Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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.'Ö.hlSborf>zü:Lesaffe.n-.nackdenr-:d-ie'.Oemeindebehörden zu der Sache ' bereits Stellung genommen haben.;und dem. Friedhofsinspektvr eine Rüge erteilt worden sei. Bezüglich der Vorschlägeder Kommission zur Besserung der Finanzen der Gemeinde teilt der Vorstand mit, daß er sich an verschiedene auswärtige Großgemeinden gewandt habe mit der Ansrage, welche Erfahrungen von ihnen mit der Uebernahme der Gräberpflege in eigene Regie gemacht wordensei . Eingegangen ist ferner die Abrechnung der . Gemeinde für das Jahr 1907, die mit einem Fehlbetrag von 1502 Mark schließt, dieses Defizit ist dem Dispositionsfonds der Gemeinde zu entnehmen. Die Ab-' rechnnng wird einer aus den Herren Tuch, Laskar und Ritter bestehenden Kommission zur Prüfung überwiesen. Es formen Wahlen: Als Vorstandsmitglied für das Altenhaus wird Herr Ernst Liebermann wiedergewählt. Zu Mitgliedern der Beteuerung?- kommission werden gewählt die Herren Winter, Bunzel und H. Elkeles. Sodann gelangt das Budget für das Jahr 1909 und der Antrag des Gemeindevorstandes, die Gemeindesteuer für das Jahr 1909 bis zu 1 Prozent des Jahreseinkommens der Steuerpflichtigen auszuschreiben, zur Beratung. Herr Fraustädter betont, daß das Budget, welches satzungsgemäß im September an das Kollegium gelangen soll, erst jetzt eingegaugen sei, und daß dadurch der. Raum für eine eingehende Beratung sehr beschränkt werde. Redner beantragt, die nachstehende Resolution: „Das Repräsentantenkollegium weist , auf seinen Beschluß vom Jahre 1907 hinsichtlichwer verspäteten Vorlegung der Abrechnung und des Budget hin und bittet den. Gemeindevorstand um eine Antwort, weshalb diesem Beschluß keine Folge gegeben worden ist. Das .Kollegium wiederholt hiermit seinen Wunsch, der Vorstand möge es veranlassen, daß in Zukunft der Vorschrift des § 50 der Satzungen genügt werde!" Diese Resolution wird einstimmig angenommen. Herr Laskar wünscht, daß in Gemäßheit der neuen Satzungen in Zukunft auch Damen in die Armenkommission gewählt werden und beantragt, den Gemeindevorstand zu ersuchen, daß die gemäß § 1 der Satzungen vorgesehene Wohlfahrtskommission baldigst gewählt und das Regulativ dem Kollegium vorgelegt werde. Herr Gustav Tuch beantragt, an den Gemeindevorstand das Ersuchen zu richten, Auskunft über, Bau und Eröffnung der Haushaltungsschule, ferner über Eröffnung der Gemeindebibliothek zu erteilen. Ferner wird beschlossen, die Einsetzung einer gemischter: Kommission zwecks Beratung zur Erwerbung eines eigenen Gemeindehauses beim Gemeindevorstand zu beantragen. Bezüglich des Begräbniswesens _ bemängelt Herr Alexar:der Levy, daß die bestehende Begräbniskommission nicht einbernfen werde.' Ihr hätte die Beratung über den Antrag betreffs Uebernahme der Gräberpflege in eigene Regie abgelegen. In der.Einzelberatung wird zu den einzelnen Positionen noch das Wort genommen, und danach das Budget, festgestellt. Die Ausgaben für das Armenwesen betragen .65 000 Mark, für das Schulwesen 66 000 Mark. Die Ausgaben find gegen das Vorjahr rvesentlich gestiegen und ist aller Voraussicht mit einem Defizit von 35 000 Mark zu rechnen. e. Marburg, 25. Dezember. Nachdem das hiesige Schöffengericht in der Schächtangelegenheit die Metzger wegen Polizeikontravention (wegen des ergangenen Schächtverbots) freigesprochen hatte> legte die Staatsanwaltschaft auf Veranlassung der Königlichen Regierung in Minden Berufung gegen das freisprechende' Urteil ein, welche am 18. v. M. vor dem Landgerichte in Paderborn zur Verhandlung kam. Diese endete mit der Bestätigung der Urteils der Vorinstanz. Gegen diesen Freispruch hat die Königliche Regierung, entgegen ihrer früheren Ankündigung, keine weitere Berufung angemeldet, so daß das Urteil inzwischen rechtskräftig geworden ist. Da außerdem die hiesige Stadtverordnetenversammlung den in Frage stehenden Paragraphen der hiesigen Schlachthausordnung durch einstimmigen Beschluß beseitigt hat»-nach dem Großvieh und Kälber vor dem Schlachten betäubt werden sollten, ist die Schächtfrage für die hiesige Gemeinde im günstigen Sinne endgültig entschieden. — Durch Beschluß der hiesigen Gemeindevertretung wird auf Veranlassung der Königlichen Regierung und mit deren Subvention Hierselbst eine neue jüdische Schule gebaut, die im Laufe des Sommers in