Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1908)
- Date
- 1908-12-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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nachasch beja’ak'aüw, welaa kessem bejisroeil; bei uns gibt es keine Zauberei und keine Hexerei. Wir haben nichts zu verheimlichen; unsere religiösen Gebräuche haben alle einen vernünftigen Sinn und brauchen das Licht nicht zu scheuen. Sieh einmal, hier kennt sie jeder Christ und findet sie ganz in der Ordnung; und es fällt ihm nicht ein, sich auch nur mit einem einzigen Wörtchen darüber aufzuhalten, so wenig wie wir uns erlauben, über die Einrichtungen der christlichen Kirche zu sprechen. — Nun weiß ich wohl, daß die Quellen des gegen uns herrschenden Vorurteils nicht so leicht zu verstopfen sind. Aber ich bin fest überzeugt davon, daß es weniger Judenhaß in der Welt geben würde, wenn wir allesamt uns immer der strengsten Gewissenhaftigkeit befleißigten, wenn wir ferner, zwar selbstbewußt, aber doch bescheiden und ohne Kriecherei austraten, und wenn wir schließlich, anstatt die Ausübung unserer Religion geheim zu halten, dafür sorgten, daß das Wesen des Judentums allgemein bekannt würde. Die Menschen sind sich ja überall so ziemlich gleich. Und das schöne Verhältnis, wie es hier zwischen Juden und Christen besteht, ich bitte Dich, sollte es anderswo unmöglich sein?" „Deine Aussührungen sind ja sehr richtig. Vater. Aber Du vergissest doch, daß dieses schöne Verhältnis nicht allein dem vernünftigen, lobenswerten und einwandfreien Verhalten der hiesigen Juden zuzuschreiben ist, sondern vor allem auch der duldsamen, wohlwollenden Gesinnung der hiesigen christlichen Bevölkerung. Das kommt, weil hier jeder jeden kennt, jeder mit jedem Umgang hat. Da rücken die Herzen einander näher, da fühlen sich alle miteinander gewissermaßen verwandt. In größeren Orten ist das anders. Da stehen sich die meisten Menschen fremd und kalt gegenüber, fragen nichts nach einander und fühlen nichts für einander Und auf solchem Boden gedeihen Klassenhaß und Blassenhaß nur zu gut!" „Ja, ja, das ist leider wahr," versetzte mein Vater seufzend; „da haben unsere alten Freunde, die Dummheit und die Bosheit, leichte Arbeit. Und diese Feinde sind so mächtig wie unversöhnlich! — Wir haben indessen den Trost und die hohe Genugtuung, daß in unserem Kampfe gegen sie die Besten des Volkes auf unserer Seite stehen, und darin liegt ein sicherer Beweis für die Güte unserer Sache, wie auch dafür, daß wir schließlich obsiegen werden." Wir mußten hier von diesem Gegenstände zu sprechen aufhören, da die alte Peckersche sich zu uns gesellte und den Heimweg mit uns zurücklegte. Ohne weiteres fing sie an, von ihrem Sohn zu reden — wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über — und mit großer Lebhaftigkeit in Wort und Gebärde erzählte sie, wie sparsam und brav derselbe sei, fast seinen ganzen Verdienst schicke er ihr und nie komme er, sie zu besuchen, ohne ihr Kaffee und Zucker mitzubringen. Sie sagte das nicht, um uns zu unterhalten, auch nicht, um damit vor uns zu prahlen, sondern offenbar in der für sie selbstverständlichen Voraussetzung, daß wir an ihrer Mutterfreude den innigsten Anteil nähmen. Und wahrlich, das haben wir auch getan! Denn wie gesagt, in kleineren Orten sind sich eben alle verwandt und das Mitgefühl bildet sich dort besonders stark aus. Drei Wochen blieb ich in meinen! Heimatsdorf, und ich habe mich dort körperlich und geistig erfrischt und gestärkt. Und als ich es verließ, da habe ich es aus der Tiefe meines Herzens dankbar gesegnet. Auf meiner Rückreise sah ich in den Städten, durch welche ich kam, wieder elektrisches Licht, Straßenbahnen, Motorfahrzeuge, große Warenhäuser, herrliche Gasthöfe, Theater und was sonst mittelbar oder unmittelbar der Gemächlichkeit oder der Freude des Lebens dient. Ach, dachte ich da bei mir, an