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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-01-22 · Heft 4 (22.1.1909) · p. Seite 40

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 4 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
Seite 40 (sequence 4)
Language
German
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Kaütsten Md Predigern Mlsbildmr, sollet erst rnachrzSeendi^ gung des Studiums zum Militärdienst hernngezogen werdeW 3, Kaufleute)dieihre Läden -am- Sabbat geschlossen halten, sollen^' berechtigt, i sein- 'sie am. Sonntag!. zu öffnen :\ 4xMW- Sabbaten -und n jüdischen- Feiertagen sollen Juden von der'-ZeüAm^'flicht^^'bei^-T'erkchd-- Vrfeeit'--ck»Mm.' 5. Däs einzstsetzende Rckbbinerkömitee' /soll befugt fein, -den Verkauf tjtm Büchern ustd Zeitungen) die das Judentum und He Moral , ^Madigen geeignet find) zu' verbieten. — Die Behörden^ perdrn.. tl<% wohl, hüten, auf, diese Wünsche eiy? zugehen, über.-, deren Berechtigung. - —-...Hit,! "Ausnahme.'' von Punkt 4: twir. -keiw Wort zu verlieren brauchen. Man sieht aber .schon aus .diesem -Programm-Messen die-starre Orthodoxie fähig ist und wohin ihre Wege, führen s würden,wenn ihr die staatliche Macht zur Seite stände-:'-1 .: . - -- . Aus Anlaß der jüngsten. Judenausweisungen dringen: jetzt in die Oeffetttlichkeit beschämende -Details' darüber, wie es gekommen ist, daß in Finnland barbarischere Judengesetze als in irgend einem Staate der Welk — Rußland, Rumänien und selbst Marokko Nicht ausgenommen — herrschen. Die „Nuss. Corr." berichtet darüber: -. Finnland hat sein prinzipielles Verhalten gegenüber den Juden als.Erbstück von Schweden übernommen, aber nicht, vom jetzigen modernen, sondern von jenem Schweden, das zu Ende des 18. Jahrhunderts noch wesentliche Einrichtungen des Mittelalters kannte. Als nämlich Finnland unter d'ie Romanows -kam, bestand aus dem Jahre -1782 in ganz Schweden, Mit Einstuß Finnlands, für die Juden das- Recht, nur in. den Städten Stockholm, 'Göteborg und Norrköping ihr Domizil, aufzuschlagen. In Finnland, durfte also überhaupt kein Jude wohnen, und dieses Gesetz ist formell noch heute in Geltung, obgleich Finnland bereits seit Hundert Jahren mit Rußland'politisch vereinigt ist. ..Erst mit dem russischen Militär wurden Juden nach Finnland verpflanzt. Vor etwaeinem halben Jahrhundert kam nämlich ins Land jene Klasse jüdischer Unglücklichen, die nach dem Nikolausfchen System als Kinder, zum Militärdienst ausgehoben worden waren, um dann als Erwachsene eine 20---25jährigL, äußerst grausame Dienstzeit dürchzumachen. Diese ausgedienten Soldaten nebst ihren Angehörigen erhielten durch. Verordnung der russischen Regierung in Finnland das Aufenthaltsrecht und zogen allmählich weitere Gruppen von Volksgenossen an. . . - > ■' '" Die rechtlose Lage der Ansiedler veranlaßte den nachmaligen Senator Michelin, im Jahre 1872 eine Petition zu ihren Gunsten im Standelandtage einzubringen. . Seitdem hat-sich fast jeder Landtag mit der' Frage befaßt; hatten früher JudenfreüNde die Angelegenheit zur Sprache gebracht, so kamen später reaktionäre Judenfeinde, die darauf drängten, die Juden ganz und gar aus dem Lande zu vertreiben. In einem Landtag wurde sogar der bizarre Antrag, alle Juden , auszuweisen, aber durch die Summe von 500 Mark zu entschädigen, .ernstlich diskutiert. Infolge' dieser Treibereien ' drang schließlich in einem Landtage das finstere Gesetz durch, wonach jeder Jude, wenn er sich verheiratet, aus dem Lande zu weisen ist. Im Jahre 1889 ordnete sodann der Senat durch administrative Verfügung die Rechte der Juden dahin, daß ihnen das Wohnen nur in drei S.tä dien-erlaubt wurde. ' Mit dem ersten Landtag, der nach der neuen Wahlordnung zustande tauchte eine entgegengesetzte Lösung des Problems auf. Die starke sozialdemokratische Partei, die zwei Fünftel des Parlaments