Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1909)
- Date
- 1909-02-05
- Page
- Seite 69 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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hebräische .Spracheg ün z entraten möchte^ so kann ich-für- I den - häuslichen Gottesdienst von der hebräischen Sprache nicht ernst genüg äbraten. Nur für das Glaubensbekenntnis, für das Ledema Israel wollen wir auch ' zu Hause die hebräische Sprache beibehalten. . * . Ich hübe bis -jetzt^nur von den Fraisen gesprochennicht etwa, als ob Religion den Männern-- entbehrlicher-wäre als Frauen, sondern nur weil die Frauen in-der Erziehung des Heranwachsenden Geschlechts die wichtigere-Rolle spielen, und auch der MannL ihrem Einflüsse ungemein häufig unterworfen ist. Eine religiöse Frau macht nicht nur-ihre Kinder religiös, sie stirNmt auch den Mann der Religion geneigt, wenn es ihr wirklich ernst ist um - den - Glauben. Ansonst müssen wir der religiösen Erziehung der Knaben ebensolche Aufmerksamkeit schenken,' Wie der der Mädchen. Die Mittel sind in der freien Judenheit natürlich dieselben. Früher hieß es Den Männern vor allem das Gesetzd en Frauen das Jnnenleben. Der'Erfolg dieser Teilung war kein guter. -Die Frau, die zum Manne emporblickte, hatte mehr Respekt vor dem Gesetze des Mannes als vor ihrem eigeüen'religiösen Fuhlen und -hatte Nur ein Streben :- die Kinderdas heißt die Knaben, dem Gesetze zuzüführen, ihr eigenes Licht unter den Scheffel zu stellen. So kam es denn zu der verhängnisvollen Wandlung. Die Frau, die ebenfalls das Gesetz als die eigentliche Religion ansah, ihr Innenleben - viel zu niedrig eingeschätzt hat, verlor .jeden Halt, als sie den Niedergang - des Gesetzes erlebte, und so war die Bescherung bald da: die moderne irreligiöse Jüdin, die keinen festen Stützpunkt mehr hat für ihr seelisches Sein und über alle Stränge schlägt. Das rühmenswerte Streben der liberalen Rabbiner, hierin zu bessern, ging nicht den rechten Weg. Statt das religiöse Innenleben zu verjüngender Entfaltung zu bringen, schilderte man in hellen Farben die alte fromme Jüdin, die so treu alle Gesetze b eob achtet hat t e, immer wie der von der so falschen Prämisse ausgehend, die Beobachtung der Gesetze führe zur Religiös ität. Natürlich - konnte sich das nicht'bewähren, denn vor allem muß Religion da sein, dann kann es wieder vielleicht zu einer Gesetzestreue kommen. Wir-müssen aber endlich, den unglückseligen Standpunkt endgültig Verlässen, wonach die' Religionspflichten des Mannes andere öder größere wären als die der Frau. Es gibt nur eine Religiosität, und die kennt keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Sich eins fühlen mit Gott, Von dem wir' abhängen, sein ganzes' Seelenleben auf Gott stellen, Sabbat- und Festheiligung, häusliche Andacht, Freude an religiöser Belehrung im Gotteshause muß Männern' und Frauen gleich wert und teuer sein. Ja, ich würde nicht einen" Augenblick anstehen, die Frauen an der Gemeindeverwaltüng sich aktiv beteiligen zu lassen; und sollte einmal die sehr beachtenswerte Institution der Laienpredigt in unserer Mitte dürchgreifen, hatte ich auch nichts dagegen, daß eine ernste und begabte Frau iw öffentlichen Gottesdienst einen Vortrag halte. . . Mir Mkndrlskohn-Lsrtholdy. Von Dr. Adolph Kohüt. .1. . - / - er geniale Tonschöpfer, seit dessen Gebürt am 3. Februar dieses Jahres ein Jahrhundert verflossen war, Felix Mendel sso hn-B arth o l d y,. war bekanntlich ein Enkel Möses Mendelssohns. Denn sein Vater Abraham Mendelssohn war der' am 11. Dezember"1776 geborene zweite -Sohn - desselben. Kein! Philosoph wie sein-Vater, sondern mit praktischem-Ver^ stand..