Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage zur „Allgemeinen Leitung tieß Judentums". Lorrrlpondrn?m und Kschrichten. Deutschland. S. Bertt-r, 4. Januar. Die eben erschienenen Mitteilungen Nr. 71 vom Deutsch--Israelitischen Gemeindebund bringen an erster Stelle die Anzeige, daß am 16. und 17. Mai 1909 der XI. ordentliche Gemeindetag und daran anschließend am 18. Mai ein.Verbandstag der freiwilligen Gemeindeverbände zu Berlin abgehalten werden soll. Die provisorische Tagesordnung enthält zwar nur wenige Punkte, trotzdem dürften die Versammlungensich zu den bedeutungsvollsten gestalten, die der Deutsch-Israelitische Gemeindebund in seiner nahezu 40jährigen Bestehungszeit veranstaltet hat^ Denn der XI. Gemeindetag wird sich mit der Beratung des Organisationsgesetzes für die jüdischen Gemeinden Preußens und der Verbandstag mit/der Nutzbarmachung der durch das preußische Schulunterhaltungsgesetz .vom 28. Juli 1906 den jüdischen Gemeinden zustehenden Ansprüche auf kommunale und staatliche Beihilfen zu den Kosten des Religionsunterrichts, sowie mit der Schaffung einer Organisation zur^ Beschränkung der Wanderbettelei beschäftigen. Es ist zu. hoffen, daß die Arbeiten der Redaktionskommission noch so rechtzeitig fertig werden; daß der Gesetzentwurf in der durch die Beschlüsse der zweiten Lesung geschaffenen Form in der Aprilnummer der „Mitteilungen" wird veröffentlicht werden können. Im anderen Falle wird ein vom geschäftsführenden Vorsitzenden verfaßtes Referat hinsichtlich der wichtigsten Beschlüsse zu allen Hauptfragen es den Interessenten ermöglichen, sich auf die Verhandlungen vorzubereiten. Daß auch die dem Verbandstage gestellten Aufgaben sehr bedeutungsvolle sind, , ergibt sich , daraus, daß, wie in einem besonderen Artikel „Staatliche und .kommunale Beihilfen für den jüdischen Religionsunterricht" aus geführt wird, die vom Deutsch-Israelitischen Gemeinde», bund mit Hilfe der Provinzialverbände, Landrabbinate und staatlichen Behörden für jüdische Angelegenheiten veranstaltete Enquete, die jüdischen Gemeinden Preußens bisher verhältnismäßig noch sehr wenig Vorteil von den gesetzlichen Bestimmungen haben, wonach sür den jüdischen Unterricht kommunale und staatliche Beihilfen zu leisten sind. Es liegt das an der erschwerenden Bestimmung, daß Beihilfen aus dem Resolutionsfonds des Kultusministeriums nur gewährt werden sollen, wofern in einer Schulstelle mindestens zwölf die Volksschule besuchenden Kinder Religionsunterricht erhalten. Es gilt einerseits, das Zusammenlegen benachbarter Zwergschulen zur Erreichung einer möglichst großen Sckülerzahl systematisch zu betreiben; anderseits bei der Zentralbehörde eine Herabsetzung der für die atomistischen jüdischen Verhältnisse zu hohen Zahl von zwölf Volksschülern zu erwirken. Mit dieser Frage des Religionsunterrichts hängt auch ein anderer „Die Vorbildung der jüdischen Religionslehrer" überschriebener Artikel zusammen, in welchem auf Grund von Enqueten nachgewiesen wird, daß es ohne staatliche Hilfe nicht möglich ist, einen allmählichen Ersatz der ungeprüften Religionslehrer durch seminaristisch geprüfte herbeizuführen. So erwünscht dem Gemeindebunde dieses Ziel, ist, so möchte er es doch ohne jede Härte gegen die gegenwärtig amtierenden, nicht geprüften Beamten durchühren. Die Frage der Wanderbettelei ist auf Gemeinde- und Verbandstagen nicht neu. Dennoch dürften die Verhandlungen Interesse beanspruchen, da der Gemeindebund mit anderen großen Verbänden Vorbereitungen trifft, die alten Mißstände abzustellen. Durch die am 25. Oktober vollzogene wohlgelungene feierliche Eröffnung der israelitischen Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder „Wilhelm-Auguste-Viktoria-Stiftung" in B e el i tz ist ein soziales Hilfswerk vollendet worden, das von den Eltern zahlreicher unglücklicher Kinder cherbeigesehnt wurde. Um das Zustandekommen haben sich außer dem Gemeindebunde und der Großloge Bnei-Briß zahlreiche Gemeinden, Stiftungen und Privatpersonen Verdienste erworben. Bereits, sind 35 Zöglinge beiderlei Geschlechts in die für insgesamt 46 Kinder eingerichtete Anstalt