Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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72. Jahrgang. Nr. 51. Cj]5 ff fff fffflfoff.fi flffff t Berlin, 18. Dezember 1908,. Dellsge zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. lkorrrlponden?m und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin/ 13. Dezember. Das Denkmal für Moses Mendelssohn ist am 10. d. M. in dem Vorgarten der jüdischen Knabenschule in der Großen Hamburger Straße aufgestellt worden. Es ist eine Schöpfung des Berliner Bildhauers Rudolf Markuse und besteht aus einem Sockel aus grünem Dolomit, auf dem sich die Bronzebüste des Entschlafenen erhebt. Die Inschrift auf dem Sockel lautet: „Moses Mendelssohn 1729—1786". Die Büste ist vorläufig noch verhüllt, da die schlichte Einweihung erst am 4. Januar, dem 122. Todestage Mendelssohns, erfolgen soll.. s. Berlin, 14. Dezember. Wie jetzt amerikanische Blätter melden, ist der schriftliche Nachlaß von Professor Moriz Steinschneider für das New Uorker Rabbinerseminar erworben worden. Auch die Steinschneidersche Bibliothek hat der berühmte Philanthrop Jakob H. Schiff für das New Aorker Seminar angekauft. Wir können dies nur mit schmerzlichem Bedauern konstatieren. Namentlich der schriftliche Nachlaß Steinschneiders hätte unter allen Umständen in Berlin bleiben müssen. Es ist mehr als bedauerlich, daß alle Versuche, die in dieser Richtung unternommen wurden, erfolglos geblieben sind. s. Berlin, 11. Dezember. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt am 8. d.M. vor einem sehr zahlreich versammelten Auditorium aus den besten--Kreisen unserer Gemeinde Herr Rabbiner Dr. I. Ziegler aus Karlsbad einen sehr interessanten und fesselnden Vortrag über Jesaja und Jeremia. Der Redner ging von der Voraussetzung aus, daß die Propheten Israels zweifellos die Vorstellung von Gott in ihrem Volke außerordentlich vertieft und der Verehrung Gottes jene Form gegeben haben, die für die ganze Menschheit ewig richtunggebend bleiben wird. Es sei von außerordentlichem Interesse zu erforschen,- womit die zwei größten Propheten Judas, Jesaja und Jeremia, aus eigenem beigetragen haben zur Entwicklung der israelitischen Religionsgeschichte, und man dürfe behaupten, daß diese beiden Männer den Grund gelegt haben zur Gottesauffassung des Judentums. Und das gerade durch ihre Gegensätzlichkeit. Jesaja, der Mann von königlicher Herkunft predigt die Erhabenheit, die Hoheit Gottes, der als der Heilige, als die Leuchte Israels auf seinem Fürstenthrone der gerechte Richter ist, der von feinem Volke Recht und Gerechtigkeit, Wissen von Gott und Gottesfurcht fordert. Jesajas Hauptziel sei, die Ethik in der Religion Israels über den Kultus zu stellen. Nachahmung fremder Kulte wurde zwar unter Ahaz versucht, doch mit wenig Erfolg, darum führt Jesaja eigentlich gegen den fremden Kult, den Götzendienst, keinen ernsteren Kampf. — Anders Jeremia. Er lebte zwar unter dem frommen.Josia, aber der Einfluß des götzendienerischen Manasse steckte dem Volke in allen Gliedern. Daher kämpfte Jeremia zwar auch für Recht und Gerechtigkeit, hauptsächlich aber gegen den fremden Kult. Jeremia unterscheide sich von Jesaja vor allem durch die persönliche Färbung der Rede, während Jesaja fast nie persönlich wird. Jeremia trete zu Gott in ein intimeres Verhältnis als Jesaja, er sei ein nach Liebe dürstender Gefühlsmensch und der Prediger der Güte und Gnade Gottes. Und dieser Gegensatz von Hoheit und Naturgüte zeichne eben die Gottesauffassung des Judentums aus, das Gott unvermittelt nebeneinander verehrt als den Heiligen, den König, den Ehrfurcht gebietenden.Herrn und als den langmütigen und verzeihenden Allvater. So wirken diese beiden Propheten im Judentume noch weiteb nach und ihre Namen werden, allezeit dankbar gepriesen werden. Der Vortrag fand allgemeinen und wohlverdienten Beifall. — Aus den auswärtigen Vereinen: In Tilsit hielt Frau Nahmer- Nothmann einen jung-jüdischen Rezitationsabend ab; in Schwetz sprach Dr. Weyl-Könitz über „Das Buch Hiob"; in Straßburg Dr. Nordh eime r-Schwetz