einnahm, brachte den Antrag auf Gewährung der Gleichberechtigung an die in Finnland wohnhaften Juden ein. Der Landtag verfiel jedoch noch vor der Erörterung dieses Antrages der' Auflösung. Auch < dem neugtzwWstn-iParlamentunterbreite.teudie Sozialdemokraten^ tzin^rährtliche, Petition, .und fanden dafür, die- Unterstützung, dem.schwedischen Parteien sowie eines Teiles der Jungfinnen, und! eine -Kommission, erhielt vom Landtag den Auftrag, -einen Gesetzentwurf .auszuarbeiten. Da - setzte eine, heftige antisemitische -Agitation, ein, die das ganze in Westeuropa angestapelte Müstzeüg der.Judenhetzpropaganda. insZeld rückte und auf: den Landtag einen Druck zugunsten, der Juden, auszüüben sich, bemühte. . . . . . , , : Vertreter: kaufmännischer und Gewerbekorporationen verlangten vom Senat«,.und vom Landtag eine Heranziehung von Spezralvertretern chrer Stände , bei der Erörterungder Judenfrage und ein spezielles. Studium der Wirkungen, der Judenemanzipationin den änderen Ländern, ehe die Judenfrage gelöst werden würde. Diese Hetzer machten dabei gar kein Hehl' daraus, daß es ihnen nur darauf ankäme,'die ganze Angelegenheit zu verschleppen, bis möglicherweise ein anders gestalteter Landtag gewählt werden würde.. Unterdes aber hat der Senat bereits einen neuen judenfeindlichen Schritt getan, indem er vor kurzem in ein die Religionsfreiheit betreffendes Gesetzesprojekt einen Paragraphen einfügte, daß Juden keine finnischen Bürger werden dürfen.. \ So sehen die in Finnland ansässigen Juden trüben Zeiten entgegen. Statt der Emanzipation wird ihnen das Exil zuteil, und die Reaktion scheint in bezug aus die Judenfrage die Oberhand zu gewinnen. Es gibt aber wahrlich nichts Schimpflicheres, als wenn Geknechtete andere knechten und bedrücken. Heber, einen Verband der türkischen Juden wird aus Konstäntinopel der „R. I. K." von ihrem dortigen Korrespondenten geschrieben: Was in 'Analogie der plötzlichen aufstrebenden Entwicklung der türkischen Nation zu erwarten war, ist tatsächlich eingetreten: ein merkliches Äufsprreßen und Aufblühen auch jüdischer Znkünftswerte. Wie nach einem Erwachen aus langem Schlafe regt es sich allerorten. Am allermeisten in Saloniki. Diese merkwürdige Stadt, dieWebnrtsstätte der türkischen Freiheitsbewegung, wird anscheinend auch dev Kernpunkt für den . Aufschwung der orientalischen Judenheit werden. Soeben ist auch hier der lange erwartete, bedeutungsvolle Gedanke einer Politischen Organisation der Juden des ottomanischen Reiches aus ihrer eigenen Mitte heraus ans Licht getreten.'. Wir würden, wenn diese Nachricht sich .bestätigt, den neuen Verband' mit herzlicher Freude begrüßen als ein Zeichen dafür, daß die Juden des ottomanischen Reiches die neue Periode ihrer Geschichte richtig erfaßt haben. Auch die Tätigkeit der jüdischen Abgeordneten im türkischen Parlament deutet auf einen solchen erfreulichen Umschwung Hin. Vier von ihnen sitzen in großen Kommissionen, und der fünfte, der Deputierte von Ko.nstantinöpel, -hat neulich einen Antrag, in bezug auf die Erweiterung der Verfassung eingebracht, der von großer staatsmännischer Auffassung Zeugnis ablegt. Das yuudrrtjLhrise Jubiläum der Lsndeskynsgose. 4/^^ Karlsruhe, 19. Januar. X / 1 ach eingeholter höchster Ermächtigung hat der Großherzogliche /• Oberrat der Israeliten zum 13. Januar am Karl F ri e d r i ch... Denkmal, auf . dem Schloßplatz, und in der Grabkapelle im Fasanengarten, am Sarge des Großherzogs Friedrich I., Lorbeerkränze mit Schleifen in den Landes färben und mit entsprechenden Inschriften (»Dem großen Befreier und Örganisätor die dankbaren Israeliten Badens"-, „In unauslöschlicher Dankbarkeit für die hochherzige Gewährung ihrer bürgerlichen Gleichstellung und ihrer Synodalverfaffung") niedergelegt: Weitere Kranznied erlegnngen erfolgten

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