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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-02-12 · Heft 7 (12.2.1909) · p. Seite 76

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 7 (12.2.1909)
Date
1909-02-12
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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Castellanische der spanischen Juden zu reinigen und zu modernisieren? , Welche geringe Arbeit würde es bedeutet haben, sie allmählich-zu Protegierten und zu Staatsangehörigen zu machen? Im Jahre 1905 wandte sich der damalige spanische Konsul in Konstantinopel, Herr Moral y Canete, nach einer Versammlung der Juden, die im? Konsulat stattgefunden hatte, an seine Regierung, um sie in dieser; Frage bis ins einzelne zu unterrichten. Vier Monate später erhielt! er in einer Kabinettsorder den Bescheid, der nicht ja und nicht nein lautete, »daß aber die Regierung die Anhänglichkeit der Juden an \. Spanien zu schätzen wisse, daß sie tatsächlich — aber daß sie hinwiederum ..Und seitdem ist die Sache keinen Schritt weiter gekommen. Unter dem alten Regime hatte ein ausländischer Staatsangehöriger oder ein Protegierter in der Türkei mehr Vorteile als alle Türken. Er bezahlte keine Steuern, er genoß die Privilegien der Verträge und durfte auf die Hilfe seiner- Land.esvertretung:\n allen gerichtlichen Dingen rechnen. Darum wollte kein Jude türkischer Untertan werden. Noch heute entbehrt ihre Mehrzahl einer gesetzlichen Staatszugehörigkeit. Die Verfassung wird nun aber in diesen Zuständen gründlich Wandel schaffen. In Zukunft dürfte der Ausländer .keinerlei Bevorzugung vor dem Türken genießen-. Dann werden sich also die' 500 000 oder 600 000 Israeliten der: Türkei in türkische Bürger verwandeln, und Spanien wird eine Ungerechtigkeit und einen Irrtum zugleich bereuen müssen. Es wird eine Quelle beträchtlicher Einkünfte, ein. Stück reicher Zukunft, seines Handels und ein mächtiges Element zur Verbreitung seiner Sprache für immex verloren haben." - ■ ■ ■ * ' Die traurige Lage der Juden in Marokko wird wieder einmal durch folgenden, von dem Deutschen Bureau der Alliance Israelite Universelle, mitgeteilten Akt marokkanischer Justiz deutlich, illustriert. Aus Marrakesch, 11. Januar schreibt nämlich der dortige Vertreter der Alliance, Herr S. Falcon : Am vorigen Donnerstag hielt sich ein armer, jüdischer Hausierer in der Kasbah auf. Gerade applizierten Soldaten, einem Zungen Sklaven des Pascha Hussein, Bruders von Glaür der. beschuldigt war, seinem Herrn einen Ring gestohlen zu haben, die Bastonnäve. Plötzlich bat der Neger, daß man die Züchtigung einstelle. Er zeigte mit dem Finger auf den. unglücklichen Juden und sagte: „Diesem Juden habe ich' den Ring für 5 Pesetas verkauft." Ohne jede Art prozessualen Verfahrens wurde der Jude an Stelle des Sklaven gebracht. Man gab ihm fast 800 Stockschläge; so mißhandelt steche man ihn ins Gefängnis und legte ihn in Ketten. , >. Sobald ich von dem Vorkommnis gehört hatte, begab ich mich zum Großwesir. Er war im Begriff, sich zum Gebet zu begeben und bat mich deshalb, am anderen Tage wieder zu kommen. Ich.ließ ihn wissen, daß es sich um einen dringlichen Fall handle, und daß ich ihn bäte, mich auf der Stelle zu empfangen. Ich wurde vorgelassen und setzte dem'Minister die Ursache meines Kommens aus« einander. Entrüstet schickte er seinen Kaid zu seinem Bruder, Um ihn wissen zu lassen, wie sehr seine Art, Justiz zu üben, ihm mißfalle und ihm sofortige Freilassung des Juden anzubefehlen. — Eine Stunde später war der Unglückliche bei mir, sich für meine Intervention zu bedanken. , ' - Guttav Tuch. Hamburg, 5. Februar, iner unserer Edelsten uttd Besten ist Von uns gegangen: am 2. d. M. starb hier Gustav Tuch im Alter von 74 Jahren an den Folgen einer Operation. In Hamburg als Sohn einer angesehenen Familie geboren, genoß er die sorgfältigste Erziehung und war nahe daran, sich dem Studium der Mathematik zu widmen, als die Erkrankung