Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1908)
- Date
- 1908-12-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Geisel lebte und wo man ihn zweifelsohne genau kannte, durchkreuzt wurden, wandte er feinen ganzen Zorn und Eifer gegen Palästina und er gedachte, die ganze jüdische Kultur in kurzer Frist durch Feuer und Schwert ausrotten zn können und an deren Stelle den abgenutzten Flittertand des kleinasiatischen Griechentums zu setzen. Wir schöpfen Atem. Das eine ist sicher, und wir sagten es oben schon: hätte der Narr Antiochus dem Schicksal nicht in die Arme gegriffen, die Hellenisierung des jüdischen Volkes wäre still und sicher von oben nach unten weitergeschritten, es Hütten sich nach einigem Widerstand auch die unteren Schichten der Bevölkerung assimiliert, das Judentuin wäre eines Tages so von der Welt verschwunden gewesen wie die anderen alten Kulturen. Es wäre im günstigsten Falle eine kleine religiöse Sekte geblieben, es Hütte im Stillen weiter vegetiert — zu großer politischer oder sozialer Bedeutung wäre es nie gelangt, vor allem hätte es nie die Kraft besessen, aus seinem Schoße die Religionen des Christentums und des Islams zu gebären. Nur durch das gewaltsame Eingreifen des Syrerkönigs brach die Reaktion und mit ihr die Revolution sich Bahn. Ta ist es nun interessant zu sehen, daß es durchaus nicht die Elite des Judentums war, die sich gegen den Hellenismus anflehnte. Ein Priester aus einem Landftüdtchen, fern von der geistigen Zentrale der jüdischen Kultur, entfachte die gefährliche aber notwendige Flamme des Aufruhrs und der Empörung, die allmählich den größten Teil der jüdischen Ration in ihren Bereich zog. Ein Priester, ein Nachfolger und Stammesgenvsse des Jecheskel und Esrah, der in seiner Brust die alten Ideale barg — welch herrliches Zeugnis für den sittlichen Eisenbestand der sozialen Seele des Judentums! Man halte nur die Charakterbilder des Matathias und seiner Söhne »eben das eines Antiochus, und man wird sich sofort des gewaltigen Unterschiedes klar werden. Hier Persönlichkeit, Flammenmut, Einheitsbeziehungen der Seele, eine zentrale Sonne, von der aus jeder Gedanke, jede Willensregung Kraft und Energie erhalten, dort Harmonielosigkeit, Feigheit, Launenhaftigkeit, Anklänge an Irrsinn — psychologisch ausgedrückt: hier Assoziation, dort Dissoziation. Und was war es, was dein Heldenvater und den Heldensöhnen trotz ihrer verschwindenden Minderheit Mut und Vertrauen einflößte und sie zu Löwentaten begeisterte, was war mit anderen Worten die Einheit, auf welche sich jede Faser ihres Jchs bezog? Nichts anderes als das religiöse Motiv, als der Geist eines Esrah und Jecheskel! Es bildete die Dominante, auf welcher sich das Diapason von Vaterlandsliebe, .Thrannenhaß, Hellenenfeindschaft aufbaute, und dieser Grundton lagerte aus den Seelen all derer, die für die gleiche Sache kämpften: verliert doch in solchen Zeiten der einzelne, mehr noch als sonst im Leben, das rein persönliche Element und eignet sich die Seele der Gesamtheit an. Dann steht er unter dem Prestige der sozialen Ideen und derjenigen Formeln, in welchen diese ihren prägnanten Ausdruck finden. Nun gar eine religiöse Dominante! Ihr eignet von Haus aus der Charakter des Fanatischen, nicht mit dem Verstände Begreifbaren — wie muß gerade sie dazu geeignet sein, eine Masse zu begeistern, wobei es ja bekanntlich nur darauf ankommt, auf die unteren Sphären des Seelenlebens zu wirken. Juda siegt trotz seiner Minderheit