Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1909)
- Date
- 1909-01-22
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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dieser kleinen Gruppe dort oben eine Bedeutung' beHemessey. würde, die weit über das hinausgeht, was' sie nach-ihret - Zahl und Wichtigkeit für/die Deutsche Judenheit bedeutet/ ' Es ist bekannt, daß der „Verband der deutschen Juden" durchaus mit dem gleichen Ernst , und Nachdruck gegen tue Schächtverbote, gegen 'die Nachteile der'- - voÜständigen) Sonntagsrul)e und für die Möglichkeit der Sabbatheiligung' eintritt; man weiß genau, daß sowohl der „Verband der Deutschen Juder?" wie der „Lehrerverband" für jüdisch-konfessionelle Volksschulen eintritt, daß der „Lehrerverband" genau so. wie die kleine, Gruppe der orthodox-separatistischen Lehrer nicht verlangt, Haßdie Lehrer ohne seminaristische Vorbildung von dem/ jüdischen Religionsunterrichte, sofort zu entfernen, seien, kurz/ ' an weiß in orthodoxen Kreisen ganz genau, daß all -das, as sie als den Ruhmestitel ihrer Bestrebungen betrachten, in durchaus gleicher und wirkungsvollerer Weise auch von jenen erstrebtwird» - die dem ultra - orthodoxen Standpunkt sernstehen. .Sieht inan also von diesen Angelegenheiten, /die lediglich aus die Neigung zum Separatismus'/zurückzuführen sind, ab, so bleibt allerdings die Agitationstätigkeit in der Fragendes badischen Gebetbuches,, des bayerischen Jüdenedikts und. des würtiembergischen Kirchengesetzes, übrig.. Es soll, hier / nicht .untersucht werden,. wie es kam, daß man bei der Agitation gegen dasbadische Gebetbuch einen Scheinerfolg erzielte. Es haben dabei Imponderabilien mitgespielt,., die eineGewähr für. die Dauer des Erfolges nicht leisten. Insbesondere wird man etwas Wasser in den Wein gießen müssen, schon m. Erwägung, der Tatsache,' daß von einer Majorität der Drchodoxie/m.der badiHen.Dynode gar keine Rede, ist usid daß in/dem .letzteren /Aaste die- Nichteinführung des hadlschen Gebetbuches nicht der orthodoxen Minorität, sondern dem Hnstande zuzuschxeiben' ist, daß eine Anzahl. Synode-: Mitglieder, dieauf du rchaus lib eralem.Standpunkt, steht, in diesem einen. Punkte, zurzeit. seltsamerweise eine abiveichende Stellung, gegendas. Gebetbuch einnahm. Die eifrige Wnierarbeit, die I von Frankfurt aus in der Frage - des bayerischem Judenetzikts inszeniert wurde, hat bei der großen. Mehrzahl , der bayerischen Orthodoxie erfreulicherweise keine Gegenliebegefunden. Es besteht nach wie vor die begründete Hoffnung, daß man . den Frankfurter. Separationsgelüsten in. Bayern keine 'Rechnung' tragen wird, daß man vielmehr den innerenZusammenhang des bayerischen .Gesamtjudentmns auch, in Zukunft betonen und ausrecht erhalten wird. Undwas. fchließlich bezüglich des württembergischen Kirchengesetzes seitensdev „Freien Vereinigung" unternommen: worden ist,, läßt sich am besten daraus ermessen, daß-man im Jahresbericht lediglich konstatierte, „man habe seine Pflicht getan". . /In fast all diesen erwähnten Dingen manifestierte sich also ein gewisser Gegensatz nur zu den großen Organisationen' der Gesamtjudenheit, weniger zu dem liberalen Judentum an sich. Betrachtet man die Dinge von diesem Gesichtspunkte aus, daß es der „Freien Vereinigung" nicht so sehr und nicht allem daraus ankommt, für ihre rein religiösen Ideale Propaganda zu machen, daß sie daneben auch vielmehr das Bestreben zeigt,' der geschlossenen Einigkeit der deutschen Judenheit entgegenzutreten, daß also mit einem etwaigen weiteren Umsichgreifen der ultra-orthodoxen Bewegung der so not* wendige Zusammenschluß der. deutschen Gesamtjudenheitgehemmt/ werden müßte,/ dann ergibt sich daraus, daß es nicht die Aufgabe irgendeiner bestimmten Richtung der deutschen Judenheit allein ist, dieser zentrifugalen Tendenz der Orthodoxen entgegenzutreten, sondern daß dies die Ausgabe > a l l e r derer ist, die in der Einigkeit der gesamten deutschen Judenheit eines