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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-01-08 · Heft 2 (8.1.1909) · p. Seite 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 2 (8.1.1909)
Date
1909-01-08
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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von berghohen Strafen und' der Entziehung der Schankberechtigung nicht zu reden, die seine antisemitisch-fach-, verständigen Behauptungen für die Betroffenen herbeiführen mußten. ' Diesein dem Bewußtsein, daß ihr Wein nicht schlechter war als der ihrer christlichen Berufsgenossen, beschwerten sich beim zuständigen Minister, gestützt aus Gutachten erster Autoritäten auf dem Gebiete der Weinanalyse, wie der Professoren Medieus, Dr.. Windisch, des Berliner Gerichtschemikers Dr. Bischoff und anderer. Die Antwort, die daraus erfolgte, war eine höchst seltsame, die zeigt, wie weit Rumänien noch von Europa entfernt liegt, und was man sich dort unter dem Mantel des Gesetzes gegen die Juden noch gestatten darf. Die Antwort war nämlich eine Entschädigungsklage auf die Summe von 150 0O0 Franken von dem (mit einem monatlichen Einkommen von 300 Franken angestellten) staatlichen Sachverständigen, „da seine Autorität unter der Eingabe gelitten habe". Nachdem der Prozeß zwei Instanzen durchlaufen hatte, fand in der letzten Zeit vor dem Gericht in Daslui, einer kleinen Nachbarstadt von Jassy, eine mehrtägige Verhandlung statt. Die Fürsprache einflußreicher Verwandten des Klägers hatte die Verlegung des^ Prozesses nach diesem Orte bewirkt, wo man sicher war, antisemitische Gesinnungsgenoffen als Richter zu -finden. Im Widerspruch mit dem Urteil der vernommenen Sachverständigen, welche die oben angeführten Männer als Kapazitäten aus diesem Sondergebiete anerkannten, wurde denn auch der Klage des Dr. Schumuleanu auf seine Angaben hin stattgegeben und die Verurteilung so vieler Familienernährer zu schweren Strafen ausgesprochen. Das Sonderbare ist, daß die dritte Instanz die an den Staat zu zahlende Buße auf ein Sechstel der zuerst festgesetzten Summe ermäßigte, dagegen die dem gekränkten Privatkläger zustehende Summe verdoppelte. Man sieht also, wozu in Rumänien die Chemie und wozu ein Monsterprozeß gut ist, wenn der Vertrieb von Blättern, die zum. Judenhaß aufreizen, nicht den gewünschten Ertrag abwirfü Ein charakteristischer Dialog über die russische Judenfrage zwischen zwei Bauerndeputierten der Reichsduma wird im „Rjetsch" veröffentlicht. Unser L. A. I.-Korrespondent sendet uns die folgende Uebersetzung desselben: „In der Reichsduma wurde bekanntlich die Anfrage über eine ungesetzliche Handlung des Ministeriums des Innern gestellt, nämlich über die Erneuerung des Zirkulars des „unvergeßlichen" Plehwewelches während des russisch-japanischen Krieges über Einstellung der Ausweisung der Juden aus dem Innern Rußlands veröffentlicht wurde, und namentlich diejenigen betrifft, die sich dort vor einem gewissen Termin ansässig machten, und die eine Haushaltung besitzen. Der offizielle Anreger dieser Anfrage erscheint der bäuerliche Deputierte Andritschuk aus Wolhynien, Kandidat des Potschajewer Klosters (berühmt durch den fanatischen Mönch Jliodor), der in Lesen und Schreiben, wie in den Gesetzen durchaus nicht sehr fest ist. Unter der Anfrage befindet sich keine einzige „kulturelle" Unterschrift der äußersten Rechten. Noch mehr, als ein Residenzblatt die Initiative dieser Anfrage der äußersten Rechte zuschrieb, regte sich der Deputierte Andritschuk auf, und zeigte in den Couloirs einen Brief, in dem er überzeugend mitteilte, daß die äußerste Rechte damit absolut nichts zu tun habe. Es ist nämlich kein herrschaftliches Anstiftensondern ein tatsächliches bäuerliches Wehklagen!. Es wird in diesem Briefe' welcher außerdem in einem gelehrten Stil erklärt, daß die Zwecke der Anfrage nicht politischer Natur sind, daß dieselbe ebenso nicht durch „nationale Feindschaft", sondern „ausschließlich ökonomische Interessen" hervorgerufen wurde. Der Wolhynier Andritschuk klagt in der Anfrage, daß die Juden sich ungesetzlich in Petersburg, Moskau, Zarizyn, Rostow, Kasan/ Astrachan