Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1908)
- Date
- 1908-12-25
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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72. Jahrgang. Der Dctlsze zur „Allgemelnen Leitung deK Judentums". korrelponllmren und Sschrichten. Deutschland. S. Berlin. 20. Dezember. Die heutige Repräsentantenversammlung nahm nach einigen, vom Vorsitzenden Louis Sachs erstatteten geschäftlichen Mitteilungen zunächst eine Zuwendung des Herrn Siegfried Ia'sc im Betrage von 2000 Mark zu Wohltätigkeitszwecken an. Der größte Teil der säst dreistündigen Sitzung wurde durch die Vorlage betreffs der Anstellung jüdischer Organisten ausgefüllt, die eine recht interessante und lebhaste Debatte hervorrief. Der dieswöcheutliche frühere Redaktionsschluß zwingt uns, jetzt nur die Grundlage und den Schluß dieser Debatte herauszüheben; wir behalten uns' jedoch vor, in der nächsten Nummer in einem Sonderbericht auf die Vorlage zurückzukommen. Wie erinnerlich, waren zu dieser Vorlage die Gutachten der Rabbiner, welche zum Teil schon bis zum Jahre 1891 zurückdatierten, von der Repräsentantenversammlung eingesordert worden. Außer diesen bildete .auch noch der Antrag Veit Simon die Grundlage der Debatte, welcher den Gemeindeoorstand aufsordert, bei der weiteren Anstellung von Organisten und für die Harmoniumbegleitung in erster Reihe jüdische Bewerber zu berücksichtigen, und ferner den Vorstand ersuchte, für die Ausbildung jüdischer Organisten Fürsorge zu treffen und insbesondere die Orgeln in den Synagogen für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Der Referent der Vorlage Eeheimrat Senator berichtete, daß in dieser Frage bereits neun Rabbiner ihr Gutachten abgegeben haben. Dagegen sprechen sich die Gutachten der Rabbiner Rosenzweig, Stier, Ungerleider und Eschelbacher, dafür die Gutachten der Rabbiner Maybaum, Blumenthal, Warschauer und Hochfeld aus, während Rabbiner Weisse einen vermittelnden Standpunkt einnimmt und auf die Stimmung in der ' Gemeinde Rücksicht nehnien will. Der im Ausschuß geäußerten Ansicht, daß ein großer Teil der Gemeinde verletzt würde, wenn jüdische Organisten spielen würden, kann man, wie der Referent hervorhob, die Ansicht vieler entgegenstellen, die in ihren Empfindungen verletzt werden, daß an einem jüdischen Gottesdienst ein Nichtjude teilnimmt. Die Gegner der Vorlage weifen darauf .hin, daß am Sabbat keinerlei Arbeit verrichtet werden darf, während die Befürworter betonen, daß es sich beim Orgelfpiel um die Ausübung einer Kunst handelt, die niemals verboten worden ist. Der — übrigens auch unter Musik vollzogene — Opferdienst, ein nach orthodoxer Auffassung göttliches Gebot, ist von Menschen aufgehoben und an dessen Stelle sind die Gebete gesetzt worden, deshalb muß es auch erlaubt sein, menschliche Gesetze zu ändern. In kurzen, treffenden Worten begründete er diese Ausführungen an der Hand mehrfacher Zitate aus den Gutachten und schloß fein Referat mit der Angabe, daß die Mehrheit des vorberatendeu Ausschusses die Annahme des - Antrages Veit Simon empfohlen hat, mit der kleinen Modifikation, daß in dem Anträge die Worte „in erster Reihe" gestrichen und an deren Stelle die Worte „soweit geeignete Bewerber vorhanden sind" eingefügt werden sollen. An der Debatte beteiligten sich die Herren Rechtsanwalt Tr. Cohn, Hirsch, Lewinski in ablehnendem Sinne, für die Vorlage sprachen die Herren Direktor Minden, Justizrat Veit Simon, Professor Blaschke, Eeheimrat Geiger und Professor Kalischer. Erwähnen möchten wir bereits heute die in der Debatte festgestellte Tatsache, daß die Einrichtung, um die bei uns noch mit so heißem Bemühen gestritten wird, bereits in Brünn, Dresden und auch in Breslau - durchgeführt ist.