ausgenommen. Diese hat eine prachtvolle Lage im Walde und ist mit allen technischen und - Hygienischen Errungenschaften der modernen Zeit ausgerüstet. Das Personal besteht aus einem Erziehungsinspektor und weiteren sieben Personen.. Der zum Betriebe der Anstalt gegründete Verein hat 500. ordentliche und 56 immerwährende Mitglieder. Seine finanzielle Lage ist trotzdem eine wenig günstige. Die Fürsorge-Erziehungsanstalten für Knaben und für Mädchen sind stark besetzt und werden neuerdings auch von nichtpreußischen Staatsbehörden stärker in Anspruch genommen. s. Berlin, 4. Januar. Am 20. v. M. fand unter dem Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des Hilfsvereins der Deutschen Juden statt. Der Vorsitzende gab Auskunft über die Schritte, die im Interesse der rumänischen Juden im Hinblick auf eine eventuelle Konferenz der Signatarmächte des Berliner Vertrages unternommen wurden. Der Ausschuß billigte einstimmig die bisherigen Maßnahmen nach dieser Richtung. Dann machte Herr Dr. Nathan Mitteilungen über das Technikum in Haifa, für welches das Terrain . bereits abgegrenzt ist und die Bauvorbereitungen schon getroffen sind. Mit großer Befriedigung nahm der Ausschuß Kenntnis von dem Fortschreiten des außerordentlich bedeutsamen Werkes für den Orient, dessen wirtschaftliches Aufblühen von der Einführung der technischen Fortschritte und der Erschließung neuer Verkehrsmittel abhängig ist. Neben diesem groß angelegten Projekt, für das dem Hilssverein fortdauernd die lebhaftesten Sympathiebeweise aus der gesamten Judenheit zugehen, soll nach den Beschlüssen des Ausschusses das sonstige Schulwerk des Hilfsvereins durch Bereitstellung ausreichender Mittel in zweckentsprechender Weise weiter ausgebaüt werden. Für die bestehenden Schulen des Hilfsvereins, in der Türkei wurden erhebliche Bewilligungen vollzogen. Einen ferneren wichtigen Gegenstand der Beratungen bildete das Hilfswerk in Galizien; es wurde beschlossen, die in Oesterreich auf diesem Gebiete in die Wege geleiteten verschiedenen Hilfsaktionen wie bisher Mit Heldmitteln zu unterstützen. Zum Schluffe wurde über die Tätigkeit des Hilfsvereins aus dem Gebiete des Auswanderungswesens berichtet, und es wurden die Modalitäten festgesetzt, nach'denen die Arbeit für die jüdische Auswanderung fortzusetzen ist. c. Berlin, 4. Januar. Unter zahlreicher Beteiligung einheimischer und auswärtiger Mitglieder hielt vor kurzem die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in der Aula der Knabenschule der jüdischen Gemeinde ihre Generalversammlung ab, An der Hand des gedruckt vorliegenden Jahresberichtes wieS der Vorsitzende, Prof. M. Philippson, auf das Emporblühen der Gesellschaft hin, .wie es sich in dem Anwachsen der Mitgliederzahl und in der Herausgabe verschiedener Werke, die züm - Teil kostenlos an die Mitglieder verteilt wurden, kundgibt; wir nennen von diesen Werken an. dieser Stelle nur den ersten Band des Maimonides-Gedenkwerkes, das Beiträge aus der Feder der bedeutendsten jüdischen Gelehrten der Jetztzeit enthält, den ersten Band der Wirtschaftsgeschichte der Juden im Mittelalter von dem Züricher Privatdozenten Georg Caro, sowie den ersten Band der Gesammelten Schriften des verewigten David Kaufmann.. Nach Erteilung der Decharge und der durch Zuruf erfolgten Wiederwahl des Ausschusses und der Revisoren nahm der Universitätsprofessor an der Universität Berlin, Dr. Nicolaus Müller, das Wort zu einem fesselnden, durch einen Situationsplan und eine Reihe von Lichtbildern trefflich illustrierten, von der Versammlung mit vielem Interesse, aufgenommenen Vortrage über die von ihm in langjähriger Arbeit erforschte jüdische Katakombe vor der Porta Portese in Rom, den ältesten jüdischen Friedhof im Abendland. Da der Vortxag. wohl im Druck erscheinen wird, erübrigt sich ein Eingehen auf denselben an dieser Stelle. Der Generalversammlung war am Vormittag eine Sitzung des Ausschusses der Gesellschaft vorangegangen, die sich hauptsächlich mit den wissenschaftlichen Unternehmungen der Gesellschaft befaßte. Der Ausschuß beschloß, das Fragment der Sifra- . «a * ua, 'iri-<- X: WWK