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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-12-25 · Heft 52 (25.12.1908) · p. Seite 614

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 52 (25.12.1908)
Date
1908-12-25
Page
Seite 614 (sequence 4)
Language
German
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Wohnrecht eingeengt, kurz, jede Aussicht 7 auf Bessern genommen. Und doch liegt in der Ueberzeugung von der Unhaltbarkeit der gegenwärtigen Verhältnisse zugleich auch die Aussicht auf eine sichere'Besserung der Lage in dem großen Zarenreich. Auch Rumänien hat wieder von sich reden gemacht. Obwohl der Antisemitismus in diesem Lande noch immer seine Orgien treibt, ist doch durch das zähe und energische Verhalten wackerer Männer eine der häßlichsten Beschränkungen, der Eid mvre judaico, gefallen. Man erkennt daraus, was die Juden auch in jenem Lande, wenn sie Zusammenhalten und energisch ihr Ziel verfolgen, erreichen könnten. In den übrigen Balkanländern hat sich nur wenig oder gar nichts geändert. Dagegen hat in der Türkei die allgemeine Umwälzung auch auf die Lage der Juden zurückgewirkt. Bis jetzt in erfreulichem Sinne. Die jungtürkische Bewegung, ' an der die Juden sich lebhaft beteiligen, trägt auch ihren Verhältnissen ' Rechnung, und es ist zu hoffen, daß mit dem Erwachen eines neuen Geistes des Fortschritts innerhalb des osmanischen Reiches auch die Lethargie der dortigen Juden schwinden wird. In den außereuropäischen Ländern sind es namentlich Persien und Marokko, in denen die Juden noch immer zu - leiden haben, und wo sie von den allgemeinen Unruhen zumeist immer zuerst betroffen werden. Indes hat der neue Sultan von Marokko nach Antritt der Regierung: doch eine judenfreundliche Haltung eingenommen. Vielleicht ist mit der neuen Aera auch eine Besserung der Lage unserer Glaubensgenossen in jenem Lande zu erwarten. Auf religiösem Gebiete ist ein regeres Interesse bei den Juden aller Länder in erfreulicher Weise wahrzunehmen. Die Sache, der Aufklärung und des Fortschritts auf religiösem Boden ist solidarisch verbunden mit der heiligen Sache der Humanität und der Gerechtigkeit auf bürgerlichem Gebiete. Der Jude kommt in Widerspruch mit sich selbst, der auf bürgerlichem Gebiete-sich des Rechts und der Freiheit erfreuen möchte, während er auf religiösem Gebiete wünscht, daß der Geist der alten Zeit siege. So zeigt sich denn überall ein Sehnen und ein Streben nach Fortschritt. Das Prinzip des Liberalismus und der Reform gelangt überall zum Durchbruch, nachdem solange durch den Kampf gegen den äußeren Feind jeder Fortschritt gehemmt war. Die Hauptsache bleibt aber immer, daß die Einigkeit des Judentums unter den Kümpfen der .verschiedenen religiösen Richtungen nicht leide. Diese muß vor allem gewahrt werden. Erfreulich ist es auch, daß überall, in der neuen wie in der alten Welt, sich unter unseren Brüdern eine rege Tätigkeit, ein würdiges ehrenhaftes Streben zeigt, blühender Wohlstand in den Gemeinden, rüstiges Voranschreiten auf den Bahnen der Kultur, treue Mitarbeit an den Leistungen der Menschheit. Die Judenheit mag in einem Gesamtüberblick auch an der Wende dieses Jahres ihrer lebendigen Jugendkraft, die kein Hinsterben, sondern ein neues Werden ankündigt, sich mit Selbstgefühl erfreuen. Der Abfall zählt doch nur Abfälle; in ihrer Gesamtheit steht die Gemeinde Israels ungebeugt da und rühmt sich der Hingebung ihrer auch in