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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-01-01 · Heft 1 (1.1.1909) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 1 (1.1.1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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■fcagfc *t<k -^ .r^W^-1 7Z. JakrxanLk^r. I. Der Gemetndevote. kerün, L Januar 1909. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deS Judrntu.mK".. lkorrelpondrn?m und Kächrichtm. Veutschiand. s. Berlin, 1. Januar. In wenigen Tagen wird das Denkmal für Moses Mendelssohn enthüllt werden. Da ist es dann wohl passend, auf die Erinnerungsstätten hinzuweisen, die in Berlin für den großen Denker existieren. Er wohnte viele Jahre hindurch in dem Hause Spandauerstraße 68 und ist auch hier gestorben Das alte einstöckige Häuschen, das mit einer Gedenktafel geschmückt war, wurde bei der Anlage der Kaiser Wilhelmstraße abgebrochen und an seiner Stelle ein moderner Neubau errichtet. Die alte Gedenktafel wurde nicht wieder angebracht, nur an der unteren Seite des Balkons des zweiten Stockwerks liest man jetzt die in schwarzen schnörkelhaften Buchstaben gehaltene Inschrift: „Hier wohnte Moses Mendelssohn". Dagegen hat der Magistrat im Jahre 1905 an dem Hause eine Gedenktafel anbringen lassen, die verkündet, daß hier Lessing während seines ersten Berliner Aufenthaltes (1748 bis 1751) gewohnt hat, und zwar geschah dies, als auch Mendelssohn, der das Hans später käuflich erworben hat, hier bereits sein Heim hatte. Auch in einem 1742 in dem' Hause Brüderstraße 27 gegründeten Weinkeller, der die „Baumannshöhle" hieß, hat Mendelssohn mit Lessing und Ramler öfter verkehrt. Der Weinkeller ist schon vor Jahren nach der Scharrnstraße verlegt worden, das alte Haus aber, das in den Besitz der Firma Rudolph Hertzog übergegangen ist, wurde erst in diesem Jahr abgerissen. Als vor etwa 30 Jahren der Marheinekeplatz angelegt wurde, schlug das Polizeipräsidium für ihn nach dem Philosophen den Namen „Mendelssohn-Platz" vor, der Magistrat wünschte jedoch die Bezeichnung „Marheinekeplatz" nach dem Prediger Marheineke, und diese Benennung wurde im Jahre 1875 durch eine Kabinettsorder genehmigt. Die Grabstätte Mendelssohns befindet sich auf dem ältesten israelitischen Friedhof Berlins, der hinter der jüdischen Altersversorgungsanstalt in der Großen Hamburgerstraße liegt. Der von einem eisernen Gitter umgebene Hügel, vor dem sich ein hoher Gedenkstein erhebt, liegt an der Südseite des umfangreichen Friedhofsgeländes. Die Mendelssohnstraße im Osten führt ihren Namen nicht von dem Philosophen, sondern von dessen Enkel, dein Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy. 8. Berlin, 27. Dezember. In Ergänzung des vorigen Berichtes über die Repräsentanten-Bersammlung ist noch zu erwähnen, daß der Repräsentanten-StellvertreterHerr Benas Levy in den Vorstand der Neuen Synagoge gewählt worden ist. s. Berlin, 29. Dezember. In der letzten Sitzung der Aerztekammer Berlin-Brandenburg kam folgender Antrag der Ostpreußischen Kammer zur Beratung: „Durch den Herrn Minister, den Herrn Reichskanzler zu bitten, eine Gleichstellung der russischen Paßvorschriften für deutsche Aerzte mosaischen Glaubens mit denen der übrigen Aerzte erwirken zu wollen." Der Referent, Sanitätsrat Dr. Wiesenthal, teilte in seinem Bericht unter anderem folgende unerhörten Vorkommnisse mit: Ein Arzt jüdischen Glaubens inEydtkuhnen wollte für wenige Tage nach Petersburg reisen und machte nun die Erfahrung, daß er einen Paß nur unter großen Schwierig», keiten und günstigstenfalls nur mit empfindlichen und kränkenden Aufenthaltsbeschränkungen bekommen konnte. .Die Aerztekammer Ostpreußen beschloß darauf, an die Regierung die Bitte zu richten, auf Beseitigung dieser Ausnahmebestimmungen hinzuwirken. Der Referent legt die gedruckten Paßvorschriften, die für deutsche Christen keine besonderen Unbequemlichkeiten aufweisen, vor. Die Juden werden aber in drei Klassen geteilt, Inhaber eingetragener Firmen, Angestellte von solchen, die als Handlungsreisende nach Rußland gehen und sonstige Reisende. Für die ersten beiden ist die Paßbeschaffung zwar auch umständlich, aber