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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-01-01 · Heft 1 (1.1.1909) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 1 (1.1.1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Lin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. 73. Jahrgang. Nr. 1, Berlin» L Januar 1909, 1 1 Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch Buchhandel oder Post (in Berlin u. Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich ö M. Redakteur: Gustav Rarxeles. Begründet von Rabbiner D» Ludwig Philixxson. Verlazs-LrMtiou: Berlin, Jerusalemer Str. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums" Berlin SWV Jerusalemer Straße HS/49, zu richten. Verlag von Rudolf rNosse, Berlin. Die jüdische MohltätigKeit und Wllhikshrtspklege in Deutschland. Berlin, 1. Januar, enngleich selbst Von den Gegnern der Juden die ganz hervorragenden Leistungen der jüdischen Wohltätigkeit und Wohlfahrtspflege anstandslos anerkannt werden und man auch in jüdischen Kreisen im allgemeinen weiß, wie ungemein mannigfaltig und umfangreich > das „gute jüdische Herz" sich auf allen humanitären und sozialen Gebieten betätigt, so wird doch das Bild, das man sich über den Umfang der jüdischen Wohltätigkeit und Wohlfahrtspflege im allgemeinen macht, von der Wirklichkeit meist bei weitem übertroffen. Herr Justizrat Bernhard Breslauer hat im November- Heft des „Archivs für Volkswohlfahrt" eine sehr wertvolle Arbeit über die eminente Ausdehnung der jüdischen Wühltätigkeit und Wohlfahrtspflege in Deutschland veröffentlicht. Auch die nichtjüdische Welt wird diesen Ausführungen, die von einem Manne gemacht sind, der wie kaum ein zweiter das gesamte Material beherrscht und in vorzüglicher Gruppierung vorführt, regstes Jntereffe entgegenbringen. Obwohl die großzügige Arbeit der Komitees für die russischen Juden, die zum Beispiel im Jahre 1891 nicht weniger als 196 000 Auswanderern geholfen hat, obwohl die Tätigkeit der deutschen Konserenzgemeinschaft der „ Alliance Israelite Universelle“, das großartige Hilfswerk des „Hilfsvereins der deutschen Juden" und auch das humanitäre Wirken der jüdischen Logen, des Bne Lrit-Ordens in Deutschland für nichtdeutsche Juden unberücksichtigt bleibt/ auch jene Quellen jüdischer Wohltätigkeit, aus welchen für Juden und mit deren Mitteln aus staatlichen oder städtischen Institutionen die Wohltätigkeit fließt, nicht in Betracht gezogen werden, mithin eine sehr große Anzahl humanitärer Werke nicht in Ansatz gebracht ist, stellt doch das in dem Aufsatz zusammengestellte Material allein jener jüdischen Wohltätigkeits-! pflege, die entweder von den jüdischen Gemeinden oder von den jüdischen Privat-Wohltätigkeitsvereinen geübt wird, dem Humanitären und sozialen Sinn der deutschen Juden das glänzendste Zeugnis aus. Es sind ganz immense Summen, die von einer außerordentlich großen Anzahl von Vereinen und von den Gemeinden für Wohltätrgkeitszwecke verausgabt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Mangel einer einheitlichen deutschen Gemeindeorganisation auch seine Wirkung aus dem Gebiete der Wohlfahrtspflege ausübt. Es gibt. Gemeinden, die überhaupt eine Wohlfahrtspflege nicht üben, diese vielmehr den Privatvereinen überlassen, wie zum Beispiel die württembergischen und badischen. Dann gibt es wiederum viele Gemeinden, die der Privatwohltätigkeitspflege nur einen Zuschuß gewähren, teils unter Vorbehalt der Aufsicht, teils ohne einen solchen Vorbehalt. Eine große Anzahl anderer Gemeinden hat jedoch eine geordnete offizielle Wohlfahrtseinrichtung neben der privaten. In sehr vielen jüdischen Gemeinden, selbst in den kleinsten, haben sich Wohltätigkeitsvereine gebildet, und es ist gewiß eine sehr erfreuliche Erscheinung, daß, wie Justizrat Breslauer feststellt, es sogar eine jüdische Gemeinde gibt, die nur sechs Zenfiten - mit im ganzen 27 Seelen zählt, trotzdem aber drei Wohltätigkeitsvereine hat. Von den 1014 Gemeinden, die hierin Betracht gezogen sind, gibt es nur 188, die keinen Verein haben während im ganzen diese 1014 Gemeinden 3010 Vereine zählen Es ergibt sich dabei die interessante aber auch erklärliche Tatsache, daß in Württemberg und Baden schon auf je 102 respektiv 107 Zensiten ein Wohltätigkeitsverein kommt, während im Königreich Sachsen erst auf 405 Zensiten ein solcher Verein entfällt. Die Erklärung liegt darin, daß in denjenigen Ländern und Provinzen, in denen die Juden vorwiegend in großen Städten wohnen, die Großgemeinden also überwiegen, ganz natürlich die Zahl der Vereine geringer sein muß, weil die große kompakte Masse ihre ausreichende Befriedigung in einer geringeren Zahl von Vereinen findet. Wo indessen die Juden in kleinerer Zahl m Städten oder über das Land verteilt wohnen, also - auch eine verhältnismäßig größere Anzahl kleiner Gemeinden vorhanden ist, ist auch eine größere Anzahl selbständiger Wohltätigkeitsvereine erforderlich. Daß die jüdische Wohltätigkeit das ganze Menschenleben umfaßt, von der Wiege bis zum Grabe und noch darüber hinaus, ist eine bekannte Tatsache. Es erübrigt sich, für die Leser eines jüdischen Blattes alle diese Humanitären und Wohltätigkeitszwecke, für welche das gute jüdische Herz mobil gemacht wird, hier im einzelnen nach der verdienstvollen Arbeit Breslauers aufzuführen. Kinderhorte, Vereine für hilflose Kinder, Kindergärten, Kinderküchen, Vereine für Ferienkolonien, Beihilfen zur Ferienerholung, Bekleidungsanftalten, solche zur Beschaffung von Büchern und Lehrmitteln, zur Gewährung von Handfertigkeitsunterricht, Ausstattung für die Einsegnung, für Ausbildung von Knaben und Mädchen, zur Ausstattung von Bräuten, Arbeitsnachweisebureaus, Beschaffung von Handwerksmaterial und eine game Reihe weiterer Einrichtungen, um Sinkende aufzu». ^md Gesunkene wieder dem Erwerb zuzuführen, bestehen .u ebenso großer Anzahl, wie auch Stiftungen für höhere Berufe, Hilfsvereine für Studierende, für Künstler usw. Wenn die Schrist Breslauers dabei auch die Vereine zur Ausbildung jüdischer Mädchen und Frauen zu Krankenpflegerinnen erwähnt und nur Berlin, Köln, Nürnberg, Hamburg und Mannheim nennt,

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