schulinspektionsreise nach dem Orient und die Neuwahl des Vorstandes. 8. Berlin, 7. Februar, Der berühmte Physiologe Geheimer Medizinalrat Dr. Hermann Munk feierte am 3. d. M. .seinen siebzigsten Geburtstag — fern von den Geschäften! Von 1876 bis

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