unter allen Umständen möglich. „Sonstige" Reisende jüdischen Glaubens, also auch Aerzte, Rechtsanwälte usw. bedürfen einer Erlaubnis des russischen Ministeriums des Innern, die am besten durch Vermittlung des deutschen Generalkonsulats in Petersburg eingeholt wird, unter Angabe von Zweck, beabsichtigter Dauer der Reise, Zeit ihres Antritts uud der Orte, die besucht werden sollen. Die Aufenthaltserlaubnis erfolgt im allgemeinen höchstens aus drei Monate. Zu einer Aufenthaltserlaubnis über sechs Monate bedarf es der Erlaubnis von drei Ministern. Hat man die Erlaubnis, so. entstehen wieder in einzelnen Orten große Belästigungen, man darf nicht in bestimmten Straßen wohnen, darf nicht in bestimmten Hotels schlafen und muß sich mit solchen niederen Ranges begnügen usw Der Referent bringt zahlreiches Material darüber bei, wie dem jüdischen Assistenten einer Berliner Universitätsklinik gegen 30 Mark Kosten nicht erlaubt wurde, eine Schwerkranke nach Rußland zu begleiten; wie einem anderen Arzt, der nach Moskau zu einer Operation berufen war, wohl die Erlaubnis erteilt wurde, weil eben in dem Paß das Wort Hebräer fehlte, dem aber in Moskau empfindliche Unannehmlichkeiten nur erspart blieben, weil er sofort abreiste. Einem Sohn wurde nicht gestattet, die kranke Mutter zu besuchen. Die Kammer hörte die Ausführungen des Redners mit wachsendem Erstaunen an und trat dem Antrag einstimmig bei. 22 Berlin, 29. Dezember. Der Herzl-Club, eine Vereinigung junger jüdischer Kaufleute, veranstaltet im Monat Januar einen Palästina-Zyklus in Form von drei zusammenhängenden Vortragsabenden, die auf den 7. 14. und 21. Januar entfallen werden. Die Vorträge wird der als vorzüglicher Kenner des Landes bekannte Herr Davis Triesch aus Jaffa hallen, der das Thema möglichst vielseitig gestalten wird und auf die allgemeinen Verhältnisse Palästinas in jeder Beziehung, mit ganz besonderer Berücksichtigung der durch die politische Umwandlung in der Türkei geschaffenen neuen Sachlage eingehen wird. Zuschriften wegen (völlig kostenloser) Teilnahme an diesem Zyklus (für Damen und Herren) sind an den Schriftführer, Herrn Otto Guthmann, Wilmersdorf, Mainzer Straße 22, zu richten. s. Berlin, 28. Dezember. Im Schwesternheim des „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen" fand, wie alljährlich, am 21. d. M. eine schöne Chanukafeier statt, welche durch Gesang der Schwestern eingeleitet wurde. Nach einer längeren Ansprache des Vorsitzenden erhielten zehn junge Schwestern das Vereinsabzeichen und sechs Schwestern das Diplom nach beendeter dreijähriger Pflichtzeit; ferner wurde an vier Schwestern durch Frau Kommerzienrat Julie Eerson-Liebermann das goldene Abzeichen für zehnjährige treue Dienste überreicht. Der Feier wohnten gegen 50 Schwestern und Schülerinnen in Gegenwart des Vorstandes, der Aerzte und der Oberin Fräulein Blau bei. 22 Berlin, 28. Dezember. Am 21. d. M. veranstaltete das Damenkomitee des Altersheims für jüdische Taubstumme zu Pankow eine Chanukabescherung für d essen "Insassen, zu der neben den Mitgliedern des Damenkomitees und des Vorstandes die Angehörigen der Insassen sowie eine größere Anzahl Taubstummer sich eingesunden hatten. Nach dem Anzünden der Chanukalichte durch den Inspektor begrüßte Frau William Neumann die Erschienenen und dankte den Mitgliedern des Damenkomitees für die reichliche Gaben, welche sie teils selbst gespendet, teils von edlen Menschenfreunden für den Zweck verschafft hatten. Hierauf hielt Herr Theodor. Löwenberg, der Vorsitzende des Hilfsvereins für die jüdischen Taubstummen in Deutschland, eine Ansprache, welche von dem Vorsitzenden des Taubstummen-Förderungsvereins in die Geberdensprache der Taubstummen übertragen wurde. Darau schloß sich die Ueberreichung der reichlichen Geschenke an die Insassen, in deren Namen an der darauffolgenden gemeinschaftlichen Kaffeetafel der Inspektor dem Damenkomitee und dem Vorstande für ihre liebevolle Fürsorge den herzlichsten Dank zum Ausdruck brachte. 22 Berlin, 28. Dezember. Der Neue jüdische Gemeinde- | verein veranstaltete am 12. d. M. eine öffentliche Versammlung mit j ,Z

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