und anderen Ortschaften' Rußlands ansässig machten. Es tröstet ihn nicht einmal die Erkenntnis, daß die Bewilligung-bloß provisorisch erteilt wurde, das heißt „bis . zür künftigen gesetzlichen Lösung der jüdischen Frage", weil — so glaubt der Verfasser der Anfrage — die gesetzliche Entscheidung der jüdischen Frage erst in etwa zehn Jahren erfolgen kann .. . Um dieser Anfrage den Charakter eines bäuerlichen Jammergeschreis zu geben, wendete sich Andritschuk um. Unterschriften bloß an Bauern. Die Bauern der Rechten unterschrieben freilich alle. Äuch die Oktöberbauern unterschrieben. Ebenfalls unterschrieb auch der Bauer Stortschak, der uv die Duma unter der Flagge des Verbandes des russischen Volkes gelangte, der später fast in allen Fraktionen sich, befand, bis er sich endlich der Fraktion der Kadetten anschloß. Andritschuk unterbreitete die schriftliche Anfrage auch dem Bauer Kropotow aus Wjatna vor. — „Unterschreiben Sie diese Anfrage?" — „Worüber?" „Daß die Juden (Jidy) nämlich sich nicht außerhalb des Ansiedlungsrayons ansässig machen sollen." — „Und Ihnen schaden sie? Sind sie Ihnen schlecht?" — „Gewiß, schlecht." — „Und woher sind Sie denn eigentlich?" — „Aus Wolhynien." — „Ist es den Juden erlaubt, dort zu wohnen?" — „Es ist ihnen erlaubt." — „AlsöMvarum beunruhigen Sie sich deswegen?" — „Nun, Ihre Juden werden also zu uns kommen. Und Gott sei Dank! Entlassen Sie dieselben, und freuet Euch. Sie behaupten, sie wären schlecht? ja recht schlecht, und da haben wir es, da bitten Sie, daß man Ihnen dieselben wieder zurückgeben soll! Freilich Sie sind um uns besorgt? Ja, wir haben unsere Jidy-Prawoslawnyje (Rechtgläubige). Kümmern Sie sichmicht um Uns, dieselben fressen uns besser aus als die Ihrigen." Andritschuk findet keine Antwort darauf, und Kropotow, in gewandtem Wjatner Dialekt fährt fort, seine Gedanken auseiuanderzusetzen: „Sehen Sie die Juden sind schlecht, und Sie sind darum sehr besorgt, daß dieselben nicht aus Wolhynien ins Innere Rußlands gehen sollen. Nun, das ist ein Stückchen! Und dieses „Stückchen" ist ein ganz einfaches." In Parlamentskreisen wird nicht ein Moment über die wahren Inspiratoren und Verfasser der Anfrage, gezweifelt. Der hohe Stil der Anfrage bezeugt hinlänglich deren Ursprung. Die Inspiratoren des Andrutschik sind die „Verbandsleüte", die ihren Sitz in der Duma haben. Die Anfrage setzt den Gegenstand fort, den die Odessaer Berühmtheit, Graf Konownizyn,. begonnen hat. Die Aktien des russischen Verbandes sollen, wie man' sagt, in der letzten Zeit, zusammen mit dem Einflüsse eines ihrer Beschützer aus den höheren Residenzkreisen, stark gefallen sein. Keine Höffnung auf den Erfolg ihres eigenen Unternehmens mehr habend, versuchen ihre Vertreter in der Duma, ' ihre Ladung unter 6er Flügge und durch ihre „Lieblingshausbauern" hereinzubringen. Jedoch diese Absicht ist scheinbar in der Duma einem traurigen Durchfall geweiht: Die Vertreter der. einflußreichen Parlamentsfraktionen verhalten sich zur Anfrage ablehnend. Gutschkow und der Leader der gemäßigten Rechten Balaschow sprachen sich in den Couloirs in diesem. Sinne aus. Kapustine hält es für schädlich, die nationale Feindschaft zu entfachen, und in die jüdischen Kreise eine überflüssige Unruhe hineinzntragen, Nach seinen Worten bereitet die Negierung ein Gefetzesprojekt bezüglich' der Juden vor. Sodann wird auch die Zeit kommen, sich über die jüdische Frage links und rechts auszusprechen. Der Nationalist Tytschkine denkt, daß Mne Fraktion sich gegen dieJnterpellation aussprechen werde. Die bsntarsle Ausbildung in den Milchen Semiusrien. Von Emanuel Kirschner, Erster Kantor in München. on Jahr zu Jahr mehren sich die Klagen über einen ' fühlbaren Mängel an seminaristisch gebildeten, zugleich aber auch tüchtigenwohlgeschulten Vorbeterm Diese Klagen werden nicht verstummen, D, fie werden sich zu schwerwiegenden Anklagen verdichten/' solange ttrir uns nicht endlich aufraffen, den Ursachen nächzuspüren, welche die in so vielen Fällen tatsächlich vorhandene MinderwertigkEdsr käntoralen Leistungen hdrbeisühren, wenn wir nicht-MÄM' und Wege

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