Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1909)
- Date
- 1909-01-22
- Page
- Seite 48 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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wir das Geld hier in den Schrank;.,in demselben Augendliche gewahrte ich das Gesicht eines Mannes, der durchs Fenster hereinspähte. Da ich rasch auf ihn lossprang, huschte.er wie ein Schatten davon. Ich vermute nun, daß jener Spion der Obrigkeit dies angezeigt, und da sie wahrscheinlich etwas Böses dahinter suchte, hat sie sich des Geldes und Ephraims Person bemächtigt. Es kann ihm aber durchaus nicht schwer werden, seine Unschuld zu erweisen; ja vielleicht ist dies eben ein glücklicher Umstand, um die Gründung der Synagoge bewilligt zu erhalten." „Nun, so wäre ich wohl ruhiger-" meinte die Mutter; „abet dennoch kann ich mich aller Besorgnisse nicht entschlägen.^ „Das werdet Ihr nie," scherzte Immanuel, „und daran ist wohl nur Eure Krankheit schuld." : „Eine Synagoge in Wien?" fragte Regina. „Ja, mein Lieb!" versetzte Immanuel, ,-wenn es auch im gegenwärtigen Augenblick geheim bleiben muß; und aller Wahrscheinlichkeit nach würde ich dort Rabbi werden; denn ich kann es ohne Anmaßung sagen, nicht viele haben so fleißig gelernt, wie ich, da von Jugend an mein weiser Vater mich darin belehrt, und mancher alte Mann hat sich verwundert über das, was ich im Studium des Talmud und der Thora geleistet." Mit Freude und Stolz sahen Mutter und Tochter auf den jungen Mann. Wohl mochte die Mutter des Kindes Glück, die Tochter die. eigene freudige Zukunft im Geiste sich ausmalen; aber des Menschen Hoffnung ist wie die Blüte, wer weiß, ob ein Sturmwind sie nicht in den Staub verwehen wird, oder ob sie zur lieblichen Frucht erstarken mag; des Menschen Glück ist wie der Rauch der Schornsteins, der himmelan steigenaber auch sich zerstreuen kann auf der dunklen Erde ... Es wurde an die Tür gepocht. Immanuel eilte zu öffnen, und ein Schrei des Entzückens hob sich von den Lippen der Frauen, als Ephraim eintrat. Regina flog an den Hals ihres Vaters, und selbst die schwache, kranke Mutter suchte sich aufzurichten. Ephraim reichte ihr die Hand, die sie freudig drückte; plötzlich ries sie: „Hilf Himmel, was bist Du blaß, mein Ephraim!" . Auch die Verlobten bemerkten jetzt erst die tiefe Blässe, die über des Vaters Antlitz ausgegossen war; Ephraim aber sagte, indem er die jubelnden kleineren Kinder an der Hand nahm: „Seid nicht töricht, was wird^s sein! Ich habe viel gearbeitet in der Stadt, denn es war ein gar wichtiges Geschäft, das ich verrichtet, und euch zuliebe habe ich gar vieles getan, was mir viel Mühe gekostet." Jnunanuel warf den Frauen einen bedeutungsvollen Blick zu. Diese verstanden ihn und forschten nicht weiter. „Es freut mich," sagte , die Mutter, „daß Du heute zur Sabbatfeier zurückgekehrt bist, Gott segne Deinen Eingang." „Ja, ’§ jft bald Sabbat," antwortete Ephraim wehmütig ernst. „Warum sprichst Dü das so traurig?" fragte das Weib. „Ei, habe ich's traurig gesagt," fragte Ephraim, sich zwingend, heiter zu scheinen, „nun, dann habe ich-'s wahrhaftig nicht so gemeint, denn ich bin von ganzer Seele erfreut, daß ich Euch wiedersehe. Wir wollen den Sabbat fröhlich feiern." „Ja," sagte Immanuel. „Entgegen, mein Freund, der Braut mit Verlangen, Laßt uns den heiligen Sabbat empfangen." Alle stimmten mit ein, doch, als er zur letzten Strophe kam: „Drum zieh ein in.Frieden," unterbrach ihn Ephraim. „Friede?" fragte er schmerzlich. „Wo ist der Mensch aus Erden, der den Frieden hätte? Für die Christen ist heute eine Nacht, wo die Freude und der Friede, eingekehrt in den Hütten' der' Menschheit/denn"Heute feiern He. das/Andenken jener Nacht, wo ihr Messiasaus die Erde niederstiesg." ' „Du bist so ernst, Ephraim," sagte die Frau ' besorgt. „Ernstziemt dem Manne-" ' sagte er ausweichend, und legte die schneefeüchten Kleider ab; Regina brachte ihm das weite Ueberkleid, in welches er sich hüllte, und einen ernsten forschenden' Blick auf seine Frau werfend, fragte er: -„Habt Ihr keine Nachricht über mich vernommen, seit mich die Stadtknechte aus Eurer Mitte wegholten?"' „Keine," versetzte die Frau, „denn Immanuel wollte nach Deinem Gebot uns nicht allein lassen, auch belehrte uns Dein Brief; von den Nachbarn aber kam keiner gen Wien, daß er uns hätte Kunde bringen können," „Nun, so ist's gut-" versetzte Ephraim, "tief Atem holend, ,-es wäre auch der Mühe unwert gewesen, einen Boten zu schicken; betraf doch die ganze Sache nicht mehr und nicht weniger als eine Pfandschast, wo man aus Mißverständnis mir zumutete, das Geld zweimal genommen zu haben, was sich jedoch bald genug aufklärte." r Und Ephraim trat zum Schranke und setzte den leinenen Säckel hinein, dann begab er sich wieder zu den. Seinigen und sagte: „Nun, Kinder, ich denke, es wäre Zeit, der Sabbat geht an." (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. Ein altjüdischer Münzsund in Südafrika. Im „Aethropos", einer internationalen (mehrsprachigen) Zeitschrift für Völker» und Sprachenkunde, berichtet Bruder Otto, ein Trappistenmönch aus Marianhill (Natal), über eine alte Münze, die sich in dem Museum dieser südafrikanischen Stadt befindet, wohin sie im Jahre 1898 nach ihrer Auffindung gebracht worden war. Arbeitende Chorreligiöse des Klosters hätten sie in -einer Eartenanlage aufgeresen, wo sie in der oberen Sand- und Humusschichte, etwa 30 bis 50 Zentimeter tief, lag. „Das Gepräge der Münze," so schreibt.Bruder Otto, „ist noch sehr scharf; sie kann nur kurze. Zeit durch Menschenhände, gegangen sein. Dieser Umstand legt den Gedanken nahe, die Münze müsse auf dem Seeweg nach Natal gelangt sein. Seefahrer älterer Zeit dürften wohl auch die nahegelegene Bucht von Durban, die einen prächtigen Hafen bildet, gekannt haben. Auf der einen Seite der Münze ist ein Kelch abgebildet, die andere Seite trägt eirien Palmbaum (? ) mit runden Früchten. Rechts und links vom Stamme des Baumes befindet sich ein kleiner flaschenartiger Gegenstand." Das Fundstück ist, wie P. Th. Strathmann (Mödling) in der genanntem Zeitschrift erklärend mitteilt, „nach Form und Aufschrift eine jüdische Kupfermünze aus vorchristlicher Zeit. Die außerordentlich gut erhaltenen Schriftzeichen sind altsemitische Charaktere in der Gestalt, wie sie im 2. und 1. Jahrhundert vor Christi noch aus Münzen und Denkmälern angewendet wurden. Die Transkription in die hebräische Quadrätschrift ergibt die Worte: (Vorderseite:) „viertes Jahr" (Rückseite:) „der Befreiung Sions". Münzen dieser Art, mit denselben Symbolen und derselben Aufschrift, sind allerdings nicht unbekannt; man hat deren schon viele gefunden und als ihre Entstehungszeit das zweite vorchristliche Jahrhundert allgemein anerkannt, näher: die Regierungszeit des Simon Maccabaeus (143 bis 136). Was aber diesem Funde hier eine besondere und einzigartige Wichtigkeit verleiht, das ist der Fundort: Südafrika. Die vielumstrittene Frage nach dem Charakter und der, Herkunft der südafrikanischen Ruinenftätten tritt mit diesem Funde zweifellos m ein ganz neues Stadium. Srrrchtigung. In dem Sprechsal der vorigen Nummer muß es durchweg Kirschner statt Kerschner heißeu. Druck und Verlag von Rud.olf Masse in Berlin. ' - ~ Verantwortlich für die Redaktion: Max Daüchwitz in Berlin:' r'j