Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1909)
- Date
- 1909-01-22
- Page
- Seite 41 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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'<m den Denkmälern Mr Großherzoge K arl („In Dankbarkeit für die freiheitliche^Staatsverfossuvg"), Ludwig („Dem Vollender ihLve.>.'.Ob«eratsorganifation5) : und Leopold (-Dem.^ fortschrittlichen^ und gütigen Fürsten") .ans dem Rondell-, Markt--und Leopolds- Platz, ferner äm Winter-Denkmal in derKriegstraße.(„Dem Schöpfer ihrer kirchlichen Gemeindeverfassung"), am ^Lamey-Denkmal nt Mannheim („Dem. Schöpfer der modernen Grundlagen des badischen Staates, dem tapferen Urheber ihrer bürgerlichen Gleichstellung"), sowie an den Gräbern fceS; Geheimrats B r a u e r („Dem edlen und staatslnännischen Verfasser des Edikts vom 13^ Janüar 1809") auf dem alten Friedhof und der Minister Gottfried Frhr. von Dusch („Dem edlen und hochverdienten Verfasser der freiheitlichen Gesetze von 1862") und Wilhelm. N okk („Dem erleuchteten Staatsmanns und hochherzigen Förderer der Landesshnagoge") auf dem neuen Friedhof in Karlsruhe. Am Vormittag des Jubiläumstags empfing der Größherzog eine 'aus dem landesherrlichen Kommissär bei dem Oberrate, Geheimrat und Ministerialdirektor Äecherer, den Öberräten Geh. Oberregierungsrat Dr. Mayer, Leop. Ettlinger, Fritz Hamburger von hier, Konferenzrabbiner Dr. Steckelmacher von Mannheim, sowie den Synodalausschußmitgliedern Stadtrat Marx von Bruchsal und Rechtsanwalt Kassewitz von Freiburg bestehende Abordnung, die eine Adresse folgenden Inhalts überreichte, die von dem genannten geistlichen Mitglieds verlesen wurde: Durchlauchtigster Großherzog! Gnädigster Fürst und Herr! Auf ihr erstes Jahrhundert blickt heute die badische Landessynägoge zurück, und mit demütigem Dank gegen den Herrn der Welt,' der die Zeiten ändert, vereinigen sich die Empfindungen tiefster Dankbarkeit gegenüber den erlauchten Fürsten, die mit weisem und hohem Sinn unserer Glaubensgemeinschaft eine würdige Stellung neben den anderen Bekenntnissen verliehen und ihre Glieder zu guten und nützlichen Staatsbürgern gemacht haben. Am 13. Januar 1809 hat Euer Königlichen Hoheit glorreicher Ahnherr Grobherzog Karl Friedrich mit dem siebenten Konstitutionsedikt seine für die moderne Staatsversassung grundlegende Gesetzgebung abgeschlossen. Durch dieses Edikt ist nicht nur unserer Glaubensgemeinschaft die konstitutionsmäßige Aufnahme und eine den großen Landeskirchen ähnliche Organisation gewährt, . sondern auch jedem einzelnen Israeliten der Weg zum vollen Bürgerrecht angebahnt worden. Damit hat der große Gesetzgeber für seine gedrückten und mißachteten israelitischen Untertanen eine damals ungeahnte Entfaltung geistiger Kraft und Regsamkeit ermöglicht. Auf dem von dem Unvergeßlichen gelegten Grunde ist von seinen Nachfolgern auf dem Throneweiter gebaut worden. Eurer Königlichen Hoheit Höchstseligem Herrn Vater, Großherzog Friedlich,, hat Gott es gegeben, hier wie auf so vielen anderen Gebieten der Vollender des von Höchstseinem Großvater Begonnenen zu sein. Nicht allein die volle bürgerliche Gleichstellung danken ihm Badens Israeliten, sondern auch die moderne Ausgestaltung, ihrer kirchlichen Verhältnisse. Eure Königliche Hoheit sind der treue Erbe und Bewahrer der edlen Ueberlieserungen' des ruhmreichen Hauses der Zähringer. Eurer Königlichen Hoheit Throne nahen wir deshalb heute, um der durch ein volles Jahrhundert bewährten dankbaren -Anhänglichkeit der Israeliten au das Grüßherzogliche. Haus, die auch eine im Aufträge des Oberrats verfaßte Geschichte derselben .bekunden soll, bei diesem bedeutsamen Anlasse besonderen Ausdruck zu geben und das Gelöbnis treuer Arbeit und unbegrenzter Opferwilligkeit für das Wohl der teuren Heimat und für den Ruhm des deutschen Namens zu erneuern. ... Der allgütige Gott aber lohne Eurer Königlichen Hoheit die edlen Gesinnungen und Handlungen Ihrer erlauchten Vorfahren und laste das Andenken der Gerechten für Eure Königliche Hoheit und für Ihr Volk zum Segen sein! In tiefster Ehrfurcht perharren namens der israelitischen Religionsgemeinschaft' des Großherzogtums . ' "\ Eurer Königlichen