Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 69 (1905)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1905)
- Date
- 1905-12-29
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3228636-3228689--62278-3277278- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Bestrebungen richten sich zum größten Teil auf die Krankenpflege von Frauen, Kindern und Wöchnerinnen. Die Mittel werden durch jährliche Beiträge und Spenden herbeigeschafft; sie reichen aber nicht aus, wenn nicht der Ertrag der alle zwei Jahre sich wiederholenden Vereinsfeste hinzukoinmt. So darf auch in diesem Jahre trotz der großen russischen Not der Ertrag vom Feste nicht fehlen, da es sanft unmöglich ist, die vielen Bittgesuche zu erhören. „Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe" wird schon fleißig das Fest vorbereitet. Große Gaben sind von der Posener jüdischen Gemeinde an die unglücklichen'Brüder nach dem Osten gesendet worden, aber das Elend der Heimat darf nicht vergessen werden, und so wird die Linke nicht wissen, was die Rechte gegeben hat und das Vereinsfest für unsere Posener Armen von reichem Segen werden. 88. Breslau, 21. Dezember. Tie Ende vorigen Monats unter Vorsitz des Professors Tr. Badt Hierselbst abgehaltene Versammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen hatte sich eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen, ein Beweis von dem großen Interesse, welches die jüdische Lehrerschaft den Bestrebungen dieser Vereinigung jetzt entgegenbringt. Der Besuch wäre noch ein größerer gewesen, wenn nicht zahlreiche Kollegen teils durch Amtspflichten, teils durch Familienverhältnisse am Erscheinen verhindert waren'. Sehr bedauert wurde dabei die Abwesenheit von Herrn Rabbiner Dr. Guttmann, der durch einen Trauevfall in der Familie der Versammlung fern bleiben mußte. Anwesend waren als Gäste der Vertreter des Ausschusses des Verbandes jüdischer Lehrervereine im deutschen Reiche, Steinhardt-Magdeburg/ und die Herren Dozenten des' jüdisch-theologischen Seminars, Seminarrabbiner Professor Dr. Lewh und Dr. Braun. In der einleitenden Rede begrüßte der Vorsitzende die Gäste mit besonders herzlichen Worten und wies auf die uneigennützige, aufopfernde Tätigkeit der Herren Dozenten bei Einrichtung des Ferienkursus in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer hin und sprach ihnen nochmals den Dank an dieser Stätte aus. Wenn anderwärts jetzt ebensolche Einrichtungen geschaffen und als Notwendigkeit anerkannt würden, so habe die Breslauer Gemeinde und ihre Vertreter als nachahmenswertes Beispiel vorangeleuchtet. Außer dem geschäftlichen Teil wurde das Thema „Die Notwendigkeit der uiethodischen Umgestaltung des hebräischen Unterrichtes" von Hamburger-Brieg in einem längeren Referate in sachgemäßer Weise behandelt. Die Beschlußfassung über die vom Referenten aufgestellten Thesen wurde dem Vorstande zur weiteren Redigierung überlassen mit dem gleichzeitigen Ersuchen, der nächsten Generalversammlung darüber Bericht zu erstatten. Herr Dozent Dr. Brann referierte alsdann in klarer, sachlicher und eingehender Art über den letzten Delegiertentag in Kassel, namentlich über die Frage der Inspektion des Religionsunterrichtes. Einen breiten Raum nahm alsdann ein das von Herrn Rabbiner Dr. Kaatz-Zabrze .einige Tage vorher angemeldete, in der Versammlung gehaltene Referat: „Der Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich" und die Debatte' darüber, die im allgemeinen eine Auseinandersetzung zwischen dem Referenten und dem Vertreter des Lehrerverbandes, Steinhardt-Magdeburg war. Herr Rabbiner Dr. Kaatz hatte zwei Anträge gestellt und zwar einen des Inhalts, daß man Mitglied des Vereins bleiben könne, ohne gleichzeitig Mitglied des Verbandes zu sein. Dem Vorstande wurde von der Versammlung überlassen, einen geeigneten Modus darüber zu treffen. Von allgemeiner Bedeutung dürfte der Beschluß der Versammlung wohl sein, eine Bibliothek zu gründen, pädagogischen, besonders religionswissenschaftlichen Inhalts. Tie Bibliothek soll gleichzeitig eine Sammelstelle sein für alle Werke, die auf denl Gebiete des Religionsunterrichts bisher erschienen sind. Durch diese Einrichtung hoffen wir. daß es den Kollegen in den kleinen Plätzen namentlich, die nicht in der materiellen Lage sind, teure Werke sich anzuschaffen, auch zu Hause möglich sein wird, ihre Fortbildung weiter zu betreiben. