Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- Seite 60 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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ausführlich darlegt, scheiden sich die kanaanitischen Gefäfiefund Ges.äH/ bruchstücke. aufs deutlichste von den Kannen, Schalen und Henkel^ trügen aus der sehr viel später, erst nach einem langen Zeitraum^ währenddessen die dem Fluche verfallene Stadt als Ackerut# Gartenland dagelegen hatte, einsetzenden israelitischen Besiedlung^ Wiederum durch Jahrhunderte von dieser getrennt ist dann die oberste, frühbyzantinische Schicht, die durch große Amphoren, kleine Glasgefäße, Lampen, sowie durch allerhand Geräte aus Stein, Eisen, Bronze, Bein und Holz gekennzeichnet sind. Durch zahlreiche, dem Verständnis der Einzelheiten dienliche Abbildungen wird der Wert des stattlichen Heftes noch erhöht» ganz besonders aber durch die beigegebenen Pläne aus dem Januar und April 1908, die das Aussehen des Ruinenhügels vor und nach der Ausgrabung veranschaulichen. Sprechlssl. Sehr geehrter Herr Redakteur! 3n dem interessanten wissenschaftlichen Aufsatze Dr. . Köhlers: „Ueber den Ursprung und die Bedeutung der Zeremonien im Judentum" findet sich unter anderem folgende Behauptung: „Ditz -öeritb-NIIati-Feier kam wohl erst im Gefolge mohammedanischen Beispiels in Gebrauch." . Nun findet sich imkliärasob Tanchuma zum Abschnitte „Tezaweli (imn) gleich zu Anfang, folgende Stelle, die auf ein viel, höheres Alter einer solchen Feier schließen ließe: R. Simon b. Jochai sagt: „Komm und sieh', es gibt doch nichts, was ein Mensch lieber hätte als seinen Sohn, und dennoch vollzieht er an ihm die Milali ... R- Chanina sagt: „Damit nicht genug stürzt er sich sogar in Unkosten, indem er diesen Tag zu einem Freudentag macht, wozu er doch nach dem Gesetze nicht verpflichtet wäre." Ich glaube, dieser Satz spricht deutlich genug,, daß die Feier als solche schon in talmudischer Zeit begangen worden, und daß höchstens unwesentliche Bräuche, wie z. B. die sogenannte „Wachnacht", wo in Gegenwart des Kindes und der Wöchnerin von bestimmten Männern „gelernt" wurde, späteren Ursprungs ist. Raußnitz, 27. Dezember 1908. Dr. Max Steif. Sehr verehrter Herr Redakteur! <^>em badischen Oberrat gereicht es zur Ehre, daßseine hundertjährige Wirksamkeit in der vorigen Nummer Ihrer angesehenen Zeitung in so anerkennender Weise gewürdigt worden ist. Auch ich selbst weiß es gewiß zu schätzen, daß dabei meine Tätigkeit im Oberrate eine günstige Beurteilung erfahren hat. Soweit diese über das berechtigte Maß hinausgeht, wird die Antikritik schon für Richtigstellung'.sorgen. Ein sehr wichtiges persönliches Interesse gestatten Sie mir indessen wohl selbst an dieser Stelle wahrzunehmen. Ich übernehme für alle Handlungen des Oberrats aus der Zeit meiner 25jährigen Zugehörigkeit zu demselben gern die Mitverantwortlichkeit. Dagegen ist es unzutreffend und darf nicht Geschichte werden, daß mir eine größere Verantwortlichkeit zukomme als irgendeinem andern Mitglieds der Behörde. Es wird außerhalb Badens vielfach übersehen, daß ich dem Oberrate nur einen kleineren Teil meiner Zeit widmen kann; denn ich bin im Hauptamts Vorsitzender Rat des Großherzoglichen Verwaltungshofs und.als solcher überaus, beschäftigt. Deshalb war mein Streben im Oberrate unablässig darauf gerichtet, für diese Behörde als Kollegen die. besten und leistungsfähigsten Kräfte der badischen Judenheit zu gewinnen. Daß mir dies gelungen ist, betrachte ich als mein größtes und unbestreitbarstes Verdienst. Während ich in meinem Hauptamts vielfach volle Entscheidungsgewalt besitze, ist dies im Oberrate selbst bei der geringsten Verfügung nicht der Fall. Bei allen laufenden Geschäften wirken die drei in Karlsruhe wohnenden,. bei wichtigeren Sachen auch die drei, auswärtigen Öberräte mit, und nichts kann ohne Prüfung und Mitunterschrift des landesherrlichen Komissärs, der Ministerialdirektor im Ministerium der Justiz, des Kultus und Unterrichts, Mo einer der höchsten Beamten des Landes ist, verfügt werden. In eigentlichen . Religionssachen aber haben , alle diese Herren zusammen keine Entcheidungsbefugnis, sondern