dev: dringendsten Erfoxdernisie der Gegenwart- ' erb^er^ /indessen die orthodoxe Judenheit'sich/.anschickt/ 'daS^naiürlj.chN Verhältnis der Gleichberechtigung beider .Richtungen innerhalb der Judenheit lin Hin unnatürliches '- Verhältnis/Hu verkehren,^ zw verlangest;' «ch.aß< die liberale Majorität, sich ihr« natürlichen -Rechte Hugunstew der Ortho- / doxen/chsgeben soste, - da. wird ' und must eZ ./Aufgabe 'der /Vereinigung für das liberale Judentum" sein, /eine Gleichberechtigung mit besonderem Nachdruck zu betonen. Wer. einen Blick, in das jüdische Gemeindeleben unseres Vaterlandes wirst, - wird' ohne weiteres/ zugeben, daß . in fast .allen Gemeinden, den größten wie den kleinsten, eine weit größere Rücksichtnahme den strengorthodoxen Kreisen entgegengebracht wird als den liberalen. Auch m.jenen Gemeinden, in . denen die große Mehrzahl der Gemeindemitglieder dem liberalen Judentum ängehört, sind Kultus und kulturelle Einrichtungen oft nach orthodoxem Zuschnitt.gestaltet. Das religiöse Bedürfnis der liberalen Inden hat in Gemeinden mit orthodoxer Verwaltung, javielfach selbst , in solchen Gemeinden mit vorwiegend liberaler Leitung, weniger/Befriedigung gefunden, als es im umgekehrten Falle , den Orthodoxen konzediert/ist.. Das Prinzip, der.Gleichberechtigung,/ wie es jm, Begriffe des Liberalismus überhaupt Üegt, das Prinzip der Gerechtigkeit das ist es^ was die „Vereinigung für daß liberale Judentum in,Deutschland" zur Durchführung bringen will. Dazu ist es freilich. n otwendig, daß auch die liberale,Judenheit. Deutschlands sich.. in gleich reger und emsiger Weife -,rührt, und betätigt. : Wenn wir in Frankfurt hörten, daß die „Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums". in Berlin und in Frankfurt besondere Propagandäbureaus: eingerichtet hat, Hatz in. Rheinland,. West-, falen . und .Baden. die orthodoxen Vereinigungen unKurein rührig.-sind, ja, daß zurzeit Berhandtungenangeknstpstfindj' um die.letztgenannte.. Vereinigung/ zum.-Anschluß an -die „Freie Vereinigung," zu/bewegen, daß sie -in: 120 Landorten Versammlungen - abgehalten hah daß - .sie im nächsten Jahre noch in P o s e nB res lau. und -h amb u.r g Zentralen für Versendung..von,. Mande'rrednern?•zn/Kdey: Beabsichtigt, daß sie in dem Verband der „Sabbatfreunde": tzine Dependance, in deü Misrachiften eine, Hilssiruppe, haß/ so ergibt sich für das liberale Judentum in, Deutschland ohne weiteres die Pflicht, es diesen orthodoxen Kreisenan-Hingabe.Md Eifer für die liberale Sache zumindest gleich zu tun. Die deutsche Judenheit in ihrer großen,, übergroßen Majorität.huldigt modernen liberalen Anschauungen auch auf/religiösem Gebiete.: Es bedarf nur der Anregung und. Erweckung, -um -diese imposante Mas jorität auch öffentlich.-in -die/Erscheinung'.rü^führen. -.So sehr man auch-bedauern mag, daßdurch, diese/Unglerchheit der religiösen Auffassung das deutsche Judentum nicht ganz , einig nach außen auftreten kann, der kolossale Aufwand agitatorischer und propagandistischer Kxaft seitens derorthodoxen Richtung erfordert,, daß auch die liberale Judenheit Deutschlands sich zentralisiere und ein Gegengewicht schaffe gegen jme-Richtung,, die in ihren äußersten Konsequenzen die deutsche Judenheit am liebsten in jene Abgeschiedenheit Md Separation zurücksühren möchte, die sie einst in den Mauern der Ghetti zu ertragm hatte. Geyüß unterscheidet sich die Neuorthodoxle von der alten sehr wesentlich; auch die Neuorthodoxie ist zugleich exne Reformorthodoxie; man hat in diesen Kreisen dem Geiste der-Neuzeit sehr große Konzessionen gemacht und. wähnt, nun, der Standpunkt, aus den Samson Raphael Hirsch; das orthodoxe Judentum gestellt hat, sei die letzte Etappe, per Entwicklungsmöglichkeit des wahren orthodoxen Judentums,, Noch konnte in Frankfurt a. M. Rabbiner Dr. Breuer in seiner Eröffnungsrede unter anderem ausführen, daß,^ alß: man - aw öie^ Ausgestaltung der „Freien. Vereinigung" i giyg, diesvmit •-dem I i [!