Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 73 (1909)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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IS f? äff m so ist hier Wohl eine kleine. Lücke, die der Ergänzung bedarf. > In Wirklichkeit existieren solche Krankenpflegerinnenvereine - jetzt wohl.schon in jedergrößeren Gemeinde, so beispielsweise in München, Stuttgart, Breslau, Frankfurt a. M., Posen usw. Dagegen ist beispielweise in den Vereinen zur Hilfeleistungfür jüdische Soldaten währendder Erfüllung ihrer Dienstpflicht .noch manches zu tun, da leider derartige Vereine an den Hauptgarnisonstädten nur in geringem Maße, nicht überall und meist mit wenig zulänglichen Mitteln bestehen. In der außerordentlich reichen Entfaltung des jüdischen Wohltätigkeitssinnes, in der Sorge für Kränke und Kurbedürftige steht die jüdische Gemeinschaft ganz fraglos an der Spitze aller gleichgearteten Wohltätigkeitsinstitute der anderen Konfessionen. Es gibt fast keine Art, mit einziger Ausnahme vielleicht einer ausreichenden Fürsorge für erwachsene jüdische Geisteskranke, keinen Zweig menschlichen physischen Leidens, für welches nicht die jüdische Wohltätigkeit einspringt, falls die von dem Leiden Befallenen-nicht selbst in der Lage sind, das Erforderliche für die Wiedererlangung ihrer Gesundheit aus eigenen Mitteln zu tun. Von den großen Summen, die anderseits für verschämte Arme, insbesondere auch aus privaten, der Kontrolle entzogenen Mitteln aufgewandt werden, läßt sich natürlich eine genaue Zusammenstellung'"nicht geben. Anderseits betont auch Breslauer mit Recht, daß in bezug auf die Ordnung und Regelung der Wanderbettelei noch manches zu tun übrig bleibt. Zwar hat man sich bemüht, durch Verbände und Kartelle Ordnung in den Strom der Wanderer zu bringen, wie zum Beispiel durch den Zentralverein Fürth-Nürnberg und der angeschlossenen Gemeinden zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten, indessen wird man ohne weiteres der Auffassung Breslauers beitreten können, daß eine durchgreifende Arbeit nur durch einen deutschen Landesverband -zu leisten fein wird. Imgroßen und ganzen hätte jedoch sestgestellt werden können, daß auch auf dem Gebiete der Wanderbettelei sich vieles wesentlich gebessert hat. ' Eine ganz besondere Ausdehnung, die zum Teil auch auf religiöse Vorschriften zurückzuführen ist, wie ja überhaupt das ganze Gebiet der Wohltätigkeit in seiner so reichen Verzweigung bei den Juden , aus direkte jüdische Gesetzesvorschriften zurückzuführen ist, hat naturgemäß die Fürsorge für Kranke und für Tote, sowie für die Hinterbliebenen gewonnen. Es hätte ohne weiteres festgestellt werden können, daß wir in Deutschland wohl kaum eine jüdische Gemeinde finden werden, die bei normalen Verhältnissen nicht ihre sogenannte Chewra Kadischa hat. Neben dieser ausgedehnten Pflege für Kranke sorgen naturgemäß Altersversorgungsanstalten, Altenheime, Siechenhäuser, Hospitäler und Pfründneranstalten für Alter und Krankheit. , Einen ziemlich breiten Raum in der erwähnten Abhandlung . nimmt die Frage der.Organisation der Wohlfahrts- und Wohltätigkeitsinstitnte in den jüdischen Gemeinden Deutschlands ein. Vielfach arbeiten alle diese Institutionen, obwohl sie ja im großen und ganzen vielfach gleiche Zwecke verfolgen, in jeder Gemeinde für sich allein. Ebenso, arbeiten an den meisten Orten die verschiedenen Wohltätigkeitsinstitute ohne jede Fühlung miteinander. Erst in neuerer Zeit hat man den empfehlenswerten Weg einer rationelleren Arbeit auch auf dem, Gebiete der Wohltätigkeit durch engere Fühlungnahme betreten. So gibt es für ganz.. Deutschland einen Verband der Vereine zur 'Förderung des Handwerks und" der Boden-. kultur unter den Juden, so gibt es in Württemberg die Landesvereine