Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1908)
- Date
- 1908-12-25
- Page
- Seite 616 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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eine jüdische Einwanderung gern, weil sie wußten, daß die Inden stets loyale Untertanen gewesen seien. Nicht nur die Regierung, auch das Volk wolle den Juden wohl. In diesem Licht gewännen die jüdischen Paläsiinabestrebungen ein erhöhtes Interesse. Wenn man von jüdischen Palästinabestrebungen spräche, sei dies noch nicht Zionismus. Neben den Ackerbauern, die in großer Zahl in Palästina angesiedelt seien, fände sich eine große Zahl von Leuten in städtischen Berufen. Wenn es gelänge, gewerbliche und Ackerbaubetriebe zu verbinden, io wäre damit unendlich viel erreicht. Man Hütte jetzt in Palästina fünf Filialen der jüdischen Kolonialbank. Diese hätten die gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden geändert. Wie sehr die Bank dort ivirke, gehe aus der Verringerung des Zinsfußes hervor, der bisher zwölf Prozent betrug und jetzt sieben Prozent ausmache. Während der Strom der jüdischen Auswanderung bisher meist nach Amerika ging, könne sie bald in steigendem Maße nach der Türkei abgelenkt werden, die sich zu einem freien Lande entwickele. Zur Begründung des jüdischen Technikums in Haifa übergehend, setzte Redner auseinander, aus dem Gebiete der Technik müßten die Türken, da sie keine eigenen Techniker haben, solche aus anderen Ländern herauziehen. Tabei würden sie stets Juden den Vorzug geben, von deren Loyalität als Untertanen sie überzeugt seien. Nach allem könne man also hoffen, in Palästina eine jüdische Majorität zu schaffen. An der Erreichung diese Zieles mitzuarbeiten, sei nicht nur Sache des Zionismus, sondern aller jüdischen Palästina-Bestrebungen. Die ifpijranftalt für die Wllenlchaft des Judentums. Von Marti, m 22. Oktober 1907 ist das eigene Heim der hiesigen Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Gegenwart des Knltnsministers, vieler Behörden und unter Teilnahme weiter Kreise seiner Bestimmung feierlich übergeben worden. Dieses Fest lenkte den Blick auf frühere Zeiten zurück, da das Institut jeder sicheren Grundlage entbehrte, als die Wissenschaft des Judentums ihre Renaissance anstrebte. Den Entwicklungsgang dieser Hochschule hat aus Anlaß der Einweihung ihrer neuen Wirkungsstätte der Historiker der Anstalt, I. Elbogen, zum Gegenstand einer Festschrift gemacht, die die Borzüge sachlicher Knappheit mit anschaulicher Schilderungskraft verbindet. Sie ist als ein wertvolles Dokument zur Geschichte der Juden im 19. Jahrhundert anzusehen und gestattet einen Rückblick aus die Entfaltung der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums leicht und Wie alle modernen geistigen Bewegungen, die der Masse der eigentlich Interessierten noch fremd sind, so hat auch diese Wissenschaft einen Weg der Entbehrungen und Opfer zurückgelegt. Ihr Ziel ist, die ewigen Wahrheiteu des Judentums, seine monotheistische Schöpferkraft und die sittlichen Werte des Trägers seiner Ideen, des Gottesvolkes Israel durch unbeirrte Forschung der Welt, wie den Juden darznbieten im Vertrauen, daß jede echte Erkenntnis Gutes wirkt, Selbstbesangenheit und Vorurteile überwindet und ausgleicht. Schon hieraus ergibt sich, daß die Wissenschaft des Judentums das notwendige Aequivalent zur christlichen Wissenschaft ist, die an unseren Universitäten gelehrt wird, und für deren Förderung nichts erwünschter sein kann als eine gesonderte „jüdische Fakultät", die die Fragen der Theologie zu ihrem Teile klärt. Aber anderseits konnte ein solches Institut auch für die Judenheit selbst