- Die Abstimmung ergab die Annahme der Vorlage in der Form des Ausschußantrages mit elf Stimmen gegen die fünf Stimmen der Herren Loewenberg, Hirsch, Lewinski, Weinberg und Dr. Cohn. — Die übrigen Punkte der Tagesordnung fanden schnelle, meist debattelose Erledigung. Der Antrag auf Errichtung von. Synagogen im Nordwesten und Südosten Berlins ist inzwischen vom Ausschuß beraten worden. Der Ausschuß hat beschlossen, pie Einsetzung einer gemischten Deputation zu empfehlen und dieser i^ne Zusammenstellung aller Juden in den Gebieten der Gesamtgei Angabe der bestehenden Kultusstätten wird vorn Plenum einstimmig zun turnusmäßig ausscheidenden Mitglie > reinde unter entsprechender vorzulegen. Dieser Antrag Beschluß erhoben. Die >er der Waisenkommission werden wiedergewählt. Der Rechnungsabschluß der Schulverwaltung pro 1907/08, woraus sich ergibt, daß Prozent ihres Etats auf die Schulen und die Schulverwaltung entlastet. Bei ülligt werden die erforderten Ausgaben zur Vornahme einer baulichen Kaiserstrabe, zur Herstellung Honorierung eines Organisten in der $ zur Herstellung neuer Noten für die alte znlageu (18 250 Mark) an die Eemei Einkommen 8600 Mark nicht überstei; Tauß >vird pro 1908/09 und 1901 4800 Mark bewilligt und der Wölfischen Ezchajimsynagoge eine einmalige Beihilfe von 100 Mack und zur Schuldentilgung einmalig ein Betrag von 300 Mark, ist während ihres 70jährigen Bestehens ausgekommen und war nur durch Mitglieder, deren Zahl jetzt 92 beträgt, und eine Religionsschule zu unterhal erhalten zurzeit 28 Kinder gegen Bez ihlung und 51 arme Kinder ie Gemeinde mehr alszehn verwendet, wird genehmigt Aenderung in der Synagoge Juo endgottesdienst-AgeNden, zur nstaltssynagoge zu Plötzensee, -hnagoge und zu Teuerungsidebeamten, deren jährliches. Dem Verein Lippmann- '10 eine Subvention von Die letzgenannte Gemeinde bisher ohne jede Subvention große Opferwilligkeit ihrer i der Lage, eine Synagoge In der Religionsschule mizwah-Unterricht. Der Etat und Ausgabe mit 2770 Mark; n dieser Gemeinde geschaffenen An die öffentliche schloß im der Antrag von Mitdas Verfahren bei Probenn dringlicher, eine Personal» öllig unentgeltlich Religions- und 8 dcr Gemeinde balanciert in Einnahme r zur lausenden Subventionierung der b Institutionen liegt kein Bedürfnis vor sich eine geheime Sitzung, in der wieder gliedern der Versammlung betreffend predigten zur Beratung stand, außerden c augelegenheit betreffer Antrag. s. Berlin, 17. Dezember. Im Herein für jüdische Schichte und Literatur fand am 15.1d. M. der erste populär-wissenschaftliche Vortragsabend im dichtbefüllten Oberlichtsaale der Philharmonie statt. Geheimer Rat Professor Ludwig Geiger sprach über die beiden Romane von Georg H ermann „Jettchen Gebert" und „Henriette Jacoby" mit gewohnter Meisterschaft. Die feine Analyse der Werke, die psychologische Charaktei istik des Dichters, die literarhistorische Einleitung über die Geschickte des Judenromans bildeten die Glanzpunkte des mit lebhaftem Be? Sodann rezitierte Herr Alfred vom heitere Kapitel aus beiden Romanen gutem Verständnis. Auch er fand wa wärt! gen Literaturvereineu: In Baugewerkschullehrer Emil Hollack Juden in Ost- und Westpreußen' mann-Kulm über „Judentum und Dr. H. Loewe-Berlin über „Palästin Wesel, derselbe über „Streifzüge derselbe über „Zwei Jahrhunderte Frankfurt a. M. Dr. L. Hirschb der Musik", in Mannheim Herr „Die Bibel als Kunstwerk"; in Zw ruhe über „Die moderne Frauenfrag aus betrachtet". 8. Berlin, 21. Dezember, tätigkeitsanstalten in der Ji straße 2/4, ist eine besondere Abteilur Studierende, Kunstschüler, Seminc eine genaue Prüfung der >uf ihre Eignung zum gewühlten Beruf vorzunehmen. Den Vereinen und Instituten, die Studierende rege fall aufgenommenen Vortrags-. Schillertheater einige ernste und wirlsamer Weise und mit , Beifall. - Aus den aus- Königsb erg i. Pr. sprach über die „Vorgeschichte der in Lautenberg Dr. Gutt- Toleranz", in Duisburg ", in Mühlheim a. R. und jüdischen Orient", in Aachen jüdischer Heldenkämpfe", in :g-Berlin über „Die Bibel in Zabius Schach-München über brücken Dr. Zampel-Karlsvom biblischen Standpunkts Zentralstelle für die Wohldischen Gemeinde, Roseng für männliche und weibliche risten usw. angegliedert worden, tnisse der Stipendiaten — auch mäßig unterstützen, und Privat-