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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-01-08 · Heft 2 (8.1.1909) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 2 (8.1.1909)
Date
1909-01-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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hat: der Verewigte, seine erfolgreiche Lehrtätigkeit an unserer Religionsschule ansgeübt. Bes^ hon außergewöhnlicher Liebe zu seinem Berwfe, wär er-von'seltener Bescheidenheit in seinem Auftreten und sein Leben vorbildlich für .seine zahlreichen Schüler. Auch.besaß er großes. . Wissen, namentlich aus talmudischem Gebiete. Sein segensreiches^ Wirken sichert'ihm ein dauerndes Andenken. ü. Hannoveu, 3. Januar. Das 25.jährige Jubiläum des Landrabbiners Dr. Gronemann wurde hier festlich gefeiert. Schon am Sonnabend morgen beim Festgottesdienst hielt Dr. Gronemann eine Rede, in der er an seine vor 26 Jahren gehaltene Probepredigt über, den Text: „Ich bürge für ihn, von meiner Hand hast Du ihn zu fordern, meine Mannesehre setze ich Dir als Pfand etji, das sei Dir genug" anknüpste und die Aufgaben schilderte, die er bei seinem Amtsantritt übernommen und die er während seiner Amtszeit zu erfüllen gesucht. Auch ferner wolle er dieser Aufgaben gerecht werden, um sie seinem Amtsnachfolger später einmal in gleicher Weise zu überliefern. Ein Gesang beendete die Feier. Um 12 Uhr wurde dem Jubilar eine mit mehreren hundert Unterschriften versehene Glückwunsch-Adresse überreicht. Die Hauptfeier fand am Sonntag statt. Ein'Teil' des Vorstandes und Repräsentanten-Kollegiums begab sich in die 'Wohnung des Herrn Landrabbiners, um ihm Namens der Gemeindeverwaltung durch Herrn, Justizrat Dr. Wolfes ihre Glückwünsche darzubringen und ein Ehrengeschenk, bestehend in einer mit Widmung versehenen silbernen Jardiniere zu überreichen. Hieran schlossen sich die Begrüßungen der zahlreichen Deputationen Und Vereinsvorstände. Die Chewra-Kadischo überreichte durch Herrn I. Berliner eine Adresse und machte ihm die Mitteilung von einer Gronemann-Stiftung. Die Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem, Vertreter der auswärtigen Gemeinden, Israelitisches Waisenhaus, Israelitischer Verein für Krankenpflege, Blumenthal-Stistung, Zionsloge, die Verwaltung des jüdischen Lehrerseminars, die Religionsschule, der Talmud-Thora-Verein, der Hcmdsertigkeits- und Gartenbauverein, Verein jüdischer Lehrer der Provinz Hannover, Altersversorgung und. Krankenhaus,/ Verein ehemaliger Religionsschülerinnen, M. M. Davidsche Freischule, Verein jüdischer Turnerschaft, Zionisten, Ortsgruppe Hannover, Jüdischer Jugendverein schickten ihre Deputationen. Unter einer Reihe von Adressen und Geschenken prangte ein Blumen-Arrangement des Magistrats der königlichen Haupt- und Residenzstadt Hannover, der folgendes Schreiben an den Jubilar gerichtet hat: „Hochgeehrter Herr Landrabbiner! Zur Feier des Tages, an dem Sie vor 25 Jahren Ihr Amt als Landrabhiner und zugleich als Seelsorger der hiesigen Synagogengemeinde eingetreten sind, bringen auch wir Ihnen herzliche Glückwünsche dar, und bitten Sie, die beifolgenden Blumen freundlichst entgegennehmen zu wollen. Als der Amtsvorgänger des Unterzeichneten Stadtdirektors Sie nach Ihrer Berufung in Ihre Stellung einführte, gab er der Hoffnung Ausdruck, daß Ihre amtliche Wirksamkeit eine gesegnete sein' möge. Diese Hoffnung ist in reichem Maße in Ersüllung gegangen. Ihre Gemeinde ist bemüht, Ihnen in dankbarer Anerkennung Ihres verdienstvollen Wirkens den heutigen Erinnerungstag zu einem unvergeßlichen zu gestalten, und auch wir würdigen gern Ihr stilles, segensreiches Schaffen als Seelsorger. Und Ihr unermüdliches, von schönen Erfolgen begleitetes Bemühen um die Förderung des jüdischen Schulwesens und der zahlreichen Werke barmherziger Nächstenliebe, die sich Ihrer treuen Pflege erfreuen. Wir haben den aufrichtigen Wunsch, daß Ihnen beschieden sein möge, noch recht lange Jahre in ungeminderter geistiger und körperlicher Frische in unserer Stadt zu wirken zum Segen aller derjenigen wohltätigen Veranstaltungen, in deren Leitung und Förderung Sie neben Ihrer anstrengenden Berufsarbeit stets Befriedigung gefunden haben, und zum Segen der hiesigen Synagogengemeinde, deren Wohlergehen und inneren Frieden auch wir mit herzlichen Wünschen begleiten. Der Magistrat' der Königlichen Haupt- und Residenzstadt. Tramm". Nachmittags 3 Uhr fand ein Festessen von 135 Gedecken. in. den Räumen des Konzerthauses statt und nahmen an diesem auch die Behörden, vertreten durch Oberregierungsrat Grashoff und Senator Fink, teil. Justizrat Dr. Wolfes begrüßte