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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-01-22 · Heft 4 (22.1.1909) · p. Seite 45

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 4 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
Seite 45 (sequence 9)
Language
German
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mnd.-Heschichte: -'And Mäßigkeit im Genüsse?! Worin sind denn unsere' Ahnen mäßig gewesen?/Im Äckoholgenusse! Ich -wüßte-'aber' nicht- -daß wir hierin besondere Religionsgesetze hätten. " Oder wollten Sie ernstlich behaupten, daß das Gesetz Die Jndesi sittlich besser gemacht habe? Ich möchte nicht gern öarüberDiskutieren. Aber zugegeben,, daß der Druck Der Religionsvörschriften, diese Erfolge gezeitigt hätte, ist. das sg erstrebenswert? Führt nicht das . Aufheben des Druckes zum Aufschäumen der Genußsucht, des Egoismus? Ohne Gesetz, Ixa,st des,, eigenen Willens, mit Hilfe edler Herzensreligiun sich erziehen zu vornehmer Mäßigkeit im Lebensgenüsse,, zu Nächstenliebe, und Gerechtigkeit, das.ist des Schweißes der Edlen wert, da s hat rechten, hohen E r.s o l g. . . - - ,- Diev Speisegesetze sind eine Fessel gewordendie wir gesprengt haben,, aber noch immer nachschleppen. Entfernen wir sie endgültig, ex officio! Der Irrtum unserer Altvordern, an dem wir schon - seit 2V2 Jahrtausenden, kranken, der uns soviel, so unendlich viel gekostet hat,, muß endlich beseitigt, aber gründlich beseitigt werden. Nicht ein. Prävalieren der Religion und eine Erleichterung der Genußverbote brauchen wir. Das führt zu nichts. Wir würden dann doch immer wieder zum Gesetz zurückkehren. Verschwinden müssen diese Verbote mit allem, ,was drum und dran ist, als wären sie nie gewesen. Das. Judentum ist reich genug an religiösen Idealen, an poetischen Werten, um uns zu Gott emporzuheben — auch ohne Gesetz. Sabbatweihe Und Feste, Gebete und gottesdienstliche Belehrung aus ihre reinsten und edelsten Formen gebracht, sollen den freien Juden zu echter Religiosität,'zur Treue gegen das Judentum führen. Kus kiurr sltkn Familienchronik. . Van E. Ifolani. K^^ilvas Worte: „Tief in unserm Volke wurzelt der Zauber ^—* der Familie!" haben zweifellos eine unbedingte'Berechtigung. Wo von Nord und Süd, von Ost und West zwei Angehörige des jüdischen Stammes zusammenkommen, wird allsogleich nach verwändtschastlichen Banden geforscht, die die beiden bisher einander völlig Fremden miteinander verknüpfen. 'Wer hätte solchen Nachforschungen nach Familienbanden nicht schon beigewohnt, nicht, -selbst sie schon im gegebenen Falle ängestellt, wer nicht die Freude gesehen oder empfunden, wenn irgendein. Faden wirklich gefunden, der die auch , selbst ganz weitverzweigten Glieder noch lose miteinander verknüpft! Ja, Das Leben unseres Volkes ist die Fanrille. .. Und. da muß nun bei so stark ausgeprägtem Familiensinn eins Verwunderung erregen: der ungemein geringe Sinn für Familiengeschichte, für die Ahnen, der Mangel - an Auszeichnungen -über Die- Vorfahren. - - . . . Zwar hört man da -und Dort -in israelitischen Familien mit Genugtuung von einem Verfahr sprechen,derein großer . Gelehrter gewesen, sejn joch und ähnliche Traditionen -leben in mancher Familienoch.fort. > Aber, wenn man nach Tatsachen fragt, wenn man Pen Traditionen ans: den Grund, zu gehen sucht, so verlieren sich zumeist bei schärferem Zugreisem, alle diese Mitteilungen in das unkontrollierbare Gebiet der Sage. Der Erzähler vernahm Unbestimmtes, esfinden sich - selten schriftliche Auszeichnungen.. ' .' Weyn hier? aus: der Ghronih. einer. jüdischen Familie , einV^Mitteilungeu Medergchev^. sm.