nur Gutes stiften und den vielen durch den gewaltigen Einschlag der Emanzipatn wordenen Rückhalt und eigenes Bewußt Es braucht wohl kaum betont schastliches Streben unter den Juden Islams niemals ausgehört hatte. A Jahrhunderte ununterbrochen philosophis und besonders aus talmudischem G wurde, so galt es jetzt, den brachlieger Wendung moderner Mittel einzuheii Fruchtgewinnung zu verwerteu. zerstreuten Resultate und Einzelarbeiten, Nenbelebung nach wissenschaftlicher D Männern vor, die am 6. Mai 181 arbeiten die „Hochschule für die Wissens glaubensfremd Geein wiedergeben. werden, daß wissen- :it der Entstehung des >er wenn auch zwölf 'ch, exegetisch, historisch ibiete viel gearbeitet den Ertrag durch Anisen und zu neuer Diese Sichtung der ihre Gruppierung und iethode schwebte den nach schwierigen Borchaft des Judentums" begründeten. Nach vergeblichem Ringen vorangegangene Geschlechter fanden sich die besten M schufen, durchdrungen von der zwin geistiger Selbsthilfe der Wissenschaft des Der Stadtrat Moritz Meyer war der erste, der hochherzigen Sinnes für die „Errichtung einer höher-n Wissenschaft des Judentums" eintrat, gewannen die Bestrebungen erst, < Schöpfer der Völkerpsychologie, einer neuen Zeit und Salomon Neumann, Stadtverordneter, ein Vorkämpfer für ihre Kraft in den Dienst der Sache st Bunde wurde Ludwig Philippson, Judenheit, der in seiner „Allgemeiner: Z, itung des Judentuminner zusammen und genden Notwendigkeit Judentums eine Stätte. ehranstalt für die ' llan und Leben aber Moritz Lazarus, der er ganz Großen der Berlins langjähriger Freiheit und Wissen, llten. Der dritte im Ehronist der deutschen ms gekämpft hatte, rffenen und stets für allezeit für die Wissenschaft des Judentr Die von diesen drei Männern gesch die Folgezeit getreulich beachteten Staturen nannten all der Anstalt: „Die Erhaltung, Fortbildung und B>erbreitung des Judentums." Erreicht sollten diese Ziel: werden durch Vorlesungen, Hebungen und Disputation;u über die gesamte Wissenschaft des Judentums. Die Leyn lethvde wurde gemäß den Bahnen freier akademischer Forschui g festgelegt und demnach für die Lehrer der Bildungsgrad de: Universitätsdozenteu, für die Studierenden der Besitz des Reifezeugnisses gefordert. Zudem erstrebte das Statut kein schmollendes Abseitsstehen i der alma mater, sondern möglichst innige Verbindung mit ihr. Denn eine völlige, durch Staatgliederung war trotz alles berechtigten warten, noch zu erhoffen. pchon hieraus ist zu erkennen, woh gesetz festgelegte itrebens nichts'zu sich die eigentlichen Schwierigkesten für das Gedeihen der A rstalt ergaben. Eine Universität aus Privatmitteln zu schaffen gäbe, die heute noch Hamburger Millioi und hier galt es, wenige begüterte I iden zu interessieren, eine dornenvolle Ausgabe, wenn man weiß, daß in den in Betracht kommenden Kreisen nichts s, sehr gilt wie die Autorisation des Staates und nichts me jr stört als ihr Fehlen, daß ferner der vorhandenen Gelehrtensc!>ar gerade aus dem letzten Grunde das beste Schülermat:rial verloren ging, weil die gefährdete Lage einer privaten Bildungsanstalt und die ungewissen Aussichten für einen auskömmlichen Beruf wenig Begeisterung in der Jugen) weckten. Dazu band man mit der „Hochschule" immer Rabbinerseminars, und gerade das sollt galt es, Theologen auszubilden, aber ihr von dogmatischem Zwange erfolgen, Belehrung sollte auf solcher Höhe stehen selbst zu Mehrern der Wissenschaft de; ließ und Studenten aller Fakultäten u: idjedes Bekenntnisses das ist eine Anfiüren schwer fällt, — die Vorstellung eines sie nicht sein. Wohl e Belehrung sollte frei die wissenschaftliche daß sie die Schüler Judentums werden