diese steht allein den drei geistlichen Mitgliedern des Kollegiums, den Konferenzrabbinern - (zurzeit die Herden Rabbiner von Mannheim, Karlsruhe und Freiburg), zu. So ist auch die Abfassung des neuen. Gebetbuchs von dem Gesamtkollegium im Jahre 1895 allein diesen geistlichen Mitgliedern übertragen worden, und,nur ihrer Güte harte ich es zu danken, daß ich an dem wichtigen Werke mit meinem Laienverstande Mitarbeiten und hervorragende Kräfte außerhalb Badens ebenfalls heränziehen dürfte. Noch einen Punkt darf ich klarstellen: Niemals hat die Orthodoxie mich aus persönlichen Gründen bekämpft. Sie hat es nur für richtig gehalten, ihren, wie überall, so auch' in Baden durchaus prinzipiellen Kampf gegen die Gleichberechtigung der fortschrittlichen Richtung im Judentum, der ihr gutes Recht ist, vorzugsweise gegen meine Person als vermeintlich gefährlichsten Vertreter der den Fortschritt neben dem Konservatismus fördernden Bestrebungen zu richten. Das war und ist nach meiner Ueberzeugung sachlich verfehlt und nicht im eigenen Interesse der Orthodoxie gelegene Aber eine persönliche Verstimmung wegen dieses Verhaltens liegt mir durchaus fern, und ich erachte es nach wie vor als meine Pflicht, auch zur Förderung des orthodoxen Teils der badischen Judenheit, soweit es mit dem Wohle des Ganzen vereinbar ist, mitzuwirken. Mit vorzüglicher Hochachtung und bestem Gruß Ihr ergebener * ' ' Dr. Mayer,;’4‘ ' Geheimer Oberregierungsrat. Karlsruhe, den 17. Januar 1909. 7k*>as warm empfundene Gedenkblatt des Herrn Professor Gotthard Deutsch, Cincinnati, in Nummer 48 des vorigen Jahres, läßt auch in dem Erinnerungsbuche meines Herzens eine Saite wehmütig erklingen. Schon einmal, vor langen Jahren, begegneten wir uns irr tiefer Trauer, um einen uns gleichermaßen teuren Freund, weiland Rabbiner Dr. Aron Bärwald, Saaz, und unter meinen „lieben Erinnerungen" bewahre ich sorgsam die wundervolle Gedenkrede, die er an dessen Bahre am 6. Januar 1891 hielt. Es war an der Grenze der siebziger und achtziger Jahre, als ich eben durch meinen in Gott ruhenden Freund, Dr. Aron Bärwald, dem jüdisch-theologischen Seminar, ganz besonders nahestand. In einer glücklichen Geschästsepöche weilte damals mein Mann in jedem Frühling'e Wochen-, ja monatelang in Galizien als Vertreter des Ehrenhauses Mayen, Michel & Deninger, Mainz, und namentlich stand er mit der hochangesehenen Firma Israel Blumenfeld Söhne, Jaroslau, in lebhaftester Geschäftsverbindung. Durch diese Herren, die auch zuweilen nach Breslau kamen, >war der damalige Hörer des Seminars, Herr Kronberg, an uns empfohlen worden und besuchte uns öfters. Allerdings hatten die Grazien nicht an seiner Wiege, gestanden, aber sein eifriges Streben, seine treuherzige Biederkeit, sein bescheidenes Wesen gewannen ihm unsere herzliche Anteilnahme, überdies war ich. noch die Vertraute seiner Herzensangelegenheiten, denn damals war es fast feststehende Regel, daß jeder Seminarist erst die „Kalle" und dann erst die „Kille" hatte, letzteres oft erst nach jahrelangem Hoffen und Harren! Endlich schlug, ich möchte fast sagen, dem greisen Hörer des Seminars — denn unter seinen bei weitem jüngeren und gewissermaßen eleganten Kollegen erschien er doppelt unjugendlich, fast greisenhaft — auch die Stunde, wo er seine Geliebte heimführen konnte. Er hat uns in treuer Anhänglichkeit in späteren Jahren, wenn er zu den Ferien mit seiner Frau und seinen Kindern in Breslau weilte, zuweilen besucht, und wir freuten unS stets herzlich des bescheidenen Glückes, das er genoß. „Alt werden, heißt viele sterben sehen!" Fast gleichzeitig mit dem schönen Gedenkblatt erhielten wir eine Danksagung von Frau Rabbiner Dr. Dobschütz anläßlich des Heimganges ihres Gatten, Rabbiner Dr. L/Dobschütz, Skotschau. Auch ihn, der zu Anfang der neunziger Jahre zuweilen bei uns verkehrte, haben wir wegen seiner ' trefflichen Eigenschaften sehr geschätzt. Unvergeßlich lebt für alle Zeiten Dr. Aron Bärwald in unsere/ Erinnerung fort, aber auch Dr- Kronberg und Dr. Dobschütz werden mir stets ein ehrendes Gedenken bewahren! Regina Reißer, Breslau. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.