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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-12-18 · Heft 51 (18.12.1908) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 51 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
Seite 606 (sequence 10)
Language
German
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" ^^^3cr3eit^pr‘fJörogiit Meg'Mr Aüö^Me ,., Feinde \ befand ': sich" "bte um Gewissensfreiheit: tfrtb * nationale Unabhängigkeit kämpfende Heldenschar in.großer Bedrängnis.. Die Männer hielten.sich in den Wäldern und''in den Bergschluchten versteckt Und konnten das Sukköt-Feft -nicht nach. Vorschrift feiern. Dieses Fest dauert bekanntlich acht Tage, und in alten Zeiten wurde es in Jerusalem -durch eine glänzende Illumination des Tempels und der ganzen Stadt gefeiert. In der.Mischna (Snkka V) wird dieses Volksfest folgender- ' maßen beschrieben: „Wer das Fest des illuminierten Tempelsnicht mit erlebt hat, hat niemals ein herrliches Volksfest gesehen. Am ersten Tag des Sukkot-Festes abends begab man sich in die Frauenabteilung des Tempels, ' wo. große Vorbereitungen getroffen waren. Es waren da. goldene Leuchter mit je vier Lämpchen ausgestellt, zu jedem der Leuchter führten vier Stiegen, auf denen Priesterknaben standen, um stets die Lämpchen neu mit Oel zu füllen; sie hatten bei sich Oelkrüge, die mit 120 Lug Oel gefüllt waren. Es war kein Haus in Jerusalem, welches nicht wie der Tempel hell erleuchtet gewesen wäre. Fromme Männer führten ^vordem Tempel einen Fackeltanz auf, wobei sie unter. Musikbegleitung der, Leviten Psalmen sangen" . . . Es ist natürlich, daß'das Sukkot-Fest während der Kriegsnot in solcher Weise nicht gefeiert werden konnte. Dessen erinnerten sich die Freiheitskämpfer, als sie den herrlichen Sieg über die Feinde erfochten hatten, „und voller Freude hielten sie eine achttägige Feier gleich einem Laubhüttenfeste, dessen eingedenk, wie sie noch vor kurzem während des Laubhüttenfestes auf den Bergen und in den Höhlen gleich wilden Tieren ihr Leben fristeten. Darum trugen sie mit Laub umwundene Stäbe und schöne Reiser, auch Palmenzweige, und stimmten dem zu Ehren Loblieder an, der die Reinigung des ihm geheiligten Ortes hatte gelingen lassen." Es war also ein nachträgliches Laubhüttensest von achttägiger Dauer und mit der gebräuchlichen Illumination, das die Sieger am 25. Kislev feierten und das von nun an um diese Zeit alljählich gefeiert werden sollte. So erklärt es sich auch ungezwungen, daß in dem einen Sendschreiben der palästinischen Juden an. die ägyptischen Glaubensgenossen, in welchen diese zur Feier des Chanuka-Festes aufgefordert werden (2. Makkabäerbuch 1,9) gesagt wird: „So feiert denn nun die Tage des Laubhüttenfestes im Monat Kislev." Es ist überflüssig, auf die Hypothese Wellhausens (Israelitische und jüdische Geschichte, 2. Auflage, Seite 245) einzugehen, der das Ehanuka-Fest auf eine bei den alten .Syrern üblich gewesene und später von den Juden übernommene, nachträglich „judaisierte", Feier der Wintersonnenwende, die mit Lichtern und grünen Zweigen begangen wurde, zurücksühren wollte. Ein solches Fest ist im. Judentum auch aus der vorgeschichtlichen Zeit nicht bekannt. Auch liegt gar kein Grund Vor, eine derartige gezwungene Deutung der Begründung des Festes zu geben, wo die Dinge so klar liegen. Daß einmal im 1. Makkabäerbuch (1, 54) der 15. Kislev als der Tag der Entweihung des Tempels, auf dem auch genau nach drei Jahren die Wiederherstellung des Opferdienstes fiel, angegeben wird, ist gar nicht „merkwürdig", wie Wellhausen : meint, sondern ein einfacher Kopistenfehler, was aus