Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Du von Vater Ephraim und Gott weiß was; wir wollen eben hier bleiben, und ich glaube, das wird der Jungfer liebet sein, denn alles andere." Regina war über die Rede des frechen Menschen zum Tode erschreckt, noch bleicher geworden, und wandte sich flehend zu Breitner: „Herr, helft mir, Ihr habt so ein gut Gesicht; und da Ihr meinen Vater kennt, so werdet Ihr nicht wollen, daß seine Tochter von dem trunkenen Manne dort beleidigt werde." „Judendirne, hüte Dich!" rief Schlagnitweit mit dem Finger drohend. Sein Auge glühte düster, und er biß die Lippen zusammen, denn die Geister des Zornes und des Weines kämpften in ihm um die Oberherrschaft. „Was fällt Dir bei," sagte Thomas, ihn zu beruhigen, „wer wird denn so bärenhaft zutappen, Bruder Diether komm' heraus, die Nachtluft wird Dich abkühlen." „Nein und aber nein!" schrie Diether, ihn zurückstoßend, „ich will hier bleiben; und weil sie noch so Putzig tut, zweimal oder dreimal wiederkommen, oder so oft's mir beliebt; seht doch, die Judendirne soll sich geehrt fühlen, wenn uüsereins sie anspricht." Und mit ausgebreiteten Armen schritt er aus das geängstigte Mädchen zu, welches laut aufschreiend vor ihm entwich; erfolgte ihr jedoch und kam trotzdem, daß sein Gehirn wüst und sein Gang wankend war, immer näher. Breitner, den es von Herzen reute, den rohen Patron hereingebracht zu haben, gab einen teilnahmslosen Zuschauer ab, denn er wußte, daß jedes Einmischen einen noch höheren Grad von Wildheit in Diether hervorzurusen pflegte. Das Mädchen, von Angst und Schrecken erschöpft, war nahe daran, in seine Hände zu fallen > als plötzlich. die Türe sich öffnete und die Sache eine andere Wendung bekam. (Fortsetzung folgt.) Sprechssal. Sehr geehrter Herr Redakteur! em Autor der von mir veröffentlichten „Gedanken eines Laien über das Judentum" dürfte folgendes Schreiben, das ich nach dem Artikel über den öffentlichen Gottesdienst erhielt, eine freudige, vielleicht auch traurige Genugtuung bereiten. Es bietet auch sonst eine Fülle des Lehrreichen. Ihr ergebener Dr Ziegler. Karlsbad, 22. Dezember. Sehr geehrter Herr Dr.! Ich muß mich hinsetzen, sofort hinsetzen und Ihnen schreiben, wie sehr wahr Ihr „Laie" heute spricht. Ich bin zwar nur ein schlichter Lehrer, von der Gemeinde Prediger geheißen, in einer sogenannten Mittelgemeinde von 60—70 Mitgliedern, aber gerade wir Lehrer in diesen Gemeinden sind mit Entsetzen Zeuge der immer größer werdenden Verödung des Gotteshauses; und mit mir. gewiß 8% meiner Kollegen denken im Innern genau wie Ihr Laie und können nicht helfen und dürfen nicht helfen/ Hier, wie überall sind es die Altgläubigen, also die wirklich Gläubigen, die am Sabbat und den „einfachen" Feiertagen unter verzweifelten Anstrengungen einen Gottesdienst ermöglichen. Und natürlich ist es fast ein Verbrechen an diesen paar Männern, gegen ihre Ueberzeugung und ihren Willen die Reform durchzusetzen. Aber mit ihnen geht es noch weit weniger. Das ist das Dilemma! Wie aus ihm herauskommen? Soll ich Ihnen unseren „Gottesdienst" am Sabbat schildern? Er soll um 11 Uhr beginnen. Denn es ist Wochenmarkt. Die Geschäftsleute sollen die Möglichkeit haben, ihre Geschäfte abwickeln