Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1909)
- Date
- 1909-01-22
- Page
- Seite 44 (sequence 8)
- Language
- German
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Hatzen 'Sie Hinter sichwen? ' Vonden: 6OÖO0Q deutschen. ."Inden'' werden es keine? '100,ODO * fein, * denen. Änseve?Dolkshräuche noch immer wirklich . heiligt sind:. Zuwesien Heil Isollvn. sie? denn, dienen^"-Ein wesentlicher Bestandteil unseres kMan-Ätheismüs^sind-sieÄncht,. unsere Mengehält sie nicht, ^waN Ellen He: denn Ech mit ihnen? Haben Sie die Macht, -sie -wieder aufleben zu lassen, sie zu .unserem Rekigious- .besitze zu. machen? Fast will es mir scheinen, als ob .auch - .Msere Religion eine Erlösungsreligion. werden wollte. Denn heutzutage verlangt jeder Jude von .seinem -Rabbiner'' die . strengste Beobachtung, der Gesetze, um -sichselbst "von der 'Sünde ,zu erlösen, - die er durch . Nichtachtung .> aller dieser Gesetze begeht,, um ungestört Schinken essen zu können. Doch ich bin nicht zum - - Scherzen i gelaunt, , geehrter Herr. Rabbiner. Unser Prediger hat des öfteren von ' der Kanzel herab erklärt, daß ihn in Wahrheit nur ' eines bewege, für-'die Zeremonialgesetze einzutreten: sie erhalten das Hausdie Familie gläubig; wer diese Satzungen noch beobachte, werde sich nie taufen lassen, mag .die. Versuchung noch so verlockend fein. Und,irre ich ...nicht, ist das das Kredo aller liberalen Rabbiner, auch das Ihrige. Prüfenwir; also die Behauptung, di e Beo b a ch t u n g 'der Gesetze, erdalte den Juden im Glauben, in der ,Religio,n. Mas ist Religion, was ist Glauben? Ich definiere das vor.Ihnen sowie ich, es mir, nach eifrigem Lesen hervor- . ragender religionphilosophischer Schriften konstruiert habe: /Religion ist des Menschen Abhängigkeitsgefühl von einer außer ihm stehenden Macht, doch zugleich die?SichLrhe<itein Teil dieser Macht selbst, mit. ihr ..intzertresinlich eins zu sein; .Religion ist . ferner das Bewußtsein, daß mein ganzes, ethisches Leben Wo n dieser Macht mir .eingepflanzt und gegeben ist. ..Die..Folge, dieser Religion ist die seelische Glückseligkeit des Menschen. — Bin ich überzeugt, daß diese Macht, von der ich ab hänge, mit der ich aber zugleich eins, b in und. der ich mein ethisches Sein verdanke, eine wirkliche..Realität ist, etwas, das da ist, wenn auch nur geistig, nicht körperlich; wenn ich an das positive Daseindieser Macht glaube, dann habe ich nicht nur Religion, sondern auch Glauben. ... . , Und nun frage ich Sie/ geehrter Herr Rabbiner, inwiefern exhält in , uns Juden ,die. Beobachtung der Gesetze die Religion, den'Glauben?..Ist nicht das Umgekehrte .die'Wahrheit? Sind nicht Glauben und Religiosität die Erhalter der Bräuche? Erinnern Sie sich, an den .Ausspruch unserer Weisen im babylonischen Talmud, #erachoth-13a?: Da wird die Frage aufgeworfen,, warum im örei.teiligen Lodmagebet an erster Stelle das Lotmia stehe ^VMeronczmium 6, 4 ff), dann erst die Heiden anderen Abschnitte splgey. Die Antwort lautet: „Damit der Mensch zuerst das Joch der Gotlesh errschast aus sich nehme, .dann das Joch der Gebote". Diese Alten, geehrter Herr Rabbiner, diese, Genies der Religion, haben das.Leben in der Religion gar gut. verstanden! Nur. ein religiöser, nur ein gläubiger Mensch ist imstande, die größten Opfer sur seinen Glauben zu bringen. Gewiß, wie wird sich, ein Jude zur Taufe bequemen, wenn , er? die?S-P eise geböte hält, .aber nicht, weil er die Speise- .UoHschristen. be'obachtet., sondern -weiler religrös- ^stxlb.ig' ist.. Alsp . nicht / die Zeremonialg esetze, Zaudern Religion. predigen, und lehren ist/die Aüfgabe ,< der .RahbLner..