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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-01-29 · Heft 5 (29.1.1909) · p. Seite 57

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 5 (29.1.1909)
Date
1909-01-29
Page
Seite 57 (sequence 9)
Language
German
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wenn der Verfasser sich - mit fremder Hilfe einen Einblick, in die Ergebnisse auch der * hebräischen Quellen verschafft hätte. Daß er es nicht getan, nimmt seiner Schrift die Vollständigkeit und den abschließenden Charakter. Aber wir dürfen ihm auch für das. dankbar sein, was er uns gegeben hat. , - - - ■' —n—n. Ephraim Nrubkl. Eine Erzählung von Anton Langer. . V. ’ ' . , Sorgfältig schloß man nun die Tür und die Fenster, daß kein verratender Lichtschimmer der Sabbatlampe hinausgleite über die Schneestäche; in der hintersten Stube, die gleichsam das Heiligtum des Hauses und mit so mancher seltenen Kostbarkeit geschmückt war, sammelten sich des Hauses. Genossen; selbst der Knecht und die Magd fehlten nicht. Uni»,, während draußen die dunkle Nacht über die vom Winter startende Landschaft ihren Mantel breitete und der scharf pfeifende Nordwind den Schnee von den Gebirgen herabjagte, daß er in stäubenden Wolken hinabwirbelte und in Vertiefungen und Schluchten sich turmhoch anhäufte, daß die heulenden Wölfe sorgsam denselben auswichen, wenn sie keuchend vorüberjagten, entfaltete sich drinnen in der Hütte strahlendes Licht; eine wohltuende Wärme goß sich über Körper und Seele, denn in trauter Heimlichkeit webte darinnen die poetisch-duftige Feier des Sabbats. - Die festlichen Speisen standen in blanken Gefäßen auf dem Tische, die Lampe, mit duftigemOele gefüllt, goß ihr mildes Licht über die glückliche Familie aus. Ich sage glücklich, denn Ephraim stellte sich heiter, um den Seinigen nicht die Sabbatfeier zu verderben; früh genug, dachte er, würden sie das Gräßliche erfahren. Mit schweigender Aufmerksamkeit hingen alle an seinem Munde, wenn er Worte der Belehrung, der Gottesfurcht zu ihnen sprach; alle ehrten seine Weisheit, seine Frömmigkeit — und wenn ihnen nun bekannt würde, daß er bereits ein Christ, ein Abgefallener vom Glauben seiner Väter — ach, er mochte sich diesen Gedanken nicht weiter ausmalen! Es war sonst Sitte in diesem Kreise, daß der Vater den Seinen das Wort aus der Schrift vorlas. Auch heute erinnerte ihn die Frau daran. Ephraim schauderte, denn er hielt sich nicht mehr für würdig, das heilige Buch zu berühren. Er'faßte sich aber und sprach: „Ei, was sollte ich, ein schlichter ' und ungelehrter Mann, mir anmaßen, das göttliche Wort zu * lesen, da hier einer sitzt, zu dem man Rabbi sagt. Lies Du, Immanuel." Trotz, dem bescheidenen Weigern des jungen Mannes wurde ihm die ehrwürdige Familienbibel gebracht, und mit voller männlicher Stimme begann er zu. lesen. .* Lauschend s horchte die ganze Versammlung, seinen Worten, als .er zu der Stelle kam: „Und es wird geschehen, so Du beobachtest die : Gebote des Ewigen Deines /Gottes und wandelst in seinen ■ Wegen, werden die Völker der Erde von Deinem Ruhme, von Deiner Größe reden, gesegnet wird sein all Dein Händewerk. — So Du aber meinen Bund brechen wirst, und Dich wenden * zu den Göttern, der Fremden des Landes, dahin Du mitten J unter sie kommst, wird mein Zorn über Dich erglühen und ' ich. werde Dich verlassen,, und werde Dich geben , in die /; Atzird