Benutzung genommen werden soll. — Offenbach, im Dezember. In der letzten Stadtverordnetensitzung kam es zu lebhaften Klagen über den andauernden Zuzug russischer und galizischer jüdischer Arbeiter, die zum größten Teil weder in sanitärer noch in sozialer Beziehung ihrer Umgebung .Rechnung trägen. Die Redner aller Parteien waren der Ansicht, daß unter Vermeidung aller Härten jetzt einmalenergisch eingeschritten werden müsse, um weiteren Zuzug zu verhindern. Auch die hiesigen Gewerkschaften haben sich, der „Frkf. Ztg." zufolge, bereits mit dieser Frage befaßt. Hat denn niemand in der Versammlung auf die nicht 3u bestreitende Tatsache hingewiesen, daß dieser so arggefürchtete Zug inzwischen bereits vollständig aufgehört hat. i. München,. 30. Dezember. Der Rat am königlichen Ober, landesgericht München Eduard Silbermann wurde zum Staatsanwalt beim königlichen Obersten Landesgericht (Stellvertreter des Generalstaatsanwalts) befördert. Silbermann war dritter und zweiter Staatsanwalt beim Landgericht und Staatsanwalt dein: Oberlandesgericht. Da im übrigen Reiche Staatsanwälte jüdischer Konfession nicht angestellt sind, hat der Genannte die höchste staatsanwaltschafN liche Stufe im Deutschen Reiche erstiegen, welche bisher ein Jude erreicht haü — Die Stelle eines Rates am Oberlandesgericht München ist dem Staatsanwalt am Oberlandesgericht Dr. Engel mann in etatmäßiger Eigenschaft verliehen. — Zu stellvertretenden Landgerichtsdirektoren wurden etatsmäßig ernannt: die Landgerichtsräte Theodor Mayer und Es.cales am Landgericht Nürnberg, Wilmersd örfer am Landgericht Augsburg. <3. Mülhausen i. E., 26. Dezember. Die Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elsaß-Lothringen hat an: 14. d. M. hier ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung abgehalten. Der Präsident Charles Levy gab in seiner Begrüßungsrede einen allgemeinen Ueberblick über die Tätigkeit der Gesellschaft in: verflossenen Jahre. In erster Linie erwähnte er die Gründung des „Jüdischen Museums" in Straßburg, ein Unternehmen, das über alle Erwartungen gelungen sei und in den weitesten Kreisen verdiente Anerkennung gefunden habe. Dem hierauf vom Schriftführer, Rabbiner Dr. M. Ginsbürger, erstatteten Jahresbericht ist zu entnehmen,, daß die Tätigkeit der Gesellschaft sich im Laufe des Jahres 1908 hauptsächlich auf die Gründung und Ausgestaltung des Museums in Straßburg konzentriert hat. Ueber dieses interessante Unternehmen wird demnächst ein spezieller Bericht in deutscher und französischer Sprache erscheinen. Was die Erhaltung jüdischer Denkmäler betrifft, so hat die Regierung auf Befragen mitgeteilt, daß sie nur solche Denkmäler klassiert, die sich nicht im Privatbesitz befinden, was bei jüdischen Denkmälern, wie z. B. die Synagoge in Rufach, nicht der Fall ist. In der hieran sich anschließenden Diskussion regt Herr Dr. Elias an, die im Elsässischen Museum untergebrachte Sammlung jüdischer Kultusgegenstände gegen Feuer zu versichern. Diese Anregung wird zum Beschlüsse erhoben. Herr B. Moch schlägt vor, alle bis jetzt erschienenen Werke, welche auf die Geschichte der Juden in Elsaß-Lothringen Bezug haben, anzuschaffen, und Herr A. Dreifus spricht den Wunsch aus, daß die Sitzungsberichte den bekanntesten jüdischen Zeitungen zur Verfügung gestellt werden. Der Kassenbestand weist die Summe von 1515.31 Mark auf. Bei den Neuwahlen wurden die bisherigen Mitglieder des Vorstandes . wiedergewählt. Gesterretch-Ansarn. LH Wien, 28. Dezember. Große Aufregung herrscht hier über eine Aeußerung des liberalen Abgeordneten Dr. Pergelt, der auf . den Zwischenruf eines Tschechen in: Reichsrat diesem antwortete; „Die Juden, die schenken wir Ihnen!" Herr Pergelt behauptet, diese Worte „in der Erregung" gesagt zu haben. , Aber es bedarf .dieser Entschuldigung nicht — wir Juden wissen sehr genau, daß. 'auch in der liberalen Partei Leute sitzen, die nur deshalb nicht, offen . gegen die Juden auftreten, weil sie sonst die jüdischen Stimmen bei der nächsten Wahl verlieren. Mit anerkennenswerter Entschiedenheit hat Hofrät Kuranda sofort nach jener Aeußerung Herrn Pergelt offen seine Meinung über ein solches- Vorgehen gesagt. — Abgeordneter Dr. Strauber und Genossen haben eine Interpellation über die antisemitischen^ HHereien in der Bukowina an das Ministerium Bienerlh gerichtet, welche auch von zwei jüdischen Mitgliedern des