Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- Seite 610 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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M :; Wh K- M diesem' 'heftigen'' Streike " erholte? sich'' Repetur -einigermäßet und machte mir irgendwelche Konzessionen: er willigte-ein, den „Staat" zu bewahren/ er behärrte nicht mehr auf der- Republik, und im allgemeinen entwickelte er nicht eine große Unbeugsamkeit in betreff Politischer Programme. Aber die ganze Zeit stritt er so 'heftig, mit einer solchen großen Leidenschaft, daß er seine Erzählung gänzlich vergaß. Und erst, nachdem wir schließlich mit ihm über die Konstitution übereinstimmten und die jüdische Gleichstellung und das „Wohnrecht" genau erläuterten, setzte er sich an seinen Arbeitstisch nieder und wischte sich den Schweiß von seiner Stirne weg. — „Sie fragenwomit endigte meine Gefängnishast"?; - Eines schönen Tages trat der Aufseher herein und sagte: „Gehen Sie. — Gehen Sie!" „ Was heißt: Gehen Sie? — Wohin soll ich gehen?" '„Wohin Sie wünschen, Sie sind schon, frei." — „Wieso! schon!" — „Ja, schon." „Und das Verhör?" — „Das ist'nicht mehr nötig." — „Nicht mehr nötig?" — „Gewiß." — „Und der Staatsanwalt ebenfalls nicht mehr nötig?" — „Gewiß." — „Und die Gendarmen ebenfalls nicht?" „Gewiß" — „Aber zu welchem Zweck hielten Sie mich fest? Welchem . Teufel habe ich es zu verdanken, daß Sie ihr „schon" erst nach einem Monat machten?" — „Und, wie Sie sehen, nachdem ich vier Wochen unschuldigerweise im Gefängnis saß und mehr als hundert Rubel aus die Bestellungen verlor, so kam ich endlich, wie der Schnee auf dem Kopfe, nach Hause. Und auch zu Hause hörte ich wiederum dasselbe Wort, dieses „schon". — „Wie, schon?" - „Ja, gewiß." - „So hat schließlich diese Räuberei ein Ende genommen?" ' Ja, endlich! 7- „Nun, ist es verständlich? -Zu Hause,/wie ich - heirnkaür, .dcrA. - hat die Familie . . . Mein, Gott! was ging hier vHs . Strafe mich. Gott,- es .ist - angenehm, 'sichdaran zu. erinnern.^ . Die Kinder, die Frau, die Lehrlinge, sie alle, sie stiebest müK/ . einander; alle schrien, alle küßten sich. — „Unser Täubchen,, unser lieber, goldener. Papa" . . . Ach, bei Gott, - eine-solche/ Freude, ein solcher Lärm: „Teueres, .diamantenes, goldenes." - Väterchen!" . . . Repeturs ganzes Gesicht strahlte von-einem , lieben, freundlichen Lächeln, als er„von seiner. Familie sprach.- ' Man sah es ihm an, daß hier eine lebendige, tiefe/mächtige ' Liebe zu seinem Heim brannte, zu seinen Kindern — jene - Liebe, die die jüdischen Familie gesund und einträchtig'zusammenhält. „Ja, wissen. Sie, das war eine Freude! ... Bei Gott, . zwei Tage lang gingen wir wie berauscht herum . . . Nur gestern zeigten sich einige wenige Wölkchen, als man mich > zum Polizeimeister forderte. Uebrigens alles ging glatt von-: statten — man rief michbloß, mir meinen Paßzurückzugeben. Aber, Sie wissen doch, daß, wenn der Polizeimeiste.r einen Juden, zu sich ruft, so ist es unmöglich, nicht hinzugehen.. . .c Jedoch alles ging in sehr befriedigender Weise vorüber; man empfing mich so, daß ich mich sogar wunderte: die Höflichkeit, die Liebenswürdigkeit, der Edelsinn . .. —7 „Entschuldigen Sie, Herr Repetur, es war eine kleine Konfusion . . ." Und dabei wissen Sie kein Geschrei, kein Lärm — nichts! Bei Gott, ein solcher Anstand, eine solche Höflichkeit . . „Entschuldigen Sie Herr Repetur, es war ein kleines Mißverständnis! . . : Die goldene Stufenleiter der Warmberzigkeil. Ein Chanukafestspiel. Von Rosi Graetzer-Gr.