Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1909)
- Date
- 1909-02-05
- Page
- Seite 72 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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genommen haben, mit dem Millionär. zu-->tau.Em^und'.-di^seL: grotesken Zähne durch das Leben zu schleppen,, dieWussKhen wie die in dem Schaufenster der Zahnärzte ausgestellten Riesengebisse? Aber als. die l Zähne näher kämen und das plumpe hochrote Gesicht ihres. Trägers ihm.. entgegenblickte, War es noch weniger die Größe dieser weitvorstehenden, SchNeidezähne, als der'Gedanke, welche Freßsähigkeit ein solches Gebiß' wohl entwickeln könne, der -ihn beschäftigte. Dieser.. Multimillionär kam ihm plötzlich vor wie ein kolossaler Raubvogel, der jeden Augenblick ihn, den armen Künstler, der doch nur ein kleiner Singvogel war, verschlingen konnte. Das langvergessene Wort MsoduL kam ihm plötzlich in den Sinn — warnicht der Antisemitismus dieses Mannes ebenso, aufdringlich wie seine Zähne? Rischus, diese elende Bosheit, die dem verfolgten Volke mit der Zeit beinahe ein . Synonym des Christentums geworden war. Er chatte nie mehr daran gedacht, hatte den - Sinn des hebräischen. Wortes beinahe vergessen, während er, von Erfolg zu Erfolg eilend, in den Konzertsälen Lorbeeren erntete. War denn Risobus nicht überhaupt nur ein Schreckwort der verkümmerten. Brut des Ghettos, die vor Hirngespinsten zurückbebte, bemäntelte sie nicht vielleicht eine Menge ihrer eigenen Sünden damit? Run aber, erschien ihm der über ungezählte Millionen gebietende Mammuth wie eine lebende Verkörperung, des schattenhaften Wortes, die durch , diese Zähne, die alles zu zermalmen bereit schienennoch einen ganz besonderen Nachdruck erhielt. . Dann fiel' es * ihm plötzlich ein, daß er gerade an die Frau dieses Mannes feine schönsten Hoffnungen geknüpft hatte. War sie nicht die Führerin der musikalischen Welt Amerikas, und hatte ihm die belgische Prinzessin nicht einen duftenden und mit ihrem Wappensiegel versehenen Empfehlungsbrief an die Dame mitgegeben, ein Brief, der ihm unfehlbar alle Türen' und Ohren öffnen würde? Hatte; er nicht schon in Europa von ihrem herrlichen marmornen Musikfaale gehört — der zu den Sehenswürdigkeiten Chikägos gezählt wurde — und hatte er nicht davon geträumt, dort der König ihrer Feste zu werden? Und wie erfüllten sich diese Olympischen Visionen, ach, durch ein' mit der Maschine geschriebenes Briefchen, das er wütend zerfetzte — durch ein von einem Sekretär geschriebenes Briefchen erfuhr er, daß Frau Wildhammers Gesundheit es ihr leider nicht gestatte, das Vergnügen zu haben, einen Künstler mit solchen Empfehlungen zu empfangen. Risobus, es. war zweifellos Risobus. (Fortsetzung folgt )' ■ . MWM Literarische Mttrttungm. — Eine sehr hübsche Idee hat der Verein für jüdische Ge»' schichte und Literatur in Memel ausgeführt, indem er seinen Mitgliedern als Festgabe zum Jubiläum des Vereins ein geschmack» voll ausgestattetes Schriftchen über denselben gewidmet hat. Ursprünglich scheint die Absicht Vorgelegen zu haben, lediglich ein Verzeichnis der Vereinsbibliothek, die ebenso reichhaltig wie geschickt zusammengestellt ist. herauszugeben. Es zeugt aber von dem literarischen Geschmack des Vereinsvorstandes, daß anstatt eines einfachen Bücherverzeichnisses ein kleines kulturgeschichtliches Dokument geschaffen wurde. Wir finden nämlich in» der Schrift, die sichschlicht „Festgabe zu Chanuka" nennt, außer dem, von Kantor und Lehrer. Jos. Kahn sehr sorgfältig redigierten Katalog eine gedankenreiche Festrede des Rabbiners Dr. Stein, die dem Wirken eines unserer hervorragendsten Gelehrten, des Professors Dr. Abraham Berliner, gilt, weiterhin eine, ^Zufamnlenstellung^^sämtticheL,. seit Begründung' des Vereins' (im