Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 2 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
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-Zutzßy, NUH dadurch erwecktwird, daß die jüdischen Mädchen-? händlM getpöhnlich sehr arm und lange, nicht so raffiniert seien 'wie ^die^.deutschen und französischen, darum auch leichter evwWt werden und häuflger in> den GerichtHperhandlungen figurieren. Die raffinierten Mädchenhändler, sagte Herr Corte, verstehen, es vortrefflich, sich den Maschen des Gesetzes zu entziehen. Sie sind reich, schlau und verfügen über zahlreiche Hilfsmittel. Diese Leute machen selten einen Fehler und werden selten erwischt. Die von diesen Händlern adoptierten Geschäftsmethoden lasten nür einen geringen Spielraum für eine Entdecku-ng^cher Schuldigen. „Ich habe es immer gesagt, keine Natiost^f>Me 'besonders verantwortlich gemacht werden für diesen skandalösen. Handel.. Mehr oder weniger ist jedes Volk in diesem Syndikat der Schmach vertreten. Die Juden in allen Ländern haben sich miv Männern und Frauenjedes Glaubens und jeder Nationalität vereinigt zur Bekämpfung des Mädchenhandels." -- Aber unsere wackeren Antisemiten werden nach wW vor fortfahren, so zu tun, als' wäre der Mädchenhandel ein b^i den Juden besonders betriebenes, von der Judenheit am Ende gar beschütztes Geschäft. Sie werden nach wie vor gewissenhaft jeden jüdischen Mädchenhändler an den allerdings wohlverdienten PMGer stellen, auf die Mitschuld der jüdischen Gesamtheit oW oder versteckt anspielen, aber sie werden keine Notiz nehmen davon, daß die jüdische Fachpresse fortwährend zur energischen Bekämpfung des Mädchenhandels anspornt, und daß überall die Juden' in erster Reihe an dem aussichtslosen Kampfe gegen den Mädchenhandel teilnehmen. * Me Woche. " Berlin, 6. Januar. ie ganze Welt steht in diesen Tagen unter dem erschütternden Eindruck der furchtbaren Erdbeben-Katastrophe, die einen der geschichtlich merkwürdigsten Teile der alten Welt verwüstet und ungezählte Tausende von Menschenleben vernichtet hat. Während sonst die menschliche Phantasie geschäftig große Ereignisse ausschmückt, erlahmten ihre Schwingen diesmal an der grausamen Wirklichkeit, die sich erst allmählich inmitten der allgemeinen Verwirrung erkennen ließ. Aber eins ist auch bei diesem grenzenlosen Unglück jetzt bereits offenbar geworden: das menschliche Solidaritätsgefühl, das schon längst sich als den geheimnisvollen Unterton aller Kulturbewegung erwiesen hat, und das über alle Schranken der Rassen, Konfessionen, 'Nationalitäten und politischen Organisationen hinweg sich Bahn bricht. Aber die Solidarität erschöpft sich nicht darin. Sie. läßt uns zugleich erkennen, daß im letzten Grunde die religiösen und nationalen Rivalitäten, die gegenseitigen mehr oder weniger versteckten Kriegsdrohungen, das Wettrüsten und ähnliche Erscheinungen schon einen überwundenen Standpunkt bedeuten. Möge als Wirkung der Katastrophe das Bewußtsein nachwirken, daß die edelste menschliche Aufgabe nur in gemeinsamer Kulturarbeit erfüllt werden kann! In solchen Tagen wendet sich der menschliche Sinn ja mehr als sonst, religiösen Gedanken zu, und man erkennt, daß! die Religion in Wahrheit die reichste Blüte deS Menschengeschlechts ist, sein zartester Duft und feine innere Kraft; ihr Geheimnis hat' ein weisep Alter mit geweihter Hand entschleiert in den wundervollen Worten : „Wem Zeit wie Ewigkeit) und Ewigkeit, wie Heit) der if^öesreit von allem