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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-12-18 · Heft 51 (18.12.1908) · p. Seite 611

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 51 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
Seite 611 (sequence 15)
Language
German
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UiO^ Und^ in "mir.bleibtes dunkel-doch und ckält: '". Knabe: Mutter, mich friert so sehr im finstern ' sWald! >" >Schammes: Nicht nur der Glaubenslieb' ist , (dieses Fest geweiht. > Hell strahlt die Leuchte der Barmherzigkeit. ^' ' Die dringt mit ihrem freundlich hellen Schein Wohl wärmespendend Dir ins Herze ein. Frau: Barmherzigkeit! Ein Wort voll Schall - " ' - (und Rauch, Nie streifte mich davon'ein'leiser Hauch. ‘ ' Fürwahr, sonst stand' ich hier nicht arm (und bloß, - Ein jeder ist nur gern den Armen los. Ha! Ich erfuhr's, wie hart der Menschen ■ (Sinn, S)ft§ Wort, das sie beherrscht — e§ heißt (Gewinn. '. Schammes: Du Arme glaubst, daß es kein (Mitleid gibt, . Und doch, wie tausendfach wird es geübt. Des Juden Glaube lehrt es groß und schlicht! Die Nächstenliebe ist die höchste Pflicht. Und diese Forderung hält Gott bereit: Er nennt acht Stufen der Barm-' (Herzigkeit. - ' In Zartsinn, Gebefreudigkeit, so streb' Empor der Mensch, bis endlich er sich heb' Zur höchsten Stufe der Vollkommenheit, Zur achten Stufe der Barmherzigkeit. - . O, armes Weib, wie schlecht bist Du belehrt, (die Hände erhebend) Gott, wirke, daß durch (Lieb' sie werd' bekehrt! (Ab.) Kn abe (klagt): O weh, der lichte Knabe uns V (verließ! War es ein Engel aus dem Paradies? Wie hat er doch so. herrlich prophezeit! . Frau (grübelnd): Es gab' acht Stufen der (Barmherzigkeit? . Acht Stufen Edelmut! Welch.' gold'ne Leiter / Fürwahr, dann war' das Leben sonnig, (heiter. Doch so — (sinkt auf dieRasenbank und starrt grübelnd vor sich hin). -' Knabe: Ach Mütterlein, ich bin so matt. Seit vielen Wochen ess' ich mich nicht satt. Warum, warum ist denn so hart mein Los? ' (I. und II. Kind kommen herein, jedes ein ' Stück Kuchen in der Hand; bleiben vor dem Knaben stehen.) II. Kind: Sieh' nur das arme Kind, so matt (und bloß. Wie ihm der Hunger aus den Augen guckt! I. Kind: Die Hand ihm auch schon nach dem (Kuchen zuckt! (zum Knaben) Schäm' Dich, man darf poch (nicht so gierig sein! Knabe: Ach bitte, bitte, nur ein Bröckchen (klein! I. Kind: Na, betteln ist zwar gar kein (feiner Brauch, Da hast Du, (wirft ihm etwas Kuchen zu); (Brot für Dich tät's freilich auch. (Knabe faßt gierig danach und stopft es in den Mund.). II. Kind: O, weißt Du, uns're Mutter böse (war', 5 Säh' sie, wie- Dir das Wohltun fällt so (schwer. Verächtlich wirfst Du hin die Gab' dem ", ' (Kind. Wenn man was gibt, dann tut man's (freundlich, lind! Hier, kleiner Knabe mit dem Hungerblick Komm' her, ich geb' Dir gerne dieses Stück! (Streichelt ihn und. bricht ihm ein Stückchen Kuchen ab.) . III. Kind (auftretend): Schwester, was müssen (meine Augen seh'n! Mit solchem großenKuchen bleibst Du steh'n, ' Hast Hunger sicher nicht die kleinste Spur Und gibst dem Kind solch' kleines Stücklein (nur. Knabe: Du, liebes Mädchen, nimmst Dich (meiner an, D'rum sei nicht bös, siehst Du mich bittend (nah'n. Hunger tut weh', doch auch die Kälte (schmerzt! Bis jetzt lief ich ja barfuß ganz beherzt. Doch seit der Boden gar so feucht im Wald, Erstarren mir zu Eis die Füße bald. Wenn jemand ein paar Schuh mir geben (möcht'! III. Kind: Nun freilich kriegst Du sie! Ich (war' ja schlecht, Wollt' Deine Bitt' ich lassen unerfüllt. (Setzt sich nieder, um die eigenen Schuhe abzustreifen.) Die Mutter lehrt: Man sei nur stets gewillt, Gutes zu tun, und dies