Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1909)
- Date
- 1909-01-22
- Page
- Seite 47 (sequence 11)
- Language
- German
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geäußert/dort beerdigt zu werden. Der Wunsche ward ihr schnell erfüllt. Jhrem-Andenken ist eineSchriftdes Gatten gewidmet: . Dieser selbst, wandte sich, eine Zeitlang nach Posen, wo er -wissenschaftlichen Studien lebte, wo er Kinder und andere Verwandte wohnen hatte, reiste dann ab^r nach.Oberschlesien, wo seine Söhne in, verschiedenen Orten als Rabbiner wirkten. In Loslau, wo sein Sohn Eliah als Rabbiner amtierte, war er dann noch bis zu seinem 1863 erfolgten Tode vielfach literarisch tätig. Dort ist er beerdigt. - Eine seiner Arbeiten war die' Chronik, die sein Enkel übersetztedarin erzählt er auch noch von seinen. Geschwistern und Kindern, meistens Schriftgelehrten, deren Kinder sich auch vielfach rabbinischen Studien widmeten. i So genießt die weitverbreitet^ Familie noch heute vielfach hohes Ansehen, und das berechtigt dann freilich. vor allem die eingehende. Beschäftigung mit ihren Vorfahren. Aber auch da, wo minder bedeutende Glieder der Familie vorhanden sind, sollten derartige Forschungen nach den Ahnen von Wert und Interesse sein. . Sie sind die kleinen Steine zu dem großen Mosaikbilde, das uns eine Geschichte des Judentums entrollt. Und wie das Gesamtbild von Not, Verfolgung erzählt, die nicht das heiße Streben nach Bildung und Wissenschaft zu unterdrücken vermochten, so wird man auch, in den einzelnen Teilen immer wieder dieselben Züge finden, aus denen das gesamte Bild sich zusammensetzt. Und als ein Ausschnitt aus der großen Geschichte unseres Volkes wird denn auch jedem, der der Familie nicht nahesteht, diese Familienchronik wertvoll sein. So aber könnte mancher, indem er in dem Schacht seiner Erinnerungen und denjenigen seiner Familienglieder nachgräbt, in alten Familienbriefen usw. wertvolles Material Herbeiträgen. Ephraim Neubrl. Eine Erzählung von Anton Langer. IV. SSSi!eam Haus des Juden Ephraim Reubel in Nußdorf war ein Tempel der reinsten Liebe geworden, und die düsteren Stuben schienen zu schimmern im Abglanze des edelsten der Gefühle. Der junge Mann, den Ephraim mitgebracht hatte, als die beiden Studenten in sein. Haus eingedrungen waren, war Immanuel ben Levi, der Sohn des weisen 'Rabbiners Jacob Halevi in Krakau, Reginas verlobter Bräutigam, Schon vor Jahren hatten die Väter ihre Kinder versprochen, und nun die Zeit da war, reiste Immanuel, von Krakau nach Wien, wo ihn Ephraim. abgeholt und nach Nußdorf geleitet hatte. Immanuel und Regina hatten in kurzer Zeit einen festen Bund geschlossen, ihre Herzen schlossen sich inniger und inniger aneinander. Segnend. blickte die kranke Mutter auf ihre Kinder und sah das Glück ihrer eigenen-Jugendzeit zum zweitenmal in dem Glück der Ihrigen. Der einzige Umstand, der ihre Freude trübte) war die Abwesenheit Ephraims. Seit die Boten des Gerichtes in das Haus eingedrungen waren und den Hausvater mit sich fortgesührt hatten, war Ephraim nicht mehr zurückgekommen, aber am dritten Tage brachte ein Bote, der zu Pferde von Wien kam, einen Brief, in welchem Ephraim meldete, daß es ihm wohl gehe, und daß sie seinetwegen ganz ohne Besorgnis sein sollten. Es sei eine wichtige Angelegenheit, die ihn in Wien zurückhalte; binnen kurzem aber werde er wieder in Nußdorf eintreffen. Sie sollten geduldig seiner Ankunft entgegenharren, und- 'auf keinen. Fall