dem Zusammenhang deutlich hervorgeht. Entgegen der früheren Beurteilung der beiden Makkabäerbücher, wonach das erste wegen seiner Form, seiner Sprache und seines Inhalts als geschichtlich glaubwürdig, das' zweite aber als Legendenbuch, das mit sich selbst oft in Widerspruch gerät, als unzuverlässig erklärt wurde, hat sich in neuerer Zeit das Bestreben geltend gemacht, das zweite vorzuziehen. Nachdem .Niesein - seiner Abhandlung? „Kritik der beiden Makkabäerbücher" (1900) diesen Weg beschritten hatte, ist ihm-jetzt-Wellhausen in der neuesten Auflage desoben genannten Geschichtswerkes - darin gefolgt. ‘ Ich - muß es mir -hier versagen, alle Punkte dieser wichtigen Frage ein-? gehend zu erörtern. So viel aber darf hier bemerkt werden, - daß sich bezüglich; der Abfassungszeit des zweiten Makka.bäerbuches die besonnene Annahme Schürers („Geschichte des jüdischen Volkes" nsw. III., 360): am besten empfiehlt, wonach das Buch unabhängig vom ersten Makkabäerbuch in ziemlich früher Zeit entstanden ist. Wenn es auch als Geschichtsquelle- - insbesondere, wo es mit dem ersten Makkabäerbuche in Widerspruch steht, nicht zu gebrauchen ist/ so schließt dies doch nicht aus, daß es zuweilen zuverlässige Nachrichten enthält. Dies giltzweifellos auch bezüglich der harmlosen Mitteilung über die Einführung der Chanuka-Feier.? > Gedanken einesLaien über dssIudrntum. Veröffentlicht von Dr. I. Ziegler-Karlsbad. / . IV. Der Sabbat. heoretiker leiden gewöhnlich an einem großen, oft verhängnisvollen Fehler: sie tragen dem praktischen Leben keine Rechnung und wollen sich auch nicht eines Bessernde-, lehren lassen. Vor nicht langer Zeit erzählte mir ein Freund folgenden Vorfall: Am letzten Versöhnungstage saß: er andachtsvoll im Gotteshause Und lauschte den Ausführungen des jungen Predigers, der über den Sabbat eine Rede hielt: Der. Rabbiner ermahnte die Gemeinde, sich, am Sabbat jeder Arbeit zu enthalten, strengstens alle Sabbatsatzungen zu beobachten, Gott werde schon für das doppelte Manna sorgen. Wie der Prediger dies sagte, stieß ihn, den Zuhörer, sein Nachbar an und flüsterte ihm zu: „Wenn unser Herr Rabbiner zufällig, am Sonnabend fällige Wechsel zu begleichen hätte, ich wäre neugierig, was er da täte." An diese Geschichte dachte ich, als ich mir die Frage vorlegte, ob überhaupt eine Sabbatweihe ohne Sabbatruhe möglich sei. Ich habe nicht über diese Frage nachgedacht, ich habe nicht theoretisiert, nicht Bibel und Talmud und Dezisoren aufgeschlagen, sondern das Buch des Lebens. Ich bin hinabgestiegen zu den kleinen jüdischen Kaufleuten-zu den Gewerbetreibenden und Angestellten, und habe mich überzeugt, daß ohne Ruhe eine Weihe unmöglich sei. Unmöglich, wenn wir unter Sabbatweihe verstehen, an ein.em Tage der Woche sich loslösen von allem Irdischen und ausschließlich seinem innersten Seelenleben, der Religion sich widmen. Und dazu diene uns tatsächlich der Sabbat: „ein Ruhetag, dem Herrn geweiht" (Ex. 20/10). Der religiöse Genius Israels hat keine köstlichere Gabe hervoch -gebracht, er ist seine erhabenste, idealste Schöpfung. Die - Sabbatidee preisgeben, hieße dem Judentume die Krone vom Haupte reißen, hieße unsere Religionsgeschichte um ihr glänzendstes Diadem bringen. Da jedoch eine Weihe, ohne Ruhe undenkbar ist, müssen wir nach-Mitteln sinnen zur Erhaltung der Sabbatruhe und -Weihe. Drei Wege sind uns dazu offen: 1. der des moralischen Selbstzwanges, .selbst unter den größten Opfern Sabbat zu halten; 2. die Verlegung der Sabbatidee auf den Sonntag; 3. die. Einschränkung der Säbbatweihe auf einige Stunden des Tages. .?

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