mit frohem Sinn. IV. Kind (auftretend): Die Mutter lehrt, es stiegt kein Segen drin, Wenn man erst wartet, bis verschämt und (leis Der Arme bittet um die Gabe heiß. Man erntet sicher doch viel größern Dank, Wenn man nicht zögert mit der Hilfe lang. Die arme Frau, wie fitzt sie starr und trüb! Mich mahnt die inn're Stimme: Gib ihr,gib! (Zur Frau): Hier, liebes Frauchen, Du (scheinst gar so arm, Hier hast Du Geld, kauf Dir ein Tüchlein (warm, Es reicht zu einem Lager auch heut nacht! Geh' dort ins Gasthaus, Dir wird auf- (gemacht. (Bestürzt): O weh, was weinst Du, warum (wirst Du rot? Es war doch Schlimmes nicht, was ich Dir (bot. V. Kind (auftretend): Ach, wie Du ungeschickt (im Geben bist! Weißt Du, man nennt es, daß man Blut (vergießt, . Wenn man dem Armen, daß beschämt er sei, Die Gabe reichet offen hin und frei Und somit kund es tut vor aller Welt: Hier ist ein Armer, welcher was erhält. (Zu den anderen Kindern): Ach, all Ihr (Lieben, kommt mal schnell heran! Hier glotzte mich ein gold'ner Eidechs an, Mit Aeuglein blitzend grün, wie Edelstein Das muß doch wirklich wasBesond'res sein! Wer ihn mir bringt, daß ich ihn seh' genau, Bekommt was Schönes! (Die Kinder unter einander rufend): Da (ist er! Da! Schau! Schau! (Entfernen sich suchend von der Bühne.) V. Kind: Da, liebe, gute-Fraünimm heimliche ' . ' (schnell, Eh: noch die andern wieder sind zur Stellt (nimmt sich ein Tuch von der Schulter)- Ich wickle ganz Dich in die Hülle ein — Ach nichts von Dank/ Du brauchst nicht . \ (dankbar sein. Denn wenn man geben kann, wie groß (das Glück! VI. Kin d (auftretend): Sieh nur, Dir folgt.der (Armen Trauerblick.. Er sagt: das Glück zu geben ist.gar groß, Doch um so schmerzlicher der Armen Los, Die ne h m e n müssen mit gesenktem Aug'. Willst geben Du, dann folg' dem frommen (Brauch, Daß Dich der arme Nehmer gar nicht sieht, Man gibt mit schneller Hand (wirft der Frau über die Schulter Gaben in den (Schoß) und man entflieht! VII. Kind (tritt aus, ein gefülltes Körbchen ' am Arm): Im Herzen ist's hell, ob's draußen bald (Nacht! Wie fühlt meine Seele die zwingende Macht Zu helfen, zu geben, wo Sorge und Pein! Doch unser Mütterlein schärfte mir ein: Unfern Vätern in Zion war's heilige Pflicht, Wenn sie Wohltaten spendeten, kannten (sie nicht DieArmen, und blieben auch diesen fremd, Daß ihnen Beschämung die Freude nie (hemmt. Einen Saal der Zionstempel drum wies, Den man den Saal der Geheimnisse hieß, Dort legte der Edle mit frommem Sinn Für Arme und Kranke die Gaben hin; Und wer sie brauchte, der holte sie nur. Hier steh ich, im Tempel der Mutter Natur, (legt Gaben auf einen Baumstumpf). Hier leg' ich hin! Stärkung und Geld und (Geschmeid: Ich fühl' es, ein Armer ist gar nicht weit — Bald sieht er den Tisch, den ihm Liebe (geschmückt! O Glück, wer and're heimlich beglückt! (Ab.) Frau: Ist das derselbe Wald, der widerklang Vor Stunden noch von meinem Klagesang? . Wie darf ich klagen noch, da traut' und lieb' Barmherzigkeit um mich ihr Wesen trieb. — (Sinnend) In warme Tücher hüllten sie (mich ein, . Den Hunger stillten sie dem Knaben mein. Die lieben Gaben füllen mir den Schoß, Und jeder hatt' das edle Streben bloß, Noch besser stets zu handeln als der (and're — Knabe (hat die Sachen vom Baumstumpf zusammengerafft): Nun können froh wir sein, auf, Mutter, (wandre! Nun gibt's heut abend warmes Nachtquartier. Frau: O Gott, mit tausend Fesseln hält's (mich hier; Des Guten bin ich, ach, zu sehr entwöhnt, Zu oft ward ich getreten und gehöhnt, - Ich bin zu zaghaft, war zu lange Knecht! Ich find' ins Leben mich nicht mehr zurecht. (Birgt schluchzend ihr Gesicht in die Hände:)

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