Deiner Feinde, Du wirst unterdrückt und beraubt' ssin und niemand hilft; Söhne-und Töchter wirst. Du.haben, aber Dein werden sie nicht bleiben und Du wirst zum Gleichnis und zur Stachelrede sein -unter all den Völkern, dahin Dich -Ler .Ewige treiben wird.. — Und es werden über Dich kommen rrW diese Flüche, weil Du verlassen den Bund des Ewigen des Gottes Deiner Väter, den er mit ihnen geschlossen,, da er sie herausgesührt aus dem Lande Mizrajim; und weil Du gegangen und gedienet fremden Göttern und Dich gebückt vor ihnen, Götter, die Du nicht gekannt, und er Dir nicht zugeteilt." Hier hielt Immanuel Plötzlich im Lesen inne; denn Ephraim war totenblaß geworden und drohte vom Stuhle zu sinken-; bestürzt versammelte sich die ganze Familiengruppe um den Hausvater, der erschöpft sich zurücklehnte. „Was ist Dir, Ephraim?" jammerte die Frau, und die " bestürzten Kinder stimmten mit ein. „Nichts'," sagte Ephraim, „eine Kleinigkeit, ist schon vorüber, wäre mir auch nicht angenehm, wenn es anhalten würde, denn ich muß heute noch nach Wien zurückkehren." „Wie?" fragten alle in höchster Verwunderung, „am '.Sabbat!" „Mein Geschäft ist so wichtig," fuhr er fort, „daß es meine Anwesenheit in Wien noch heute erfordert. Ich bin nur herausgekommen, um den Sabbat mit Euch zu feiern Md sagte nichts von meiner Rückkehr, weil ich Euch die Feier 'nicht verderben wollte. Aber jetzt ist es Zeit'; geht, Kinder, Mnd bringt mir meinen Pelz, ich muß fort, ehe es zu spät wird." „Aber allein und in der Nacht," zitterte die Hausfrau. ' „Es ist keine Gefahr und Gott wird mich schützen." ' „Immanuel soll rn.it Dir gehen." „Nein," antwortete Ephraim nachdrücklich, „das kann ich ''nicht dulden; er würde mir bei meinem Vorhaben nur hinderlich sein; er soll bei Euch bleiben und Euch schützen, vielleicht 'bedürft Ihr seines Schutzes mehr als ich." „Aber der Schnee — die Wölfe." „Gegen den Schnee schützt mich mein guter Pelz, gegen die Wölfe diese Feuerwaffe. Es darf Euch nicht bange um mich sein.". Regina hatte dem Vater Pelz und Bärenmütze gebracht, und als er sich schon zum Fortgehen anschicken wollte, sagte 'Immanuel: ,/s ist Sabbat heute, Vater, und Ihr habt Eüre Kinder noch nicht gesegnet." V „Darf ich das?" fragte Ephraim, während ein leichter Schauer seinen Körper durchrieselte.; „Warum solltet ihr nicht?" sprach Immanuel verwundert. „Habt Jhr^s doch immer getan." ' „Ich meine," sagte Ephraim ausweichend, „weil ich den ' Sabbat entheilige, da ich mich von seiner Feier durch ein Geschäft hinweglocken lasse." „Wenn einer in so redlicher Absicht, 'wie Ihr, das Gebot /Übertritt, dann mag es wohl keine so große Sünde sein," 'sagte Immanuel, „und so gebt uns Euren Segen, Vater." - Ephraim ließ zuerst die jüngeren Kinder kommen und segnete sie schweigend in wehmütiger Rührung; dann neigte ^.'sich Regina und ihr Bräutigam vor dem Vater, er legte seine /' zitternden Hände auf ihr Haupt und. sprach mit tiefbewegter ^Stimme: „Ich segne Euch; meine Kinder, daß der. Herr Euch geben möge, alles, was Euch frommt; - Heil und Glück, daß ' Ihr Freude erlebet an Euren KinderK; der Fittig des Ewigen ' kühle Eure Wangen, wenn sie brennen von-- der Glut der ^Tränen und der Balsam des Gebetes stärke Eure Herzen in Mn Tagen der Not; sei Du, Jmmanüel, ihr ein treuer Gatte, ' eine starke Stütze im Leben, sei du, Regina, ihm eine treue,

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