Reichtum. Bequemlichkeit des Ver * kehrs und Berguügungsgelegenhei seliges, liebes Dörflein ja nicht stolzen, großen Städten messen, und Gemütsreichtum müßt ihr ei lassen! Gott erhalte ihm auch ferr i kann sich mein im entferntesten mit euchH ber an Biedersinn, Treueh von ihm tief beschämen er den Frieden! Literarische Mitteilungen. ■— Prof. Friedrich Jodl, G> Zweite Auflage. Stuttgart 1907. I. Wenn ich inir gestatte, an dieser des Wiener Philosophen zu notieren, Erwägung: Die geschützten Leser der „Allg. Ze p den fortschrittlichen, gebildeten Kreis n gehören, kennen ivohl die Bedeutung t unserer Zeit. Die praktischen Lebensnrrnv Leben und Werthalten offenbaren, prägen, erhalten ihre Nahrung aus der theoretischen Erkenntnis. Vorwiegend der historischen Betrachtunzsweise ist unsere Zeit geneigt. Wir wissen und erfahren es täglich, diese höchsten Begriffe einseitig und < großen Kampf, den wir Juden als Be^em führen, haben wir aus der ganzen Lin Geschichtsschreibung gegen uns. Unser 1 zuletzt ein Kampf um sittliche Freiheit. Friedrich Jodl, um zunächst an den Verfasser zu denken, gehört zu denjenigen führenden Männern den j jeder Gelegenheit offen und mutig t ie Gerechtsar derung anerkennen und unterstützen. Als Hermann Cohen vor mehreren ) über den „Styl der Propheten" hielt, > Tags darauf sagte mir der Wiei ei hohen Standpunkt der prophetischer darstellt — mit vieler Freude und r „Das heißt nicht hoher Standpunkt, sichte der Ethik. I. Bd. Stelle einiges aus dein Buche geschieht dies in folgender tung des Judentunis", die zu serer Glaubensgenossen wissenschaftlichen Ethik ivie sie sich im sozialen Recht, Staat, Politik aus- Tendenzen gewisser Kreise zerecht beeinflussen. In dem prophetischer Idealität gefärbte, vorurteilsvolle Kampf ums Dasein ist nicht :scher Geistesbildung, unserer Forsahren in Wien einen Vortrag ar Friedrich Jodl zugegen. Professor, er habe den Ethik — wie sie Cohen ungeteiltem Genuß angehörtintime Quel enkenntnis, es ist Werthalten sich ausspricht." reinen Willens" erschien, hat Pros. Joi l vom 10. September 1905 dieselbe eing dieses Essays klingt in einer glänzend bungen ans. Und ihr großes Gewicht gelehrten Mannes, der von einer sehr Denkens dem Judentum vollauf gereck Ich kann hier nur andeuten, wa cagen geschrieben hat. Es ist die freien deutschen Geistes, der sich die schung und die klassische Reinheit . den Jahrzehnten, Wir sind mit Recht auf Herma: Ethik studieren, an ihr unsere Begriff! moral festigen und verdeutlichen. 3 unsere Väter die jüdischen Denker Mainioni und Inda Halevi, gelernt fj; uns erhalten. Er verhilst uns zu eit heit, er lehrt uns die Inhalte der gießen, ihre Größe-und veritö eternellk Aber das Verständnis der überzi die Ethik auffassen, vermittelt die Geje der Ethik kann aber nicht in einseitige Dieser Stil, wie ihn neuerdings Hustoi ist eine krankhafte Erscheinung, ein ' kultus, der nichts Wahres sagt. Ein Schöntun, anstatt wahr zu sein, logischer Realität. Wo kein sittlicher innere geistige Einheit waltet, da stell sehr sittlichen dann Cohens „Ethik der „Neuen Freien Presse" hend gewürdigt. Der Schluß Apologetik unserer Bestreliegt in der Persönlichkeit des hohen Warte philosophischen Friedrich Jodl über diese leberzengung eines wahrhaft hohen Ideale deutscher For- Humanitätslehre beivahrt hat Vcrurteile ihrer Zeit huldigten. Lohen stolz. Wir wollen sein! der Höhe der Propheten- 'Jfen ihn verstehen lernen, wie Mittelalters, einen Bachja, wen. Durch dessen Gedanken die Lauterkeit, die Reinhe t des ethische» Normbegriffes Reichtum der inneren Frei- Prophetenreligion in Begriffe begründen. ittichen Idee, als ivelche wir lichte der Ethik. Die Geschichte n Carlyle-Stil geschrieben sein. Steward Chamberlain schreibt, eches Aesthetentum, ein Genieverzückter Augenaufschlag, ein Grunds ein Mangel an Glaube au die Menschheit als sich dieses Posieren ein. Wie