den besseren Tagen, die die Vorsehung heraufgesührt, treuanhänglichen Söhne. In diesem Sinne kann auch das abgelaufene Jahr als eine Etappe auf dem Wege zum religiösen-Fortschritt und zur bürgerlichen Freiheit angesehen werden. Die Mache. ~ Berlin, 23. Dezember. er Zug des Todes hatauch im zu Ende gehenden Jahre eine reiche Zahl unserer besten Männer und Frauen in „das Tal der Schatten" sortgeführt. Wir nennen nach altem Brauch heute nur -deren Namen in treuem Gedenken. Zunächst die Rabbiner Dr. B. Felsenthal-Chicago- I. Wertheimer-Genf,Dr. S. Sternheim-Wien, M. Rosenfel d-Miskolcz, Dr. N. Kronberg-Hermanmiestec, Rasf.^ Tedeschi-Ancona. Dr. Alb. Löwy-London, S. Glaser- Straßbürg, P. Rosenbaum-St. Georgen, Donato Levi- Genua, Dr. I. Blum - Charlottenburg, N. Le py - Altkirch, Dr. M. L. S t ern - Triesch, Dr. S. H. S 0 n n e n s ch e in -Iowa/ Dr. L. Dobschütz-Skotschau, Dr. I. B0orsanger-Chicago, Dr. I. Cylko w -Warschau, Dr. Ph.Sch önb e r ge r - Nordhausen; dieLehrerM.Lilienf eld-Steele,H.Oppenh eim'er-Darmstadt, . I. Eckmann-Nienburg, I. Srnger-S.-A.-Ujhely, M. Katz- Gnesen, Dr. I. Heinemann-Hamburg, E. St ern-Hildesheim, E. Bondi-Pohrlitz, M. Block-Oberhausen, Dr. M. Brunner-Wien; dann die Gelehrten: M. F r i e d m a n n - Wien, Prof. G. Oppert-Berlin, Prof. H. Derenbourg-Paris, I. Steinberg-Wilna, Dr. Ed. Glaser-München, Em. Baumgarten-Wien, Dr. W. v. Landau-Berlin,. Dr. Ad olf Brüll-Frankfurt a. M., M. Bersohn-Warschau, A. G. Henriques-London, Pros. G. Adler-Kiel, Prof. Lessin g- Berlin, Pros. I. Pollak-Rotterdam, Dr. I. Moser-Wien, Prof. M. Guggenheim-Zürich; die Schriftsteller und Künstler: Dr. Ed. Bacher-Wien, Em. Deutsch-München, Leo Berg-Berlin, Ronetti Roman-Jassy, Abr. Goldfaden-New Jork, S. Hirszenberg - Jerusalem, L.Sußmann-Hel lb 0 rn -Berlin; von anderen hervorragenden Männern: die Aerzte Sanitätsrat Dr. Gust. Levy-Straßburg, Generalarzt Dr. Stein-Bayreuth, Geh. Rat Dr. A. Beer-Berlin, Geh. Rat A. Graetzer-Gr.-Strehlitz, Sanitätsrat Hir s ch - Teplitz, Sanitätsrat Jacu si el, Sanitätsrat Guttmann-Berlin, Dr. D. Plaut-Chile, Geh. Sanitätsrat A. Levy-Hagenau, vor allem aber den auf allen Gebieten hervorragenden unvergeßlichen Sanitätsrat Dr. Salvmon Neum ann-Berlin; Männer des öffentlichen Lebens: Stadtrat Magnus-Königsberg i. Pr., Rechtsanwalt Joachim- Berlin, Jacob Philippsohn-Berlin, Kommerzienrat H. Buchholz-Berlin, L. W. Bischoffsheim-Londoi< H. L. Hirschl and -Münster, Louis E d. Sach s -'Berlin, Justizrat G r.ün - Graüdenz, H. Moritz Bernfeld-Buväpest, Justizrat F. Cohn-Glogau, A. de Pinto-Haag, Fr. Reiflinger-Paris- Hosrat. B. Frankl-Wien, General Ad. Meyer-Philadelphia, Kommandant Simon Cook-New Jork, Felix. H'erzfeld- Braunschweig, Charles L. Hall garten, der große Philanthrop, Frankfurt a. M., Fr. Stransky-Meran, Arnold Weiß-Berlin, Graf Emilio Ottolenghi-Aleffändria, Abr. Brodsky-Odessa, I. Nordmann-Lörrach, Dr. L. Brandt- Berlin, Rechtsanwalt Dr. G r u m a ch - Tilsit, Oberamtmann Ludwig Cohn - Berlin, EugenePe reir e - Paris, Kommerzienrat M. Arnhold-Dresden, Gabriel Lindo-London, A. Löwenstein-Witten, M. Nordheimer-Hamburg, Kommandant Js. Levy-Tunis, V. L. Salomon-Adelaide; die Frauen: Frau Z ad 0 c Kah n - Paris, Frau Prof. F. B e rn - stein-Berlin, Frau Geh. Rat Jenny Meyer Sohn-Berlin, Frau Stadtrat Nanny Meyer-Berlin. Das Andenken der Gerechten und Guten bleibt ein Segen!

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