Leid." ,4p. . - Ein MiMsterialreskrip t macht tste Runde duÄZÄLe- Eagesblätter, das die neue Bestimmungen enthält; dieser Kultusminister über die Gewährung: von StaatsbeihWAMn leistungsschwache Synägogengemeinden zur Sicherung^o^. jüdischen Religionsunterrichtes erlassen. Der Ünterrich^ ist unter Gewährung einer Staatsbeihilfe nur da einzurichten, wo die Zahl der schulpflichtigen jüdischen Kinder' dauernd mindestens zwölf beträgt; dabei sind nur die die Volksschule besuchenden Kinder in Betracht, zu ziehen. Werden in einer Synagogengemeinde mehrere Unterrichtsstationen eingerichtet, oder werden die schulpflichtigen jüdischen Kinder mehrerer Synägogengemeinden zu einer gemeinsamen. Unterrichtsstation vereinigt, so ist mit einer Staatsbeihilse nur da einzutreten, wo. die Gesamtzahl der an dem Unterricht in einer Station teilnehmenden jüdischen Kinder mindestens zwölf beträgt. Es genügt also nicht, wenn in der. Gemeinde zwölf oder mehr jüdische schulpflichtige Kinder vorhanden sind, sondern es müssen mindestens zwölf zü einer gemeinsamen Unterrichtsstation. zum Zweck der Erteilung des Religionsunterrichtes vereinigt werden. Sinkt in einem Falle, in welchem der Religionsunterricht unter Gewährung einer Staatsbeihilse eingerichtet ist, die Zahl der an dem Unterricht teilnehmenden Kinder dauernd unter zwölf, so ist die Beihilfe zurückzuziehen. Bei Bemessung der Beihilfe werden lediglich die Kosten zu berücksichtigen sein, welche durch Erteilung des Unterrichts, erwachsen, nicht aber zum Beispiel sonstige Kultuskosten. Außer Betracht bleiben Fälle, in denen durch die Einrichtung besonderen Religionsunterrichtes für die schulpflichtigen Kinder unverhältnismäßig hohe Kosten.erwachsen würden, und eine unverhältnismäßig hohe Beihilfe gewährt werden müsse. Werden durch Kürzung oder Zurückziehung von Staatsbeihilfen Mittel verfügbar, so können die Regierungspräsidenten selbständig über diese Beträge zugunsten anderer Synagogengemeindem?behufs Einrichtung jüdischen Religionsunterrichtes verfügen. — Für das laufende Etatsjahr sind im Staatshaushalts 40 000 Mark für Gewährung solcher Beihilfen eingestellt. * In Rumänien, dem Lande, in dem man sich der Erfüllung des Artikels 44 des Berliner Vertrages noch immer entzieht, bis einmal von den Vertragsmächten eine deutliche Mahnung aüsgehen wird, spielte sich kürzlich ein Monsterprozeß ab, der für die Politik des Bojarenlandes in hohem Grade bezeichnend ist. In- Jassy erwerben viele Juden ihr ehrliches Brot du^i Ausschank von Wein ebenso wie eine große Anzahl ihrer christlichen Mitbürger. Unter ersteren herrscht jetzt große Aufregung, da der staatliche Beamte, dem die Kellerrevisionen übertragen find, ein Häuptling der antisemitischen Partei und Großhändler in judenfeindlicher Literatur, sein Amt zp einem kühnen Streich, der eines Grafen Pückler würdig gewesen wäre, benutzt hat. Und. die Gerichte haben ihn fürsorglich unter ihre Fittiche genommen. Dieser Kellerrevifor, Dr. Schumuleanu, erhob, gegen 110 der erwähnten Gewerbetreibenden, die sonderbarerweise alle jüdischen Glaubens waren, die Anklage, es seien Spuren von Salizylsäure im Weine gesunden, und er ließ daraufhin ans eigener Machtvollkommenheit, ohneerst ein. rechtskräftiges Urteil zu erwirken, stattliche Mengen des edlen? Nasses, auslaufen. Es genügten ihm nicht die kleinen Gebinde, denen die . Proben entnommen waren, sondern er bestimmte auch andere, größere Fässer nach seiner Wahl zur Vernichtung —