zur Erhaltung eines Asyls zur Förderung des Handwerkes und Gartenbaues, zur Erziehung württembergischer Waisen, in Baden vier Landesvereine zur' Erziehung' israelitischer Waisen in Badern zur Förderung des^ Handwerkes und. dertechnischen Berufsarbeiten" unter -- den Israeliten Badens, zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer und Lehrerwitwen daselbst -und zur -Aufnahme jüdischer Greise und Siechen Badens; . es gibt ferner eine rheinische Zentralkaffe für Rückwanderer, die allerdings bei einer Betrachtung der jüdischen Wohltätigkeitspflege, sofern sie sich ans deutsche Juden beschränkt, aus dem selbst gesteckten Rahmen des Aufsatzes herausfällt, ferner einen Zentralarmenverband für Westfalen und die Rheinprovinz, in München, Köln und Mannheim einen partiellen Verband der israelitischen Wohltätigkeitsvereine, in Karlsruhe eine israelitische. Zentralstistung usw. In einzelnen Städten Preußens wie in Danzig und Trier existieren bereits Verbände von sämtlichen Wohllätigkeitsvereinen der Stadt. . , Die B erlrn er. Gemeinde mit ihren etwa 130000 Seelen hat bekanntlich vor längerer Zeit bereits eine Zentralst eit e für die Wohltätigkeitsanstalten errichtet. Hier in dieser Zentralstelle läuft das gesamte Material über Bittsteller zusammen, so daß eine gerechtere Verteilung und Berücksichtigung erfolgen xann. „Auf eine Anfrage," so heißt es in dem Aufsatze Breslauers, „wird sofort alles Wissenswerte mitgeteilt, so, ob der Bittsteller schon bekannt, ob er einmal oder laufend Unterstützungen und von welchem. Institut erhalten hat oder noch erhält, und was hinsichtlich seiner Person und seiner Familie bekannt ist; besonders bedenkliche Tatsachen, die bei der Zentralstelle angemeldet sind, werden jedoch nur mündlich mitgeteilt." Seit der Errichtung dieser Zentralstelle im Jahre 1895 sind nicht weniger als 151 728 Anfragen an sie gerichtet worden, also jährlich 11 671. Neben dieser Zentralstelle sind die sämtlichen Gemeinde-Institute und fast alle Privatwohltätigkeitsvereine Berlins in einem Verband für jüdische Wohltätigkeitspflege zusammengeschloffen, an dem auch die Leiter und Verwalter der meisten Stiftungen beteiligt sind. Dieser Verband hat eine außerordentlich rationelle Arbeitsverteilung vorgenommen. Er hat ferner eine Austünftsstelle eingerichtet, die jedermann zugänglich ist, er hat auch den Versuch gemacht, eine weitere Vereinfachung der Arbeit durch gemeinschaftliche Erledigung der Bureauarbeiten herbeizuführen; im Augenblick geht er an eine Vereinfachung d'er Einziehung von Mitgliederbeiträgen. Er hält wiederholt Sitzungen mit den angeschloffenen Frauenvereinen, drei- bis viermal im Jahre öffentliche Sitzungen ab, in denen allgemeine Fragen der Wohltätigkeitspflege erörtert werden. Ueher das jüdische Armenwesen Berlins gibt der Verfasser eine recht ausführliche und übersichtliche Darstellung. Die jüdische Gemeindeverwaltung von Berlin unterhält bekanntlich zwei Waisenhäuser, ein Krankenhaus, ein Hospital und drei Altersversorgungsanstälten. Daneben besteht bei der Verwaltung eine Kommission für durchreisende Glaubensgenossen und eine Kommission zur Fürsorge für die Strafgefangenen und. deren Familien, sowie eine Armenkommission. Die letztereübt die gesamte Armenpflege aus, sie ist in vier nach der örtlichen Lage verteilte Abteilungen und in verschiedene Einzelausschüsse gegliedert und zählt 74 Mitglieder, darunter 6 Frauen. Die Gemeindeverwaltung hat außerdem 53 und die Armen- . konnnission weitere 85 Wohltätigkeitsstiftungen zu verwalten. Wenn man nun zu der Frage übergeht, welche Mittel ein solch großer. Apparat jüdischer Wohltätigkeit und Wohlfahrt alljährlich erfordert, so ist natürlich eine irgendwie sichere Summe nicht anzugeben. Die große Mehrzahl der kleinen