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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-12-25 · Heft 52 (25.12.1908) · p. Seite 618

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 52 (25.12.1908)
Date
1908-12-25
Page
Seite 618 (sequence 8)
Language
German
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Brief sus (1 in Berlin, 1 in Kr Offen), 1 in Berlin, 1 in Schlesien testantifcher Irr de sein . sich über die Gestalten aus der vollbeschäftigt, 2 als Hilfslehrer an den städtischen Real-- „Leopoldstadt" lustig macht, auf denen die Augen des Wiener gymnasialkursen für Mädchen in Frankfurt cn M. und 1 an einer Privatanstalt in Frankfurt en M. tätig. Von den 6 Probanden des vorigen Schuljahres sind 3 als Oberlehrer in Berlin angestellt, 1 in Hessen-Nassau (Kastell vollbeschäftigt, 1 ausgeschieden. Bon den 0 Seminarkandidateu des vorigen Jahrgangs, die nunmehr Probanden geworden sind, war am 1. Mai 1908 je einer in Berlin und in der Provinz Brandenbürg vollbeschäftigt, je 1 in Frankfurt a. M. und Köln a. Rh, stundenweise beschäftigt, 1 Lehrancksassistent in Frankreich und 1 als Hilfslehrer an der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft tätig. Neu hiuzugetreteu sind nur 4 Semiuarkandidaten (Gesamtzahl 791), 2 mit der Lehrbesähiguug in Mathematik und Physik, 1 in neueren Sprachen, 1 in Latein und Griechisch, 3 sind in der Provinz Brandenburg, 1 in Hessen-Nassau. Der letztere ist in Hersseld vollbeschäftigt, von den anderen sind 2 in Berlin stundenweise beschäftigt. Außerdem sind an höheren Mädchenschulen in Berlin 3, in Charlottenburg 1 jüdischer Oberlehrer beschäftigt. Es waren also von den in Berlin an öffentlichen höheren Lehranstalten fest an ge stellten Oberlehrern 36 jüdischen .Glaubens. Wenn die jüdischen Oberlehrer auch kaum so zahlreich sind, wie es dem Verhältnis der jüdischen Bevölkerung Zur Gesamtbevölkerung entspricht, in einem sind sie ihren christlichen Kollegen voraus. Bor kurzem wurde auf Grund des vorjährigen „Kunze" in der „Frankfurter Zeitung" eine Statistik veröffentlicht, wonach ein Rückgang der Doktorpromotionen unter den preußischen Philologen sestgestellt und daraus aus einen Niedergang der idealistischen Denkweise unter den Studierenden geschlossen wurde. Unter den Professoren mit dem Range der Rate 4. Klasse betrug danach der Prozentsatz der Doktoren 46, der Nicht-Doktoren 51, unter den Oberlehrern 43 beziehungsweise 57, unter den anstellungssähigen Kandidaten 35 beziehungsweise 65, unter den Probanden 40 .beziehungsweise 60, unter den Seminarkandidateu 36 beziehungsweise 64. Bei den jüdischen Oberlehrern gehören zur ersten Gruppe 40 beziehungweise 14 (74 Prozent beziehungsweise 26 Prozent), zur zweiten 29 beziehungsweise 11 (72,5 Prozent beziehungsweise 27,5 Prozent), zur dritten 4 beziehungsweise 1 (80 Prozent beziehungsweise 20 Prozent), zur vierten 4 beziehungsweise 2 (66,6 Prozent beziehungsweise 33,3 Prozent), zur letzten 2 beZiehungsweise 2 (je 50 Prozent). M. G. Oberrabbiners mitWohlwollen ruhen können. DaZGesellschaMgemälde — es spielt sich übrigens gar nicht in der Leopoldstadt ab —, das Schnitzler geschaffen, bietet eine Schilderung von Wiener Verhältnissen in getreuester Naturzeichnung dar. und es ist mcht uusereSchuld, wenn die WienerFragen ZuJudeufragen geworden sind; also durchziehen diese alle Lebensverhältniffe der Residenz. Der Judenpunkt ist es, nun. den sich bei uns alles dreht, ich weiß nicht, sollen wir dies mit Stolz oder Bedauern aussprechen. Im übrigen wäre es leicht möglich, gewisse Bemerkungen. über Religion und Konsessionalismns, die Schnitzler seine Personen allssprechen läßt, auch ans andere Bekenntnisse auszudehnen. Wie, gibt es in anderen Konfessionen nicht auch Millionen, die sich von allem, was mit der Religion Zusammenhängt, gänzlich wsgesagt haben, und nur aus einem gewissen Utilitätsprinzip, wenn man hier überhaupt von Prinzipien sprechen kann, der betreffenden Konfession angehören? Schnitzler führt uns in seinem Romane die verschiedenartigsten Erscheinungen im Judentnnw vor, die sich im Lause der Zeiten Mit einer gewissen Naturnotwendigkeit herausgebildet haben: Die Zionisten, die Auch-Juden, die Konfessionslosen, die Gleichgültigen, die sich des Judentums Schämenden und die mit ihm in einer gewissen aufdringlichen Weise Prunkendem Und es erfreute uns, in dieser Naturgeschichte des modernen Judentums Zu lesen, als diese Typen auftraten und agierten, während sich die Wahlen für den Wiener Kultus-Vorstand abspielten. Dies geschah am 22. November nach einer beispiellosen, in der Geschichte der Wiener Kultusgemeinde noch nie dagewesenen Agitation. Zwei Gegensätze bekämpften sich, zwei Parteien standen einander gegenüber mit einem Fanatismus, für welchen der Wiener Boden eine besonders gute Schule zu sein scheint, wenn man sieht, wie hier die Wahlen in die Reichsrats-, Landtags- und Gemeindevertretungen vor sich gehen. Die Juden hatten von den Christlich-SoZialen gelernt. Geschah dies alles aber zum Wohle des Judentums? Diese Frage werden weder die Alten mit ihren vielfach verrosteten Ideen, noch die Jungen, denen ein bewunderungswürdiges Interesse für Moderne jüdische Fragen nicht abgesprochen werden kann, kaum zu bejahen wagen. Doch ein Gutes hat auch dieser Bruderzwist im jüdischen Haufe gezeitigt: Die „Kahalspartei" in der dumpfen Seitenstättengasse, die Partei der Millionäre und derer, die es sein wollen, welche einen vollständigen Sieg davongetragen hat — denn, wann hätte

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