seines Vaters ihn der kaufmännischen Tätigkeit zuführte. Seine Berufstätigkeit schlug ihn aber nicht völlig in Fesseln, er fand vielmehr noch Gelegenheit, Sprach- und Musikstudien zu treiben. Im Jahre 1854 erschienen von ihm Uebersetzungen poetischer und' prosaischer Werke uns. dem Schwedischen und Italienischem Das Englische beherrschte er so weit, daß seine Uebertragung des deutschen Wechselrechts unter' dem Titel „ German Gode on Bills of Exchange“ 1860 in Nottingham veröffentlicht wurde: Schon diese Arbeit lenkte ihn zu ernsten Studien der Philosophie, Soziologie und Volkswirtschaft. - > Mit feuriger Begeisterung förderte er die Gründung des „Flottenvereins der deutschen Jugend"- dann arbeitete er in dem Nationalverein mit; der nach dem Regierungsantritt König Wilhelms I. die Einigung Deutschlands unter preußischer Führung anstrebte. Auf Grund seiner umfassenden und gründlichen Kenntnisse ist Gustav Tuch auch zu den Preßverhandlungen und Erörterungen zugezogen worden, die sich mit der Umwandlung der kleinstaatlichen Militärzustände beschäftigten. Bald nach'Beendigung des deutsch-dänischen Krieges im Jahre 1866 war er mit an der Spitze der Bewegung, die in dem Anschluß Hamburgs an die deutsche Wirtschäftssphäre ihre wichtige Aufgabe erblickte. - . In den Kriegsjahren, als die großen historischen Ereignisse jene wirtschaftspolitischen und nationalen Kämpfe ünterbrochen hatten, wurde Gustav Tuch als Leiter und Bureau-Organisator in die Kommerz- und Diskonto-Bank und später in die Anglo- Deutsche^Bank berufen, wo er vier Jahre wirkte. Nachdem er 1874. bis 1879 Redakteur an den „Hamb, Nachrichten" gewesen war, veranlaßte die Wandlung der Bismarckschen Wirtschaftspolitik ihn zur Gründung eines eigenen Organs, das unter dem Namen „Der Botschafter" erschien und der Agitation der zollpolitischen Bewegung in Hamburg zum Siege verhelfen wollte. Während der ganzen Epoche der Anschlußkämpse erschienen unzählige Aufsätze aus Tuchs gewandter Feder über alle einschlägigen Fragen in den verschiedensten volkswirtschaftlichen Blättern, so z. B. in den „Preußischen Jahrbüchern", in den Schmollerschen „Jahrbüchern für Gesetzgebung und Volkswirtschaft", in der „Politischen (später Deutschen) Wochenschrift" und anderen mehr. In gerechter Würdigung seiner verdienstvollen Arbeit zur Förderung .des Hamburger Zollanschlusses, wurde ihm 1899 der Kronenorden vierter Klasse verliehen. Staatsbehörden und Gemeindeverwaltungen forderten ihn öfters aus, sein sachliches Gutachten über wichtige Kommunälfragen abzulegen. Für seine hohe Intelligenz. und seinen unermüdlichen Fleiß legt noch eine Reihe von Werken Zeugnis ab, wie: „Ueber die Sonderstellung deutscher Häfen",, über „Schutzzoll und Warenausfuhr" und derartige weitere Probleme. Seine spezifisch philantropifchen Arbeiten setzten zuerst mit der Förderung der Ed. Kley- Stiftung ein, die von Zöglingen des bekannten Pädagogen und Predigers zum Besten alter unversorgter Lehrer, und Lehrerinnen gegründet wurde. Viele Jahre lang bekleidete er das 'Ehrenamt eines Präsidenten der Henry-Jones-Ldge. Seiner Initiative beziehungsweise seiner energischen Mitarbeit sind, wichtige Institutionen zu verdanken, wie „Das Hamburger Jsraelitische-Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels", das „Gemeinschastsheim", .der „Verein, für Arbeitsnachweis", dem jüngst noch ein Zweig für/weiblichen Arbeitsnachweis angegliedert wurde, ferner bie Bodenkulturgesellschaft, die „Israelitischen Kinderhorte", der Verein für jüdische Geschichte und Literatur und die Gesellschaft für jüdische * Volkskunde. Ferner schuf er den „Jsraelitisch- Hümanitären-Frauenverein" in Hamburg, aus dem schon mannigfache Einrichtungen und jüngst noch das -,Israelitische Mädchenheim" für erwerbende junge Frauen, hervorgegangen sind. Er war unter anderem auch im Repräsentanten- Kollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu- Hamburg

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