Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1909)
- Date
- 1909-02-05
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228852-3228859--65314-3277431- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
E/Horovitz / über den Einfluß der griechischen Philosophie auf die Entwicklung des „Kalam". Bei der/Bewerbung um den Joseph Lehmannschen Preis für das vorige Studienjahr wurde der Preis dem Verfasser der einzigen eingereichten Preisarbeit „Untersuchung des Targum scheni zu Esther auf seine Quellen" (zum zweitenmal -gestellt) dem leider inzwischen, verstorbenen Dr. Wolfsohn zuerkannt, der sich schon einmal 1905. mit Erfolg um denselben Preis beworben Hatte. Während des abgelaufenen Studienjahres ist das Seminar von 29 Hörern -besucht' worden/ Neu eingetreten sind drei, in neueAemter sind drei berufen: als Rabbiner in Potsdam Dr. Schreiber, in Wies° baden Dr. Kober, in Göttingen Dr. Behrens; zwei ehemalige Schüler hat das Seminar durch den Tod verloren: Dr. Kronberg in Hermannestec und Dr. Dobschütz in Skotschau. Am 1. April 1908 hat der Senior des Dozentenkollegiums Herr Professor Dr. Lewy das Jubiläum seiner 25jährigen Amtstätigkeit als Seminarrabbiner gefeiert. Die Seminarbibliothek hat durch Ankauf und Schenkungen Bereicherung erfahren; sie umfaßt 17 910 Druckwerke und 211 Handschriften. Die übliche Jahresfeier fand am 27. d. M. statt in Verbindung mit dem Festakt zu Kaisers Geburtstag und der Gedächtnisfeier für den Stifter des Seminars, den verstorbenen Kommerzienrat Jonas Fränckel- Dozent Dr. Braun verbreitete sich in seiner interessanten Fest' und Gedenkrede an der Hand eines umfangreichen urkundlichen Materials ' über „die jüdischen Schulen in neuerer Zeit". Dann wurde das Ergebnis . der Preisbewerbung um den Joseph Lehmannschen Preis verkündet. Die gestellte Aufgabe: „Die Lehre vom göttlichen Willen bei den jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters von Saadja bis Maimuni" hat nur eine einzige Bearbeitung gefunden; dem Verfasser derselben, cand. phil. Grünfeld, wurde der volle Preis zugesprochen. Seminarrabbiner Professor Dr. Lewh überreichte sodann den, examinierten Rabbinatskandidaten DDr. Auerbach, Katzlberg, Alfred Levh und Steckelmacher, welche die Abschlußprüfung im letzten Schuljahre bestanden.' haben, das Rabbinatsdiplom, und in deren Namen sprach Rabbiner Dr. Steckelmacher dem Lehrerkollegium den Dank der aus der Anstalt scheidenden Schüler aus. Mit Chor- und Sologesang endete die Feier.. — Die Ortsgruppe Breslau des im Jahre 1893 gegründeten Zentralvereins der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens, der jetzt bereits über 120 000 Mitglieder zählt, veranstaltete am Donnerstag eine Versammlung, deren Zweck es war, Propaganda für die Ideen des Vereins zu machen und namentlich auch Frauen zur Mitarbeit zu gewinnen. Im dicht gefüllten großen Saale der Lessing-Loge erstattete zunächst Sanitätsrat Dr'. Reich einen kurzen Tätigkeitsbericht und teilte mit, daß auf dem bevorstehenden Delegiertentage in Berlin am 21. Februar die schlesischen Ortsgruppen zu einem Provinzialverbande zusammengeschlossen werden sollen. Alsdann hielt Professor Dr. Blumenthal aus Berlin, Mitglied des 'Zentralvorstandes, eine Ansprache, in der er unter Hinweis auf den großen Erfolg in Berlin auch die' Breslauer Frauen zu zahlreichem Beitritt aufforderte, und hob hervor, daß es gelte, durch eine Art innerer Mission den Mangel an Selbstbewußtsein und den In» differeniismus, insbesondere bei kommunalen Wahlen, zu beseitigen. Den Hauptvortrag des Abends hatte Rechtsanwalt Dr. Holländer aus Berlin übernommen, der in begeisterten Worten als Pflicht des Tages den Kampf gegen den Antisemitismus auf politischem, religiösem, wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Gebiete hinstellte, wobei auch er die Frauen als Mitstreiterinnen herangezogen wissen wollte. — An den sehr beifällig aufgenommenen Vortrag schloß sich die Wiederwahl des Vorstandes und die Bestimmung dreier Vertreter (Rechtsanwalt Hirschberg, Rechtsanwalt Kalisch und Emanuel Breslauer) für den Delegiertentag in Berlin Kattowitz, 25. Januar. Wie bereits kurz gemeldet, ist hier am 24. d. M. Herr Justizrat Salomon Epstein im 61. Lebensjahre nach längerem Leiden verschieden. Seit 1892 dem Repräsentantenkollegium angehörend,, seit 1898 dessen Vorsitzender, hat der Entschlafene seine reichen Geistesgaben, seine Beredsamkeit und Tatkraft mit freudiger Hingebung in den Dienst der Gemeinde gestellt, ihre Interessen auf allen Gebieten gefördert und eine bewundernslverte Wohltätigkeit für