zu können, um dann immer noch rechtzeitig im Tempel zu sein. Um 11 Uhr stehen „Prediger", Kantor, Synagogendiener und Vorsteher (einer der Altgläubigen, ein wirklicher, echter Jehudi) im Gotteshause bereit. Nach und nach kommen noch zwei bis drei Mitglieder. Inzwischen ist es 11,20 Uhr geworden. „Der .Lodamstii" wird üusgeschickt, die Säumigen herbeizuschaffen. Endlich kommt er atemlos, er hat ausnahmsweise Erfolg! Einige waren schon von selbst gekommen. Es ist 11,85 Uhr. Der Gottesdienst beginnt. La komauodo usw. im schnellsten Tempo, nur das Lobema etwas langsamer. Die ganze Sidra, oder auch zwei Lidrautk, sehr geläufig. Niemand hat ein 6bumoseb. Das Laienen dauert 20 bis 25 Minuten, wenn mehrere Mi schebberach gemacht werden, auch länger. Andacht? Keine Spur! Einheben, Nusopb-Siebengebet leise, dann laut — auch wieder Gelegenheit zum Plaudern. La Leslaubsau mit Pittum, Animlsemiröt, Olenu, Mismaur, dies alles im allerschnellsten Tempo, denn es ist ja -inzwischen längst 12 Uhr geworden und die Besucher eilen zum Mittagstisch. — Das Bild eines wirklich erhebenden, zur Andacht - stimmenden Gottesdienstes! Nicht wahr? — Ja, wenn es nicht so furchtbar ernst wäre, man könnte darüber lachen. Dabei bleibt es wirklich wahr, daß die Besucher (in ihrer Mehrzahl vier bis sechs gewiß!) ihre Befriedigung in der Tat bei einem solchen Gottesdienste finden. . Aber die anderen, alle anderen! Die Frauen, Jünglinge und Mädchen, und dann die Intelligenz, ganz besonders aber die Jugend, was soll aus ihr werden? Es muß anders werden. Die liberalen Rabbiner in ihrer Gesamtheit — der einzelne ist machtlos — müssen helfen. Gut Sabbat! Mit vorzüglicher Hochachtung! *' Sehr geehrte Reduktion! as Referat über die Genera-lVers. des Vereins isr. Lehrer in Schlesien und Posen vom 18. November (Nr.48 d. Bl.) enthälteinen Passus, der als Irrtum des Berichterstatters bezeichnet werden muß. In der Diskussion über das nach Form und Inhalt gleich ausgezeichnete Referat des Rabb. Fabian über Dr. Coblenzs Religionsbuch - „JüdischeReligion" gelangte derAntrag: „dieEinführung desReligiynsbuches beim Religionsunterrichte ist nicht zu empfehlen" zur Annahme. Die. von dem Referenten erwähnte Resolution, das Buch nur für Volksschulen und Unterklassen der Gymnasien als nicht für geeignet zu erklären, war nicht von Bähr-Waldenburg, sondern von drei Kollegen eingebracht worden, die damit in der Minderheit blieben. Der Vorstand des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen. Breslau, d. 1. Dezember 1908. I. A. H. Moops, Schriftführer. * Sehr geehrter Herr Redakteur! n einer der letzten Nrn. Ihres geschätzten Blattes wird aus Posen über jüdische Geschichtskurse berichtet, mit dem Hinzufügen, daß sie von - Herrn Dr. Bloch eingerichtet seien. Gestatten Sie mir, berichtigend zu bemerken, daß das materielle, ideelle und organisatorische Verdienst der Veranstaltung der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe gebührt. Herr Dr. Bloch hat in überaus dankenswerter Unparteilichkeit sich als Dozent für diese Kurse gewinnen lassen, und seinem Können und Mühen danken wir den imposanten Besuch der Vorlesungen. Ergebenst JA.: Dr. Jeremias. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.