Jahre 1896—-97)" veranstalteten Vorträge, Diskussionsabeude und literarischen Kundgebungen. Diese Zusammenstellung nun, in der.wir die sehr.kundige Hand.des unermüdlichen,Herrn Leon Scheinhaus . erkennen, läßt sich als ein Kultu.rzeugnis. rühmen..Sie., beweist, daß. der Verein im Sinne seines unvergeßlichen Begründers Dr. I. Rülf seligen Angedenkens an keiner. Erscheinung im geistigen Leben des Judentums vorübergegangen ist, sondern allen Gebieten der Wissenschaft, der Kunst und der Literatur, der Geschichte und der sozialen Entwicklung sein Augenmerk zugewandt hat. DE Interesse für jüdische Geschichte und Literatur wird durch derartige Veröffentlichungen» die einen hübschen Ausschnitt aus dem Kulturleben einer jüdischen Gemeinde darstellen,, sicherlich.vertieft. Der Memeler Verein hatmit dieser kleinen Schrift den übrigen Vereinen in Deutschland ein gutes Beispiel gegeben, das sicher Nachahmung finden wird. * — Es wird all' unsere Leser gewiß sehr interessieren, zu erfahren, daß demnächst eine neue Schrift aus dem Nachlasse des unvergeßlichen Geheimen Regierungsrats Professor Dr. Moritz Lazarus , unter dem Titel: „Die Erneuerung des Judentums", ein Aufruf, im Verlage von Georg Reimer hier erscheinen, wird. Das Vorwort, das Frau Nahida Lazarus der Schrift voraus geschickt hat, lautet, folgendermaßen : „Warum ich erst , sechs Jahre nach dem Tode seines- Schöpfers dieses Werk veröffentliche? — wird man. fragen. Weil ich jetzt erst den Augenblick dazu gekommen glaube. Wohin ich sehe, ringt es in der Judenheit um des Judentums willen nach Aufklärung, nach Befreiung . . . wie noch nie! Aber — fehlt nicht der Führer? Meran, Januar 1909. Nahida Lazarus." * -- S. Tennenbaum. Liturgische Gesänge für Synagoge, Schule und Haus. Erste Abteilung für Freitagabend und Sabbat. Stuttgart, I. B. Metzlersche Buchhandlung. 1908. Von welchen Gesichtspunkten der Herausgeber bei der Veröffentlichung seines 48 Nunimern umfassenden Merkchens sich leiten ließ, erfahren wir aus dem Geleitwort, in dem es unter anderem heißt, der Autor habe, sich zur HerausZabe der vorliegenden Sammlung entschlossen, um . „einem allgemeinen Bedürfnis entgegenzukommen und auch kleinen Gemeinden ohne große Anschaffungskosten und ohne Ansprüche an einen vollbesetzten Chor die Aufführung beliebter Synagogengesünge zu ermöglichen." Für diesen tatsächlich vorhandenen fühlbaren Mangel nach einer Sammlung brauchbarer, in der Praxis bereits bewährter Synagogengesänge, scheint das Heft, dessen Anschaffungspreis trotz seiner Reichhaltigkeit nur 60 Pfennig beträgt, in geeigneter Weise Abhilfe zu schaffen. Es enthält neben ein-, zwei- und dreistimmigen leicht ausführbaren Gesängen für Kantor. Gemeinde und Chor von Lewändowski, Rubin. Faißt, Pereles, Arensen- Rosenhaupt, aus den Choralgesängen für den israelitischen Gottesdienst in Württemberg, auch eine Reihe sehr ansprechender Responsen und anderer Kompositionen des Herausgebers selbst. Bei den weiterenin Aussicht gestellten Veröffentlichungen für die drei Feste, für Neujahr und Versöhnungssest, sowie für sonstige Feiern und häusliche Feste, wäre sehr erwünscht, eine übersichtlichere Anordnung, sorgfältigere Sichtung des. Stoffes, größerer Druck und die Herstellung eines Inhaltsverzeichnisses. Dann wirh die musikalische Gabe, die schon in ihrer jetzigen Gestalt lebhaft zu begrüßen und den vielen Interessenten warm zu empfehlen ist, ihrem überaus löblichen Zwecke in ganz hervorragendem Maße gerecht werden, dann dürfte vielleicht in ihr erstehen das schon längst ersehnte volkstümliche liturgische-Gesangbuch' für die jüdische Jugend,- für Synagoge- Schule und Haus. München. E. Kirschner. Druck - und -Verlag -von Rudolf Moffe in.Berlin. Verantwortlich -für' bie Redaktion: Max Äauchwitz in Berlin.