heimische und auswärtige Bedürfnisse entfaltete. Das Stadtverordnetenkollegium verliert in dem Heimgegangenen seinen langjährigen Vorsitzenden, alle gemeinnützigen 'Bestrebungen einen ihrer edelsten Gönners Ehre seinem Andenken! ' — Myslowitz, 24. Januar. Am. vergangenen Sonntag, den 17. d. M., feierte der hiesige katholische Pfarrer und geistliche Rat Klafchka sein 25jähriges Ortsjubiläum. Zu demselben wurden ihm sowohl von der evangelischen, als. auch der jüdischen Gemeinde durch Deputationen Glückwünsche übermittelt, ebenso von Deputationen aller Vereine. Bei dem Festessen war von dem Herrn Pfarrer auch für diejenigen jüdischen Teilnehmer, die nur rituell speisen, gesorgt. In den Tischreden wurde der hier herrschende konfessionelle - Frieden besonders hervorgehoben Einer der Redner meinte, das Wort Toleranz sei zu wenig, Liebe müsse herrschen zwischen den Konfessionen, und ein anderer gab der Ansicht Ausdruck, daß alle Religionen zu einem Ziele führen. ' M. Hamburg, 25. Februar. Herr Joseph Schönfeld, der Präsident des Tempel-Verbandes und zweiter Vorsitzender der Deutsch- Israelitischen Gemeinde, ist im Alter von,84 Jahren gestorben. Das Hinscheiden des Mannes, der sich um die Hamburger Gemeinde, namentlich auch um die Reformbestrebungen, so außerordentliche Verdienste erworben hat, erregt tiefe, aufrichtige Teilnahme. Joseph Schönseld kam in jungen Jahren aus feiner Heimat Schwerin in Mecklenburg nach Hamburg, gründete hier ein Kausmannshaus, das. sich im Laufe der Jahre immer mehr entwickelte. Der rührige Kaufmann verstand es, durch seine Energie und durch seinen Fleiß sich einen angesehenen Namen in' der Handelswelt Hamburgs zu erbringen. Für gemeinnützige Bestrebungen, namentlich auch für die Ausgestaltung der Institutionen in der jüdischen Gemeinde, bezeugte er schon früh ein reges Interesse; seit mehr als 50 Jahren gehörte er der Verwaltung des Mädchenwaisenhauses an, dem Vorstand des Tempel-Verbandes und auch dem Gemeindevorstand gehörte er mehrere Jahrzehnte an. Das Siechenheim der Gemeinde und andere Institutionen haben seiner Initiative ihre Gründung zu verdanken. — Die Beerdigung fand vom Trauerhause Magdälenenstraße unter außerordentlich großer Beteiligung weiter Kreise statt. Eingeleitet würde die Feier durch das stimmungsvolle Lied „Seele, was betrübst Du Dich", das vom Tempelchor unter Leitung des Herrn Oberkantors M. Henle wirkungsvoll vorgetragen wurde. Die Gedenkrede hielt Prediger Dr. I. Sonderling der in ergreifender Weise der Trauer Ausdruck gab über den Verlust eines Mannes, der während seines langen arbeitssamen Lebens sich unvergängliche Verdienste um die Gemeinde erworben. Anknüpfend an ein Schriftwort gab der Redner ein getreues Lebens bild des Verblichenen. Der Gemeindevorsteher M. Beith sprach im Namen des Gemeindevorstandes, dem der Verstorbene mehr als 20 Jahre angehört hatte. Sein weiser Rat und seine Einsicht werden eine schmerzliche Lücke hinterlassen, sein Andenken wird in der Hamburger Gemeinde stets in Ehren gehalten werden. Herr Robert H'inrichsen sprach im 'Aufträge des Tempelvorstaudes herzliche Worte des Nachrufes. Der Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums der Gemeinde, Herr Jakob Alexander, betonte-das segensvölle Wirken des Herrn Joseph Schönseld in den verschiedenen 'Gemeindeinstitutionen. Herr Max Kimmelstiel sprach noch im Aufträge der Repräsentanten des Tempel-Verbandes, während Herr Dr. H. C. Plaut für die Verwaltung des Siechenheims, der der Verstorbene seit der Gründung dieses Instituts angehörte, einen tief empfundenen Nachruf hielt. Unter den Klängen eines Chorals wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben. Der imposanteLeichenkonduktbewegte sich nach dem alten jüdischen Friedhof am Grindel. Die liturgische Andacht in der Friedhofskapelle wurde von den Kantoren des Tempel- Verbandes M. Henle und Jgn. Mandl abwechselnd abgehalten. Am offenen Grabe sprach noch Herr Prediger Dr. Leimdörser ein tief empfundenes Abschiedswort. Tief bewegt schieden die Leidtragenden vom Grabeshügel. 8t. UlM a. D., 1. Februar. Unsere Gemeinde hat innerhalb acht Tagen zwei Männer verloren, die ihr beide in hohem Maße zur Ehre gereichten. Am 22. v. M. verschied im Alter von 80 Jahren Herr Leopold Marx, ein ob seiner vornehmen Gesinnung und Rechtschaffenheit allgemein geachteter Mann. Er hat als Mitglied und dann als Vorstand des israelitischen Lesevereins eine über unsere Gemeinde hinausgehende ersprießliche und anregende Wirksamkeit entwickelt, besonders in den 60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts,