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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-01-22 · Heft 4 (22.1.1909) · p. Seite 46

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 4 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
Seite 46 (sequence 10)
Language
German
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, desselben, - zu vertreten, ein Umstand, der ihm nach - zweiund,- : zwanzigjähriger Wirksamkeit schließlich, .entsetzlich verhängnisvoll werden sollte. Ich meine seinen Märtyrertod, dem er den JBemamm Kadosch. (Heiliger) verdankt.". ' Die. Geschichte dieses Märtyrertodes wird in der folgenden Weise berichtet: ,? „Am Rüsttage des jüdischen Neujahrsfestes 5496 (173T6) verbreitete sich irt der jüdischen Gemeinde zu Posen plötzlich die' Schreckensnachricht, daß ein christlicher Knabe tot aufgefunden worden und. man die. Juden des Mordes desselben beschuldige. Es dauerte nicht .lange, und der Varsebau wurde an der Stelle des Oberrabbiners, der - zufällig verreist war, ergriffen und abgeführt. . Zwar hatte seine Frau schnell genug - für einen .bereitstehenden Wägen gesorgt, auf dem er noch recht wohl (zu Verwandten nach Meseritz) hätte entfliehen können. Allein er war durch keinerlei Bitten zur Flucht zu bewegen; „Wie," sagteer, „soll ich in solcher Zeib meine Gemeinde verlassen? — Und hätte ich es nicht zu verantworten, wenn an meiner Stelle vielleicht viele andere und bedeutendere Männer ergriffen würden!" "Als man ihn abführte, wandte er sich zu der Menge, von der die Judengasse angefüllt war und die ihr Klagegeschrei erhoben hatte: „Was schreiet Ihr? Habt Ihr nicht erst heute morgen" das Gebet von den zehn Märtyrern gesprochen? — Aber ich fürchte," sprach er, „daß ich, wenn ich jetzt sterbe, keine zehn Leute bei mir haben werde, um den Namen Gottes zu heiligen, so lasset es mich jetzt tun. Ich bin bereit und entschlossen, Deinen Nmnen, mein Gott, zu heiligen; Gelobt seist Du, Ewiger, der Du Deinen Namen heiligen läßest vor der Menge!" Und weinend rief die ganze Menge: „Amen!"' - Er wurde in der schrecklichsten Weise gefoltert, und da er standhaft die ersten Folterqualen bestand, wurde er gänzlich geschoren, da man annahm, daß in seinem - Haarwuchs Zauberkraft sei. Vergeblich flehte er. daß man ihm den Bart lasse, da' er den Verlust desselben als Schmach empfand.- Die schwersten Folterqualen aber waren die Bekehrüngsversuche, die man mit ihm anstellte. „Endlich, um den-letzten Versuch zur Erpressung eines Geständnisses zm machen, schritt man zur Tortur in der Nacht vom 7. zum 8. 6bssochvan, vor deren. Vollendung er sich die. Gnade ausbat,, eine halbe Stunde allein sein zu dürfen; er schloß in derselben mit seinem Leben feierlich ab. Die schreckliche Prozedur selbst zu schildern, ist wohl weder nötig, noch gut möglich; bemerkt sei nur, daß es ihm, bem Darschan, nlinbestens besser erging als dem Leidensgefährten, den er hatte, dem Syndikus der Posener Gemeinde, Namens Jacob, dem man noch obenein die Seelenpein angetan, daß er dieselbe bei jenem in allen ihren .Einzelheiten mitansehen, ja, sogar dazu leuchten mußte, um sie unmittelbar darauf in gleicher Weise selbst bestehen zu müssen. : Man brachte beide Männer am anderen Morgen , zerschlagen und zerrissen nach Hause; sie starben beide -kurz, darauf, an den Folgen jener Nacht, der äarseban am 18. Kislew 5497 (1736)." Das blutige Märtyrerhemd des auf so fürchterliche Weise ums Leben Gekommenen, wurde von zweien seiner Kinder geteilt; zur Zeit, da Dr. Moritz Landsberg, Räbbiner zu Liegnitz, diese Chronik erscheinen ließ (1869), war ein Teil der Reliquie in Händen seines Oheims. Moses Landsberg in Posen, einem Ururen.kel des Märtyrers. . Die andere Hälfte war an eine Tochter gekommen, über deren und ihrer Nachkommen Schicksale nichts bekannt wurdet . ' “ Der Söhn des Märtyrers Eliah, der im Jahre' 1710 geboren war, starb im Jahre 1803 in Landsberg a. W., wo er über ein halbes Jahrhundert das Rabbinat verwaltete. Von ihm Nahm ein Teil seiner Nachkommen den Namen Landsberg an. Während des Märtyrertodes seines Vaters hatte er sich studienhalber bei Eliah Norden in Amsterdam aufgehalten. Als er dann auf die Nachricht vom Tode des Vaters heimkehxtegeriet er selbst in