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß es mit der Zeit gelingen wird, diese Einrichtung, von der wir voll und ganz überzeugt sind, daß sie von großem Segen für die jüdischen Lehrer wird, so auszugestalten, damit auch die Kollegen anderer Vereine davon Nutzen ziehen können. Allerdings müßten die Lehrer selbst ihr Interesse für die Sache durch Zuweisung von Werken bekunden, oder andere veranlassen, dies zu tun. Dem gleichen Zwecke der Fortbildung dient auch der von der Versammlung angenommene Antrag Moops-Bähr. daßder^Verern als solcher der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des JudentumsVertrete. Dadurch soll den Mitgliedern des Vereins die Möglichkeit geboten werden, gegen eine Ermäßigung des Beitrages die Publikationen der Gesellschaft, wie Monatsschrift und Jahrbuch, und ferner Werke für den allgemein üblichen Preis sich zu beschaffen. Wir hoffen dabei auf freundliche Annahmeunseres Antrages von seiten des Vorstandes der.Gesellschaft. Wünschenswert wäre es, wenn auch andere Vereine diesen Beschluß faßten, sie nützen dadurch der Gesellschaft, gleichzeitig aber auch den Kollegen selbst. In der Versammlung wurde ferner die Errichtung von Äuskunfsstellen beschlossen. Der vom Kollegen Böhr gestellte Antrag, daß in die Verbaudsstatuteu der Zusatz ausgenommen werde: „Vorträge und Erörterungen, die geeignet sind, das religiöse Gefühl zu verletzen, sind unzulässig", fand keine Majorität der Stimmen. Der größere Teil der Versammlung ließ sich bei -er Abstimmung mit Recht von der Ansicht leiten, daß der Vorstand eines Verbandes jüdischer Lehrer sicherlich nichts tun und bestimmen werde, was gegen das religiöse Gefühl verstoße. Wegen der vorgerückten Zeit entfiel auch das Referat von Kollegen Bätzr-Waldenburg: „Ueber das Gebet." Wir hoffen und wünschen, daß unser lieber Kollege in der nächsten Generalversammlung seine gewiß fleißige und durchdachte Arbeit zum Vortrage bringen wird. Um 8:Y4 Uhr Abends endete die arbeitsreiche Sitzung, nachdem Kollege Boß-Breslau dem verdienstvollen Vorsitzenden Professor Dr. Badt für die umsichtige Leitung der Geschäfte den Dank der Versammlung abgestattet hatte. s. Nordhauser», 18. Dezember. Es ist schon eine ziemlich lange Zeit verstrichen, seitdem ich Ihnen einen Bericht aus unserer Gemeinde zukommen ließ. An Material hatte es wahrlich nicht gefehlt, denn Nordhausen ist bekanntlich eine Gemeinde, die alle großen Fragen, die das moderne Judentum bewegen, ventiliert und zu denselben Stellung nimmt, aber die überaus traurigen Ereignisse der letzten Wochen, welche die ganze zivilisierte Welt in Aufregung versetzten, haben die lokalen Geschehnisse einer Gemeinde fast ganz in den Hintergrund gedrängt. Heute aber will ich meine Referenten- , pflichten wieder aufnehmen und Ihnen manches aus unserer Gemeinde berichten. Vor allem die eine Mitteilung, daß auch hier ein Zweigverein des „Hilssvereins der deutschen Juden" gegründet wurde. Aus Einladung des Vorsitzenden unseres Gemeindevorstandes, Herrn A. Eisner, kam Herr Siegmund Bergel-Berlin nach hier, um in unserem Verein für jüdische Geschichte und Literatur zunächst vor einer zahlreichen Zuhörerschaft einen Bericht über den Zweck und die bisherige Tätigkeit des Hilssvereins zu geben. ' Hierauf schilderte der Redner in ergreifenden Worten die Lage der Juden in Rußland. Zum Schluß seines mit großem Beifall aufgenommenen Vortrags gab Redner der Hoffnung Ausdruck, daß sich unter Wittes Regiment die Lage der russischen Juden allmählich besser gestalten werde. Aus Anregung des Herrn A. Eisner wurde nun die Gründung eines Zweigvereins beschlossen und auch sofort ein Lokalkomitee konstituiert. Bis jetzt zählt derselbe fast 60 Mitglieder, die sich zum Teil aus unseren Nachbargenwinden Bleicherode und Sondershausen zusarnmensetzen. — Auch ein interkonfessionell es Hilfskomitee für die Opfer der Metzeleien in Rußland hat sich hier unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Contay gebildet. Der Aufruf ist von Persönlichkeiten aller Bekenntnisse und politischen Richtungen unterzeichnet. — Am 22. d. M. feierte unser Rabbiner Herr Dr. Schönberger sein 25jähriges Amtsjubiläum. Eine Deputation unserer Gemeindeverwaltung, sowie eine Abordnung unserer Wohltätigkertsanstalten und sonstiger Vereine überbrachten dem Jubilar Glückwünsche. Der Vorsitzende unseres Gemeindevorstandes, Herr A. Eisner, überreichte dem Gefeierten eine Ehrengabe unserer Gemeinde. Aufmerksamkeiten mannigfacher Art vonseiten vieler Gemeindemitglieder erfreuten den Jubilar im Laufe des Tages; ein Beweis für die allgemeine Wertschätzung unsers Rabbiners. — Nach langer Pause wird wieder der Gottesdienst in unserer Synagoge abgehalten. Dieselbe wurde neu renoviert und ist nicht nur eine Zierde für unsere Gemeinde, sondern auch eine Sehenswürdigkeit unserer Stadt geworden. m. Vom Rhein, im Dezember. Das Schiedsgericht in Köln hat sein Urteil in der Orgelfrage abgegeben, und Köln erhält endlich auch eine Orgel. Die unterlegene Partei, die Vertreterin der Ortho-