-Strehlitz. Personen! Eine arme Frau. Ihr kleiner Sohn, Schammes. I. Kind II. „ 1H. „ IV. V. „ VI. „ VII. „ VIII. „ Die Kinder der Barmherzigkeit. Ort der Handlung: Wald. Im Hintergrund eine Nasenbank, rechts vorn ein Baumstumpf oder großer Stein. (Arme Frau und ihr Knabe treten auf.) Knabe: Sag Mütterlein, sind wir noch nicht (am Ziel? Frau: Ach Kind, ich bitte Dich, frag' nicht [fo viel. Grau liegt der Weg, den wir gewandert sind Knabe: Und hier durchbläst mein Hemd ein skalier Wind. Der Hunger plagt mich! Nur ein Stückchen (Brot. Frau: Wart nur, mein Kind, bald leidst (Du keine Not. Siehst Du des Sees Spiegel! Wie er blinkt! Dort ist's, wo Frieden, Ruhe, Glück uns (winkt!' Knabe: Was soll das Wasser uns, so kalt (und klar? (ängstlich) Ach Mütterlein/sprich nicht so (sonderbar! Ich möchte heim! Es ist doch schon so spät! Der Leuchter mit den Weihelichtern steht Vielleicht schon auf dem Tisch! Ich zünd (ihn an, Dann hast Du, Mutter, Deine Freude dran. Frau: Ich Freude! Welcher Hohn in (meinem Schmerz! Das Leid der Meinen bricht mir ja das Herz. Nur Peinund Kummer birgt das Judentum. Weh' mir, weh' Dir — Kn abe (aufschluchzend): Ach Mutter! Scham mes (weiß gekleidetes Kind mit einem goldnen Stirnreif, ein Laternchen vorgeschnallt): . Gott sei Preis und Ruhm, . Der wiederum mich rief heut aus demNichts, Zu künden seinen Sieg im Schein des Lichts! . In Wintexstage, trüb und hoffnungsarm. Fällt das Chanukalicht, so hell, so warm, Und heißen Danks ist meine Seele voll, Daß ich der Schammes, der es zünden soll. Knabe (flehend): Ach lieber. schönerHimmels-' (bote Du, Hilf doch der Mutter! Ohne Rast und Ruh' Wankt sie mit mir verstört durch Wald : - - (und Held, Frau: Weh' mir, daß ich noch leb' auf dieser (Welt! Wo ist der Gott, der einst uns Glück verhieß, Ist es derselbe Gott, der uns verstieß? Das aus erwählte Volk! Fürwähr ein (Hohn! Geknechtet und gedrückt in schwerer Fron! Sch amwes: Unglückliche Verzweiflung aus-. ' (Dir schreit! Frau: Ich schrei' das Lied von meines > (Volkes Leid! „ Von Rußland, dessen Flur gedüngt mit Blut Da man uns. raubte unser Hab und Gut, Komm ich daher — der Mann, zwei Kmder (tot —. Ich. selbst, seit damals, leb' in bittrer Not, Nun end'ich sie. ich bin des Kampfes müd'. Knabe: Ach, Mütterlein, Dein Aug' voll (Unheil glüht! Schammes: Des Kamp fes müd'! Frau, denke, (was Du sprichst!. Des Kampfes müd'? Heut an dem Tag des > . (Lichts-! Des Lichtes, das uns stets ermahnen-soll, - Wie unsre Ahnen, hohen Mutes voll,' ' Trotz starken Druckes von der Syrer Hand/ In Glaubensliebe endlich, sich ermannt Und — durch Makkabi's edlen 'Geist vereint , Nach heißemKainpf besiegt den starken Feind. Fr a u: Was nützet mir das Licht von dazumal? Bei seinem Schein sah. hell ich meine Qustl!