die Gäste. Sodann brachte Rabbiner Dr. Lewinski-Hildesheim den Kaisertoast - aus. Rabbiner Dr. Löb-Emden toastierte auf den Jubilar. Oberregierungsrat Grashoff überbrachte in herzlichen Worten die Glückwünsche der Königlichen Regierung, des Regierungspräsidenten v. Philippsborn und der Beamten für Kultusangelegenheiten. Dr. Gronemann dankte in herzlicher Weise und gab der Hoffnung auf ferneres friedliches ,und gutes Einvernehmen Ausdruck. Alsdann brachte Dr. med. Hirsch einen begeisterten Toast auf die Regierung und den Magistrat aus, und dankte für das gute Einvernehmen zwischen ihnen und der Gemeinde. Senator Fink' gab die feste Versicherung, daß das gute Einvernehmen auch ferner erhalten bleiben und man den Wünschen der Gemeinde stets wohlwollend entgegenkommM werde. Es kamen noch zu Worte: Seminardirektor Dr. Knoller, Dr. med. Vergeh Rabbiner Dr. Freund, Lehrer Zuckermann, Rabbiner Dr. Löwenthal-Hamburg. Die ganze Feier machte einen sehr würdigen Eindruck. ' ■ §. München, 5. Januar. Unter den aus Anlaß des Neujahrsfestes durch den Prinzregenten Luitpold Ausgezeichneten befindet sich auch der Rabbiner unserer Kultusgemeinde, Herr Dr. C. Werner, der den hohen Orden vom heiligen Michael erhielt. Dr, Werner, eine in ganz Bayern als hervorragender Redner bekannte Persönlichkeit, ein Mann von großer Gelehrsamkeit, wird von den Mitgliedern der großen Gemeinde, gleichviel welcher Richtung sie angehören, hoch verehrt und geschätzt, ebenso erfreut er sich in nicht jüdischen Kreisen großer Sympathien. Dr. Werner ist aber auch imwahrsten Sinne des Wortes ein Mann des Friedens, dessen Wirksamkeit gerade im vergangenen Jahre, da die Differenzen zwischen Orthodoxie und der Verwaltung der Kultusgemeinde entstanden, mit das meiste zur Herstellung des Friedens beigetragen hat. Darum : freut sich auch die Gesamtgemeinde über die so wohlverdiente Auszeichnung ihres geistlichen Führers, derer er noch viele Jahre sich erfreuen möge. Seit über vierzig Jahren hat kein bayerischer Rabbiner mehr eine Ordensauszeichnung erhalten; der letzte Ordensritter noch unter der Negierung Ludwig II. war Rabbiner Hirsch Aub in München, der ihn anläßlich des 70. Geburtstages, und Rabbiner Dr. Löwy in Fürth, der ihn bei Gelegenheit des Besuches des Königs in Fürth erhielt. — Bei den Neujahrsauszeichnungen in Bayern haben außerdem erhalten: Kommerzienrat S. Guttrnann hier den Michaelorden IV. Klasse, die Großkaufleute Hirschberg, Landauer und der Fabrikant Wasserm a n n hier, der Fabrikbesitzer R o senfel d er in Fürth und der Bankier Wassermann in Berlin den Titel eines Kommerzienrats, der Rechtsanwalt Dr. Herz selber in München den Titel eines Justizrats. — Zu den von Ihnen gemeldeten Ernennungen kommt noch die des Landgerichtsrats Rose,, der zum Landgerichtsdirektor in Fürth befördert wurde. a. Würzbnrg, 3. Januar. - Am 29. v. M. fanden hier die Wahlen von zwei Vorstandsmitgliedern und fünf ausscheidenden Mitgliedern des Ausschusses der Kultusgemeinde statt. Die Orthodoxie war mit der Zusammensetzung der Kultusverwaltung nicht einverstanden, weil die Gemeindeverwaltung beschlossen hatte, die Urne eines verstorbenen Gemeindemitgliedes beizusehen und so die Gefühle der Orthodoxie verletzt habe. (Die Urne ist übrigens bis heute, nach fast zwei Jahren, noch nicht beigesetzt, da, wie be- ' kannt, der Rabbiner gegen die Beisetzung auf dem jüdischen Friedhof protestierte). Diese Tatsache hat auch die Gemüter aller liberalen Mitglieder der Gemeinde erregt, und das Vorgehen der Orthodoxie wurde selbst von konservativen Elementen verurteilt. Noch nie war ■ in Würzburg eine derartige Beteiligung bei einer solchen Wahl, wie bei der diesjährigen. Von ungefähr 405 Wählern gaben zirka 320 . ihre Stimme ab, und zwar siegte die liberale Liste. Man Hai also jetzt gesehen, daß der weitaus größere Teil der jüdischen Gemeinde liberal denkt und auch im liberalen Sinne vertreten zu werden wünscht. Eine große Anzahl von Männern, die in streng orthodoxem Sinne erzogen und in deren Anschauungen groß geworden sind, gab ihre, Stimme für die liberalen Kandidaten ab. Akl und für sich, ist die ganze Wahl zum Ausschüß ja ziemlich bedeutungslos, weil in religiösen. Fragen lediglich, der Rabbiner in Bayern zu entscheiden hat... Aber gerade das beweist, wie schwer die Verhältnisse aus allen liberalen Gemütern lasten und wie die Gemeindemitglieder die Gelegenheit benutzten, der rechtsstehenden Partei, zu zeigen, daß . sie in der Minorität seien. Möchte aber die Wahl wenigstens das . Resultat zeitigen, .daß die Gleichgültigen aufgeweckt werden.

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