über „Das Kaddischgebet"; in Graudenz. Dr. Loewy über „Die Geschichte Israels an der Hand der alten Denkmäler", mit Lichtbildern; in Tuchel Dr. Guttmann-Kulm über „Die Stellung der Frau im jüdischen Altertum", in Schlochau über „Witz und Humor in der jüdischen Literatur", in Könitz über „Manasse ben Israel"; in Lissa Dr. Cohn-Rawitsch über „Die Altertumsfunde im Orient und die Bibel", Oberkantor^Leibow itz- Posen über „Musik im jüdischen Gottesdienste"; in Rakel Peczkowski über „Jüdische Heiterkeit"; in Stettin Geh. Rat Prof. Geiger über „Die Juden und die deutsche Literatur", in Annaberg derselbe über „Berthold Auerbach", in Chemnitz derselbe über „Goethe und die Juden"; in Hamburg Dr. Leimdörfer über „Sara Copia Sullam"; in. Köln Musikdirektor B. Sternberg über „Musikalische. Präludien zur Bibel"; in Göppingen Dr. Tänzer über „Judentum und Kulturentwicklung". 8. Berlin. Die Sitzungen des „Verbandes für jüdische Wohltätigkeitspslege" erfreuen sich gesteigerten Interesses seitens der Gemeindemitglieder. Der Vorsitzende des Verbandes, Justizrat Breslauer, eröffnet auchdiesmalwieder die Delegierten-Versammlung vor überfülltem Auditorium. An den Verband sind jetzt, wie er berichtet, 81 Vereine angeschlossen. Im letzten Jahre sind 10 572 Anfragen eingegangen, 9572 Berichte erstattet; seit Begründung des Verbandes beträgt die Zahl der Anfragen. 162 325, die Zahl der erstatteten Berichte 160 000, Zahlen, die ein glänzendes Zeugnis von der Tätigkeit des Verbandes ablegen. Sodann gibt er Kenntnis, daßdas Stipendienwesenfür jüdische Studierende beiderlei Geschlechts jetzt in zweckmäßiger Weise organisiert worden ist. Die Zentralstelle hat eine besondere Auskunftsstelle für Studierende jeder Art eingerichtet, die unter Leitung des Herrn Assessor Dr. Lamm steht, wo anfragende Stipendiengeber genaue Auskunft über den besonderen Fall erhalten. Auch die Auszahlung der Stipendien ist zentralisiert worden; sie erfolgt vorläufig im Bankhaus Wassermann. Um diese Neuordnung des Stipendienwesens, die dringend erforderlich war, hat sich in hervorragender Weise Dr. Wilhelm Feilchenfeld verdient gemacht. In dem sich daran anschließenden Referat „Statistische Beiträge über die Privatwohltätigkeit innerhalb der jüdischen Gemeinde Groß-Berlin" berichtet Dr. Feilchenfeld, daß in Analogie der amerikanischen Zentralisation der Wohlfahrtspflege er bemüht gewesen ist, ein Zahlen-, material zu schaffen, welches ihn möglichst genau informiert über das, was in der jüdischen Privatwohltätigkeit geleistet wird. Von Vereinen, die Jahresberichte geben, hat man diese zugrunde legen können, bei den anderen Vereinen mußte man Enqueten veranstalten, die mehr oder minder gern beantwortet worden sind. Dank der überaus eifrigen Mitarbeiterschaft von Frau Regina Mosse ist es gelungen, das reiche Material zu sichten. Große Vereine, die ihre Tätigkeit außerhalb Berlins erstrecken und hier nur sogenannte Zwcigbureaus unterhalten, wie Alliance, Hilfsvereine usw. sind nicht dabei in Betracht gezogen, ebensowenig die Gegenseitigkeitsvereine wie „Gesellschaft der Freunde", „Magine Reim" usw. Die Mitgliederzahl der einzelnen Vereine schwankt zwischen 42 und 2910. Bei 20141 Personen konnte festgestellt werden in wie vielen Vereinen sie sind, und zwar 10 000 nur in 1 Verein, 7000 in 2, 1000 in.3, 550 in 4, 352 in 5, 250 in 6, 200 in 7, dann abwärts 110, 100, 82, 59, 62, 40, 43, 31 usw., 12 in 20, 2 in 30, 1 in 40 Vereinen. 5860 Personen zahlen bis 3 Mark Jahresbeitrag, bis 6-Mark 4900, bis 10 Mark 2500, bis 20 Mark 2721, bis 30 Mark 1608, bis 50 Mark 932 Personen, bis 100 Mark 800 Personen, bis 150 Mark 227 Personen, bis 200 Mark 131 Personen, bis 300 Mark 87 Personen, bis. 400 Mark 39 Personen, bis 500 Mark 20 Personen, bis 600 Mark 2 Personen, bis 700 Mark 1 Person, bis 800 Mark 2 Personen, bis 900 Mark 3 Personen, bis 1000 Mark 4.Personen, über 2000 Mark 6 Personen. Die Gesamtsumme der regelmäßigen freiwilligen Jahresbeiträge beträgt für 91 Institute und Vereine 561981 Mark- Im einzelnen schwanken die Jahreseinnahmen-der