über HellaS und bewahrt sich seine eigentümliche Kultur. Welche Schlußfolgerungen erlauben uns nun obige Ausführungen, welche sozialpsychischen Gesetze lassen sich daraus entwickeln? Wie setzt sich die soziale Seele dieser griechischen Kultur zusammen, welche charakterlfttscyen Momente ireien dabei zutage? Damit wir es mit eirem Worte sagen: das damalige Griechentum verhält sich zum zu Matathias. Es mangelt erst« Dominante, an der Klammer, welch: zählbaren Einzelbeziehuugen zusamn große, eine fruchtbringende Kultur dem Griechentum an dem Gegengewicht, das es den Unmengen von äußeren Reizen entgeg logisch gesagt: das Griechentum l Dissoziation. Wie und wann den, in den unteren Schichten des Empfindungen, Gefühlen und Strebm Anzahl in die oberen Sphären des Bewußtseins der sozialen Gemeinschaft sowohl wie der Jndivid die psychischen Kräfte, das Ich, diese :ncht mehr zu verarbeiten und mit dem eigentümlichen Selbst Judentum wie Antiochus ein an der seelischen die ungezählten und unenhalten muß, soll eine entstehen. Es mangelt mzustellen hat. Psycho-, tt damals an seelischer steht eine solche? Von Seelenlebens lagernden solch große i gehoben worden, daß so daß damit die zu psychischer Gesundheit nötige Harmonie zwischen Außenleben und hergestellt werden konnte. Wir können sogar jenen Punkt der griechischen Kultur bezeichnen, an Anfang nahm: es ist diejenige Nicht: sophie und Kunst, die in Sokrate: und in Aristoteles ihren Meister jenes kleinasiatische Aftergriechentui Kultur in sich ausgenommen, sondern Philosophie und Kunst verschrieben. Zivar ist seelische Dissoziation Symptom des Verfalles: sie kann notwendigjbeim llebcrgang von eintreten. Aber wenn sie bereits so ivie damals die Individuen, unaussprechlichsten Pessimismus geti iebeu, nur noch in den ichem dieser Prozeß seinen :ng der griechischen Philouud Euripides ihre Gründer gefuiiden hatte. Endlich, >atte nie wahre griechische ich der nacharistotelischen I wch liicht unbedingt ein und muß auch natur- Kulturstufe zur anderen weit vorgeschritten, daß dein Dasein, extremsten Sinnenreizen friedigung finden, dann ist, ein Verfall unvermeidlich. Es wäre falsch zu behaupten, da; Judentum und Griechentum sich im Prinzip feindlich gegenül c auf die junge griechische Kultur, in der sich doch ein mgeheuer starkes religiöses Moment Ethik, so wurde die griechische Kunst aus dem Schoße der Religion gezeugt. Aber griechische Ki und das damalige Judentum — dal und Jugend, wie Krankheit und Gis Ein merkwürdiges Phänomen Judentum anscheinend heute noch Entwicklung befindet wie vor an ist eben ein Glück für die jüdische frühzeitig die traurige Wanderung hat. Dadurch blieb sie religiös, ur: sie die Einheitsbeziehungen, eine sozialen Psyche. Wenn auch brennende Scheiter zausen, Ströme uns unseren Weg gebahnt durch btt alters, wir blieben jung, wir bliebe zum ©tauueu der ganzen Welt, zu runde. Und wir werden und fütfni unsere Religion verloren haben, Staatswesen gegründet hätten! gr durchtränken imstande Innenleben nicht mehr Askese und Extase Beaus der Geschichte beweist, erstünden. Wir verweisen orfindet. Wie die jüdische!> ltur zur Zeit Antiochus IV. sind Gegensätze wie Alter undheit. es jedoch, daß das ch auf derselben Stufe der m ihernd 2000 Jahren. Es Kultur gewesen, daß sie inrch die Welt angetreten mit der Religion behielt seelische Dominante der Blut düstere Nacht des Mitteln Kinder des Matathias, n Verwundern der Erdenen nur sinken, wenn wir lbst wenn wir ein eigenes