Hoheit untertänigst.treugehorsamste .'V.; Mitglieder des Oberrats. Mitglieder des Synodalausschüsses^; Karlsruhe, den 13: Januar 1909. - - ..... Der Großherzog, dankte in einer längeren herzlichen Ansprache für alles, was die Adresse in so schöner Weise Mm Ausdruck bringe. Jmmermehrwerde erkannt, wie sein -Urgroßvater einen, weiten Bljck gehabt habe - für? die Bedürfnisse; des unter ihm geeinigten Landes und für : die Anforderungen... der neuen Zeit. Was Karl Friedrich, gesegneten Andenkens, geschaffen,, sei grundlegend und beispielgebend geworden für die Verhältnisse, deren wir uns heute zu.erfreuen haben.. Er wolle diese Traditionen ganz ebenso wie sein seliger Vater Pflegen und das Wohl aller Landes kr n d er t m Äu ge haben — ohne 'Unterschied. Sehr angenehm habe ihn die pietätvolle Schmückung des Denkmals seines Urgroßvaters uüd der Ruhestätte seines Vaters, berührt und ebenso die Ehrung der verewigten Staatsmänner, die sich ihnen zur Durchführung ihrer Jdeer^ zur Verfügung gestellt hätten. - Besonderes Wohlgefallen bekundete sodann der Großherzog über die künstlerische Ausstattung der Adresse, die dem jungen badischen. Maler Ernst Kaufmann in München anvertraut worden war. Ein sinnig komponiertes und zeichrrerisch wie. koloristisch fein durchgeführtes Bild stellt den unter dem Schütze her Gerechtigkeit erfolgten Eintritt der badischen Israeliten in die allgemeine Kultur dar. In der Mitte eines van Säulen gebildeten Halbrunds befindet sich die überragende Brönzefigur der Gerechtigkeit,' zu ihrer Rechten Vertreter von Volkswirtschaft und Verkehr (Finanzmimster Ellstätter), Architektur (Baurat 'Professor. Ludwig Levy) und Kunst (Hofkapellmeister, späterer Münchener Generalmusikdirektor Hermann Levi), links Vertreter der Wissenschaft (der ehemalige Heidelberger Orientalist Gustav Weil), der Rechtspflege (der verstorbene Rechtsanwalt und Synodalpräsident Max Friedberg - als junger Student), der Bodenkultur (Häuptlehrer Seligmann m Müllheim) und der Technik (Ingenieur Richard Neuniann von Karlsruhe). Noch eine besondere Freude konnte dem Großherzog und', wie derselbe hervorhob, namentlich auch der Großherzogin Luise durch die Mitteilung bereitet werden, daß die für'das Friedrich- Luisen-Hospiz in Bad Dürrheim, die Stiftung der 'israelitischen Religionsgemeinschaft anläßlich des Landesjubrläums von 1906, noch erforderlichen Mittel trotz, der Ungunst der Zeit, zum heutigen Tage bereitgestellt worden seien. — Nachdem noch der Großherzog Herrn Geheimrat Becherer seine besondere Befriedigung über die von ihm durch mehr als zwei Jahrzehnte der Landessynagoge geleisteten wertvollen Dienste ausgedrückt und die einzelnen Mitglieder des Oberrats und des Synodalausschusses durch Ansprachen ausgezeichnet statte, vetabsckiiedete er sich von denselben mit wiederholtem Dank und mit herzlichen Wünschen für das Wohl ihrer Glaubensgenossen, „unserer lieben Landsleute".' ■ ■ Me kultursukgabe des Milchen Studenten. Von E. Des sau er, Frankfurt a. M. as deutsche Studentenleben der Gegenwart widerspiegelt ein getreues Bild unseres vielverzweigten, an Jnteressenkämpfen und Gegensätzen reichen Volkslebens.Auch auf unseren Hochschulen gibt.es eine konservative Partei, vertreten, durch, die alten, farbentragenden Korporationen, Korps, Landsmannschaften und Burschenschaften. Sie leben und kleiden sich nach einem eigenen Komment und ziehen im allgemeinen einen öden Standesdünkel groß, indem sie glauben, daß der deutsche Idealismus in einer übertriebenen Pflege, des Fechtsports^ tut Unwesen des Duellzwanges und in konfessionellen Vorurteilen zu suchen sei. Ein großer Teil dieser Herren verzichtet darauf,- sich in den wichtigsten Lebensgebieten ein selbständiges Urteib zu bilden; sie bemühen sich vielmehr, in allen Dingen derw Offizierkorps nachzuahmen; nicht nur die Frisur haben sie bereits abgeguckt, sondern auch den Antisemitismus. So wird, die Weltanschauung der Studierenden schon vielfach aus der Universität an der Wurzel vergiftet. , ... -Lange Zeit ' blieben die jüdischen Studenten gegenüber diesen.,.feudalen Gestnnungsgemeinschasten auf der Hochschule verwaist; , wenn sie sich auch in einem. eigenen studentischen