-sefchie^t^das-.Wcht nur aus dem Grunde, weil diese Nachrichten an sich sehr intereffante und wertvolle Beiträge zur Geschichte, der jüdischen Gemeinden in Deutschland sind, sondern weil wir Dadurch gleichzeitig dazu anregen wollen, wo noch in jüdischen Familien Traditionen über Vorfahren leben, diese zur Aufzeichnung zu bringen. ' Die Schrift, Die uns vorliegt, ist der in hundert Exemplaren für. die Familie, von deren Vorfahrerl sie handelt, jetzt Durch Dr. Hans Landsberg hergestellte Neudruck einer vor etwa .vierzig Jahren erschienenen jetzt wohl vergriffenen Schriftwelche den Titel hat: „Mein Lebensbild im Anschluß an sieben Ahnenbilder, dargestellt von Salomon Kaliphari, gen. Posner, und aus dem Hebräischen übertragen von seinem Enkelsohne Dr. Moritz Landsberg, Rabbiner zu Liegnitz." Während Die Ahnenbilder bis ms 16. Jahrhundert zurückreichen, starb' der Verfasser Salomon Posner im Jahre 1863 im Alter von 83 Jahren zu Loslau in Schlesien, so daß die kleine, nur. etwa fünfzig Seiten umfassende Schrift Bilder aus drei Jahrhunderten umfaßt, bewegte Bilder jüdischen Gemeindelebens. . Mußte bei den ersten der Ahnenbilder die Tradition für den Bericht genügen, konnte später der erzählende Greis selbst in den Schatz /einer Jugenderinnerungen zurückgreisen, oder sich doch aus die verläßlicheren Berichte seines Vaters stützen, so Daß die anfangs nebelhafteren Konturen der Chronik mehr und mehr bestimmtere Formen annehmen. Salomon ha-Rofe Sephardi Kaliphari, ein spanischer Arzt, dem die Familientradition sogar den Titel Don verlieh, ist der Stammvater, auf den die Ahnenreihe zurückführt. Er soll Leibarzt bei einem spanischen oder Portugiesischen Könige gewesen und um die Mitte des 16. Jahrhunderts von . dort geflüchtet sein. Ende des 16. Jahrhunderts lebte er in allergrößtem Ansehen in Krakau. Ebenso - bedeutend war sein Sohn Samuel Israel Kaliphari, der im 17. Jahrhundert Rabbiner zu Lentschütz war und daselbst im Jahre 1624 eine furchtbare Judenverfolgung erlebt hat. Ein Werk von ihmein alphabetisch geordnetes Handbuch zu den vier Teilen des Schulchan-arueh, erschien noch neu aufgelegt im Jahre 1865 in Wien. Mit dem. Sohne des letztgenannten, Salomo Kaliphari ll., der Nachfolger seines Vaters im Rabbinate zu Lentschütz war, beginnen die Beziehungen der Familie zur Posener Judengemeinde. Denn dieser Salomo bezeichnet sich selbst als ein Schwiegersohn eines Arztes in Posen, namens Juda, der ebenfalls ein ausgezeichneter Gelehrter gewesen. Sein Sohn Joseph Hadarschan (der Prediger) hatte bereits .als Talmudjünger, zu Weißenfeld, wahrscheinlich in Mähren, eine harte Judenverfolgung zu bestehen. Im Jahre 1659 wurde er in Posen als Darschaii (Prediger) der jüdischen Gemeinde angestellt, in welcher Stellung er bis zum Jahre 1695 blieb, von welcher Zeit an er nur seinen frommen Studien lebte. ' , .Sein Sohn nun, Juda Arje Loeb, war die berühmteste Persönlichkeit der Familie. Von ihm berichtet der Familien- Chronist: „Mit. ausgezeichneten Geistesanlagen begabt, war er auch in physischer Beziehung von Geburt an ein sogenanntes Wunderkind; seine Mutter hatte ihn in ihrem fünfzigsten. Lebensjahr zur Welt gebracht. Schon als dreizehnjähriger Knabe predigte er öffentlich in der alten Synagoge zu Posen und wurde in einem frühen Jünglingsalter zuerst nach Peisern und sodann nach Samter als Rabbiner berufen. Im Jahre 1714 trat er die von seinem Vater so lange Zeit bekleidete Predigerstelle in Posen an. Er hätte .in diesem Amte /zugleich. den Oberrabbiner der Gemeinde in allen Funktionen

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