sollte Immanuel die Frauen allein, lassen und etwn nach Wien kommen. Der junge Mann, dem dieser Befehl höchst erwünscht war, da er nichts verlangte, als immer an der Seite der Braut zu weilen, stellte sich taub gegen die Bitten der. Frauen, , die ihn beschworen, nach Wien zu gehen, und nach dem Vater zu forschen, Auch kam kein Nachbar nach Wien, der Kunde hätte bringen können, denn die Straße war damals viel schlechter-als jetzt, und der.viele Schnee hatte sie völlig unwegsam gemacht. Es war Freitag abend. Die kleine Familie - saß am Fenster, das hinaus ging auf den gefrorenen Spiegel der Donau, auf dem die letzten Strahlen der . langsam hinter - dem Kahlenberge herabsinkenden Sonne zitterten und das Eis in den mannigfachsten Farben schimmern ließen; dichter Schnee lag aus den Auen jenseits der Donau, und die ganze Gegend trug jenen eigentümlichen Charakter, welchen ein sonnenheller Winterabend gibt. Die kranke Mutter saß, sorgsam in Tücher eingehüllt, am Fenster und blickte hinaus in die funkelnde Schneelandschaft; ihr zur Seite saß Regina, sorgfältig jeden Atemzug der geliebten Mutter bewachend, während Immanuel an der Rücklehne ihres Stuhles stand. Die kleineren Kinder spielten lärmend in der Stube und kollerten lustig auf dem Boden herum, während das knisternde Feuer im Ofen manchmal mit stärkerer Flamme aufflackerte und einen roten Schimmer über ihre fröhlichen Gesichter goß. Es war eine heilige Szene stillen Friedens und Familienglücks. „Ephraim kommt auch heute nicht," sagte die Mutter, indem sie mit besorgter Miene die Straße hinabsah, „es wird kälter, und mir schien es heute uacht, als ob ich die. Wölfe ganz nahe hätte heulen hören." . - „Heiliger Gott!" ries Regina. „Allerdings," fuhr die Mutter fort, .„Ihr schlieft fest, aber mich lassen die Sorge und die Krankheit nicht schlafen, und da vernahm ich es, wie sie vom Gebirge herab bis an die Straße kamen, und erst gegen Morgen merkte ich aus dem schwächer . werdenden Geheul, daß sie wieder ins Gebirge sich verloren." „Es wird so arg nicht sein," tröstete Immanuel, „wir in Polen haben Wölfe genug, und ich weiß, daß sie sich am Tage so leicht nicht an die Landstraßen wagen, und Ephraim wird sich wohl hüten, in der Nacht zu wandern." „Es wäre denn doch besser, er wäre hier," seufzte die Mutter. „Allerdings," meinte Immanuel. „Da es aber nicht ist, so müssen wir uns in Geduld fassen," sagte Regina. „Mein starkes, mutiges Mädchen!" rief Immanuel, „der Vater wird gewiß bald, recht bald zurückkommen." „Wenn ich nur wüßte, was es denn eigentlich ist, warum man ihn. in Wien zurückhält,", fuhr die Mutter fort. „Ach, welch tödlichen Schreck habe ich ausgestanden^ als die Männer des Gerichts in unser Haus eindrangen, alle Schränke er-, brachen und jenes Gold, von dem ich nichts ahnte, samt dem Vater mit sortnahmen: ach, wenn ich nur wüßte, welche Bewandtnis es mit jenem Gelde habe, ich würde viel ruhiger sein." „Würdet Ihr das?" fragte Immanuel. „Ganz gewiß," sagte die Mutter. „Nun, so hört," fuhr der junge Mann fort. „Das Geld ist aus Polen und wurde von meinem Vater..gesammelt mit vielen braven Glaubensbrüdern, und ich sollte es dem Ephraim Reubel überbringen, daß er damit eine Synagoge zu gründen suche. Dieses Auftrags habe ich mich getreulich entledigt und dem Vater das : Geld - übergeben. An. jenem Abend, als die beiden wüsten Gesellen hier einbrachen, die der .Vater, durch sein, entschlossenes Benehmen , entfernte, -legten