- und großer kaufmännischer Begabung ausgestattet/ widmete - sich Abraham dem Handelssach rmd* gründete später mit-seinem Bruder Jtzseph^das -zu' europäischem-Ruf gelangte Bankhaus Mendelssohn L Co. Auf einer Reise von Paris, wo er im Vauthüus Achille Fould 'gearbeitet hatte, lernte er Lea Salomon, eine reizende junge Jüdin mit sprechenden schwüren Augen Und einem Sylphiden-Wuchs> sowie großer Bildung, kennen, und vermählte sich mit ihr. Dieser glücklichen Ehe entsprossen vier Kinder. Fanny, geboren am 10. November 1805, Felix, der Komponist, das zweitälteste Kind, Rebekka, geboren am 11. April 1811- und Paul, geboren am 30. Oktober 1813. Es istin gewiffen chriftvlogischen Kreisen zur Manie geworden, den ausgezeichneten Oratorien - Komponisten und Schöpfer so Vieler musikalischer Meister-Werke mit biblischem Text, den konvertierten Felix Mendelssohn, gleichsam zum Gegner des Judentums zu stempeln. Däher erscheint es mir anläßlich des SäkUlartäges desselben angebracht zu sein, an dieser Stelle einmal die Beziehungen dieses Künstlers zu. Israel der Wahrheit'gemäß und durchaus objektiv zu beleuchten. Abraham Mendelssohn hat selbst den Glauben seiner Väter nie verleugnet. Seine Gesinnung leuchtet aus seinen Briefen an seine Kinder deutlich genug hervor. So heißt es z. B. in einem von ihm vor 90 Jahren aus Amsterdam am 5. April 1819 an seine Tochter Fanny geschriebenen Brief: „Es gibt, die Religion sei welche sie wolle, nur einen Gott, nur eine Tugend,- nur eine Wahrheit, nur ein Glück. Du findest alle, wenn Du der Stimme Deines Herzens folgest. Lebe so, daß sie immer, im Einklang mit der Stimme Deiner Vernunft bleibe." Als seine Kinder heranwuchsen hörte er nicht auf,.sie aufzumuntern, sie zu mahnen und ihnen ins Gewissen zu reden- Auch ließ er seinen Söhnen und Töchtern eine mustergültige Erziehung zuteil werden. Vor allem ließ er, da sie samt und. sonders musikalisch waren, ihre musikalischen Fähigkeiten durch ausgezeichnete Lehrer ausbilden. Auch Fanny lernte Generalbaß, hatte Unterricht in der Kompositionslehre und war im. Klavierspiel in vieler Beziehung dem Bruder ebenbürtig. Wie Moses Mendelssohn, so hatte auch Abraham eine glückliche Hand bei der Auswahl seiner Hauslehrer und Erzieher. Während Zelter den Kindern des Bankiers den musikalischen Unterricht erteilte, versah der berühmte Philologe Heyse, der Vater Paul Heyses, die Funktionen eines Hauslehrers mit großen: Eifer und glänzenden Erfolg. Hatte nun auch Abraham Mendelssohn keineswegs die hohe wissenschaftliche und literarische Bildung, die seinen unsterblichen Vater auszeichnete, so verstand er es doch, seinen Salon in der Leipziger Straße Nr. 3 in Berlin, wo er an der Seite seiner Frau und seiner Kinder als Förderer der Kunst, Wissenschaft und Literatur waltete, zu einem gastfreundlichen und künstlerisch anregenden Hause zu gestalten. Dort verkehrten die namhaftesten Geister Berlins, aber auch sonstige bedeutende Männer aus aller Herren Länder.. So z. B. Alexander v. Humboldt, Heinrich Heine Niccoln Paganini,. Ludwig und Friederike Robert und andere mehrere. Er interessierte sich sehr für die kommunalen Verhältnisse. Berlins und seine dankbaren Miteinwohner wählten ihn zum Stabtrat. Seinen gefeierten Sohn Felix begleitete er oft. auf dessen Triumphreisen, speziell nach London. Alle Welt machte ihm Komplimente darüber, daß er der Sohn und ver Vater eines, großen Mannes fei. Bei derartigen Lobeserhebungen machte er sich zuweilen auch über sich selbst lustig und meinte, daß er. zwischen Vater und Sohn gewissermaßen wie ein — Gedankenstrich dastehe. Auch meinte er einmal,