Lebensgefahr. ' , , ' „Er hatte'nämlich'die' Rückreise' unter zahlreichern Geleite zu Schiff angLtretem, aber schön tags darauf brach ein fürchterlicher /Sefsturm' aus) -der/das Schiff in - jedem. Augenblick:zu' vetmchteU - drohte; in.Amsterdam hielt tnan dasselbe bereits für wirklich linier« gegangen undtrauerte ernstlich um den hochverehrten Mann, der 'dabei seinen Tod gefunden/ 'indessen wurde das Schiff doch noch glücklich.m deU .Hafen von Amsterdam zürückgetrieben, und alsMiah in der Familie Nordens plötzlich'. wiedererschien, sprach derselbe bei einem Anblicke den Segensspruch „Gelobt seist Du, Ewjger. der Tote belebt." ' ' -- ' ' ' ' ' Sern Sohn, Joseph Landsberg (1749 bis 1825) war ein bedeutender Schristgelehrter in Posen, der Vater des Verfassers der Chronik. Er hatte lange in Berlin in" der von Lipinün Täüsk, dem Großvater Meyerbeers, gestifteten Klaus-Synagoge amtiert und genoß auch' in Berlin 'hohes Ansehen, was „namentlich in rührender Weiseein Kondolenzschreiben be^ zeugte, das Frau Amalie Beer (Mutter Meyerbeers) an seinr Angehörigen nach Posen gerichtet hatte." - Endlich sein Sohn, der sich Salomon Kaliphari,'genannt Posner, nennt, ist der Verfasser der Chronik.- Er tvär 1780 zu Posen geboren, widmete sich frühzeitig rabbmischönMudjen, und heiratete bereis im Jahre.1798 Hinde, die Tochter von Jsak Lasker aus Lubranitz, der seine Familie' bis auf den berühmten Salomo Luria, ja, bis aus. Räschi zurückführte. Seine Frau unterzog sich noch eine Reihe von Jahren.'dem Erwerbe, um ihn noch weiter seinen Studien sich widmen zu lassen. Zwar wurde, ihm dann ein ansehnliches Rabbinat angeboten, aber seine Gattin widerriet ihm dessen Annahme; er solle nun selbst den Handel betreiben und die Zeit, die ihm dabei übrigbleibe, der ' Wissenschaft und Religionsübüng widmen, sowie der Erziehung und dem Unterricht seiner Kinder. „Ich hörte aus ihren Rat," so berichtet er: 7 „ich beugte meine schwache, verweichlichte Schulter unter das Joch von Geschäften, an die ich nicht gewöhnt war; mich hielt kein Schnee oder Regen, keine Kälte oder Hitze, von den weiten Reisen ab. die ich nun machen mußte, und noch dazu unter einem fremden Volke, dessen Sprache ich nicht einmal verstand, über Berge von Sand oder durch sumpfige Tiefen, ohne' rechtes Nachtquartier und ohne regelmäßige Nahrung; ich trug mit Ausdauer alle diese und ähnliche Mühen und Lasten, zu denen gar oft noch mancherlei außergewöhnliche Drangsale hinzukamen,,wie Geschäftsstockungen, .Grenzsperren, Kriege,. Insurrektionen, Pest- und Hungersnöte, die nächst der allgemeinen Kalamität, von der sie begleitet waren, mir manchmal noch ihre besondere Gefahren und Schrecknisse bereiteten. . Gott hat mich dies alles glücklich bestehen lassen; ich gebe , ihm heute Preis und Dank für seine Gnaden, die er mir unzählbar.'erwiesen, für . seinen Schutz und Schirm in allen Nöten, für all die wunderbare Hilfe, die ich gefunden; ich danke ihm insbesondere, daß er mir in meinen Geschäften Glück gegeben und mich dadurch in den Stand gesetzt hat, mein Haus in Ehren zu bestellen und die Meinigen in Wohlstand zu versorgen." Auf seinen Geschäftsreisen führte er stets religiöse Schriften mit sich, über die er nachdachte, und heimgekehrt, suchte er stets bald sein Studierzimmer auf, wo er dann mehrere Schriften verfaßte.- So war er vierzig Jahre bereits verheiratet, sechs Söhne waren-in die Welt gegangen, hatten geheiratet) drei-Töchter waren angesehenen Männern vermählt. Da wurde er plötzlich aus seiner Ruhe aufgeschreckt. Während seine Gattin sich bei Kindern in Deutschland aufhielt, besuchte er eine Tochter,- die in Littauen verheiratet war. Sie war „fürstlich eingerichtet", in ihrem Hause war eine schöne Haussynagoge und eine reiche Bibliothek, und schon hatte rr den Plan gefaßt,- sich - dort niederzulassen, da wurde der Schwiegersohn infolge von Geldverlusten schwermütig, es kam zu Streitigkeiten zwischen den Eheleuten, und so mußte die Ehe geschieden werden? - So reiste er mit der/Tochter nach Warschau, wo ihn die Nachricht vom Tode der Gattin traf, -der -1847 in Posen erfolgt war.'' Siehätte kurz vorher dort die Gräber ihrer Ahnenbesucht und -hätte den "Wunsch ._‘ i_(tä,

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