-Zjst/ ab? er.,wer .Jude religi-ü.s, - d.ann..braucht.es wred'qr nichh Zer Gesetze, .um dem - -Judentum? ttreuzU 'jb$eft$ *n,? Tdennder" religiöse otrtb:.?gläubige J.ude-: 'wrE' Uke ünd6n'itUMer seinem .Religion. .^wechselnselbst ^.'wenm "er" "alte VpkksbräuHe über .Borrd. wrr^t? Mcht'.zurGinhä.ltung der' Ge fetz e.' müsseu u nsere ^' Kinder - erzogen werden, sondern? zu jüdischer ReligiosrtÄt. -Ich gehe, jedoch noch weiter. JchwagedieBehäuptung^- ich? darf. He wagen, Win ich doch nur Laie —daß die Erziehung' im -Gesetze dem Durchschnitäsjuden - die Treue zum. Judentume direkt rauben Die-menschliche . Natur ,ist derart beschaffen, .daß ihr Gesetze- Dogmen, außerordentlich imponieren. Ein Gesetz wirktmehr als.hundert Predigten. Anderseits ist der größte Feind? des? Gefühlslebens das starre Gesetz. Und Religioü. ist Gefühlsleben, ist ein Leben in einer anderen- ^idealen. Welt, ein Leben . über den alles -:nivellierenden.. Gesetzen^ .. Gese sind Glaubensartikel, keine religiösen . -Werte, sind kirchliche Uniformierungsversuche, keinupersöuliches Herzenserlebnis. Ich halte, das Gesetz — sagt mancher Jude — was brauche ich weiter?.' Ich glaube an das Dogma — sagt manch, ein. Christ was brauche ich weiter? Durch das Gesetz, wie durch das Dogma kommt .es nur zu leicht zur Werkheiligkeit, zur äußerlichen Handhabung der Religion, zur kirchlichen Frömmigkeit ohne wahre, echte Religiosität Es muß nicht :fein; fo mancher Gesetzesjude ist zugleich.von einer tiefen, ergreifenden Herzensreligiositätder? Durchschnitt aber hält daS Gesetz für Religion. Die Folgen dieser Verirrung hat die heutige Judenheit zu tragen: in dem Augenblicke, in welchem der blinde Autoritätsglauben, die Angst vor dem Gesetze, geschwunden war, und mit der Angst auch das Gesetz, war auch schon die Geneigtheit zur Treulosigkeit gegen das Judentum. vorhanden, ganz von selbstdenn Gesetz und Judentum hielt man für identisch; daß es eine jüdische Religiosität gebe auch ohne Gesetz, daran glaubte niemand. Habe ich Recht, oder nicht? Ich bitte, nicht nach Ausflüchten suchen, nicht nach Sophismen; antworten Sie mir klipp und klar. Unsere Genußverbote sind mit einer einzigen Ausnahme, die wir in ihrer biblischen Schlichtheit auch heute-Hochhalten wollen, vormosaischen Ursprungs, haben daher keine Berührungspunkte mit unserer . eigenen . Religion; atavistische Volksbräuche, die von den Priestern kanonisiert wurden. Sie werden heute von der überwiegenden Mehrheit der -deutschen Juden nicht beobachtet. In der Erziehung zur Religiosität gereichen sie dem Durchschnittsmenschen nur zum Schaden. Die Rabbiner aber stehen da, ratlos, mutlos, kraftlos, vergießen Tränen über den Verlust des Gesetzes, in der so. verhängnisvoll irrigen Ansicht, der Verlust des Gesetzes bedeute den der Religion, statt einzusehen, daß das Gesetz niemals das Suchen nach Religion befriedigen könne, es im Gegenteil untergrabe. Man komme mir um Himmelswillen nur nicht mit dem Satze, diese Gesetze haben uns entbehren-gelehrtzu Mäßigkeit im Genüsse erzogen und sind schon darum von unendlichem Werte. Gibts nichts anderes, das uns entbehren lehrt, geehrter Herr. Rabbiner? -Lehren; es uns nicht genug Staat und Stadt und Gesellschaft? Gern enthehren? müssen wir Lernen, freudig entsagen. DaS jedoch l?ehrt .nicht das< Spexs.egesetz, ühevHauPt, - kein- Gesetz, fandern die heiße Herze ns liebe. zu Stamru und Religion^ zu Mott r I V ' -L."